Outdoor 2011 – Impressionen von der Messe aus Friedrichshafen

890 Aussteller – 20 mehr als im vergangenen Jahr – aus 38 Ländern sorgen für einen neuen Austellerrekord auf der nunmehr 18. Outdoor. Draussen unterwegs zu sein ist “in” – um immer auf dem Laufenden zu bleiben, ist der Besuch auf Europas größter Messe für Bekleidung und Ausrüstung (fast schon) ein Muss. Nirgendwo sonst trifft man auf die geballte Kompetenz der führenden Marken und kann so einen Überblick bekommen. Und vielleicht gibt es ja doch noch den einen oder anderen Geheimtipp.

Am Donnerstag startete die Leitmesse für Outdoorbekleidung und -ausrüstung und zu sehen ist (fast) alles, was ab Februar 2012 im Handel erhältlich sein wird. Auf 85.000 qm Ausstellungsfläche werden mehr als 150 Weltneuheiten vorgestellt, die von Textilien über Schuhinnovationen bis hinzu multifunktionaler Ausrüstung für große und kleine Naturfreunde reichen.

Im Textilbereich heißt es einmal mehr: Mut zur Farbe – und das gilt auch für Männer! :-) In der Vergangenheit lief die Outdoorbranche Modetrends auch gern mal hinterher. Man bekam Farbvariationen in Kollektionen auf der Messe vorgelegt, die vor zwei Jahren aktuell waren. Nun zeigt sich einmal mehr in Friedrichshafen, das durch die gelungene Kombination aus Funktion und Ästhetik die Outdoor-Bekleidung durchaus auch zum Trendsetter geworden ist. Die Funktionssachen haben den Alltag erreicht und lässige Optik oder Understatment in der Bekleidung stehen auch abseits der Berge hoch im Kurs und werden verstärkt nachgefragt. Neben der Wasserdichte von Funktionstextilien gehören das Feuchtigskeitsmanagment der Textilien bei schweißtreibenden Aktivitäten, Geruchs- und UV- und Moskitoschutz zu den am meisten diskutierten Themen in der Bekleidung.

Im Ausrüstungsbereich stehen Schuhe, Schlafsäcke und Zelte im Fokus bei den Herstellern – gerade bei den mobilen Behausungen zeichnen sich fürs kommende Jahr viele Veränderungen ab. Neben Innovationen bei den arrivierten Zeltherstellern drängen auch (noch) Außenseiter mit aussergewöhnlichen Ideen und Ansätzen auf den Markt. Ein Beispiel dafür ist die amerikanische Firma Nemo (unter Kletterern durchaus schon bekannt), die einen komplett neuen Weg gegangen ist, in dem sie in einer ihrer Zeltreihen statt mit herkömmlichen Gestänge mit Luftröhren arbeitet – die Pumpe wird beim Zelt mitgeliefert. Seit 2003 experimentieren sie damit und sind in diesem Jahr erstmals auf der  Outdoor auch mit anderen interesannten Zeltkonstruktionen vertreten. In der “Zeltstadt” hier auf dem Messegelände konnten wir uns von der doch erstaunlichen Stabilität dieser Zelte (bei entsprechender Abspannung) überzeugen. Auch die Jungs von Mountain Safety Research (MSR) machen ihrem Namen alle Ehre und können mit ihrer Weiterentwicklung und Erweiterung der Neo-Air-Range (Outdoor-Award) bis hin zu einer Vier-Jahreszeitenmatte, mit ihrer Weiterentwicklung beim Kocher Whisperlite, der ab kommenden Jahr auch mit Gaskartuschen betrieben werden kann bis hin zu kleinen, aber feinen Neuerungen bei Abspannleinen, Heringen und Zeltlicht gut punkten und rücken damit wieder verstärkt in den Fokus. Darüberhinaus bleibt auch im kommenden Jahr bei den Ausrüstern das Thema “Leichtgewicht” als Trend im Ausrüstungsbereich erhalten (leider immer noch zu Lasten der Langlebigkeit). Denn es wird auch 2012 den nebenher laufenden Trekkingrucksack oder gar den batteriebetriebenen Motorantrieb in Schuhen, der einen leichter über die Berge bringen kann, nicht geben, so das wir weiterhin unsere Ausrüstung (und uns selbst) durchs Land tragen dürfen.

Im Ramen der Fachmesse,  v.a. bei den zu verleihenden Awards oder in den Fachseminaren stehen Themen von 2011 auch wieder in diesem Jahr im Vordergrund. Im letzten Jahr engagiert andiskutiert worden geht es dabei vordergründig auch wieder um Nachhaltigkeit, soziales Engagement und einen offenen, nachvollziehbaren Produktionsprozess.

Den BAA-Code von Icebreaker (Herkunft der Merinowolle) gibt es schon länger; Tatonka lädt seit geraumer Zeit ein in die “open factory” nach Vietnam. Auf der Messe 2011 wird schnell deutlich, das andere Firmen auf unterschiedlichen Ebenen nachziehen. Mountain Equipment ist die erste Firma, die nach dem “Down Codex Projects” produziert – ein Projekt, das gemeinsam mit der “International Down and Feather Laboratory” (IDFL) zur Überprüfung der Daunenproduzenten und -lieferanten entwickelt worden ist. Meindl geht mit seinen Schuhen einen ersten Schritt in die richtige Richtung: aus ihrem Haus kommen 2012 vier Schuhmodellen auf den Markt, bei denen der Weg vom Rind bis zur letzten Naht nachvollziehbar sein wird. Und Vaude hat es in die Endrunde des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2011 im Bereich Zukunftsstrategien geschafft, weil, so die Begründung der Jury, das Unternehmen sich für ökologisch-soziale Zertifizierungsstandards in der Textilbranche einsetzt und als Vorreiter für Recycling von Outdoor-Produkten gilt.

Der Yeti wurde auf der Messe auch wieder entdeckt – nach der Oderflut im vergangenen Jahr hies es Land unter in Görlitz. Er hat sich wieder aufgerappelt und mit dem Konzept “Made in Germany”, das auch im Outdoor-Bereich großes Ansehen genießt, hat sich das Unternehmen zurückgemeldet. Und das es auch Innovativ weitergeht und sie ein großes Herz für kleine Outdoor-Freunde haben zeigen sie mit ihrem mitwachsenden Daunenschlafsack für Kinder, der 2012 auf den Markt kommen wird.

Für die Outdoorawards 2011 hat es 301 Bewerber aus 23 Länder gegeben, von denen 46 die Jury überzeugt haben. 11 von ihnen wurden gestern abend mit dem Outdoor-Award in Gold in den unterschiedlichen Kategorien für besonderes Design und innovative Leistungen ausgezeichnet. Neben Aspekten wie Verarbeitung, Materialwahl, Innovationsgrad und Gebrauchswert gehören auch Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit für die Jury zu den Auswahlkriterien. Unter den Goldpreisträgern 2011 sind neben renommierte Firmen wie Hanwag und Vaude (und Tochter Edelrid) auch Mountain Equipment, Mountain Hardware, Klättermusen und Primus zu finden. Einen großen Teil der preisgekrönten Produkte wird es in der kommenden Sommersaison dann auch im tapir geben.

Alles bleibt im Fluß! In diesem Sinne werden wir uns weiter auf der Messe umsehen. Es gibt noch viel zu entdecken. Neben der Frauenpower am Berg, auf die immer mehr Firmen mit eigenen Frauenkollektionen und Modellen reagieren, der Ausrichtung des Sortiments auf die Bedürfnisse der Kinder ist Barfußlaufen wieder “in” – bzw. damit auch die Schuhe, die einem dieses (besondere) Gefühl wieder vermitteln. Outdoor-Boccia sorgt für viel Spaß und könnte die neue Trend-Sportart beim Warten auf Schönwetter unter der Felswand werden. Und wenn es dann doch noch etwas wärmer wird, laufen wir auf dem Messegelände auf der Line vielleicht auch mal übers Wasser. Muß ein ziemlich gutes Gefühl sein, trockenen Fußes anzukommen.

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4 Kommentare

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    Sven | 18. Juli 2011, 18:15

    Ich war auch auf der Outdoor und kann dem z.T. zustimmen.

    “…Thema “Leichtgewicht” als Trend im Ausrüstungsbereich erhalten (leider immer noch zu Lasten der Langlebigkeit)….”

    Das liegt daran, dass man neue Materialien mit alten Konzepten verbindet ;) (Frameless) Rucksäcke aus DyneemaX unter 800 g gehören zu den robustesten ihrer Art. Mein (floorless) 400g Shelter hält seit 6 Jahren, ein Quilt sowieso länger als ein Schlafsack (keine Kompression der Dauen an der Unterseite), und ein Spiritus (Dosen)Kochen kann (konstruktionsbedingt) gar nicht kaputt gehen :)

    Dennoch liebe Simone, schade finde ich mit solchen solche Totschlag-Argumente einfach zu pauschalisieren. Und den Bezug auf die Motorkraft verstehe ich schon gar nicht. Was spricht dagegen “leichter über die Berge ” zu kommen?

    Schön war dagegen bei Cascade Designs zu sehen, daß dies auch im Mainstream geht. Nebenbei wurde wohl auch mein Ruf nach breit aber kurz erhört. Im nächsten Jahr gibt es eine Matte jenseits des 51*180cm Standardmaß nämlich in 63*119cm :) ))

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    simone | 21. Juli 2011, 10:46

    Tja Sven, ich glaube, du hast genau den wunden Punkt getroffen. Irgendwann kann man nicht mehr nur an die Materialien denken, wenn es darum geht, leichter zu werden. Neue Konzepte müssen entwickelt werden und wie man am Beispiel der gestängelosen Zelte sieht, wird man dann auch mal schnell belächelt. Und cascade gehört neben Exped für mich zu den sehr innovativen Firmen, die auch mal bereit sind, andere Wege zu gehen. Und dann gibt es ja noch die kleinen Detaillösungen. Mir ist z.B. sofort der kleine, leichte Holzofenkocher ins Auge gefallen, den ich auch mit Spiritus betreiben kann, wenn es mal keine Holzspäne gibt.
    Und was die Motorkraft angeht – das sit schwer knapp zusammengafsst zu beschreiben. Man könnte sicherlich stundenlang darüber philosophieren, ob man sich nicht beim Draussensein einiges auch selbst “erarbeiten” muss/soll, solange der Köper dazu gesundheitlich in der Lage ist. Dazu gehört nun mal für mich, das ich mein Gepäck auch bergauf und bergab selbst trage. Wenn die Gesundheit nicht mitspielt gibt es sicherlich auch andere Wege, Land und Leute zu erkunden.
    Ansonsten musste ich bei der kurzen breiten Matte an Dich denken :-)

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    Sven | 21. Juli 2011, 11:09

    Na da sind wir uns ja einig :) Mir ging es nur darum, dass sich nicht der Eindruck festsetzt “leicht=leicht kaputt” oder gar “leicht=ganz schön faul” ;)
    Von wem ist denn der Hobo/Spritus Kocher?
    Sven

    Ps. Unter den bekannten Firmen würde ich noch Petzl als Innovationstreiber mit aufnehmen!

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    simone | 21. Juli 2011, 11:25

    Der Hobo Kocher fiel mir auf dem relags-Stand ins Auge – und nennt sich “vargo hexagon wood stove” . Wenn ich es richtig gesehen habe, gibt es ihn schon zu kaufen für 70 Euro.

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