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Dänemark: Mit dem Fahrrad in die Südsee

Der Begriff „dänische Südsee“ (dänisch: dansk Sydhav) bezieht sich auf die Inselwelt südlich der Insel Fünen – hier gibt es mehr als 55 Inseln. Der Bezug zur Südsee stammt wohl daher, dass das Gebiet mit den zahllosen Untiefen und vielen Inseln schwierig zu befahren ist und Segler daher an die Südsee erinnert. Wir hatten in der dänischen Südsee jedenfalls unser Paradies gefunden. Kristallklares Wasser, niedliche Inseln mit reetgedeckten Häusern, netten Menschen und – neben ein bisschen Regen – auch viel Sonne.

Vor ca. 4 Jahren kaufte ich einen Kajakführer für die Südsee von der Geobuchhandlung Kiel und blätterte begeistert darin herum. Zum Kajakführer gehörten auch sehr gut aufbereitete Karten, die neugierig machten. Seitdem liegen Kajakführer und Karten im Regal, von Zeit zu Zeit schaute ich rein und jedes Mal wollte ich sofort aufbrechen. Diesen Sommer sollte es dann soweit sein, endlich ging es in die Südsee – genauer gesagt: in die dänische Südsee. Als geeignete Verkehrsmittel erwiesen sich die deutsche Bahn, mehrere Fähren und unsere Fahrräder, sodass wir nach einer zweitägigen Anreise unser Ziel erreichen konnten.

Hinfahrt
Mit Zug (IC, Fahrradstellplätze wurden früh genug gebucht) ging es direkt von Leipzig nach Rostock. Vom Rostocker Hauptbahnhof sind es noch ca. 12 km bis zum Fährhafen. Die Strecke ist ziemlich schlecht ausgeschildert, sodass wir uns direkt verfuhren und versuchten, auf der „Autobahn“ den Hafen zu erreichen. Hier gab es nämlich genügend Schilder. Mit der Fähre der Firma Scandlines (fährt alle 2 Stunden, nachts alle 3 Stunden, 19 € pro Person und Fahrrad) ging es in 1:45 Stunden nach Gedser in Dänemark.
Schlafmöglichkeiten in Dänemark
Dänemark hat ein dichtes Netz an Zeltplätzen, aber auch an kleinen Biwakplätzen, die Menschen, die mit Fahrrad, zu Fuß oder mit Kanu/Kajak anreisen, vorbehalten sind. Diese Biwakplätze sollten wir noch oft nutzen in diesem Urlaub. Sie besitzen immer eine Toilette, meist Duschen oder Shelter (Unterstand mit Holzplateau zum Liegen, eine Seite ist meist offen) und sind oft kostenlos oder kosten maximal 3 € pro Person.
Zeltplatz Bruserup
Da es bei unserer Ankunft in Gedser schon spät war, entschieden wir uns, zu einem Biwakplatz (Zeltplatz Bruserup Strand) in 13 km Entfernung zu fahren. Dieser lag idyllisch am Wasser, doch es wurde schon dunkel und der Wind und Regen luden nicht zum langen Verweilen am Wasser ein. Der Biwakplatz verfügte über ein Shelter, in dem es sich schon Franzosen gemütlich gemacht hatten, zwei Toiletten und eine Wiese sowie mehrere Tisch-Bank-Konstruktionen zum Kochen und Essen.
Am nächsten Morgen hatte es auch endlich aufgehört zu regnen und wir konnten an einem der Tische frühstücken. Heute stand uns eine Strecke von 90 km bevor.
Der Wind, der Wind…
Das ist grundsätzlich machbar. Es kam aber dazu, dass wir eine Fähre um 15:15 Uhr bei Kilometer 80 (in Tårs) und die nächste Fähre um 17:15 Uhr bei Kilometer 90 (Rudkøbing) bekommen mussten. Wir kamen früh los, also machten wir uns zunächst keine Sorgen. Doch wir hatten den berüchtigten dänischen Wind unterschätzt. Die Stunden verstrichen und wir kämpften gegen den Wind an. Zunächst fuhren wir auf dem Radweg Berlin-Kopenhagen bis Nykøbing. Dort bogen wir nach Westen auf den Ostseeradweg nach Tårs ab. Über eine Brücke ging es von der Insel Falster nach Lolland. Der Radweg war gut ausgeschildert und führte uns oft auf kleinen unbefahrenen Strecken gen Westen. Am Ende wählten wir aber die Autostraße, die auf dem kürzesten Weg nach Tårs führte (nicht empfehlenswert aufgrund der vielen Autos).
Total fertig, aber glücklich erreichten wir pünktlich um 15:10 die Fährstation, lösten ein Ticket und rollten auf die Fähre. Hier konnten wir 45 min verschnaufen, bevor es die nächsten 10 km zu bezwingen galt. In Rudkøbing nahmen wir die letzte Fähre nach Strynø.
Strynø
Dies ist eine wunderschöne kleine Insel. Es leben dort ca. 200 Menschen, es gibt 2 Restaurants, eine Grundschule, einen Kaufmannsladen und ein Naturzentrum (Øhavets Smakke- og Naturcenter). Das Naturzentrum sollte unser Zuhause für viele Nächte sein. Es liegt direkt am Hafen und bietet Platz für viele Zelte. Oft wird es von Schülergruppen genutzt, die hier ein paar Tage verbringen und die Natur erkunden. Das Museum kann eigenständig zu jeder Tageszeit besucht werden. Es gibt einen Aufenthaltsraum und eine große Küche. Außerdem, für uns auch ausschlaggebend, konnten wir hier Kajaks mieten.
Kajaken in der dänischen Südsee
Wir haben schon einige Erfahrungen im Kajaken. Oft waren wir in den Schären Ostschwedens und Finnlands unterwegs. Die dänische Südsee sollte aber nochmal anders sein. In den Schären liegen die Inseln sehr dicht beieinander, sodass man bei einem plötzlichem Wetterumschwung oder einer Fehleinschätzung der Bedingungen schnell auf irgendeine nahe gelegene Insel flüchten kann. Auch kann bei recht starkem Wind im Schutz der Inseln gekajakt werden. Hingegen betragen die Abstände zwischen den Inseln in der dänischen Südsee mehrere Kilometer, bei starkem Wind können sich große Wellen aufbauen und man wird leicht abgetrieben.
Planänderung
Wir hatten großen Respekt vor der Natur und änderten daher unsere Pläne. Aus einer 9-tägigen Kajaktour von Insel zu Insel wurden eine 1- und eine 3-Tages-Tour. Denn mit Blick auf das Wetter sollte uns schon starker Wind mit Windstärken bei 6 am zweiten Tag der Tour erwarten. Der Kajakvermieter war auch sehr auf unsere Sicherheit bedacht und bot uns auch an, einen Rücktransport zu organisieren, falls wir irgendwo hängen bleiben sollten. So wollten wir erstmal einen Tag nutzen, das Gebiet und die Boote kennenzulernen.
1-Tages-Tour zum Üben nach Strynø Kalv
Der Tag war wie aus dem Bilderbuch: spiegelglatte See, kein Lüftchen wehte und die Temperaturen angenehm bei 20 °C.
Wir steuerten die Nachbarinsel Strynø Kalv an. Hier weideten friedlich Schafe und auf einer kleinen Erkundungstour besuchten wir die alte Siedlung. Die Insel war noch bis in die 1960er Jahre ganzjährig bewohnt, doch dann schloss die Meierei auf Strynø und die Milchwirtschaft auf der Insel wurde nicht mehr benötigt. Es muss idyllisch, aber auch einsam auf der Insel gewesen sein. Kein Auto, keine Straße, nur ein paar Häuser und sonst nur Wiese und das Meer. Mit den Kajaks fuhren wieder zurück nach Strynø.

Es gibt viel zu sehen
Das Wasser rund um Strynø und überhaupt in der dänischen Südsee ist oft so flach, dass wir bei dieser glatten See den Meeresboden beobachten konnten. Krebse und Fische wurden gesichtet oder der Urwald mit Schlingen und kleinen „Bäumchen“ konnte bewundert werden. Wir lernten unsere Boote gut kennen und wären gerne am nächsten Tag wieder aufs Wasser gegangen.
Doch der dänische Wind machte uns, wie so oft, einen Strich durch die Rechnung. So erkundeten wir die Insel Strynø, die alte Windmühle, die schöne Kirche und bereiteten alles vor für die anstehende mehrtägige Tour. Es sollte sich nämlich ein kleines Fenster mit wenig Wind in den nächsten Tagen auftun.
Die Inseln Birkholm, Hjortø und Tåsinge
Die 3-tägige Tour führte uns zu den Inseln Birkholm, Hjortø und Tåsinge. Nach Birkholm ging es kilometerweit über flaches Wasser, wir hatten schon die Tage vorher Ausschau nach Seehunden und Schweinswalen gehalten, aber keine zu Gesicht bekommen. Heute sahen wir dann von Weitem Seehunde auf Steinen im Wasser ruhen. Wir schlugen einen weiten Bogen um sie herum, um sie nicht zu stören. Steine schienen rar zu sein, denn drei Seehunde kämpften mit lautem Gebell um die Herrschaft über einen Stein. Ein tolles Erlebnis. Schweinswale bekamen wir aber leider nicht zu Gesicht während unseres Aufenthalts.
Birkholm ist eine kleine, sehr flache Insel (höchster Punkt 1,8 m über dem Meeresspiegel) mit ca. 9 ständig dort wohnenden Bewohnern. Wir konnten direkt am Strand anlegen, der bei dem schönen Wetter auch gut von Seglern des Hafens besucht war. Eine wunderschöne Wiese direkt am Wasser lud zum Zelten ein, doch wir entdeckten noch etwas Besseres.
Besondere Übernachtungsmöglichkeiten
Designshelter. Diese Shelter kann man schließen, es gibt verschiedene Ebenen zum Schlafen und kleine Gucklöcher, um das Geschehen drum herum zu beobachten. Trotz sehr guten Wetters entschieden wir uns, in diesem schönen Shelter die Nacht zu verbringen. Im „Dorfladen“ holten wir uns noch Eis. Das Vertrauen, die Offenheit und die Freundlichkeit haben uns in Dänemark, vor allem im ländlichen Raum, immer wieder beeindruckt. An vielen Stellen bieten Dänen Nahrungsmittel, aber auch z. B. selbstgestrickte Socken an und bezahlt wird in der Kasse des Vertrauens, mit Wechselgeld – in Deutschland unvorstellbar. So versorgten wir uns oft mit frischem Gemüse und Obst an der Straße und auf jeder Insel genossen wir viel Eis.
Länger in Hjortø als erwartet
Der Wind hatte über Nacht zugenommen, doch wir hatten erstmal Rückenwind im Inselschatten bei Windstärke 3-4. So sausten wir nach Hjortø rüber. Wieder eine kleine Insel (von 6 Menschen bewohnt) zum Erkunden. Wir wollten hier nur rasten, die Insel erkunden und dann weiter nach Tåsinge. Der Wind sollte ab 5 Uhr nachmittags auch wieder abnehmen. Auf Hjortø gab es ein kleines Museum zur lokalen Historie und ein paar ausgewiesene Pfade. Der eine Pfad führte uns zu einer alten Mühle. Wir setzten dann noch zur nahe gelegen Nachbarinsel Hjelmshoved über, um diese zu besichtigen. Der Wind wurde zwar gefühlt nicht weniger, aber wir wagten uns raus aufs Meer. Mit seitlichem Rückenwind waren wir schnell in Tåsinge. Die Küste war gar nicht einladend, überall stinkender Schlick und Schilf. Den Biwakplatz konnten wir leider nicht finden. Im nun zunehmenden Wind und Regen fuhren wir die Küste auf und ab. Der Biwakplatz lag wahrscheinlich zu weit landeinwärts und war vom Wasser nicht einsehbar. Also mussten wir für die Nacht leider zurück nach Hjortø, der Wind peitschte uns entgegen und Wasser kam sowohl von oben als auch von unten. In Hjortø gab es aber zum Glück eine warme Dusche. Die tat gut. Eine Überdachung vor den Toiletten/Duschen gab uns Schutz vor weiterer Nässe.
Leider erfuhren wir erst am nächsten Tag von einer Einwohnerin, dass wir auch im kleinen Museum hätten übernachten können. Sehr gastfreundlich!!! Das hatten wir uns aber leider nicht getraut und stattdessen im Zelt geschlafen.
Die Windstärke lag zwar am nächsten Tag noch bei 4 und wir mussten lange Strecken über offenes Wasser fahren, aber am Vortag hatten wir gesehen, dass wir unsere Boote bei solchen Bedingungen noch leicht kontrollieren können. So ging es an den Odden-Inseln vorbei nach Vårø Knude (Halbinsel mit Steilküste und Salzwiesen, Vogelschutzgebiet, gesperrt vom 15.03. – 01.07.). Dort machten wir eine Mittagsrast, bevor wir ca. 5 km offenes Meer queren mussten, um zurück nach Strynø zu kommen.
Rückfahrt mit Abstecher
Auf dem Rückweg von Strynø nach Deutschland machten wir mit den Rädern noch einen Abstecher auf Langeland. Auf sehr schönen Radwegen (Karten gibt es in der Touristinformation in Rudkøbing) fuhren wir gen Süden nach Ristinge. Entlang des Weges kauften wir allerhand frisches Gemüse und Eier an den lokalen Ständen. Ziel in Ristinge waren weitere Designshelter, die wir im Internet gefunden hatten. Direkt am Hafen und wieder wunderschön. Zwei dänischen Frauen übernachteten auch in einem und luden uns spontan abends zum Marshmallow„braten“ am Lagerfeuer ein. Bei Ristinge gibt es auch eine beeindruckende Steilküste und ein Runengrab zu bestaunen. Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Am nächsten Tag ging es wieder nach Süden zur Fähre, um nach Lolland überzusetzen. Langeland kann man sehr gut mit dem Fahrrad erkunden. Alte Mühlen können erforscht und Wildpferde beobachtet werden. Die Küste ist nie weit weg.
Auf Lolland entschieden wir uns nun, den richtigen Ostseeradweg zu nutzen, die Autostraße auf der Hinfahrt war kein schönes Erlebnis. Mit Rückenwind (endlich!) flogen wir über Lolland. In der Nähe von Maribo an einem einsamen Shelter am Wasser übernachteten wir, bevor es am nächsten Tag wieder mit Rückenwind über Nykøbing nach Gedser ging. Hier übernachteten wir wieder in einem schönen Shelter 5 min von der Fähre entfernt. Diese Fähre nahmen wir am nächsten Morgen um 9 Uhr. Das LKW-Deck hatten wir für uns, so früh wollten anscheinend noch keine LKWs übersetzen.
In Rostock ging es für uns noch nach Stralsund/Rügen, um Verwandte besuchen. Generell kann in Rostock aber wieder der IC nach Leipzig bestiegen werden.

Beste Reisezeit:
Juni bis September (Juli und Anfang August ist Ferienzeit in Dänemark)

Anreise:
Bahn (Leipzig-Rostock), Fahrrad zum Rostocker Fährhafen, Fähre (Rostock-Gedser), Fahrrad/Fähre innerhalb von Dänemark (Radweg Berlin-Kopenhagen von Gedser nach Nykøbing Falster und Ostsee-Radweg von Nykøbing Falster nach Rydkøbing), Fähre (Rydkøbing – Strynø)

Einreise:
Als Bürger im Schengen-Raum kann man nach Dänemark ohne Visum einreisen, es gab für uns keine Kontrolle an der Grenze. Aufgrund der Flüchtlingsströme kann es aber zu Kontrollen kommen, hierbei genügt Ausweis/Reisepass.

Geld:
Nahe Deutschland kann oft mit Euro gezahlt werden, ansonsten werden dänischen Kronen genutzt.

Sprache:
Dänisch, immer Englisch, oft Deutsch

Abreise:
Fähre (Strynø – Rydkøbing), Fahrrad/Fähre innerhalb von Dänemark (Abstecher auf Langeland von Rydkøbing nach Spodsbjerg über Ristinge auf unterschiedlichen Radwegen, dann Ostsee-Radweg nach Nykøbing Falster und Radweg Berlin-Kopenhagen von Nykøbing nach Gedser), Fähre (Gedser – Rostock), Fahrrad zum Bahnhof Rostock, Bahn (Rostock – Leipzig)

bookenshelter
Buchung und Suche nach Sheltern in Dänemark (Englisch und Dänisch)

shelterapp
App mit allen möglichen Sheltern in Dänemark, Information zur Größe, sanitären Anlagen, Adresse etc. (leider nur Dänisch)

scandlines
Buchung der Fähre. Tickets können aber auch einfach am Fährhafen gekauft werden.

smakkecenter
Information auf Englisch und Dänisch zum Øhavets Smakke- og Naturcenter

  • Route nach Shelterstandorten aus Shelter App festlegen
  • 2 Regenjacken einpacken
  • Lokale Produkte (Gemüse, Obst, Eier) der Stände nutzen
  • Flexibilität bei Routenwahl nach Wind und Wetter
  • Fähren vor Ort buchen

Gebrauchsanweisung für Dänemark von Thomas Borchert (Piper Verlag, 2017): Auch als Ebook und physisches Buch in der Stadtbibliothek Leipzig ausleihbar.

Seekajakatlas Südfünisches Inselmeer 1:50.000 (Herausgeber: Det Sydfynske Øhav): Karten und kleiner Kajakführer mit Tourenvorschlägen und Informationen zur Flora und Fauna.

Kanu Kompass Dänische Südsee – Deutsche Ostsee (Björn Nehrhoff von Holderbergs, Thomas Kettler Verlag): Tourenvorschläge und Kartenskizzen (auch erhältlich in der Stadtbibliothek Leipzig).

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