Hilleberg Akto im Langzeittest

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tapir- testlabor Zelte Alexander | 1. März 2012

Wer auf der Suche nach einem verlässlichen 1-Mann-Zelt ist, das auch stärksten Beanspruchungen standhält, wird an den 1-Personen Zelten von Hilleberg kaum vorbeikommen. Ich habe mich im Jahr 2007 nach langen Recherchen und Abwägungen für das Hilleberg Akto entschieden – ein minimalistisches Tunnelzelt mit nur einem Gestängebogen – und die Entscheidung bis heute nicht bereut. Ich konnte das Zelt seitdem unter verschiedensten Bedingungen testen: von Winter bei -15°C bis zu hochsommerlichen Temperaturen, in Lappland, Polen, Lettland und natürlich vor der Haustür in Sachsen und Mecklenburg. Dabei habe ich nahezu durchweg positive Erfahrungen gemacht. Egal ob zu Fuß oder mit dem Boot: Das Akto findet mit seinem geringen Packmaß immer Platz, in den meisten Fällen sogar im Rucksack (das Volumen des Akto ist etwa mit meinem Schlafsack Glacier 750 von Mountain Equipment vergleichbar). Mit knapp 1,7kg inklusive der passenden Zeltunterlage zählt das Akto nach wie vor zu den Leichtgewichten, auch wenn es mittlerweile einige leichtere Modelle gibt, die allerdings dann nicht mit der Ausstattung und Robustheit des Hilleberg-Zeltes mithalten können.

Das Kerlon 1200 Außenmaterial ist die leichtere Materialvariante des extrem reißfesten Ripstop Nylons von Hilleberg, und selbst hier habe ich auch bei extremeren Bedingungen keine Bedenken gehabt, dass es seine Belastungsgrenze erreicht. Der Aufbau ist in wenigen Minuten erledigt, es gibt nur den zentralen 9mm-Gestängebogen (wie bei allen 4-Jahreszeiten-Zelten von Hilleberg lässt sich bei Bedarf ein zweiter Bogen parallel einschieben, um die Stabilität zu erhöhen) und die rundum zu setzenden Heringe, mindestens 8 Stück, damit das Zelt sicher steht. Das ist mehr, als bei anderen 1 Personen-Zelten, aber so ist eine sehr gute Standfestigkeit und Lastverteilung gewährleistet. Will man alle Abspannmöglichkeiten nutzen, so kann das Akto mit 13 Heringen fixiert werden. Ich bin bisher noch nicht an den Punkt gelangt, dass ich das Zelt nicht aufstellen konnte – selbst im Schnee halten die Heringe, wenn sie gut festgetreten werden. Damit der Innenraum optimal nutzbar wird, sorgen 4 kleine Glasfiberstäbe in den Ecken für etwas mehr Platz im Innenzelt.


Mit seiner geräumige Apside und den asymmetrischen Schnitt des Innenzeltes findet großes Trekkinggepäck genug Platz; ein kleiner Packsack mit notwendigen Kleinigkeiten kann im Innenzelt, das an der breitesten Stelle 95cm breit ist, neben der Isomatte untergebracht werden. Die Liegefläche ist mit 2,20m relativ lang, jedoch darf man das eingeschränkte Raumgefühl durch die schrägen Dachflächen nicht unterschätzen – das Zelt ist perfekt für Menschen bis etwa 1,90m geeignet, die größeren Zeitgenossen werden ihr Gesicht dann doch relativ nah an den Dachflächen wiederfinden und dürfen auf keinen Fall klaustrophobisch sein. Die Innenzelthöhe von 90cm bietet genug Raum zum An- und Ausziehen, gemütliches Lesen in entspannter Sitzhaltung fällt zumindest für etwas größere Menschen aus. Dafür bietet das Zelt dann bei starkem Wind umso weniger Angriffsfläche. Der Schlafplatz ist mit 2,20m Länge und 60cm Breite ausreichend dimensioniert, sodass man nicht ständig das Zelt berührt.

Das Nylon-Innenzelt ist an der Tür mit einem Moskitonetz versehen, um die Belüftung anzupassen. Große abgedeckte Lüfter an Kopf- und Fußende sorgen für einen sehr guten Luftzug im Zeltinneren, bedienbar sind sie von innen, jedoch nicht direkt aus dem Innenzelt – das hätte viel Reißverschluss benötigt, der das Gewicht erhöht hätte. Der Eingang kann zur besseren Belüftung im oberen Bereich geöffnet werden und ist dort mit einer drahtbügelverstärkten Lüfterhaube versehen. An dieser kann bei Bedarf noch eine zusätzliche Abspannleine angebracht werden. Bei schlechtem Wetter bietet die Apside auch genug Raum zum Kochen, allerding ist das natürlich wenig luxuriös. Ich schätze sehr das exakt passende Footprint, welches den Zeltboden schützt und die Apside abdeckt. So lässt sich das Gepäck sauber lagern und gleichzeitig wird die vom Boden aufsteigende Feuchtigkeit minimiert. Prinzipiell kann das Akto als Zelt für vier Jahreszeiten gelten, wobei es auf Wintertouren einige Einschränkungen gibt. Durch die Tatsache, dass der Abstand zwischen Kopf und Innenzelt relativ gering ist, sammelt sich bei sehr niedrigen Temperaturen das Kondenswasser im Kopf- und Brustbereich – hier sollte man immer die Lüfter offen halten, soweit das Wetter es zulässt. Ich hatte auf meinen Touren immer das Glück, von viel Neuschnee verschont zu bleiben. Simone kann von Ihrer Tour im Alai, bei der Sie das Akto dabei hatte, anderes berichten. Bei relativ nassem Neuschnee kommt das Zelt wirklich an die Grenzen, denn der Schnee rutscht nicht an den Dachflächen herunter, sondern bleibt liegen und bildet eine Kuhle, sodass nächtliches Schneeabschütteln mit sanften Tritten von Innen unabdingbar ist. Aber abgesehen von Wintereinschränkung bleibt das Akto ein extrem vielseitig einsetzbares 1-Personen Zelt, mit dem man sich in nahezu jede Region der Welt wagen kann. Für die Solotrekker, denen die Schneelastverträglichkeit wichtig ist, hat Hilleberg im Jahr 2008 ein neues Modell nachgelegt: das Soulo, das natürlich etwas schwerer ist, aber ähnlich wie Staika und Allak durch die 3-Bogen-Kuppelkonstruktion von allein steht und Schneelasten besser verkraftet.

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