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Teaserbild: Biking Cambodia oder The pedals of punishment

Biking Cambodia oder The pedals of punishment

Biking Cambodia oder The pedals of punishment

Unsere Reise führte uns für mehrere Monate nach Asien. Nach einem längeren Aufenthalt in Thailand ging es von Trat aus in Richtung kambodschanischer Grenze. Ziel unserer Radtour war Phnom Penh. Doch wir kamen gar nicht so weit, lernten wir doch auf dem Weg nach Süden die Kleinstadt Andoung Toeuk mit ihrem BCDO-Projekt kennen. Nach einem Abstecher in die Hauptstadt beschloss ich, zurückzukehren nach Andoung Toeuk, um im Projekt als Lehrer ein paar Wochen mitzuarbeiten, bevor es für mich auf die nächste Etappe meiner langen Reise durch Asien weiterging.

Warum Trat (Thailand) – Andoung Toeuk (Kambodscha)

Da wir uns nach einem kurzen Strandaufenthalt in Thailand entschlossen hatten, den touristischen Bahnen etwas auszuweichen und unsere zuvor geliebte Freiheit wiederzuerlangen, kauften wir uns in Trat (Thailand) zwei Fahrräder mit denen wir die nächsten Monate in Südostasien unterwegs sein wollten.

Warnschild der besonderen ArtTrockenzeittypische Hindernisse...Carrying Cambodia – Da vor einigen Jahren der Transport von Waren auf dem Dach
verboten wurde, muss man nun andere Wege finden

Was Sie schon immer über Kambodscha wissen wollten…

Auf dem Weg zur kambodschanischen Grenze trafen wir, an einem wunderschönen und nahezu ausschließlich von Einheimischen besuchten Strand (Ban Chuen Beach), zufälligerweise zwei Chemnitzer. Lustigerweise hatte ich Felix und Martin schon einmal auf einem Bouldercup in Deutschland getroffen.

Wir verbrachten ein wunderbares Weihnachtsfest unter Palmen; zu allem Überfluss hatten die beiden noch Dresdener Stollen und Ur-Krostitzer mit dabei… Nach den Feiertagen haben wir dann unser Gepäck wieder in die zwei Einkaufstaschen an den Seiten der Gepäckträger verstaut und uns weiter Richtung Kambodscha bewegt. So erreichten wir am zweiten Weihnachtsfeiertag den Grenzübergang Cham-Yeam im südöstlichsten Zipfel Thailands bzw. im Westen Kambodschas.

Der Grenzübertritt gestaltete sich entgegen unserer Erwartungen recht problemlos, da wir das Visum bereits vorher arrangiert hatten. Gleich mit dem Grenzübertritt spürte man den Übergang in eine andere Welt; der Verkehr wechselte wieder von der linken auf die rechte Seite (ein spannendes Schauspiel); die vorher noch makellose Asphaltdecke wurde löchrig und im Gegensatz zu den 100 km flacher Küstenstraße in Thailand sahen wir uns mit den ersten Anstiegen konfrontiert. Zur Begrüßung zierten weihnachtlich geschmückte Palmen den Mittelstreifen der Landstraße – ein wunderlicher Anblick bei 30°C und prasselnder Sonne.

Das erste Etappenziel war Koh Kong, eine mittelgroße Stadt, 10 km hinter der Grenze. Da wir nach drei Wochen Fahrradfahren in Thailand dem Lockruf leckerer westlicher Speisen nicht mehr wiederstehen konnten, sündigten wir im Otto's und genossen die gefühlt beste Bratwurst mit Sauerkraut, die wir je gegessen hatten. Koh Kong bietet sich als Ausgangspunkt für Bootstouren in die Mangroven, sowie für die Busweiterreise nach Sihanoukville oder Phnom Penh an. Achtung, letztere sind zwar verhältnismäßig billig, wer jedoch auf Luxus und Komfort Wert legt, wird hier Probleme bekommen, da es sich um einheimische Linienbusse und nicht um Touristenbusse handelt. (Was aber allemal eine Erfahrung ist).

Da wir jedoch noch einige Kilometer mit dem Rad vor uns hatten, strampelten wir am nächsten Tag auf der Nationalstraße 48 gen Südosten. Die Orientierung in Kambodscha ist recht leicht, da es gerade mal ein Dutzend asphaltierte Überlandstraßen gibt. Dabei ist Kambodscha halb so groß wie Deutschland. Jedoch haben wir aus Leichtigkeit auf jegliches Kartenmaterial verzichtet, wir hatten ja unsere Hängematten und ein Moskitonetz als Notunterkunft dabei (welche wir in zwei Monaten übrigens nicht einmal benötigten!)

Auf dem Weg durch die kleinen Dörfer wurden wir meist von winkenden und schreienden Kindern verfolgt, welche uns einerseits grüßten und sich andererseits über die komischen Farangs amüsierten (Rufwort für die bleichen "Langnasen"). In späteren Gesprächen hat man uns gefragt, was das für Urlaub sei, wenn man selbst mit dem Rad fahren müsse. Gerade wir reichen Westler haben doch mehr als genug Geld für öffentliche Fortbewegungsmittel und so eine niedere Fortbewegung nicht nötig – warum machen wir es dann? Haben wir keine anderen Probleme? …

Da Wibke und ich nicht zu den Frühaufstehern gehörten und uns so selten vor um zehn auf unsere Drahtesel begaben, mussten wir umso mehr in der Mittagshitze schwitzen. Als wir am nächsten Tag das 20 km entfernte Tatei (ein winziges Nest auf der 48er) erreichten, mussten wir einsehen, dass wir die Bedingungen etwas unterschätzt hatten. Der auf den Ort folgende Anstieg von knapp 400 Höhenmetern in Kombination mit der gefühlten Luftfeuchte von 200% lies uns das erste Mal ernsthaft über unsere kühnen Fahrradpläne nachdenken. Keiner von uns hatte je zuvor mehr als 60 km am Stück zurückgelegt (und selbst das nur im heimischen Leipziger Flachland). Aber da waren wir nun, irgendwo im Dschungel an einem in diesem Moment endlosen Anstieg.

Die vorbeikommenden LKW's waren noch 10 Minuten später kreischend am Anstieg zu hören. So entschieden wir uns für diesen Tag umzukehren und rollten nach Tatei zurück. Dort plünderten wir die gekühlten Getränke des einzigen Ladens und setzten uns an den Straßenrand, um zu trampen. Da dieses Fortbewegungskonzept in Kambodscha nicht sehr verbreitet scheint, verlief unsere Suche die ersten Stunden erfolglos. Selbst die Linienbusse wollten/konnten uns und unsere Fahrräder nicht mitnehmen. Als die Dorfbewohner unsere erfolglosen Mühen mitbekamen, versuchten sie uns gestikulierend ihre Hilfe anzubieten. Aber nein, wir hatten einen Plan und wollten weiter. Da wir immer in die selbe Richtung deuteten, erbarmte sich irgendwann eine Gruppe Jugendlicher, uns mit ihrem LKW mitzunehmen. Mit der Lautstärke des kambodschanischen Popradios auf Anschlag und eine Zigarette nach der nächsten rauchend peitschten unsere Retter den LKW den Anstieg hoch. Irgendwann nach zwei Stunden hielten wir an und unsere Fahrer deuteten auf einen kleinen Pfad, der in den Dschungel zu ihren Häuschen führte. So trennten sich unsere Wege und wir konnten uns die nächsten Kilometer einfach bergab rollen lassen. Etwas missmutig waren wir, da wir absolut keine Ahnung hatten, wie weit es bis zum nächsten Ort war

Jedoch erreichten wir am Abend Trapeang Rung. In diesem nach kambodschanischen Verhältnissen etwas größeren Dorf gab es seit etwa einem halben Jahr eine einheimische Touristenorganisation. So wurden wir herzlichst und mit offenen Armen empfangen, für nichtige zwei Dollar im Wohnzimmer einer Familie einquartiert und im Restaurant verköstigt. Am späten Abend wurden wir nach einigen, ich nenne sie mal interessanten, Reisweingetränken überzeugt, noch am Garnelenfischen teilzunehmen.

Etwas verunsichert, aber dann doch bereit die 7 USD zu bezahlen, ging es mit dem Boot und einem Fischer raus in das dunkle Wasser des Flusses. Die Lichter und Geräusche des Dorfes verschwanden in der Ferne und der Dschungel verschluckte uns immer mehr in seiner Dunkelheit. Es war sternenklar und das Ruder war lange Zeit die einzige unnatürliche Geräuschquelle. Immer wieder raschelte etwas im Uferbereich, Vögel zwitscherten und ab und an schrien ein paar Affen. In einem Baum direkt über uns saßen auf einmal hunderte Glühwürmer und komplettierten auf ihre Weise den Sternenhimmel. Leider riss uns dann irgendwann das Starten des Motors aus dieser Traumwelt. Aber es wurde auch langsam Zeit zurückzufahren, so dachten wir zumindest. Jedoch ging es noch ein weiteres Stückchen flussabwärts, wo wir im flacheren Wasser ausstiegen. Im Licht der Taschenlampe sahen wir das Ergebnisse seiner Arbeit: Über 50 Tiere zappelten noch am Boden des Bootes. Der alte Mann machte in einem kleinen Steingefäß auf dem Boot Feuer und fing an die Garnelen zu grillen. Wir standen knöcheltief im Wasser und beobachteten wie sich die Garnelen von durchsichtig zu leuchtend rot verfärbten. Kurz dachten wir daran, dass wir mal wieder gegen unzählige Regeln des sicheren Reisens verstießen: Unsere Sachen lagen in einem fremden Haus, unabgeschlossen. Wir waren irgendwo im Nichts, in einem der Malaria-verseuchtesten Gebiete Kambodschas; es gibt hunderte giftige Schlangen, Tiger, Bären, Skorpione, Krokodile und Elephanten, wir hatten kurz zuvor einen Touristen mit Dengue-Fieber getroffen… Doch kein Gedanke daran konnte diesen Moment zerstören, wir standen einfach da, um uns der Dschungel, unter uns von den Wellen zum Leuchten angeregten Algen und über uns der Himmel… An diesem magischen Ort genossen wir unser Mahl, dankbar für die Schönheit, die Freiheit und jeden Atemzug…

Klassenzimmer in Andoung Toeukeiner unserer temporären MitbewohnerDie Ausbeute der Garnelenjagd

Nichtsdestotrotz war das Verweilen wie so oft von viel zu kurzer Dauer. So ging es am übernächsten Tag mit unseren zwei treuen metallischen Freunden weiter ins Ungewisse. Langsam hatten wir das nötige Sitzfleisch aufgebaut und uns zumindest ein Stück an die Hitze gewöhnt. So fuhren wir weiter über die meist leere Landstraße und genossen den uns umgebenden Dschungel. Am Abend kamen wir im kleinen Ort Andoung Toeuk an und wurden schnell auf den Hof der BCDO gelockt.

Dort wurde uns Abendessen und ein Schlafplatz angeboten. Nachdem wir das wunderbare, einheimische Essen beendetet hatten, legten wir uns eigentlich zum schlafen. Kurz danach klopfte es jedoch an der Tür und ein kleines Mädchen zog mich hinaus in die Dämmerung. Dort befand ich mich plötzlich umringt von über zwanzig Kindern und Jugendlichen, welche mich erwartungsvoll anstarrten. Was nun? Nachdem ich mich etwas gesammelt hatte und ich merkte, dass einer von den Jugendlichen lächelnd hinter mich deutete, bemerkte ich die Tafel mit der Überschrift "Conversation with tourists". Wie sich später rausstellte handelt es sich bei der BCDO um eine lokal-geführte Hilfsorganisation, welche im Rahmen dieser Schule zahlreiche Projekte organisiert, so zum Beispiel Schlafplätze für Touristen und den Kontakt zu den Einheimischen, welcher leider an vielen Orten viel zu kurz kommt oder sogar vermieden wird. Überwältigt von der Gastfreundschaft verbrachten wir den Jahreswechsel mit einem freiwilligen Lehrer aus Spanien und zahlreichen Schülern. Der Leiter des Projektes kam zwei Tage später von einem Ausflug zurück und erklärte uns seinen Ideen. Es war so ungeheuer faszinierend, was diese kleine Organisation für Veränderungen bewirkt hat. Neben der Englischausbildung der Kinder zwischen 5 und 25, kümmert sich die BCDO um touristische Angebote, wie Trekking, Bootstouren und Unterkünfte, den Kampf gegen Wilderei und Rodung des Dschungels (da sich Andoung Toeuk im Botumsakor Nationalpark befindet und dieser davon sehr betroffen ist), sowie um hygienische Programme (z.B. Bereitstellung von Seife für die öffentliche Schule, Bereitstellung von kostenlosem und sauberem Trinkwasser für die Gemeinde).

Da wir kurz nach dem Jahreswechsel mit Freunden in der Hauptstadt Phnom Penh verabredet waren, sind wir erstmal weitergefahren, jedoch mit dem Versprechen zurückzukehren. So lies ich dann später das Fahrrad in Phnom Penh stehen und fuhr mit dem Bus zurück nach Andoung Toeuk. Dort verbrachte ich drei wunderbare Wochen als "Lehrer", lebte mit den Einheimischen und wurde zumindest temporär Teil einer völlig anderen Kultur in der Werte eine andere Bedeutung haben als im "hochmodernen Westen"…

Ich möchte jedem, der die Möglichkeit hat, einen Besuch dieses Ortes innig ans Herz legen. Jeder Mensch ist dort herzlich willkommen und die Leute um Sopeap (Leiter) und Nacebolas freuen sich über jeden Besuch.

Fazit

Trotz absoluter Unerfahrenheit war die Fahrradtour eine der intensivsten Reiseetappen der ganzen Asientour. (Auch wenn wir die Räder 500 km später in Siem Reap (Angkor Wat) verkauft haben).

So viele wertvolle und intensive Begegnungen wie in dieser Zeit hatten wir sonst selten. Es hat sich wirklich gelohnt sich einfach treiben zu lassen. Die Menschen in Kambodscha sind ungeheuer freundlich und wenn man den ihnen offen und mit Respekt begegnet, wird man stets mehr als herzlich empfangen.

Generell ist Kambodscha auch bzw. besonders abseits der Haupttouristenorte eine Reise wert. Man kann sich relativ einfach und kostengünstig fortbewegen und Sicherheit ist bei einer gewissen Vorsicht ebenso gewährleistet.

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