Im Wintertest: das Allak von Hilleberg

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tapir- testlabor Zelte tapir | 13. Februar 2013

Als es in Vorbereitung der alljährlichen tapir-Testtour im Januar darum ging, die zu testenden Zelte unter den tapiren zu verteilen, habe ich mich für das Hilleberg Allak gemeldet – ohne zu wissen, was für ein Zelt ich da bekomme, aber im Vertrauen darauf, dass mit einem Hilleberg-Zelt nicht viel schiefgehen kann und meine Kollegen mir für die Wintertour kein dafür ungeeignetes Zelt andrehen werden. Beides hat sich bewahrheitet.

Das Allak ist das leichtere und etwas kleinere „Geschwisterkind“ vom Staika aus der Red Label Serie von Hilleberg. Es ist ein freistehendes 3-Bogen-Kuppelzelt mit 3 gleichlangen Gestängen und bietet Plat für 2 Personen. Das Allak ist ein Querschläfer mit  zwei Apsiden, mit dem leichten Hilleberg-Kerlon 1200 Außenmaterial und  9mm-DAC-Aluminiumgestängen. Der Boden besteht aus robustem 70Denier-Nylon mit einer dreifachen Polyurethanbeschichtung und schützt mit einer Wassersäule von 5000mm zuverlässig gegen Nässe von unten.


Der Praxistest auf Wintertour
Beim Aufbau hat das Zelt seine Schlechtwettertauglichkeit schon insofern bewiesen, als dass ich es allein und mit dicken Handschuhen im Schneetreiben gut aufbauen konnte. Die Kombination von Gestängekanälen unten und den Hakenclips im oberen Bereich machte einen schnellen Aufbau auch unter widrigsten Bedingungen möglich.  Gut, die Lüftungsabdeckung mit Ihren kleinen Haken zu befestigen, war mit Handschuhen etwas fummelig, aber möglich. Für durchgefrorenen, knochenharten Boden sollte man die mitgelieferten V-Peg-Heringe, die Hilleberg mitliefert, nicht malträtieren, sondern eher ein paar solide Rockpins dabei haben.

Das Zelt war allein schnell aufgebaut und stand aufgrund der gekreuzten Gestänge und des gewohnt präzisen Hilleberg-Schnittes auch ohne jede Abspannung super und faltenfrei und Alex und ich konnten den Querschläfer dann jeder von einer Seite beziehen. Die Reißverschlüsse laufen gut, das glatte silikonisierte Material ist mir schon fast zu glatt, denn man kann die Eingangsstoffe nicht mal schnell irgendwohin klemmen, weil sie gleich wieder rausrutschen – aber das bemängeln nur wirklich Faule – es gibt die üblichen Knebel zum Fixieren des Stoffes.
Das Wohnen im Allak zu zweit war sehr kuschelig, will sagen, man passte zu zweit gut rein, kam sich dabei nahe und wurde auch vom Gepäck nicht in seiner Zweisamkeit gestört, weil das nämlich draußen, also in der Apsis,  bleiben musste. Umziehen – insbesondere mit Wintersachen – konnte man sich auch nur in zwei Durchgängen, man kam sich auf kleinstem Raum sonst zu sehr ins Gehege. Tourenrucksack, Kocher, Proviantsack, Schuhe, Geschirr – alles ließ sich in der Apsis unterbringen, dann war sie aber auch voll (Kochen lässt sich dort dann eigentlich nicht mehr). Auch im Innenzelt von draußen zu hantieren, ist nur ratsam, wenn es nicht regnet oder schneit – ich hatte dann den Schnee auch im Innenzelt.


Ich bin 1,75m groß und hatte einen Minus-10-Grad-Schlafsack in Gr.L mit wasserabweisendem Außenmaterial dabei. Das war gut, denn wenn ich mich ausgestreckt habe, stieß ich mit Kopf und Füßen an die Zeltwand, sodass die Kondensfeuchtigkeit auf den Schlafsack überging. Die Lüfter befinden sich beim Allak im Zeltdach nebeneinander und können daher nicht  mit dem Durchzugs-Effekt eines Tunnels mithalten. Wir hatten zusätzlich die mit der Lüftungsabdeckung geschützten Eingänge etwas geöffnet und dann fand ich das Innenklima auch bei Außentemperaturen von -12°C und der dabei anfallenden Kondensfeuchte in Ordnung. Je nach Klima und Temperatur lassen sich die Innenzelteingänge entweder komplett mit Nylon verschließen oder teilweise bzw. ganz mit Moskitonetz versehen.

Dass die Konstruktion mit zum Sturmstabilsten gehört, was Hilleberg zu bieten hat, sieht man und spürt man, wenn man zum Beispiel alle zwei Stunden den Schnee runter schüttelt. Wirklich starken Wind hatten wir nicht, aber auch nach „durchschneiter“  Nacht stand das Zelt selbst ohne Abspannleinen immer noch „wie eine Eins“, unbeeindruckt von der weißen Haube, unter der es nahezu verschwunden war.

Das Abbauen ging ebenso schnell und unproblematisch und dank des glatten Materials ließ sich das Zelt auch nass gut im Packsack verstauen.
Fazit
Ich gebe zu, dass ich ein Freund von Tunnelzelten, großen Apsiden und Platz im Innenzelt bin, insbesondere wenn ich bei schlechtem Wetter unterwegs bin und viele dicke Klamotten verstauen muss. Daher wäre das Allak aus Komfortgründen nicht meine erste Wahl für eine Wintertour.

Allerdings ist das Verhältnis von Stabilität zu Gewicht  perfekt, und wenn man bereit ist, Abstriche bei der Geräumigkeit zu machen, hat man ein leichtes, gut handhabbares, super stabiles Zelt für 4 Jahreszeiten. Wie bei allen Hilleberg-Zelten gibt es natürlich auch für das Allak ein exakt passendes Footprint aus demselben Material wie der Innenzeltboden. Das Innenzelt lässt sich bei Bedarf herausnehmen, separat verstauen und mit den passenden Gestängehaltern auch solo aufbauen. Wie  bei allen Hilleberg-Zelten lassen sich auch beim Allak, zur Verbesserung der Sturm- und Schneestabilität auf extremen Touren, parallel zweite Gestänge nutzen (die Hakenclips werden  dann abwechselnd gesetzt).



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5 Kommentare

  1. avatar
    1
    aeon | 7. März 2014, 15:41

    Danke für den Bericht – damit scheidet das Allak aus. Die nächste Tour geht mit jemandem raus, der größer ist als 1.75m – und wenn man da schon anstößt…

    Nun muss aber doch ein Tunnel her. Leider habe ich über das Nallo schon ähnliches gehört: das Ding flacht zu sehr ab, und man stößt schon ab 1.80m an. Die Suche geht also weiter. :/

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    rando | 7. März 2014, 16:01

    Wenn Du schon bei Hilleberg schaust,
    dann ist es das Kaitum! Durch die senkrechten Stirnwände kannst Du die 220 cm Innenzeltlänge voll nutzen.
    Alternative: Wechsel Outpost – Das Innenzelt ist auf einer Seite in den Vorraum hineingeschnitten und auch für wirklich lange Leute geeignet :-)

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    aeon | 7. März 2014, 16:31

    Das Wechsel war tatsächlich mal in der Auswahl, aber ich hab’s noch nicht ausgebaut gesehen. Fast 4 kg sind allerdings in abschreckender Größenordnung für Fahrradtourer.

    Hilft halt nix: man muß sich mal reinlegen. Mal sehen, Leipzig ist jetzt nicht gerade auf meinen üblichen Strecken, aber vielleicht lässt sich da was machen. Bei der Höhe des Anschaffungspreises muß dann halt ein Wochenende in der Bahn halt noch mit draufgrechnet werden. Besser als ein nicht passendes Zelt.

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    rando | 7. März 2014, 17:45

    Aber es ist auch wirklich nett bei uns. Der Spass-Faktor beim Zelte-Ausprobieren macht vielleicht das Bahn-Ticket nicht ganz wett, aber mildert die Schmerzen :-) Und zum Outpost: Es gibt ja die Zero-G-Version (Nylon mit Silikonbeschichtung), die ist etwas leichter. Aber wie immer heißt dann die Entscheidung: Weniger Gewicht ODER weniger Geld…

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    El Gringo | 16. Juni 2015, 10:37

    Moin moin Zusammen,
    Danke für den Super Testbericht. Ich kann Deine Erfahrungen mit dem Allak nur bestätigen und bin superzufrieden mit dem Zelt. Allerdings finde ich es zu zweit schon sehr sehr kuschlig und nutze es daher als Solozelt, auch wenn dies bzgl. Gewicht ein absoluter Luxus und etwas “übertrieben” ist. Bei meinen winterlichen Herbsttouren in Jotunheimen und im Dovre Fjell hatte ich es dabei und kann auch die Windstabilität bestätigen. Selbst bei Böen (laut Wetterbericht und als leidenschaftlicher Windsurfer kann ich dieses einigermaßen einschätzen) von bis zu 9 Windstärken stand das Zelt absolut stabil. Einziges Manko ist wirklich die Zeltlänge bzgl. des Kondenswassers. Ich habe das Fußende des Schlafsacks in meine Hardshell-Jacke gepackt und dann hats einigermaßen gepasst.

    Viele Grüße und macht weiter so !!!

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