Dein Abenteuer beginnt hier!

Teaserbild: Einmal von Deutschland nach Portugal

Einmal von Deutschland nach Portugal

Einmal von Deutschland nach Portugal

Flugzeug, Zug, Fernbus ? Weder noch … Daumen hoch – ich will trampen! So starte ich am Hauptbahnhof in Saarbrücken und reise mit den offenen Herzen meiner Mitmenschen über Frankreich und Spanien bis nach Lissabon in Portugal, wo ich bereits in der Nacht des zweiten Tages ankomme! 2200 km Autofahrt in 1,5 Tagen, eine kühle Campingnacht auf dem Rastplatz bei Orleans (Frankreich) und unzählige Geschichten meiner Fahrer.

Warum überhaupt Lissabon?

Nun, meine Freundin studiert für ein Semester in Lissabon, mehr brauche ich zu meiner Motivation nicht sagen 🙂 Aber auch die Stadt allein ist eine Reise wert! Mit etwas über 500.000 Einwohnern ist sie nicht die größte Hauptstadt Europas, steht jedoch ihren Nachbarn in Kultur und Geschichte in nichts nach und behält dabei ihren Charme, wirkt nicht so überlaufen. Einst starteten dort im 15. Jahrhundert große Seefahrer, um die Welt zu erkunden. Noch heute zeugen Denkmäler, Prunkbauten und der Stolz Lissabons vom Entdeckergeist dieser vergangenen Zeit. Ich selbst war bereits im Februar und im März dieses Jahres in Lissabon, um meine Freundin zu besuchen.

 

Was Sie schon immer über diese TOUR wissen wollten…

Warum Trampen?
Selbst Billigflieger verlangten so kurzfristig über 200 Euro für den Hinflug, also: Nein danke. Den Rückflug hingegen buchte ich für etwa 60 Euro. Die Strecke mit dem Zug wäre auch mehrere hundert Euro teuer gewesen. Einen Fernbus hatte ich letztes Jahr nach Paris genommen und das war alles andere als angenehm. Selber fahren wollte ich nicht. Blieb also nicht viel übrig als zu trampen.
Was ich vom Trampen wusste: Vor 5 Jahren hatte ich mich bereits mit Trampen beschäftigt. In vielen Foren schwärmte man über die Leichtigkeit des Trampens in Europa. Damals war ich von Passau nach Wien getrampt. Da mich jedoch jemand von Passau direkt ans Ziel gefahren hatte, bezeichne ich es nicht wirklich als Erfahrung … Im Februar dieses Jahres versuchte ich von Madrid in den spanischen Norden zu trampen, in 2,5 Stunden hielt nicht ein Auto an, sodass mich schließlich die Polizei aus Mitleid einsammelte und zum nächsten Bahnhof brachte. Ein Freund erzählte mir von seinem Trampabenteuer nach Portugal. Er war mit einem Bekannten 2016 in nur drei Tagen von Leipzig nach Lissabon getrampt. Übernachtet wurde im Zelt auf Rastplätzen. Von ihm animiert machte ich mich ans Packen.

Der Anfang verlief blendend 
So geht es Samstag, den 22.4.2017 um 13:15 Uhr am Hauptbahnhof in Saarbrücken los. Gleich der erste Autofahrer, den ich anspreche, nimmt mich bis zum nächsten Rastplatz auf der Autobahn hinter der Grenze in Frankreich (Richtung Forbach) mit (etwas Stadtverkehr bei gefühlten 10 min Fahrdauer). Dort halten jedoch kaum Fahrzeuge, es dauert etwa 2,5 Stunden, bis ich ein deutsches Pärchen finde. Selbst auf einem Roadtrip nach Spanien, nehmen sie mich mit bis nach Troyes (nach etwa 300 km über Landstraßen/ 3,5 Stunden Autofahrt) und lassen mich gegen 18:00 Uhr an einem Kreisverkehr raus, bevor sie ihr Hotel als Zwischenstopp aufsuchen. Aber wie spricht man vorbeiziehende Autofahrer am Kreisel an?

Ich bin positiv überrascht
Zum Zeichnen habe ich nichts dabei, also doch den Daumen ausstrecken. Anfangs etwas über die Verständigung in Frankreich besorgt, werde ich völlig von der Herzlichkeit und Offenheit der Franzosen überrascht. Keine 5 Minuten später sitze ich im nächsten Auto. Auch ohne Englisch wird schnell klar, wohin ich will. Das Ziel liegt zwar nicht auf seinem Weg zur Party, trotzdem fährt mich der Mann einige Kilometer bis zur nächsten Autobahnauffahrt (etwa 5,5 km/ 7 min Fahrt), was auch die Mautstationen in Frankreich sind. Sprich: Fahrzeuge müssen anhalten 😉
Dort treffe ich auch gleich den nächsten Fahrer. Er kommt gerade von einem Autohaus und ist auf dem Weg zu seiner Familie nach Haue. Eine Jugendbande hatte das Auto seiner Frau gestohlen, so suchte er jetzt nach einem Ersatz. Er nimmt mich mit auf den Highway A5 bis zur A19 und verpasst dabei seine eigene Ausfahrt (etwa 140 km / 1,5 Stunden Fahrt). Auf dem nächsten Rastplatz übernimmt er dann sogar die Organisation der Weiterfahrt und kurze Zeit später sitze ich bei einer vierköpfigen Familie im Auto. Die Mutter ist zu den beiden Kindern auf die Rückbank gerutscht. Niemand versteht Englisch oder Spanisch, aber sie sind auf dem Heimweg nach Orleans und die Stadt liegt auf meiner Route – perfekt! Während der Vater fährt, spiele ich mit Mutter und den Kindern "dobble". Kurz vor Orleans mache ich verständlich, auf dem nächsten Rastplatz (etwa 90 km / 50 min Fahrt) zelten zu wollen. Im nächsten Moment halte ich das Handy des Vaters am Ohr. Seine Cousine versucht mich in passablem Englisch davon zu überzeugen, dass es besser sei, in einem Hotel im Zentrum Orleans' zu schlafen, ich bin jedoch auf Abenteuer aus 🙂 

Ich bin auf Abenteuer aus!
Gegen 20:30 Uhr schlage ich mein Tarp unter Bäumen auf einer Grünfläche der Raststätte auf. Ich würde auch etwas weiter weg vom Rastplatz zelten, der ist aber mit Zaun, Stacheldraht und einem weiteren Stromzaun nach außen abgegrenzt. Komisch … Wenigstens kommen so keine wilden Tiere. Das Tarp selbst befestige ich in der Mitte am Zaun und spanne die andere Seite ab, sodass eine Art Dreieck entsteht. Unter mir schlage ich das Tarp um und habe dadurch gleich einen Nässeschutz zum Boden hin. Anschließend koche ich mir eine Nudelsuppe mit Zwiebeln, Knoblauch, Tomatenmark und allerlei Gewürzen. Mittlerweile ist es dunkel geworden. Nachts wird es recht kalt (-1 °C), sodass ich alle Sachen anlasse und mich tief in den Schlafsack vergrabe. Zum Boden hin habe ich Luftmatratze und Isomatte. Meine Regenjacke ziehe ich geschlossen über das Fußteil meines Schlafsacks, um dort eine weitere Isolation zu schaffen. So lässt es sich aushalten 🙂 

Ich fahre nun selber.
Den Morgen beginne ich damit, gleich meinen Schlafplatz zurückzubauen, um in Bewegung zu kommen. Anschließend gibt es Cornflakes mit Milch, die habe ich mir aus Deutschland mitgenommen. Gut 5 Minuten verbringe ich damit, meine nächste Reisemöglichkeit zu suchen und schon sitze ich im Auto zweier Belgier. Vater und Schwiegersohn sind auf dem Weg nach Südfrankreich und waren die Nacht um 3 Uhr in Nord Belgien gestartet. Ich übernehme das Steuer und beide gönnen sich erstmal eine Ruhepause. Die Autofahrt über erzählen wir viel und tauschen verrückte Abenteuer aus. Sie lassen mich kurz vor Bayonne auf einem Rastplatz raus (etwa 670 km/ 6,5 Stunden Autofahrt).

Der Clou
Dort dauert es etwa eine Stunde, bis sich eine weitere Mitfahrgelegenheit anbietet. Ein Franzose nimmt mich mit nach Spanien. Da er gerade Spanisch lernt, klappt so die Verständigung ganz gut. Wir überfahren kurz vor Irun die französisch-spanische Grenze. Ich sehe das erste Mal auf dem Trip die Atlantikküste, ein Urlaubsgefühl kommt auf. Er selbst ist auf dem Weg in den Urlaub nach Granada und hat als Zwischenstop ein Hotel nahe Burgos, wo er mich gegen 18 Uhr rauslässt (etwa 280 km/ 3 Stunden Fahrt). Ich überlege, ob ich weiter trampe oder mein Nachtlager aufschlage. Schließlich setze ich mir Salamanca als Tagesziel und suche nach einem weiteren Auto. 
Ich sehe ein Fahrzeug mit portugisischem Kennzeichen auf dem Rastplatz und spreche den Fahrer an. Er will heute noch nach Lissabon und nimmt mich mit. Ich kann es kaum fassen, so ein Glück!!! Das bedeutet allerdings noch mal gut 6 Stunden Fahrt und eine Ankunft um Mitternacht. Da ich nun kein Abendessen kochen kann, esse ich auf der Autofahrt meine letzten Cornflakes. Gegen 22:00 Uhr erreichen wir die spanisch-portugiesische Grenze bei Vilar Formoso. Wir haben Hunger und gehen in ein kleines Restaurant nahe der Grenze. Im Fernsehen läuft Real Madrid gegen Barcelona. Es steht 1:1, die Stimmung ist super. Auf Empfehlung hole ich mir ein "francesinha", ein Weißbrot-Sandwich, belegt mit allen möglichen Fleischsorten (Wiener Würstchen, Chorizo und Bacon, dazwischen ein Steak), das ganze mit Käse überbacken und in eine cremige Art Worcestershiresoße getränkt … Verrückt, aber lecker!! Als Beilage gibt es Pommes und Salat. Barcelona beendet die Partie in der Nachspielzeit mit 2:1, wir ziehen weiter. 
Es liegen noch gute 3 Autostunden vor uns. Mein Fahrer verspricht mir, noch vor 1 Uhr in Lissabon zu sein, sodass ich die letzte Metro erwische. Und 0:30 Uhr (Dank Zeitumstellung -1 Stunde) halten wir an der Station "Cavo Ruivo"/ "Oriente" (etwa 770 km/ 7 Stunden Fahrt und 1 Stunde Pause). Top!! 

Angekommen!
So stehe ich kurz nach 1 Uhr vor der Wohnung meiner Freundin. Was für ein Abenteuer: vier Länder, über 2200 km in eineinhalb Tagen. Kosten: 5 € für meine Mahlzeit an der portugiesischen Grenze, 6 € für die noch gut gefüllte Gaskartusche, 1,40 € für das Metroticket in Lissabon. Meine Freundin begrüßt mich aufgeregt und erklärt mir, dass ich rechtzeitig zum Nationalfeiertag Portugals am 25.4. komme. An diesem Tag im Jahr 1974 wurde der portugiesische Diktator Salazar in einem Militärputsch von der Macht verdrängt, die Bevölkerung steckte als Zeichen der Freude rote Nelken in die Gewehre der Soldaten.

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