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Teaserbild: Hardangervidda West-Ost-Durchquerung – Solowandertour in 8 Tagen

Hardangervidda West-Ost-Durchquerung – Solowandertour in 8 Tagen

Der Nationalpark Hardangervidda präsentiert sich dem Wanderer im Sommer und Frühherbst mit einer beeindruckenden sommerarktischen Landschaft aus bizarren Felsformationen, Schneefeldern, reißenden Schmelzwasserflüssen, klaren Seen, in denen bläulich das Eis schimmert und dazwischen bunte Blumenteppiche und leuchtend grüne Wiesen. Im Nordosten durchwandert man endlos weite Sumpflandschaften mit ausgedehnten Wollgraswiesen, aus denen Vogelschwärme auffliegen und Millionen von Mücken … Der ganze Nationalpark umfasst eine variationsreiche Landschaft, die sich nicht nur auf der gesamten Strecke sondern auch schon auf jeder Tagesetappe kontinuierlich verändert. Hier nun mein Reisebereicht: Ich, Annett aus Leipzig, bin im Juli 2014 mit dem Zelt in 8 Tagen allein durch die Hardangervidda gewandert.

Der Nationalpark Hardangervidda ist mit 1200km Wanderpfaden und einem Netz aus über 35 Wanderhütten ein riesiges Wandergebiet, das sich sowohl für kurze Tagestouren als auch für eine zweiwöchige Langstreckenwanderung anbietet. Die klassischen Wanderrichtungen für Langstreckentouren führen allerdings von Nord nach Süd bzw. West nach Ost und umgekehrt. Da ich schon einmal 2012 Anfang September von Süd nach Nord durch die Hardangervidda gewandert bin und nach 5 Tagen aufgrund der Witterungsverhältnisse ganz im Norden ausgerechnet kurz vor dem Gletscher abbrechen musste, hatte ich den Ehrgeiz, dieses Jahr im Sommer die ganze Strecke zu schaffen und dabei vor allem auch den Gletscher zu umrunden. Exakt dieselbe Strecke wie 2012 wollte ich natürlich nicht noch einmal abwandern und deshalb habe ich mir eine Tour ausgesucht, die in 8 Tagen aus Süd-Westen, in der Ortschaft Røldal beginnend, in nord-östliche Richtung um den Gletscher herum bis nach Finse führt. Diese Langstreckenwanderung war wirklich phantastisch.

Was sind die Highlights auf der Wandertour?
Das offizielle Highlight ist sicherlich der Gletscher Hardangerjøkulen, der von Finse aus mit einer organisierten Gletschertour erwandert werden kann. Eine Attraktion ist auch der Hårteigen, mit 1700m die höchste Erhebung in der Hardangervidda und grandioser Aussichtspunkt. (Die Besteigung ist allerdings anspruchsvoll und anstrengend. Wanderer, die den Tafelberg in Angriff nehmen, lassen vor dem Aufstieg ihr Gepäck am Fuße des Berges liegen.) Für Kinder sind sicherlich die vielen Lemminge eine der Hauptattraktionen. Die Tiere zeigen kaum Scheu, sind gut zu beobachten und massenhaft anzutreffen. Mich hat besonders die variantenreiche Vegetation in ihren verschiedenen Vergesellschaftungen begeistert. Ornithologen kommen im Nord-Osten auf den Hochebenen und in den Sumpfgebieten auf ihre Kosten: dort lassen sich Raubvögel, Schneehühner, Watvögel und viele andere Arten von teilweise bemerkenswerter Zutraulichkeit beobachten.

Hüttenwandern oder Zelten?
Besonders auf Mehrtagestouren kann ich Hüttenwandern empfehlen. Man muss deutlich weniger Gepäck mitschleppen, wenn man in den Hütten nächtigt und dort verpflegt wird bzw. die Selbstversorgungsmöglichkeiten nutzt. Jeder dieser Hütten ist derart liebevoll familiär-skandinavisch-gemütlich eingerichtet und ausgestattet, dass der Hüttenaufenthalt an sich schon zum Erlebnis wird. Für eine Hüttenwanderung lohnt sich übrigens die Mitgliedschaft im norwegischen DNT-Wanderverein schon ab der 2. Übernachtung. Entscheidende Nachteile beim Hüttenwandern sind die langen Distanzen der einzelnen Etappen. Besonders um den Gletscher muss man teilweise 9h (ohne Pause) bis zur nächsten Hütte zurücklegen, d.h. man ist nicht selten 10-12h wandernd auf den Beinen und ohne Zelt gezwungen, selbst bei starkem Regen die langen Distanzen bis zur nächsten Hütte auf sich zu nehmen.
Wer eine leichte und warme Ausrüstung zum Zeltwandern besitzt, sei ermutigt zu zelten. Ich hatte nur mit Zelt (Vaude Power Lizard SUL 2-3P), Schlafsack (Deuter Exosphere -4) und Isomatte (Term-A-Rest Trail Pro) lächerliche 3,6 kg zusätzlich zu Nahrung, Kochequipment und Kleidung zu tragen und habe das Wandern mit max. 15kg Rucksackgewicht durchweg als angenehm empfunden.

Mit welchen Herausforderungen muss der Wanderer in der Hardangervidda rechnen?
Der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Etappen variiert stark und je nach Erfahrung bzw. persönlichem Empfinden sind in der Hardangervidda durchaus einige Herausforderungen zu meistern. Da ich nicht schwindelfrei bin, war für mich jede „Sommerbrücke“ ein Wagnis. Zu Beginn der Wandersaison werden über die Flüsse, die selbst durch Waten oder Trittsteine nicht passierbar sind, provisorische „Sommerbrücken“ gelegt. Auf jeder Tour hat man mehrere davon zu überqueren und nicht wenige führen über reißende Flüsse, sind mehrere Meter lang, kaum einen Meter breit, wackelig und vor allem OHNE Geländer. Die meisten Flüsse müssen aber mit Watschuhen oder über Trittsteine passiert werden. Besonders bei starkem Wind und Regen erfordern alle drei Möglichkeiten der Flusspassage Konzentration und Trittsicherheit. Auch die Überquerung mancher Schneefelder erfordert ein hohes Maß an Vorsicht. Es gibt Schneefelder, die schräg in Seen abfallen – wer da abrutscht oder den Halt verliert, schlittert direkt ins Eiswasser. Die größte Vorsicht ist jedoch bei Schneefeldern geboten, die unterirdisch von Flüssen ausgehöhlt werden. Ich bin auf Norweger gestoßen, die mit Metallschienen über solche Flächen gerutscht sind. Eh man sich lange über die Tragfähigkeit der Schneedecke Gedanken macht, … am besten umgehen. Eine weitere Herausforderung ist hin und wieder die Orientierung. Grundsätzlich ist die Hardangervidda zwar ein gut erschlossenes und sorgfältig ausgeschildertes Wandergebiet, in Sumpfgebieten sind die Pfade allerdings mangels Steinen und aufgrund eingesunkener Wegweiser kaum zu erkennen. Eher selten ist streckenweise auch auf anderen Etappen die Wegmarkierung etwas dürftig, so dass man in Gefahr läuft, einen der vielen Schaf- und Rentierpfade mit dem Wanderweg zu verwechseln.

Ist so eine Zeltwanderung in diesem anspruchsvollen Terrain für eine alleinwandernde Frau nicht etwas riskant?
Eine Norwegerin würde diese Frage sicher belächeln und auch so manch andere unerschrockene und wandererfahrene Leserin. Ich habe die Frage trotzdem mit aufgenommen, nicht nur, weil ich selbst in den ersten zwei Nächten allein im Zelt Angst hatte, sondern vor allem, weil ich andere Frauen dazu ermutigen möchte, die Tour lieber allein in Angriff zu nehmen, als aus Mangel an Reisepartnern auf so eine Wanderung zu verzichten. Es drohen in der Hardangervidda keine Gefahren, für die sich speziell eine allein zeltwandernde Frau hätte rüsten müssen. Bären leben in der Hardangervidda nicht und im Nachhinein fällt mir nichts ein, was in irgendeiner Weise frauenspezifisch eine Gefahr hätte darstellen können. Ich bin auch auf meiner Tour niemals so allein gewesen, dass ich nicht wenigstens einmal am Tag einem anderen Wanderer begegnet wäre. Da das Zelten im Umfeld der Hütten verboten ist, hatte ich natürlich trotzdem in den ersten beiden Nächten so ganz allein in der Wildnis eine diffuse Angst und musste mich erst an die vielen nächtlichen Geräusche gewöhnen. Aber schon ab dem dritten Tage habe ich tagsüber und nachts die Einsamkeit genossen. Nach dieser Erfahrung würde ich in Norwegen jederzeit wieder allein mit dem Zelt losziehen.

Tourenvariationen
Ein Blick auf die Karte offenbart variantenreiche Tourenkombinationen – je nach gewünschter Gesamtlänge, dem Schwierigkeitsgrad, der gewählten Nächtigungsoption und den An- und Abreiseorten. Für einen besseren Überblick und mehr Kombinationsmöglichkeiten sei allerdings unbedingt die Fjellkart CK 47 1:100 000 empfohlen! Die DNT Turkart deckt nur einen Bruchteil der Hardangervidda ab und ist auch nicht so wetterfest und robust. Kriterien für eine Zusammenstellung der Tour können auch die Verpflegungsmöglichkeiten der Hütten sein (Selbstversorgung / Halbpension), die Geomorphologie des Hochplateaus (viele finden die regenreichen Gebirge im Westen schöner als die „Mondlandschaften“ und Sumpfgebiete im Osten) oder die Steigung im Gelände (von Nord nach Süd über die Gesamtstrecke abfallend).

Welche Tipps würdest Du nach dieser Tour an der Hardangervidda interessierten Wanderern unbedingt mitgeben wollen?
Wasserdichte Wanderstiefel und Watschuhe sind unabdingbar für die Hardangervidda! Wer ultraleichte Teleskopwanderstöcke hat, nimmt sie besser mit. Ich bin zwar selbst ohne Wanderstöcke gelaufen, kann mir aber gut vorstellen, dass sich Flüsse und Schneefelder damit deutlich leichter überqueren lassen. Außerdem sollte die Sonneneinstrahlung im Hochgebirge genauso wenig unterschätzt werden, wie die Kälte in sternenklaren Nächten. Ich bin mit meiner Trekkingausrüstung zwar hervorragend für die Nächte gerüstet gewesen, hatte aber nicht an Sonnenbrille und ausreichend Sonnencreme gedacht. Mir ist auch aufgefallen, dass manche Langstreckenwanderer viel zu viel und vor allem unnötiges Gepäck in ungeeigneten Rucksäcken mitgeschleppt haben. Ich plane den Inhalt meines Rucksacks minutiös nach Gewicht und versuche einzusparen wo es geht: Packlisten im Internet sind eine hilfreiche Inspiration und auf der Tour können Gaskartuschen (Primus-Schraubkartuschen!), Hygieneartikel und Trekkingnahrung jeder Art in fast jeder Hütte nachgekauft werden.Der Nationalpark Hardangervidda präsentiert sich dem Wanderer im Sommer und Frühherbst mit einer beeindruckenden sommerarktischen Landschaft aus bizarren Felsformationen, Schneefeldern, reißenden Schmelzwasserflüssen, klaren Seen, in denen bläulich das Eis schimmert und dazwischen bunte Blumenteppiche und leuchtend grüne Wiesen. Im Nordosten durchwandert man endlos weite Sumpflandschaften mit ausgedehnten Wollgraswiesen, aus denen Vogelschwärme auffliegen und Millionen von Mücken … Der ganze Nationalpark umfasst eine variationsreiche Landschaft, die sich nicht nur auf der gesamten Strecke sondern auch schon auf jeder Tagesetappe kontinuierlich verändert. Hier nun mein Reisebereicht: Ich, Annett aus Leipzig, bin im Juli 2014 mit dem Zelt in 8 Tagen allein durch die Hardangervidda gewandert.Der Nationalpark Hardangervidda präsentiert sich dem Wanderer im Sommer und Frühherbst mit einer beeindruckenden sommerarktischen Landschaft aus bizarren Felsformationen, Schneefeldern, reißenden Schmelzwasserflüssen, klaren Seen, in denen bläulich das Eis schimmert und dazwischen bunte Blumenteppiche und leuchtend grüne Wiesen. Im Nordosten durchwandert man endlos weite Sumpflandschaften mit ausgedehnten Wollgraswiesen, aus denen Vogelschwärme auffliegen und Millionen von Mücken … Der ganze Nationalpark umfasst eine variationsreiche Landschaft, die sich nicht nur auf der gesamten Strecke sondern auch schon auf jeder Tagesetappe kontinuierlich verändert. Hier nun mein Reisebereicht: Ich, Annett aus Leipzig, bin im Juli 2014 mit dem Zelt in 8 Tagen allein durch die Hardangervidda gewandert.

Beste Reisezeit
Anfang Juli bis Mitte September für Hüttenwanderer und Mitte Juli bis Ende August für Zeltwanderer. Der Frühherbst ist als Wandersaison aufgrund des stabileren Wetters, geringerer Mückenplage und phantastischer Herbstfärbung zu empfehlen. Achtung! Die Sommerbrücken sind nur zwischen Ende Juni und Mitte Oktober installiert!

Anreise
Im Norden der Hardangervidda mit der Bergenbahn, die auf einer landschaftlich herrlichen Route zwischen Oslo und Bergen pendelt. Ausgangspunkte wären z.B. die Stationen: Geilo, Ustaoset, Haugastøl oder Finse direkt am Gletscher. Im Süden verkehrt der Haukeliexpressen zwischen Bergen und Oslo mit offiziellen Stopps in Haukeliseter, Røldal und Horda. Auf Anfrage halten die Busfahrer auch zwischen den Haltestellen. Achtung! Für unter 30jährige lassen sich die stattlichen Fahrpreise in Bus und Bahn mit dem Internationalen Studentenausweis beachtlich reduzieren.

Übernachten
Für Hüttenwanderer lohnt sich die Mitgliedschaft im norwegischen DNT Wanderverein! Eine Übersicht über alle Hütten erschließt sich aus der Wanderkarte. Die DNT-Hütten für die Hardangervidda sind auf der DNT-Homepage mit allen Informationen aufgelistet.

Geld
Wer sich im Nationalpark auf den Hütten versorgen möchte, sollte unbedingt eine Kreditkarte mitnehmen. Selbst in der entlegensten Berghütte kann man noch eine Tafel Schokolade mit Kreditkarte bezahlen. Alternativ sollte ausreichend passendes Kleingeld mitgenommen werden, da der Einkauf in den Selbstversorgerhütten auf dem Vertrauensprinzip basiert und aus den Einwurfkassen kein Wechselgeld genommen werden kann.

DNT Einen ersten Einblick mit vielen nützlichen Informationen bietet die Seite

Visitnorway macht Tourenvorschläge und bietet auch geführte mehrtägige Wanderungen an.

SKYSS Neben Haukeliexpressen und Bergenbahn, ermöglichen die regionalen Buslinien von Skyss eine flexiblere An- und Abreiseplanung auf der Strecke zwischen Ullensvang und Geilo.

Wanderstiefel: Sumpfgebiet-taugliches Schuhwerk sollte wasserdicht sein und über die Knöchel reichen.

Zelt: Ultraleichtes Zelt von Vaude (power lizard SUL 2-3 P) für Gewichtsminimalisten.

Isomatte: Besser mit einem R-Wert von mindestens 4 gegen Nachtfröste gerüstet sein.

Schlafsack: Ein Dreijahreszeiten-Schlafsack ist für eine Sommertour in der Hardangervidda ein Muss.

CAPPELENS KART CK47 1:100 000 Hardangervidda Fjellkart 2012. ISBN 978-82-02-37784-7

Gebirgsblumen. Olav Gjærevoll & Reidar Jørgensen 1979 (Trondheim). ISBN 82-7082-454-8 Uraltes aber liebevoll geschriebenes handliches norw. Fachbüchlein in dt. Übersetzung. Erhältlich mitten im Nationalpark in der Hütte Litlos.

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