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Sicher(n) beim Klettern in der Sächsischen Schweiz

Sommerferien in Sachsen und der Wettergott hat(te) ein Einsehen: Von ein paar Tagen mit Gewittern abgesehen herrscht trockenes Kletterwetter fürs Elbsandsteingebirge. Doch künstliche Sicherungspunkte sind beim sächsischen Klettern v.a. im Einsteigerbereich eher Mangelware. Sichern mit Reepschnur oder Bandschlinge überwiegt. Das will gelernt sein! Dafür gibt es bei uns zum Üben (und nicht nur dafür) ein Schlingenset, wobei wir in dem Zusammenhang damit der Frage nachgegangen sind, welche Reepschnur im Notfall welcher Belastung standhält…

…Beim Vorstieg spielt neben körperlicher Fitness und Klettertechnik für viele der Kopf – scherzhaft auch als wichtigster „Muskel“ bezeichnet – eine „entscheidende“ Rolle. Ein paar Meter über der letzten Sicherung beschleicht nicht nur mich  schon mal der Gedanke an Sinn und Unsinn dessen, was man gerade vorhat. Der Blick geht suchend nach dem nächsten Sicherungspunkt:

„Als Sicherungsmittel dürfen Seil, Seilschlingen, Karabiner, Ringe, Nachholschäfte und Abseilösen benutzt werden. Die Verwendung von Klemmkeilen und -geräten jeder Art ist verboten. Das Anbringen von Ringen ist nur bei Erstbegehungen erlaubt, ….“ (aus den Kletterregeln des SBB zum Bergsteigen im Elbsandsteingebirge)

Um nicht komplett frei zu klettern, werden fehlende Haken und Ringe durch Riss- (Knoten-) und Sanduhrschlingen ersetzt, die schon mal so klangvolle Namen wie Affenfaust und Kinderkopf oder auch Diamant bekommen haben. Neben einer grundlegenden Knotenkunde braucht es auch ein gewisses Verständnis für die unterschiedlichen Reepschnüre und Bandschlingarten. Verbreitet sind:
– Bandschlingen aus Polyamid (heute meist als Schlauchband von der Rolle oder als Flachband/Schlauchband genäht)
– Bandschlingen aus Polyethylen (Dyneema – immer nur genäht)
– Rundschlingen von der Rolle aus Polyamid (ab 2 mm, wobei eine hohe Festigkeit erst ab mindestens 7mm gegeben ist)
– Rundschlingen Aramid (4, 5 – 5,5 mm Kevlar von der Rolle oder genäht)
– Rundschlingen aus Polyethylen (4, 5 oder 6 mm Dyneema – genäht)

 

Entscheidend für ’sichere Knoten‘ sind neben dem Fels ( hier gibt es im Sächsischen durchaus regionale Unterschiede) und der Schlingenart (Material) auch der Durchmesser der Schlingen sowie die Art des Knotens.

Für’s Klettern im Vorstieg im Sandstein bedeutet dies, dass neben Karabinern und Expresschlingen als Sicherungsmaterial Bandschlingen (für Standplatzbau und als Zwischensicherung) sowie Kevlarschlingen und Reepschnüre für die Zwischensicherung mitgenommen werden sollten. Die Länge der einzelnen Reepschnüre beträgt je nach Durchmesser zwischen 1,5 und 4 Metern. Zu beachten ist, dass der Knoten mehr „Material“ ‚verbraucht‘, je größer der Durchmesser der Rundschlinge ist: Bei dicken Reepschnüren kann der Mehrmaterialaufwand bis zu 40% der Schlingenlänge betragen, was beim Zusammenstellen eines eigenen Schlingensets auch zu beachten ist.

Neben den genähten Bandschlingen, deren Belastbarkeit gekennzeichnet ist, werden wir v.a. bei den Rundschlingen häufig nach der Belastungsfähigkeit gefragt – der skeptische Blick geht schnell zu 3mm und 4 mm-Reepschnüren und im Raum steht die Frage: Das soll mich im Notfall halten?

Pit Schubert, bis zu seinem Ruhestand Leiter des DAV-Sicherheitskreises und Herausgeber von  Sicherheit und Risiko in Fels und Eis , gibt als sturzrelevante Größen (resultierende Kraft aus Sturzzug vom Vorsteiger und Bremzug des Sichernden) folgende Beispiele an (bei 80kg Körpergewicht):
– bei einem Sturz 30cm oberhalb der Zwischensicherung (Sturzweg 1m) können Lasten bis zu 4kN auftreten (ca. 400kg, wenn man die Beziehung zum Gewicht herstellen will)
– bei einem Sturz 1,7m oberhalb der Zwischensicherung (Sturzweg 5m) können Lasten bis zu 6kN auftreten, während bei einem Sturz oberhalb von 7,5m (Sturzhöhe 20m) über der letzten Zwischensicherung bereits Lasten bis zu 10 kN die Folge sein können

Zum Vergleich: Eine 6mm Reepschnur hält ungeknotet 10 kN im Einzelstrang. Leider gibt es bis heute keine absoluten Angaben zur Bruchlastreduktion beim Einsatz verschiedener Knoten. Einzelne Testergebnisse, die in Foren auch viel diskutiert werden, weichen u.U. stark voneinander ab. Schon ein Kreuzen der Stränge beim Knoten kann zu einer Festigkeitsreduktion führen. Als Faustregel für die Praxis wird deshalb gern angeben, dass ein Knoten eine Verminderung von 50% des Nominalwertes verusachen kann.

Für alle, die etwas tiefer in die Materie einsteigen wollen, empfehlen wir das Kletterlehrbuch Band 1 von Gerald Krug. Hinter dem klangvollen „Kinderkopf und Affenfaust“ verbirgt sich eine Zusammenstellung zu Knoten, Schlingen und Seiltechnik. Die Erklärungen im Buch sind so gestaltet, dass auch Einsteiger Knoten schnell nachbauen können, sodass einem Üben in der Praxis nichts mehr im Wege steht.  Eine Kurzform als Einstieg kann man auch beim DAV nachlesen: DAV-Panorama Heft 3/2007 zum Thema Schlingen und Panorama Heft 4/2007 zum Thema Knoten. Und unser Einstiegsset ist gut geeignet, um zu Hause sowohl das Knoten selbst als auch das Lösen zu üben, denn im Vorstieg kann es immer wieder passieren, dass die Knoten blind und mit einer Hand gebaut werden müssen.

Es bietet sich darüber hinaus auch an, unter Anleitung seine ersten Schritte im Elbsandstein zu absolvieren. Neben dem ‚Mitgehen‘ im Freundeskreis werden  Einstiegskurse ins Sächsische Klettern sowohl vom SBB (Sächsischer Bergsteigerbund) und anderen DAV-Sektionen als auch von Kletterschulen und Kletterhallen angeboten.  Gleiches gilt fürs Vorstiegstraining. Und ist man dann erst im Achter-Schwierigkeitsbereich (auf der Sächsischen Kletterschwierigkeitsskala) angekommen, dann wird das auch mit den Ringen wieder besser 🙂

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