Testbericht: Mit dem Vaude Power Lizard SUL 2-3P durch den Westen der USA

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tapir- testlabor Zelte tapir | 30. Oktober 2013

Für unser Testteam 2013 hatte sich im Frühsommer auch Mario beworben. Er wollte für uns eines der ultraleichten Zelte von VauDe auf Tour testen. Da er nicht allein, sondern zu zweit unterwegs sein würde, stellten wir ihm für seine Tour durch die USA ein Power Lizard SUL 2-3P zur Verfügung. Hier könnt ihr nun lesen und nacherleben, wie es ihm mit seiner mobilen Behausung ergangen ist:

Während unserer dreiwöchigen Tour durch den Westen der USA durften wir das Zelt „Power Lizard SUL 2-3P“ von Vaude testen. Es handelt sich dabei um ein ultraleichtes 2-3 Personen Tunnelzelt, welches für die 3 Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst konzipiert wurde.

Fakten zum Zelt:

Das Zelt wiegt gerade einmal  1,46kg, was sich auch im Packmaß von 46x16cm widerspiegelt. Somit nimmt es nicht viel Platz im Trekkingrucksack ein und kann problemlos von einer Person auf Mehrtagestouren getragen werden. Für uns spielten diese zwei Kriterien natürlich auch beim Fluggepäck eine Rolle.
Das Zelt hat eine fast rechteckige Grundfläche, die im Kopfbereich um 10cm breiter als im Fußbereich (140cm) ist. Die Länge beträgt 230cm, ist also auch für größere Personen ausreichend. Der höchste Punkt im Zelt befindet sich auf halber Länge und misst 105cm. Das ist gerade hoch genug, um sich im Sitzen aufzurichten und umzuziehen. Ins Zeltinnere gelangt man über einen Seiteneingang.
Das Gestänge (9mm dickes Aluminium) ist sehr minimalistisch und besteht aus drei Teilen. Die längste Stange wird zu einem Bogen gespannt, an dem das Außenzelt in der Mitte eingehängt wird. Die beiden kürzeren Teile werden leicht schräg nach außen im Fuß- und Kopfbereich aufgestellt und mit Leinen abgespannt, um in Inneren mehr Raum zu schaffen.


Das Zelt im Einsatz:
Schon nach 14-tägigem Einsatz weist der Bogen in einem Segment einen leichten Knick auf. Für den Fall, dass es hier in Zukunft zu einem Bruch kommt, liegt dem Zelt eine Reparaturhülse bei.
Das Außenzelt besteht aus sehr dünnem Gewebe (100% Polyamide 20D Ripstop) und ist beidseitig silikonbeschichtet. Das macht es mit einer Wassersäule von 3.000mm absolut wasserdicht. Hinzu kommt, dass das Außenzelt bis zum Boden reicht. Allerdings kommt es schon bei wenig Wind dazu, dass das Material anfängt zu flattern und rascheln. Konstruktionsbedingt liegt es regelmäßig auf dem Innenzelt auf, was dazu führt, dass Kondenswasser auf das Innenzelt gelangt.
Vom Außenzelt gelangt man über einen Seiteneingang in die kleine Apsis, die gerade groß genug ist, um Schuhe oder Kochutensilien zu verstauen. Für große Trekkingrucksäcke (<50l) ist hier kein Platz!
Von dort aus geht es über einen großen Reißverschluss ins Innenzelt. Da es nur einen Eingang gibt, muss man in stark gebückter Haltung über die bereits liegende Person steigen, um auf die hintere Seite zu kommen. Das geht bei zwei Personen in Ordnung, bei Dreien wird es zur Akrobatik.
Das Innenzelt besteht aus dünnem Meshgewebe (100% Polyamide 15D Micro Ripstop) sowie einen laminierten Boden (100% Polyamide 40D 240T Ripstop) mit einer Wassersäule von 10.000mm. Der Boden hat einen ordentlich hohen Rand und schützt so sehr gut vor eindringendem Wasser. Problematisch wird es allerdings, wenn das Zelt auf Wald-, Stein- oder Kiesböden aufgebaut wird. Bei dem sehr dünnen Material können schnell spitze Gegenstände durchdrücken und den Boden beschädigen. Deshalb empfiehlt es sich, einen passenden Footprint unterzulegen. Dieser ist leider nicht im Lieferumfang enthalten, kann aber als Zubehör bei Vaude gekauft werden.

Das Innenzelt wird an Verbindungsösen am Außenzelt befestigt und kann praktisch immer eingehängt bleiben. Das ist genau dann von Vorteil, wenn das Zelt mal im Regen auf- oder abgebaut wird, und spart zusätzlich Zeit. Weil das Gestänge außen am Zelt verläuft, lässt sich das Innenzelt nicht einzeln aufbauen. Gerade in warmen Sommernächten um die 25°C würde man sich hier mehr frische Luft wünschen.
Das Innenzelt ist für zwei Personen sehr geräumig und bietet auch für Trekkingrucksäcke noch genügend Platz. Kommt allerdings eine dritte Person hinzu, muss definitiv das Gepäck nach draußen. Ablagetaschen sowie zwei Belüftungsöffnungen sind selbstverständlich vorhanden.
Das Zelt lässt sich in ca. 5 Minuten aufbauen. Aufgrund der Konstruktion benötigt man allerdings zwei Personen dafür. Denn während eine Person die zwei kurzen Stangen setzt und die vier Ecken abspannt, muss die andere den Bogen halten, der sonst umfällt. Zwei zusätzliche Heringe, die den Bogen an seiner Stelle fixieren, fehlen leider. Ein wenig umständlich empfanden wir das wiederholte Setzen der vier Eckheringe. Das wurde notwendig um das Außenzelt richtig abzuspannen, ohne dass es durchhing. Hier wären regulierbare Spannriemen vorteilhafter, anstatt der angebrachten Gummischlaufen.
Da das Zelt nicht von selbst steht, ist es umso wichtiger, dass man mindestens sechs der acht Heringe im Boden fixiert bekommt. Das gestaltet sich in der Praxis leider nicht immer einfach. Im Ernstfall kann man sich aber mit Steinen behelfen. Der Footprint sollte beim Zeltaufbau und Windböen ebenfalls mit Heringen gesichert werden, da dieser sonst abhebt.

Fazit
Auch wenn wir das Power Lizard SUL 2-3P nicht zu dritt testen konnten, ist es für drei Personen und Gepäck definitiv zu klein. Für zwei Personen bietet es allerdings ausreichend Komfort und überzeugt auf Trekkingtouren durch sein geringes Gewicht sowie Packmaß. Den Footprint sollte man auf jeden Fall dazu kaufen, denn sonst riskiert man schnell einen Durchstich. Bei Regen muss man in diesem Zelt keine nassen Füße befürchten, allerdings ist es aufgrund der Einbogenkonstruktion etwas windanfällig.

Autor: Mario Thurm

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3 Kommentare

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    1
    Stefan | 24. Dezember 2013, 17:19

    Das Zelt lässt sich entgegen dem Testbericht auch super alleine aufbauen. Wer sich ein SUL-Zelt (Super-Ultra-Leicht) kauft, wird hoffentlich nicht auf die Idee kommen, sonst viel Zeugs mitzuschleppen. Mit wenig Zeugs passt auch zu dritt alles rein, zumal sich die Größe der Apsis verstellen lässt.

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    Jan | 4. Februar 2014, 19:50

    Ich habe das Zelt immer ohne Footprint benutzt. Auch auf steinigen und Waldböden mit Fichtennadeln und Ästchen. Durchgestochen hatte nichts obwohl der Zeltboden sich sehr leicht anfühlt.
    Vielleicht beruht der Kommentar im Testbericht nur auf einer Meinung und nicht auf tatsächlicher Erfahrung.
    Auch Rascheln im Wind kann ich nicht bestätigen. Wichtig ist, das Zelt quer zum Wind aufzustellen und nicht wie immer wieder falsch in der Längsrichtung. Ausprobieren bringt es!

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    PeterPanter | 31. August 2015, 11:17

    Aus meiner Erfahrung ist durchaus Platz vorhanden für 2 Rücksäcke > 50L, wenn diese einfach längs übereinander gestapelt werden.

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