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Teaserbild: Pyrenäen – Wilde Bergwelt abseits des Massentourismus

Pyrenäen – Wilde Bergwelt abseits des Massentourismus

Wir starteten unseren Urlaub zunächst mit etwas Sightseeing (Lourdes, Grottes de Bétharram, Greifvogelpark mit Show in Arreau) und kleineren Tageswanderungen (Lac de Gaube, Cirque de Gavarnie) auf der französischen Seite der Pyrenäen. Nach vier Tagen wechselten wir auf die trockenere, spanische Seite, wo wir von unseren 2 Standorten Bielsa und Aínsa verschiedene Tageswanderungen (Ordesa-Nationalpark, Valle de Chistau, Añisclo-Schlucht) unternahmen. Neben dem Wandern standen auch Rafting und gemütliche, abendliche Stadtbummel auf dem Programm. Nach einem Zwischenstopp im Benasque-Tal ging es weiter zum Mehrtagestrekking im wunderschönen Aigüestortes-Nationalpark. Zum Abschluss des Wanderparts machten wir einem Tagesausflug nach Núria, bevor wir weiter an die Costa Brava, nach La Escala, fuhren, wo wir unseren Urlaub gemütlich am Strand ausklingen ließen.

Nach unserer Island-Trekkingtour im Vorjahr – die zwar landschaftlich ein Traum, aber eben (erwartungsgemäß) sehr kalt war – wollten wir unseren Sommerurlaub 2010 unbedingt in wärmeren Gefilden verbringen. Unsere Entscheidung fiel auf die Pyrenäen. Schnell waren wir begeistert von der Idee, durch einsame Bergregionen ohne den üblichen Massentourismus zu touren. Neben seiner Gipfelwelt mit rund 200 Dreitausendern beeindruckt das französisch-spanische Grenzgebirge durch majestätische Bergkessel, tiefe Schluchten, glasklare Bergseen, tosende Wasserfälle, einsame Täler und romantische Bergdörfer. Naturliebhaber, Sportler und Ruhesuchende kommen in den Pyrenäen fernab des Massentourismus gleichermaßen auf ihre Kosten.

Welche Sprachkenntnisse braucht man?
Hatte ich die Franzosen bislang als „Englisch-Muffel“ kennen gelernt, wurde ich jetzt eines Besseren belehrt. Die französische Zentralpyrenäen-Region ist im Ganzen etwas touristischer ausgeprägt als die spanische Seite, hier wird fast überall englisch gesprochen. In den spanischen Pyrenäenregionen hingegen sind Spanischkenntnisse von Vorteil: In den Touristenbüros und auf den Campingplätzen spricht fast immer jemand englisch, in Restaurants, Supermärkten, den Berghütten usw. war man ohne Spanischkenntnisse häufiger aufgeschmissen.

Wo kann man gut übernachten?
Wir haben während unserer Tour in B&Bs, auf Campingplätzen und in Berghütten übernachtet. Wegen Schlechtwetter haben wir uns in Frankreich spontan B&Bs gesucht. Die Touristeninformationen hatten immer sehr gute und preisgünstige Tipps für uns. Auf der spanischen Seite, die insgesamt beständiger und trockener ist, haben wir ausschließlich gezeltet. Empfehlenswert sind Camping Aneto in Benasque („sehr gut“) und Camping Bielsa („gut). Camping Aínsa erhält von uns auf Grund seiner guten Lage und Ausstattung, aber harten Untergrunds mit vielen Würmern ein „befriedigend“.
Während unserer 4-tägigen Tour im Aiguestortes Nationalpark haben wir in den „Refugios“ übernachtet (das wilde Campen ist in allen Nationalparks der Pyrenäen verboten!). Die Hütten sind traumhaft gelegen, meist direkt am See, und gut ausgestattet. Man wird freundlich empfangen und das Essen ist reichlich und sehr lecker. Insbesondere im Juli und August sowie an den Wochenenden sollte man besser vorab reservieren!

Wo gibt es die besten Sportangebote?
Wenn man Rafting, Canyoning, Kayaking oder Ähnliches ausprobieren möchte, bieten sich als Ausgangsort die Städte Aínsa oder Benasque und Umgebung an. In den Orten gibt es meist mehrere Anbieter, die Sportangebote für Einsteiger und Fortgeschrittene bereithalten. In den Büros der Sportanbieter kann man sich informieren und die Touren direkt buchen. Preislich gibt es keine allzu großen Unterschiede. Achtung: Fürs Canyoning sollte man ein paar alte Schuhe dabei haben, die zur Not auch kaputt gehen dürfen. Wir haben uns daher fürs Rafting entschieden, da hier sämtliche Ausrüstung gestellt wurde. Ein echtes Erlebnis, sehr empfehlenswert!

Was ist der Carros de Foc?
Carros de Foc heißt übersetzt „Feuerwagen“ und ist der Name einer alpinen Rundtour im Aiguestortes Nationalpark. Skyrunner bewältigen die über 62 km lange Strecke, die über insgesamt 9.700 Höhenmeter führt, an einem Tag, Wanderer benötigen in der Regel 4 – 7 Tage. Wer sich für die Runde anmeldet (Kosten: 35,50 €) und sich in den neun Hütten unterwegs Stempel abholt, wird am Ende in die Carros de Foc Finisher Liste eingetragen.

Kann man im Aiguestortes Nationalpark auch „nur so“ wandern?
Natürlich! Gute Einstiegspunkte in den Nationalpark sind Espot im Osten (hier haben wir unser Auto stehen lassen) sowie Boí im Westen. Der Park selbst lässt sich klimatisch in zwei Teile gliedern: Im Osten ist das Klima eher kontinental geprägt, während im Westen ein atlantisches Hochgebirgsklima vorherrscht. Das Gesicht des Nationalparks verändert sich mit zunehmender Höhe: Wiesen und Laubwälder in den unteren Lagen, Nadelwälder in den mittleren Lagen sowie Felsen und Almwiesen in den alpinen Gebieten über 2.300m.
Für Wanderungen im Aiguestortes Park sind feste Wanderstiefel, gutes Kartenmaterial und ein Blick auf den Wetterbericht Pflicht. Je nach Wetterverhältnissen braucht man für einige Teilstücke auch Steigeisen, Seil und Eispickel. Während unserer Tour war die direkte Verbindung von der Hütte Colomina zur Hütte Ernest Malefré nicht ohne entsprechendes Equipment begehbar, so dass wir einen größeren Umweg nehmen mussten. Generell sollte man sich unserer Erfahrung nach bei der Zeitplanung als normaler Wanderer immer eher an den oberen Grenzen der angegebenen Gehzeiten für die einzelnen Etappen orientieren.

Was waren eure Highlights?
Neben der Landschaft des Aiguestortes Nationalparks hat uns das Benasque-Tal sehr begeistert. Hier kann man eine Vielzahl von Tageswanderungen oder auch Mehrtagestouren in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden unternehmen. Lohnenswert ist die Wanderung zum Forrau d’Aigullats (45 min. ab La Besurta), wo Mengen von Schmelzwasser einfach im Boden versickern. Weitere Wanderungen führen über alte Maultierpfade zu den Grenzpässen nach Frankreich. Auch die Besteigung des höchsten Pyrenäengipfel, des Aneto, ist von hier aus möglich; die nötige Ausrüstung kann man in Benasque ausleihen. Den entspannten Stadtbummel kann ich in der romantischen Altstadt von Aínsa empfehlen. Die Stadt ist klein, hat mit seinen engen Gassen und der Burg aber Charme, eine tolle Aussicht, und man lernt etwas über die Geschichte der Flößer („navateros“).
Tipp: Leckeres Essen zu (im Vergleich zur Plaza Mayor) moderaten Preisen gibt es in dem Restaurant in der kleinen Seitengasse bei der Kirche. Touristenziel Nummer 1 in Südfrankreich ist der Bergkessel Cirque de Gavarnie – zu Recht! Die Wanderung von Garvanie zum Bergkessel ist leicht, die Ausblicke sind gigantisch. Vorzugsweise sollte man den ganzen August sowie die Sommerwochenenden im Juli umgehen. Wer sich für Höhlen interessiert, sollte unbedingt eine Führung in einer der zahlreichen südfranzösischen Grotten mitmachen, z.B. den Grottes de Bétharram. Ein paar Warnhinweise Im Hochgebirge sollte man sich vor einer Etappe/Wanderung IMMER nach dem Wegzustand erkundigen. An den Campingplätzen sowie in den Touristeninformationen in der Stadt war das Personal leider häufig nicht auf dem aktuellen Stand. Besser informiert sind die Hüttenwirte der Refugios sowie die Touristeninformationen direkt in den Nationalparks/an den Ausgangspunkten der Wanderungen. Im Zweifel lieber einmal zuviel fragen als zu wenig.
Absolut abraten kann ich nur von der Tour 22 des Rother Wanderführer „Pyrenäen 1“ („Tal- und Höhenrunde um den Cañón de Añisclo“). Die beschriebene Route weicht von den offiziellen Parkwegen ab, wovor große Hinweisschilder im Park explizit warnen. Der Höhenweg war zugewuchert und an vielen Stellen ausgesetzt, die Querung des reißenden Río Aso war schier unmöglich. Vor einem weiteren Reinfall wurden wir glücklicher Weise gewarnt: Wir wollten Tour 31 des Rother Wanderführers „Pyrenäen 1“ („Faja de la Tormosa“) laufen, jedoch wurde im Juni 2010 die Brücke über den Wasserfall Cascada de Maboré unter einer Lawine begraben.

Abschließende Tage am Strand
Gut geeignet für einen entspannten Strand-Abschluss ist La Escala an der Costa Brava. Statt des Stadtstrandes sollte man besser auf die Buchten im Norden bei den römischen Ruinen („Empuries“) ausweichen. Eine schöne Unterkunft bietet die Apartmentanlage „La Escala Resort“: Sie liegt am Stadtrand, ist modern und gut eingerichtet, besitzt mehrere Pools in einem schönen Garten und hat einen Supermarkt direkt vor der Tür.

Sprachen:
Französisch, Spanisch, regional auch Aranesisch, Baskisch und Katalanisch.

Geld:
Euro. Kreditkarten werden meist akzeptiert, allerdings nicht in allen Berghütten.

Beste Reisezeit:
Von Juni bis September, wobei man im Hochgebirge auch im Juni und September noch bzw. bereits mit Schnee rechnen muss. Da es Anfang Juni 2010 noch mal geschneit hatte, hatten wir Ende Juni/Anfang Juli mit hohen Wasserständen in den Flüssen und teils un- oder schwer begehbaren Wegen zu kämpfen.

Anreise:
Das eher spärliche Busnetz in Verbindung mit der spanischen Mentalität (Busfahrplan = grobe Richtschnur) hat uns dazu bewogen, mit dem eigenen Auto anzureisen. Vorteile: Flexibilität vor Ort, mehr Gepäckmitnahme (z.B. „normale Klamotten“ für den abschließenden Badeurlaub). Tipp für die Kostenplanung: Mautrechner auf der offiziellen Webseite der französischen Autobahngesellschaft.

pyrenees Offizielle Seite des Fremdenverkehrsverbandes für die Region Midi Pyrénées.

carrosdefoc Informationen zum Rundwanderweg Carros de Foc im Aigüestores Nationpark.

refugis
 Übersicht aller Hütten im Aigüestortes Nationalpark.

lacentralderefugis
 Reservierung für die Hütten im Aigüestortes Nationalpark (spanische Seite).

costabrava Offizielle Tourismusseite der Costa Brava.

Gute Bergstiefel, ein Muss bei Hochgebirgstouren.

Trekkingstöcke: Insbesondere bei gerölligem Untergrund oder auf Schneefeldern ein Segen.

Variable Kleidung (Zip-Off-Hosen, dünne Softshelljacke), da es in den Tälern windstill und sehr heiß, in höheren Lagen wiederum kühler und zügiger sein kann.

Regenklamotten: Im Hochgebirge kann das Wetter schnell umschlagen, insbesondere auf der französischen Seite kann man sonst innerhalb weniger Minuten hautnass werden.

Sonnencreme

Mückenspray: Abends auf dem Campingplatz und in heißen Tälern in Bachund Flussnähe sollte man diese „Waffe“ parat haben.

Badesachen: Viele Campingplätze besitzen einen Pool oder haben Zugang zum Fluss – ein Traum nach dem Wandern.

„Pyrenäen“, Tobias Büscher, DUMONT Reise-Taschenbuch ISBN: 978-3-7701-6039-6 Gut verwendbar zur allgemeinen Erstinformation (was gibt es dort überhaupt zu sehen?).

ROTHER Wanderführer„Pyrenäen 1“ und „Pyrenäen 3“, Roger Büdeler, Bergverlag Rother ISBN: 978-3-7633-4003-3 978-3-7633-4309-1 Insgesamt gut, wenn auch nicht zwingend erforderlich, da das Material der Touristeninformationen vor Ort für Tageswanderungen ausreicht. Hinweis: Mehrere Ausgangspunkte für Wanderungen kann man mit einem normalen Kleinwagen nicht erreichen (Geröllpisten).

„Sant Maurici. Els Encantats. Parc National d’Aigüestortesi Estany de Sant Maurici“ Wanderkarte mit Maßstab 1 : 25.000 des Verlags Editorial Alpina. ISBN: 978-84-8090-375-2 Karte westlicher Parkteil inkl. Keyfacts zum Park und Routenbeschreibungen. Vor Ort in Espot gekauft, sehr gute Wahl.

Infobroschüren und Straßenkarten vom ADAC (für Mitglieder kostenfrei)

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