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Kurztrip nach Algier

Ganz unverhofft bekam ich Anfang Dezember die Chance, für ein paar Tage in Algier an einer Weiterbildung teilzunehmen und wollte die Gelegenheit nutzen, mich in der Hauptstadt Algeriens und deren Umgebung umzusehen. Wir waren außerhalb der typischen Touristenzeit unterwegs und hatten trotz Regenprognose das Wetterglück auf unserer Seite.

Algerien stand, wie auch andere nordafrikanische Staaten, nicht ganz oben auf meiner Reiseziel-Wunschliste. Ich spreche weder französisch noch arabisch und das macht die Verständigung, wenn man individuell unterwegs ist, nicht einfach. Hände und Füße als probates Kommunikationsmittel helfen an einigen Stellen nur bedingt weiter.

Aber da ich nun schon mal die Chance bekommen hatte, wollte ich mir es nicht entgehen lassen, einen kleinen Ausschnitt des Landes, das siebenmal so groß wie Deutschland ist, aber nicht einmal halb so viel Einwohner hat, kennenzulernen.  Ein Land, von dem man hier nur wenig erfährt. Irgendwie sprechen immer alle von der Sahararegion, wenn es um Algerien geht. Ich war einfach auch neugierig, wie sehr sich die Mittelmeerküste Afrikas von den Küstengebieten Europas unterscheidet.

In der Vergangenheit hatte ich schon Einiges gelesen über das Land und seine Geschichte, auch über die Ereignisse aus der jüngeren Vergangenheit. Ich stellte es mir spannend vor, zu sehen, wie sich das Land entwickelt hatte und was uns erwarten würde. Und, um es vornweg zu nehmen: Das Land, und vor allem seine Menschen, haben mich positiv überrascht.

 

Wer mit dem eigenen Auto unterwegs ist, braucht im Norden nicht unbedingt ein geländegängiges Fahrzeug, nur tiefergelegt sollte es bei den Schlaglöchern nicht sein. Je weiter südlich es geht, um so schlechter werden unter Umständen die Straßen, so dass man ohne Allrad nicht mehr sehr weit kommt. Das Straßennetz im Norden ist gut ausgebaut, aber nach Algier rein sollte man Nerven bewahren und die genauen Abmaße seines Autos kennen. Auf den vierspurigen Fahrbahnen fährt man auch gern zu siebt oder zu acht nebeneinander – Hupen inklusive.

Es gibt ein öffentliches Busnetz – nur die Bushaltestellen sollte man genau erfragen, da sie teilweise nicht gekennzeichnet sind. Das Bahnnetz verbindet v.a. die Städte im Norden, wobei wir trotzdem das Gefühl hatten, dass alle Welt mit eigenem Auto unterwegs ist, bei einem Benzinpreis von gerade mal 23 Cent / Liter ist es vielleicht auch nachvollziehbar.

Beim Stadtbummel durch Algier standen wir in der Nähe der Kasbah auch vor einer Riesenbaustelle. Die Regierung Algerien hält an ihrem Konzept des öffentlichen Verkehrsnetzes auch weiterhin fest, plant den weiteren Ausbau der Straßenbahn und der Metrostrecken. Sie erhoffen sich dadurch, die Zubringerstraßen weiter zu entlasten. Notwendig, wie jeder weiß, der morgens (und abends) im Verkehrschaos von Algier unterwegs ist.

Wir haben westlich von Algier geschlafen – in Palm Beach. Hatte den Vorteil, dass es nachts relativ ruhig war, wir herrliche Seeluft hatten und zudem nur einen für Algier kurzen, damit auch schnellen Weg zum Sportinstitut zurücklegen mussten. Außerhalb der Bade-Saison trafen wir beim Essen neben einer kleinen Gruppe Franzosen eher nur auf Arbeiter von den Erdöl/Erdgasfeldern und ein paar Sportoffizielle. Am Strand – ein paar Kilometer weg – war ein riesig großer Hotelkomplex und wenn wir uns die Bauarbeiten in der Nähe der Hafenanlagen von Sidi Fred ansehen, dann wird die algerische Küste zumindest in dem Teil des Landes bald nicht mehr ihren natürlichen Charme ausstrahlen.

Neben der Freundlichkeit der Menschen war es vor allem die Architektur und die vielen kleinen engen Gassen. Ich kam mir teilweise wie in einer französischen Hafenstadt vor. Die Häuser, die Farben strahlen alle einen entsprechenden Charme aus.

Und dass die Stadt in den Hang gebaut worden ist – die Aussicht von Notre-Dame d’Afrique auf die Stadt am Abend ist einfach grandios.

Ich habe mich immer sehr sicher gefühlt. Zugegeben, es ist eine große Polizei- und Armeepräsenz auf den Straßen in und um Algier. Es gibt viele Polizeikontrollen, aber alle Kontrollen – oder auch wenn wir einfach etwas nachgefragt haben – waren höflich bis freundlich, wenn auch bestimmt. Das habe ich in anderen Ländern schon deutlich anders erlebt.

Der Bürgerkrieg und die damit verbunden teils blutigen Auseinandersetzungen liegen ein paar Jahre zurück, wenn auch noch nicht alle Konflikte ausgestanden sind. Davor sollte man nicht die Augen verschließen. Die einheimischen Kollegen haben die Situation so beschrieben: ‚Von 2001 an hatten wir ein schwarzes Jahrzehnt. Dann haben wir versucht, zwei Jahre lang das Leben wieder aufzubauen, es zu normalisieren und jetzt wollen wir leben‘.

Im Vorfeld habe ich versucht, unbelastet an die Reise heranzugehen und keine Vorurteile aufzubauen. An der einen oder anderen Stelle habe ich dann auch nachgefragt, wenn ich mir bezüglich der Verhaltensregeln nicht ganz sicher war. Ich habe viele, uns gegenüber aufgeschlossene, wissbegierige Algerier erlebt, die nach einem mehrtägigen Zusammenarbeiten es sicher nicht vergessen, aber akzeptiert haben, dass ich als Frau mit ihnen unterwegs war. Und ich in unserem deutschen Dreierteam keine untergeordnete Rolle gespielt habe.

Ich hatte nicht das Gefühl, meine Haare mit einem Tuch bedecken zu müssen. Auch bei uns im Seminar waren die Frauen, zwar unterrepräsentiert, sehr unterschiedlich gekleidet. Wobei wir im Sportinstitut auch Spielerinnen beim Fußball bzw. Volleyball beobachtet haben, die mit Kopftuch oder Schaltuch sportlich aktiv waren. In Algier selbst trifft man auf der Straße alle Spielarten der Kleidung an, etwas weiter außerhalb wird es deutlich Traditioneller.

Bei aller Toleranz und der uns entgegengebrachten Freundlichkeit: Es ist dennoch für mich etwas befremdlich, wenn wir uns zu einer Gesprächsrunde in eine Teestube zurückgezogen haben, in der nur Männer sitzen, man fühlt sich wie auf einem Präsentierteller. Oder, wenn ich abends, nach einem langen Tag einfach nur am Strand mir meinen Kopf wieder freipusten lassen wollte – und dabei nur Männern begegnete. Es gab dabei immer einen respektvollen Abstand beiderseits, aber das Gefühl, etwas zu machen, was sonst nicht üblich ist, wollte nicht weichen. Genauso wie das Gefühl einer permanenten Beobachtung. Das soll, so hieß es, im Hochsommer, wenn viele, vor allem französische, Urlauber die Strände bevölkern, etwas anders sein.

 

Nein, eigentlich nicht. Zumindest entlang der Küste ist uns nichts begegnet. Das mag bei Touren in den Süden, vor allem in die Sahara anders sein. Je nach politischer aktueller Situation kann es in diesen Gegenden immer wieder auch zu Einschränkungen kommen.

Allerdings wurden wir immer wieder darauf hingewiesen, dass das Fotografieren von öffentlichen Regierungsgebäuden und Polizei- und Militäreinrichtungen nicht erlaubt ist. Der offen in der Hand getragene Fotoapparat sorgte immer für leichtes Unwohlsein bei unseren Begleitern.

Nein, sicherlich nicht, zumal mir auch gleich bei der Ankunft vorgeschwärmt wurde, dass man wunderschön östlich von Algier in den Bergen klettern gehen kann. Es bleibt sicherlich spannend, ob sich die politischen Verhältnisse auch dahingehend ändern werden, dass man wieder problemfrei ein Touristenvisum ohne Agentur bekommt. Wäre schön, denn Algerien ist – noch – lange nicht so überlaufen wie die Touristenhochburgen in Tunesien und Ägypten. Man kann noch viel entdecken.Ganz unverhofft bekam ich Anfang Dezember die Chance, für ein paar Tage in Algier an einer Weiterbildung teilzunehmen und wollte die Gelegenheit nutzen, mich in der Hauptstadt Algeriens und deren Umgebung umzusehen. Wir waren außerhalb der typischen Touristenzeit unterwegs und hatten trotz Regenprognose das Wetterglück auf unserer Seite.

  • Beste Reisezeit: Wer Sonne und hohe Temperaturen mag, der kann auch in den Sommermonaten an der Küste Algeriens gut unterwegs sein. Ansonsten ist das Reisen von Oktober bis April von den Temperaturen her deutlich angenehmer. Allerdings kann es im Dezember an der Küste auch länger und ausgiebig regnen.
  • Visum: Es ist immer noch extrem schwer oder gar nicht möglich, ein Visum für Individualreisen zu bekommen. Man benötigt ein Touristenvisum, dass man nur bekommt, wenn man den Nachweis einer Reise mit einer anerkannten Agentur bei der Botschaft vorlegen kann. Dazu muss man entweder persönlich vorsprechen, wobei genau festgelegt ist, wer nach Berlin fahren und wer das Konsulat in Bonn konsultieren darf (als Sachse geht es nach Berlin). Hat man keine Zeit dafür, kann man einen Visa-Dienst nutzen, wobei nicht alle ein Visum für Algerien besorgen können.
  • Anreise: Für uns ging es mit der Lufthansa von Frankfurt/Main direkt nach Algier. Man kann auch über fast alle anderen Hauptstädte Europas fliegen, allerdings wären wir dann auf dem Rückflug teilweise länger als 20 Stunden unterwegs gewesen.
  • Sprache: In Algier und Umgebung kommt man gut mit Französisch weiter, wobei wir das Gefühl hatten, dass man auch schnell mal ins arabische wechselt, wenn einem die französischen Worte fehlen. (Amtssprache in Algerien ist Arabisch, das von gut 70 % der Bevölkerung gesprochen wird, im Süden werden vor allem Berbersprachen gesprochen. Die Geschäfts- und Behördensprache in Algerien ist überwiegend Französisch)
  • Geld: Mit Euro kommt man nur bedingt weiter. Es hilft, gleich nach der Einreise algerische Dinar zu wechseln. Automaten haben wir keine gesehen, waren aber auch nicht in einer Bank.
  • Je nach Reisezeit: entsprechenden Wetterschutz von einer Regenjacke bis zu starker Sonnencreme, von einem Fleece oder einer Isolationsjacke bis zur Sommerhose oder Rock
  • Leichte, lange, leger geschnittene Kleidung (als Sonnenschutz)
  • Sandalen oder FlipFlops für den Strand oder einen ganz leichten Halbschuh
  • Wem das Kartenmaterial vor Ort nicht ausreicht: Navigeräte; Dabei sollte man aber wissen, dass, wenn man die Einreisebestimmungen genau liest,  die Einfuhr von GPS-Geräten verboten ist (Begründung: Anhaltenden Auseinandersetzungen mit islamistischen Terroristen)
  • Algerien: Kultur und Natur zwischen Mittelmeer und Sahara (Birgit Agada, Adolf Schuster – Trescher-Verlag 2010)
  • Kauderwelsch: Algerisch-Aarabisch Wort für Wort (2. Auflage 2006 Reise-Knowhow Verlag)
  • Stadtplan Algier (französisch/englisch. Laure Kane. 1:10.000)
  • Kulturschock Islam (Christine Pollok, Reise Knowhow Verlag)
  • Kletterführer für Algerien:  Escalade au Sahara – Kletterführer Sahara, (Thomas Dülac, Geoquest-Verlag, 2005 – z.Z. vergriffen)
  • DVD: Algerien: Land der Sonne, Land der Felsen (Frank Schorisch 2007, Geoquest-Verlag)

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