Frisch im tapir eingetroffen und schon getestet: Schlafsack All Black -10 von Highlight

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tapir- testlabor Ausrüstung Anne | 10. April 2013

Für einen entspannten Schlaf im Freien ist es elementar wichtig, einen gut wärmenden Schlafsack zu haben. Vor allem, wenn man den ganzen Tag aktiv draußen verbracht hat und entsprechend ausgepowert ist, sollte die Komforttemperatur des mobilen Bettes zur Außentemperatur passen und am besten noch ein bisschen Backup bereithalten.

Zur tapir-Testtour im Thüringer Wald waren die Bedingungen ideal: knackige -13° in der ersten Nacht; etwas mildere -5°C und viel Neuschnee, der das Zelt gut einschneite und vermehrt Kondensfeuchtigkeit im Inneren entstehen ließ, in der zweiten Nacht. Getestet habe ich den Schlafsack All Black -10 des polnischen Herstellers Highlight, der in anderer Farbe als Absolut -10 ab der Sommersaison 2013 auch im tapir vertreten ist. Die Komforttemperatur ist bei diesem Modell mit -10°C angegeben. Da sich für die erste Nacht etwas mehr Kälte angekündigt hatte, war ich gespannt, wie sich der All Black -10 schlagen würde.

Harte Fakten

Entscheidend für einen postitiven Eindruck sind oft die ersten Sekunden. Was für zwischenmenschliche Beziehungen zutrifft, erlebte ich ein bisschen auch mit meinem Testschlafsack. Nicht nur das komplett schwarze Innen- und Außenmaterial begeisterte, sondern auch das unverzügliche Loften, nachdem ich ihn aus seinem Packsack gezogen hatte. Dies ist auf die im All Black -10 verbaute, erstklassige Daune (90/10er Mischverhältnis mit einer Bauschkraft von 820 cuin) zurückzuführen. Das Außenmaterial des Schlafsacks, leicht glänzend durch das wasserabweisende DryLight-Material, machte einen soliden Eindruck. Sofort fielen mir auch die Dimensionen des Schlafsacks auf: Er ist etwas weiter geschnitten, nicht so konturiert wie z.B. die Western Mountaineering-Modelle. Nachgemessen habe ich am All Black -10 Breiten von 70 cm (Schulter), 65 cm (Gesäß) und 42 cm (Fußbox am Übergang von der 1. zur 2. Kammer). Das Gewicht von 1205 g incl. Packsack geht für einen Schlafsack mit diesem Temperaturbereich völlig in Ordnung. Einzig der Packsack ist mit 45 x 21 cm recht groß bemessen, sodass ich mich entschloss, ihn während der Tour durch einen kleineren und wasserdichten Nano DrySack von Sea to Summit zu ersetzen. Damit kam ich auf ein Volumen von 8 l – und das hätte mit einem entsprechenden  Kompressionssack sogar noch optimiert werden können!

Soft Skills

Der All Black -10 kommt mit einigen ausgeklügelten Detaillösungen daher. Das Zugband durch die Konturkapuze verläuft so, dass sich beim Straffziehen zuerst eine Art stoffhinterlegtes Stirnschild übers Gesicht legt. Somit entstehen keine unangenehmen Druckstellen. Der daunengefüllte Wärmekragen kann separat vom Kapuzenmechanismus eingestellt werden, sodass der nächtliche Brutkasten entsprechend der individuellen Vorlieben konfiguriert werden kann (einziges Manko hierbei waren die fehlenden Stopper an den Tankaverschlüssen der Zugbänder). Weiterhin ist der Reißverschluss innenseitig mit einem breiten Gurtband hinterlegt, das ein Einklemmen des Stoffes zuverlässig verhindert. Wie für einen Winterschlafsack üblich ist der Reißverschluss zusätzlich über die gesamte Länge mit einer dauengefüllten Wulst abgedeckt, um Kältebrücken zu verhindern. Die grobzahnigen YKK-Reißverschlüsse unterstützen zusätzlich das leichtgängige Öffnen und Schließen des All Black -10.

Fakten hin oder her: Wie bewährte sich der Schlafsack in der Praxis?

Der Schlafsack wurde zwei Nächte lang im Hilleberg Nammatj 3 GT bei -13°C (also knapp unter der angegebenen Komforttemperatur) bzw. -5°C getestet. Als Unterlage dienten mir eine Therm-a-Rest Z-Lite sowie eine Synmat 7 UL von Exped. Ich trug jeweils lange Unterwäsche sowie dicke (trockene!) Socken aus Merinowolle, einen über Hals und Hinterkopf gezogenen Buff sowie eine Primaloftweste. Am Fußende schlummerte zusätzlich eine mit heißem Wasser gefüllte Weithalsflasche von Nalgene – für mich ein Muss im Winter! Die Liegelänge des Schlafsacks von 175 cm ermöglichte es mir, einer 166 cm-Frau, außerdem, etwas Kleidung sowie sensible Elektrogeräte (Handy, GPS-Gerät) mit hineinzunehmen. Ein kleines innenliegendes Wertsachenfach wäre hier nett gewesen.

Die Temperaturen in der ersten Nacht lagen mit -13°C etwas unter der von Highlight empfohlenen Komforttemperaturgrenze – und das war auch zu spüren. Vor allem in der „dunkelsten Stunde vor dem Sonnenaufgang“, also zwischen 4 und 5 Uhr, wachte ich einige Male auf, drehte mich, weil es nicht mehr so muggelig war. Vor allem am Po und Oberschenkel war es kühl, was sicher zu einem Großteil daran liegt, dass der Schlafsack dort recht weit geschnitten ist. Dadurch muss mehr Luft vom Körper erwärmt werden, bevor die Daune „zurückwärmen“ kann. Ganz und gar überzeugte hingegen der Fußbereich des All Black -10: In Shark-Form geschnitten, ist er dort auch sichtbar gut befüllt – mit feuchtigkeitsunempfindlichem Primaloftmaterial – und dementsprechend warm. Beeindruckend außerdem: Mit den Füßen berührte ich zwar die kondenswasserfeuchte Zeltwand, aber das wasserabweisende DryLight-Außenmaterial verhinderte ein Durchdringen der Nässe bis zur Füllung zuverlässig. Die durchdachte Kapuzenkonstruktion konnte ich leider gar nicht richtig austesten, da ich mich zum Schlafen lieber mit dem ganzen Kopf in die Untiefen des Schlafsacks zurückgezogen habe, anstatt mir, auf dem Rücken liegend, nur ein kleines Atemloch zu lassen. In der zweiten Nacht habe ich es probiert, bin aber schon nach kurzer Zeit aufgewacht – „Huch! Ist meine Nase schon abgefroren?“ – und dann wieder abgetaucht.

In der zweiten Nacht (-5°C) machte der All Black -10 dann wirklich Spaß! Es war warm und gemütlich und obwohl das Zelt – komplett zugeschneit – einer Tropfsteinhöhle ähnelte, war es im Inneren komplett trocken. Wunderbar! So geht Winterschlaf!

Fazit

Mit dem All Black -10 bzw. dem baugleichen Absolut -10 hat der polnische Hersteller Highlight einen Schlafsack gebaut, der sehr gut bei allen Aktivitäten bis knapp unter den Gefrierpunkt eingesetzt werden kann. Die verbauten Materialien sind solide und feuchtigkeitsunempfindlich (aber nicht wasserdicht!), die Detaillösungen (v.a. Kapuze, Reißverschlusshinterlegung) durchdacht und die Kammerkonstruktion verhindert ein Entstehen von Kältebrücken. Sehr schlanke Personen sollten vorher probieren, ob ihnen der Schlafsack nicht ein wenig zu weit ist – für Bauch- oder unruhige Schläfer allerdings ideal, da genügend Platz zum Drehen und das Anwinkeln eines Beins ist.

Der von mir getestete Schlafsack entspricht in allen Werten – abgesehen vom komplett schwarzen Design – dem Highlight Absolut -10, der ab der Sommersaison 2013 im tapir erhältlich ist.

 

+ erstklassige Daunenqualität

+ leichtes und feuchtigkeitsabweisendes DryLight-Außenmaterial

+ realistisch angegebener Temperaturbereich

+ geschmeidige Reißverschlüsse

+ sehr gut komprimierbar

+ tolle Detaillösungen (Kapuze, Reißverschlusshinterlegung)

0 recht komfortabel geschnitten

- fehlende Stopper an den Kordelzügen

- kein Wertsacheninnenfach

- mitgelieferter Packsack zu groß

Weiterschmökern:


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