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Teaserbild: Tadschikistan – Auf zwei Rädern über den Pamir

Tadschikistan – Auf zwei Rädern über den Pamir

Wir reisen über Usbekistan ein, rasten ein paar Tage im unglaublich westlich anmutenden Duschanbe und folgen der nagelneuen Südroute entlang des Nurek-Stausees über Kalaikum bis nach Korogh am Fuß des Gebirges. Das Städtchen ist ein Nadelöhr der Seidenstraße, fast alle Radreisenden, die sich von Europa gen Ostasien aufmachen, kommen hier hindurch. Von Korogh aus folgen wir der M41 über das Pamirgebirge bis nach Kirgistan. Insgesamt legen wir in 21 Fahrtagen etwa 1.200 km und 14.000 Höhenmeter unter teils größter Hitze, Schneeschauern und Sandstürmen zurück, hinzu kommen 13 Ruhetage. Am anstrengendsten erschien uns nicht die Gebirgsquerung selbst, sondern die Anreise bis Korogh entlang des Panj, dem Grenzfluss zwischen Tadschikistan und Afghanistan. Die Straße begleitet den Fluss in stetigem Auf und Ab, so läppern sich schnell einige tausend Höhenmeter.

Der Pamir Highway zählt zu den höchsten Fernstraßen der Welt und schlängelt sich in mitunter knapp 4.700 m Höhe zwischen Duschanbe und der kirgisischen Stadt Osh durch das Hochgebirge. Schroffe Berge mit ihren weißen Gipfeln kontrastieren mit blauen Seen und trostlosen Salzpfannen. Die Landschaft wirkt abweisend, ja lebensfeindlich und dennoch einladend zugleich. Der Highway gehört zu den legendären Traumstraßen der Welt und stellt aufgrund seiner mitunter „robusten“Beschaffenheit noch ein echtes Abenteuer dar. Die Gastfreundschaft der Tadschiken tröstet auch über härteste Abschnitte hinweg.

Räder und Ausrüstung
Unsere robusten Räder von Patria (Modell Terra) machen sich auf rissigem Asphalt, Schotter und Waschbrett-Pisten erstmals auf unserer Reise richtig bezahlt. Auch die breiten Reifen von Schwalbe (Marathon Mondial) bewähren sich. Stabile Speichen und Gepäckträger (von Tubus) sind unabdingbar, unbedingt vorab noch einmal alle Schrauben nachziehen. Eine kleine Untersetzung der Gangschaltung schont die Knie. Einmal mehr vertrauen wir zu Recht unserem Zelt von Hilleberg (Nallo GT), ein anderer Radreisender suchte sogar während eines Sandsturms Zuflucht bei uns – er befürchtete, seines würde zerfleddert.
Wichtig ist Kleidung für alle vier Jahreszeiten: warme Schlafsäcke bis mindestens –5 °C Komforttemperatur, Thermo-Unterwäsche, Regenkleidung, Mütze, warme Handschuhe, aber auch Sonnenschutz. Wir erleben innerhalb eines Monats Temperaturen zwischen Minusgraden und über 40 °C.

Medikamente, Höhenkrankheit, Überanstrengung
Tadschikistan ist das ärmste Land Zentralasiens, der Zugang zu sauberem Trinkwasser bleibt einem Viertel der Einwohner verwehrt. Kaum einer übersteht den Pamir-Highway ohne Durchfall, deswegen sein Spitzname: „Diarrhea Highway“. Einige Tourenradler sind wegen des Flüssigkeits- und Elektrolytverlusts so geschwächt, dass sie abbrechen müssen. Daher ausreichend Durchfallmittel (Metronidazol) gegen Giardien und Amöben einpacken. Rissige Hände, Nasenbluten, Sonnenbrand – auch das trockenkalte Hochgebirgsklima fordert seinen Tribut. Sehr zu empfehlen ist daher Vaseline bzw. Lippen/Handcreme. Auf dem höchsten Pass (Ak Baital, 4.655 m) beträgt der Sauerstoffgehalt nur noch 52 % des Üblichen auf Meeresniveau und schon Schuhebinden gerät zur Anstrengung. Metamizol oder Paracetamol helfen gegen Kopfschmerzen als Ausdruck einer leichten Höhenkrankheit. Um schwere Verläufe, also mitunter tödliche Lungen- und Hirnödeme zu vermeiden, ab etwa 3.000 m Höhe nicht mehr als 500 m am Tag aufsteigen sowie mindestens vier Liter Flüssigkeit trinken.
Der Pamir Highway ist von Duschanbe aus leichter zu bewältigen als vom kirgisischen Osh, da hier der Anstieg ins Gebirge gradueller erfolgt. Generell sind uns vor allem Solo-Radreisende begegnet, die den Pamir in Rekordzeit überquerten, dann in Kirgistan jedoch so erschöpft waren, dass sie ihre Asienreise abbrachen. Wir nehmen uns ausreichend Zeit und reizen mit Ruhetagen das Visum aus –was sicherlich dazu beigetragen hat, dass wir den Highway ohne jegliche Probleme gut überstanden und die Lust am Radreisen nicht verloren haben.

Straßenbedingungen
Die Qualität der Straßen in Tadschikistan variiert so extrem wie das Wetter im Pamir. Grundsätzlich gilt: vor der Abfahrt noch einmal bei anderen Reisenden oder in Foren (Caravanistan, siehe Weblinks) über die aktuellen Straßenbedingungen informieren. Alleine während unserer Tour gab es zwei Erdrutsche und dementsprechende Straßensperrungen. Wer die Südroute von Duschanbe nach Kalaikum wählt, radelt meist auf nagelneuem Flüsterasphalt. Die Nordroute ist etwa 100 km kürzer, jedoch teils unasphaltiert und extrem rau. Beide Routen sind landschaftlich reizvoll. Von Kalaikum bis nach Korogh sind die Straßen grob geschottert, wenn überhaupt. Waschbrett-Piste, grobe Steine, Sand. Manchmal schaffen wir nicht mehr als 40 km am Tag. Hier nicht entmutigen lassen.
Die M41 von Korogh nach Sari Tash in Kirgistan ist bis auf die Pässe relativ gut asphaltiert. Die Pässe sind zäh, teils Waschbrettpiste, sandig und äußerst holprig. Vor allem der Kyzil Art-Pass an der kirgisischen Grenze hat es in sich. Wer diesen von Kirgistan aus angeht, sollte gutes Wetter abpassen, da der Anstieg sehr steil und lehmig ist, bei Regen also extrem schmierig wird. Von Khorog aus bietet sich der Umweg über das Whakan-Tal an, immer entlang der afghanischen Grenze und mit Ausblicken auf den schneebedeckten Hindukusch. Wir hatten diesen Abstecher ursprünglich fest eingeplant, jedoch zeigten sich entgegenkommende Radreisende so müde und entrüstet über die Straßenbedingungen, dass wir die M41 vorzogen. Über 200 km Waschbrettpiste sowie sandige Pässe, bei denen das Rad geschoben werden muss, sind so fordernd, dass die landschaftliche Schönheit kaum genossen werden kann. Zudem ist das Whakan-Tal mittlerweile weitaus touristischer als die ebenso landschaftlich reizvolle M41. Wir persönlich bereuen es keineswegs, die „einfachere“ Variante gewählt zu haben.

Verpflegung und Übernachtung
Tadschikistan ist kein Land kulinarischer Köstlichkeiten und Abwechslung. Es gibt Brot, Butter, Salat, Plov (Reis und Fleisch). Als Vegetarierin habe ich mich wann immer angeboten auf Kurotob gestürzt, eine Art Blätterteig mit frischem Joghurt, Tomaten, Gurken und Kräuteröl. Spätestens ab Kalaikum wird die Essensversorgung eher spärlich, zumal sich selbst vermeintlich kurze Abschnitte aufgrund der Streckenbedingungen hinziehen können. In Korogh unbedingt alle Vorräte auffüllen, bis Murghab gibt es kaum Einkaufsmöglichkeiten. In Murghab schließlich findet man alles, von Frischwaren über Trockenfrüchte bis hin zu chinesischen Fertignudeln und Milchpulver. Die Wasserversorgung ist relativ gut, am besten sämtliche Flaschen bzw. die Wassersäcke füllen, wann immer möglich, denn die Hitze und schlechte Pisten erfordern einige Wasserreserven. Auch passiert es uns, dass wir an einem klaren Bach das Zelt aufstellen, dieser nach weit entfernten Regenfällen am nächsten Morgen jedoch nur noch schlammiges Wasser führt. Die Seen kurz vor Alichur sind allesamt salzig und ihr Wasser nicht genießbar. Hinsichtlich der Versorgung im Whakan-Tal gibt es widersprüchliche Informationen. Einige Radler berichteten von großen Wasser-Engpässen, anderen hatten keine Probleme. Die Jahreszeit (Schneeschmelze!) spielt eine wesentliche Rolle – am besten vor Ort erkundigen. In Städten findet man relativ günstige Hostels, in kleineren Ortschaften eher Homestays, mitunter in Jurten. Die meiste Zeit stellen wir jedoch unser Zelt auf. Unbedingt auf ein robustes, widerstandsfähiges Zelt achten. Immer die Möglichkeit von Steinschlägen oder Erdrutschen berücksichtigen und nie in Flussbetten zelten, die können sich binnen Minuten füllen, selbst wenn das nächste Gewitter kaum auszumachen ist. Im Whakan-Tal sollen an manchen Stellen Taliban mit Kalaschnikows ihr Unwesen treiben – auch hier wieder vor Ort informieren.

Fazit
Der Pamir galt als einer unserer großen Sehnsuchtsorte. Schon immer wollten wir seine spektakulären Hochgebirgswüsten mit eigenen Augen sehen und aus eigener Kraft bewältigen. Tatsächlich war diese Etappe recht fordern, einerseits aufgrund der Höhe, andererseits aufgrund des rauen Klimas mit all seinen Kapriolen, der teils kargen Versorgungslage und mitunter abenteuerlichen Pisten. All diese Faktoren sind nicht zu unterschätzen, soll die Reise ein genussvolles Erleben werden. Die M41 kann alles geben, aber auch alles fordern, jedes Jahr verunglücken oder sterben Reisende hier. Wer sich jedoch Zeit nimmt und auf alle Eventualitäten einstellt, sollte keine größeren Probleme haben.

Reisezeit
Ende Mai bis September. Im Juni schwitzen wir unterhalb des Pamirs bei über 40 Grad im Schatten, auf 3.000 bis 4.700 m Höhe hingegen erleben wir selbst im Hochsommer Frost, Starkregen und einen Sandsturm. Die Pässe sind bis Mai oft noch verschneit, ab September können plötzliche Wintereinbrüche den Weg über das Gebirge für längere Zeit unpassierbar machen.

Anreise
Wir sind problemlos und zügig über Land von Usbekistan über Sariasiya/Tursunsoda eingereist. Tadschikistans Hauptstadt Duschanbe verfügt über den einzigen internationalen Flughafen des Landes mit Flügen von/nach Europa.

Einreise
Nur mit gültigem Visum möglich. Für 45 Tage Aufenthalt bequem online zu beantragen, allerdings kostet es 70 Euro. Wer den Pamir-Highway fährt, benötigt eine GBAO-Genehmigung für die Autonome Region Bergbadachschan – einfach bei der Beantragung des Online-Visums anklicken. Mit E-Visum in der Tasche muss man sich nicht mehr innerhalb von 3 Tagen registrieren, wie es bis vor wenigen Jahren der Fall war. Weder am Flughafen noch an den Grenzübergängen werden Visa on Arrival ausgestellt.

Geld
Zuverlässige Geldautomaten finden sich nur in der Hauptstadt Duschanbe. Am besten ein paar Hundert Dollar oder Euro von zu Hause zum Tauschen mitführen, auf jeden Fall aber genügend Geld in Duschanbe abheben. Mit etwas Glück lässt sich in Khorog oder Murghab Geld tauschen oder gar abheben – allerdings ohne Garantie. Inklusive der wenigen Hostelübernachtungen betrugen die Ausgaben knapp 20 € pro Tag für uns beide zusammen. Allerdings haben wir uns viel frisches Obst und Gemüse, Trockenfrüchte, Schokoriegel, das ein oder andere Bier und manchmal vier Portionen Essen in Garküchen gegönnt.

Sprache
Landessprache ist Tadschikisch, mit Russisch kommt man allerdings überall weiter.

caravanistan.com/tajikistan
Stets aktualisierte Informationen zu Routen und Straßenbedingungen.

freedomhouse/tajikistan
Aktueller, wissenschaftlich fundierter Bericht über die gesellschaftspolitische Lage im Land.

sggm/Medizinisches/AMS
Die Schweizerische Gesellschaft für Gebirgsmedizin klärt über Ursachen, Symptome und Therapie der Akuten Höhenkrankheit (AMS) auf.

  • Unbedingt Wasserfilter und Wassersack zwecks Wassertransport einpacken.
  • sturmsicheres Zelt, unseres hielt den Sandsturm ab.
  • Kleidung für alle vier (!) Jahreszeiten.
  • Vaseline oder Fettcreme gegen rissige Haut und Sonnencreme mitnehmen.
  • Außerdem dringend empfehlenswert ist Metronidazol, ein Breitbandantibiotikum, das zuverlässig gegen die gängigsten Durchfallerreger (Giardien und Amöben) hilft.

Seidenstraße: Durch Zentralasien nach China, Landkarte (1:2.000.000), 2017, Reise Know-How.
The Pamirs, Landkarte (1:500.000), 2016, Geckomaps. Detaillierte Pamir-Karte, dennoch vor Ort über Wasserstellen und Verpflegungsmöglichkeiten erkundigen.

Bradley Mayhew et al, Central Asia Multi-Country Guide, Lonely Planet, 2014. Kompakt bestückter Reiseführer mit den wichtigsten Informationen zu den Ländern Zentralasiens. Im Sommer 2018 erscheint die Neuauflage.

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