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Slowakei: Durchquerung der Hohen Tatra – Eine Hüttentour

Die Slowakei bietet für ein Land dieser Größe eine Fülle an Nationalparks und Gebirgen, die allesamt einen Besuch wert sind. Am bekanntesten und dementsprechend auch am besten besucht ist natürlich die Hohe Tatra, von der etwa zwei Drittel auf slowakischem Gebiet liegen.

Was viele nicht wissen: man kann auch außerhalb der Alpen mitten in Europa eine Hüttentour durchs Hochgebirge unternehmen, und zwar durch das kleinste von allen. Gerade mal 340 km² groß, aber mit 24 Gipfeln über 2.500 m, erstreckt sich die Hohe Tatra im Grenzgebiet zwischen der Slowakei und Polen. Diese Kompaktheit ermöglicht es Wanderern und Bergsteigern, das komplette Gebirge in wenigen Tagen zu durchwandern, und zwar von Hütte zu Hütte, ohne dabei weit ins Tal absteigen zu müssen.

Die Route
Mit Hilfe der unten genannten Kompass-Karte lässt sich eine Route sehr gut planen. Die da angegebenen Zeiten entsprechen, anders als oft im Alpenraum, einem durchaus sportlichen Wandern. Plant man eine Durchquerung der kompletten Hohen Tatra, bieten sich je nach Können und Geschwindigkeit verschiedene Tagesetappen zu den jeweiligen Hütten an. Im Folgenden wird meine Route im slowakischen Teil von Ost nach West beschrieben, die allerdings beliebig abgeändert werden kann. Die Gehzeiten entsprechen den in der Karte und auf Wegweisern genannten und sind ohne Pausen angegeben. Alle Wanderwege sind sehr gut ausgeschildert und markiert.

Von Ždiar zur Hütte Chata pri Zelenom Plese
Das sind 4,5 Stunden ohne Gipfel. Der Start befindet sich im wunderschönen Bergdorf Ždiar und führt durch die Belaer Tatra (der östlichste Teil des Gebirges und bis auf diesen Pfad strenges Naturschutzgebiet) auf dem grünen Pfad Richtung Bergsattel Kopske Sedlo. Von dort weiter zur Hütte Chata pri Zelenom Plese auf 1.551 m. Wer früh aufgebrochen ist und noch etwas Zeit am Tag hat, kann sein Gepäck in der Hütte lassen, den nahegelegenen Gipfel Jahňací štít (2.230 m) besteigen und von dort die Aussicht genießen (3,5 h inklusive Rückweg). Oder man entspannt einfach am schönen grünen See bei einem Bier.

Weiter zur Zamkovskeho Chata
Mit 6 Stunden Gehzeit geht es auf dem roten Pfad Richtung Skalnate Pleso. Unterwegs bietet sich ein sehr kurzer Abstecher auf den Gipfel Veľká Svišťovka (2.038 m) an. Danach geht es weiter auf der Tatra-Magistrale zur im Wald gelegenen Hütte Zamkovskeho Chata, wo sich ein Stopp zum Essen anbietet. Der letzte Teil des Tages führt hinauf zur Zbojnicka Chata auf 1.960 m.

Auf zum Gipfel Východná Vysoká
Gleich am Anfang geht es zum Sattel Sedlo Prielom auf 2.290 m. Hier sollten Schwindelfreiheit und Trittsicherheit vorhanden sein, auch wenn die meisten gefährlicheren Stellen im Auf- und Abstieg mit Eisenketten (jedoch keine Stahlseile wie in den Alpen) gesichert sind. Danach kann der Gipfel Východná Vysoká (2.429 m, 2 h inklusive Rückweg) bestiegen werden. Anschließend geht es weiter talwärts zum Berghotel Sliezsky dom, wo eine Rast eingelegt werden kann. Die zweite Hälfte des Tages wandert man weiter auf dem roten Pfad der Tatra-Magistrale bis zur Chata Pri Popradskim Plese an einem kleinen See auf 1.500 m. In der Nähe gibt es einen sehenswerten symbolischen Friedhof für diejenigen, die in den Bergen weltweit ihr Leben verloren (Symbolický cintorín).

Der Rysy ruft
An diesem Tag kann das Gepäck in der Hütte gelassen werden, denn es geht auf den höchsten Berg Polens, den Rysy (2.500 m). Von der Hütte geht es über den blauen und dann roten Pfad zur höchstgelegenen Hütte der Hohen Tatra, der Chata Pod Rysmi auf 2.250 m, wo man sich vor dem Gipfel etwas gönnen kann (oder danach auf dem Rückweg). Von dort sind dann noch einige Höhenmeter zu überwinden. Der Rückweg folgt auf dem selben Pfad zurück zur Ausgangshütte. Wer nicht mehr auf der Hütte übernachten will, kann in einer Stunde hinunter zum nächsten Ort gehen.

Am nächsten Tag geht es in etwa einer Stunde hinunter zu einem der Hauptorte der Hohen Tatra, Štrbské Pleso. Hier kann die Tour beendet werden.

Was könnte noch erwandert werden?
Wer noch weiter wandern möchte, dem bietet sich der Kriváň an (2.495 m), ein Symbolberg für die Slowaken mit markanter Form und unter anderem auf ihren Centmünzen abgebildet. Allerdings ist es vom Ort aus ein sehr langer Weg, der einiges an Kondition erfordert (ca. 7 h ab Štrbské Pleso, nach dem Gipfel Ende im Örtchen Tri Studničky. Damit wäre die komplette Ost-West-Durchquerung der Hohen Tatra komplett.)

Hütten
Das Hüttennetzwerk ist gut ausgebaut und bietet dem Wanderer unterschiedlichen Komfort. Allerdings sind alle Hütten sehr urig, die teilweise riesigen und unpersönlichen Unterkünfte aus dem Alpenraum findet man hier nicht. Die schönste Hütte ist sicherlich die Chata Pri Zelenym Plese (Hütte am grünen See) an einem wunderschönen Gebirgssee in einem Bergkessel. Aber auch die anderen Hütten laden durch Gemütlichkeit und freundliches Personal ein. Üblicherweise ist ein Hüttenschlafsack nötig. Eine Nacht kostet inklusive Abendessen und Frühstück ca. 30-35€ pro Person (teilweise gibt es Rabatt für Alpenvereinsmitglieder). Ist die Hütte voll, werden Notplätze im Gastraum verteilt.

Gipfel 
Insgesamt sind nur wenige Gipfel für Wanderer freigegeben, das heißt auf sie führt ein markierter Weg. Allerdings reichen diese aus, um einige schöne Abstecher während der Tour zu unternehmen. Der höchste so erreichbare Gipfel ist der Rysy, der zugleich Polens höchsten Punkt markiert. Der höchste Berg der Hohen Tatra und der gesamten Karpaten ist der Gerlachovský štít (2.654 m) und nur als Mitglied eines Klettervereins oder mit Bergführer zu erreichen (diese können z.B. im Berghotel Sliezsky dom organisiert werden).

Orkan
Man kann die Folgen kaum übersehen: im Dezember 2004 hinterließ ein Orkan mit bis zu 150 Stundenkilometern eine Schneise der Verwüstung hinweg und zerstörte 12.000 Hektar Wald und beschädigte noch einmal die selbe Fläche. Insgesamt fiel fast die Hälfte aller Bäume dem Orkan zum Opfer. Ist man mitten im Gebirge über der Baumgrenze unterwegs, sind die Schäden kaum zu bemerken, doch in den südlichen Ausläufern auf slowakischer Seite wird das Ausmaß auch über ein Jahrzehnt später noch ersichtlich: die klar erkennbare Schneise besteht aus kleineren, nachgewachsenen Bäumen mit einzelnen, geisterhaft dazwischenstehenden Nadelbäumen, die das Desaster überlebt haben.

Beste Reisezeit
Zum Wandern eignet sich der späte Sommer am besten, da es einerseits nicht mehr so heiß ist und andererseits weniger Menschen in den Bergen unterwegs sind. Im Frühjahr liegt oft noch Schnee in den oberen Lagen und zudem sind viele Wege für Wanderer aufgrund des Naturschutzes bis Mitte Juni gesperrt. Die Sperre gilt ab November und nur für den slowakischen Teil des Nationalparks.

Anreise
Die nächste große Stadt ist Poprad (Deutschendorf). Sie liegt an der ost-westlichen Autobahn. Auch per Zug erreicht man die Stadt gut, z.B. aus Prag oder Bratislava sehr günstig mit dem privaten Bahnunternehmen RegioJet. Ab Prag bietet sich zudem ein Nachtzug an, der allerdings sehr früh ankommt (Mutige können so gleich mit der Tour beginnen). Von Poprad aus führt die elektrische Tatrabahn weiter in die verschiedenen Orte am Fuße des Gebirges, auch Busse fahren regelmäßig und günstig vom Busbahnhof gleich neben dem Bahnhof.

Einreise
Die Slowakei und auch Polen sind EU-Mitglieder, somit reicht der Personalausweis zur Einreise.

Sprache
Überraschend viele Slowaken sprechen deutsch, vor allem bei älteren kommt man damit oft weiter als mit englisch. Bei den jüngeren klappt es natürlich mit letzterem besser. Wer eine slawische Sprache beherrscht, kann durchaus einiges verstehen und sich verständigen, in Polen ebenso.

Geld
Die Währung in der Slowakei ist der Euro, in Städten und größeren Orten kann problemlos am Geldautomaten abgehoben werden. Für die Hütten unbedingt ausreichend Bargeld mitnehmen. Auf polnischer Seite dagegen wird mit Zloty bezahlt, allerdings akzeptiert man dort vielerorts, auch auf Hütten, den Euro bzw. bietet sogar Kartenzahlung an.

Essen und Trinken
Das slowakische Nationalgericht sind Bryndzové halušky, eine Art Kartoffelspätzle, die mit Schafskäse und Speck serviert werden. Die Portionen haben es in sich, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so erscheint. Als Nachspeise sollte man mit Mohn gefüllte Schlupfnudeln in einer Mohn-Vanille-Soße probieren (Makové šúľance). Ein besonderer Likör auf Teebasis namens Tatra Tea kommt aus der Nähe der Hohen Tatra. Es gibt ihn in vielen verschiedenen Sorten, die Standardvariante hat einen Alkoholgehalt von stolzen 52 Prozent!

Zugegeben etwas altmodische Webseite, die aber eine Fülle an Infos zu Wanderwegen, Hütten und Aktivitäten bietet (Hinweis: es muss immer wieder auf die deutsche Version umgestellt werden):
vysoketatry

Webseite des Slowakischen Tatra-Nationalparks mit Informationen und Regeln für Besucher (nur auf Englisch verfügbar)
tanap.

Große Kompass Online-Wanderkarte, hier kann auch die Hohe Tatra eingesehen werden
kompass

  • Hüttenschlafsack fürs gemütliche Übernachten.
  • Sonnencreme und Kopfbedeckung wenn die Sonne zu intensiv wird.
  • Robuste Wanderschuhe zum Bewältigen der Tour.
  • Wanderstöcke bieten extra Halt und Stabilität.
  • Reservierung der Hütten telefonisch oder über deren Webseiten (im Hochsommer empfehlenswert, da die Kapazitäten begrenzt sind).
  • Die Nummer des slowakischen Bergrettungsdienstes: 18300

Kompass Wanderkarte 2130: Tatra, Hohe, Belaer, 1:25000 – Sehr präzise Wanderkarte mit realistischen Gehzeiten für eine gute Tourenplanung, allerdings nur in nicht wetterfestem Papier erhältlich.

Frieder Monzer: Reiseführer Slowakei, Trescher Verlag – Reiseführer für die gesamte Slowakei und mit Infos zu Land und Leuten. Für die Tour an sich nicht unbedingt notwendig und zudem zusätzliches Gewicht.

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