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Wasserwandern mit Familie auf der Unstrut

Es zieht uns oft in ferne Weiten nach Alaska, Patagonien, Afrika, zu Kletterspots an allen Enden der Welt, zum Wildwasserraften in Frankreich, in die weite Natur Schwedens etc. Doch auch direkt vor der Haustür kann man einen schönen Urlaub genießen. Uns stellte sich dieses Jahr die Frage, wie wir, ohne ein Auto zu haben, einen schönen Outdoorurlaub mit Kind machen könnten, ohne dabei auf jeglichen „Komfort“ zu verzichten. Vor vielen Jahren bin ich die Unstrut gepaddelt und habe sie als sehr gemütlichen Fluss mit gediegener Strömung ohne großartige Anforderungen an den Kanuten in Erinnerung. Also eigentlich gut, um einem Kind eine längere Paddeltour schmackhaft zu machen.

Wichtig war für uns ein fließendes Gewässer, da wir mit Kind und Gepäck im voll beladenen Kanadier gerne dem Fluss einen Teil der Arbeit überantworten wollten. Das stellte sich als absolut hilfreich heraus. Jeder, der ein Kind hat, weiß, dass es irgendwie immer ein bisschen mehr Zeug und Kram wird. Die Strecke sollte der Unstrut-Verlauf von Straußfurt bis zur Saalemündung bei Naumburg werden. Dafür gaben wir uns, da mit Kind unterwegs, 10 Tage Zeit, um das Ganze ganz gemütlich angehen zu können. Wir sind wegen der Hitze und des Kindes eher getrieben und haben am Tag gemütliche 10 Kilometer gemacht.

Eine Paddeltour will auch ein wenig vorbereitet sein. Wir haben alles selbst geplant, ein eigenes Kanu, Seesäcke, Bootswagen etc. verwendet, daher konnten wir an dieser Stelle einiges an Geld sparen.

Die Anreise erfolgte via PKW. Dafür brachte uns mein Vater mit Kanu, Gepäck, Mann und Maus nach Straußfurt. Dort ist ein riesiges Rückhaltebecken, welches mit Booten nicht befahren werden darf. Ein wichtiger Hinweis für jeden, der gerne oberhalb davon einsetzen möchte, denn Umtragen kann hier dann doch sehr anstrengend werden! Wir dagegen setzten unterhalb des Beckens ein und nachdem alles im Boot verstaut war, ging es auch schon los.

Anfang Juli war es in diesem Jahr sehr heiß, der Wasserstand im oberen Lauf des Flusses entsprechend auch sehr niedrig. Mit einem Faltboot wäre ich zu dem Zeitpunkt dort nicht unbedingt langgefahren. Ein robuster Kanadier hält das dagegen schon mal aus. Der erste Tag brachte uns nicht weit. Wir starteten am späten Nachmittag und machten uns alle erst einmal mit der Situation vertraut. Jeder suchte sich seinen Platz im Kanu. Meist war die Verteilung so, dass vorne und hinten die Erwachsenen saßen und den breiten Mittelplatz mein Sohn ausfüllte. Im wahrsten Sinn des Wortes übrigens: Je sicherer er jeden Tag im Boot wurde, desto mehr Raum nahm er ein – diverse Bücher, Kleinspielzeuge etc. schmückten irgendwann seinen Platz. Der erste Lagerplatz war nur ca. 10 km vom Einstieg entfernt. Wir haben uns entschieden, sowohl ein Tarp als auch ein Zelt mitzunehmen, da in Deutschland das Zelten ja doch mal schnell nicht gern gesehen ist. Wobei sich mir in der Praxis der Unterschied tatsächlich nicht erschließt …

Die nächsten Tage wurden sehr heiß. Wir waren alle sehr dankbar über Kopfbedeckungen, bauten für den Kleinen auch teilweise mit Regenschirm, Schnüren und Shirts ein Sonnensegel ins Boot. Er wäre sonst verbrannt. Wir beide sind keine Freunde von Sonnencréme, für den Kleinen war sie jedoch teils nötig. Die Tage im Boot und auf dem Wasser waren entspannter, da die Hitze nicht ganz so trocken geknallt hat wie direkt auf den umliegenden Feldern.

Und der Sprung ins kühle Nass war immer wieder erfrischend. Doch der Kleine wollte nicht so recht. Also beschloss ich irgendwann, ihn zu seinem Glück zu zwingen. An einer Anlegestelle mitten im Nirgendwo machten wir Rast, ich zog ihn bis auf die Schwimmweste aus und ging mit ihm zusammen ins Wasser. Ich war sehr dankbar, dass in diesem Moment niemand vorbeifuhr, denn sein Geschrei war so überirdisch laut! Ein Beobachter hätte wahrscheinlich vermutet, ich wolle das Kind ertränken, so laut wie er geschrien hat. Mit einer Menge Geduld stand ich hüfthoch im Wasser und konnte ihn Stück für Stück runterlassen. Erst nur die Füße, dann laute, panische Schreie. Dann die Beine und panischste Attacken, die einen festen Griff erforderten, sonst wäre er ins Wasser geplumpst und fortgetrieben bei der Strömung. Und so ging das weiter, bis die dringend notwendige Abkühlung bei 34 °C endlich erfolgte. An einem unserer Rastplätze, im schönen Artern an der Unstrut im thüringischen Kyffhäuserkreis, lernte der Kleine an einem Pausetag dann doch schwimmen. Wir besuchten das örtliche Solefreibad und nach einigen Versuchen war die Wasserangst vorüber und seitdem konnten wir auch im Fluss neben dem Kanu hertreiben.

Aber auch andere lustige Situationen waren mit von der Partie. Ich darf mir seitdem anhören, dass ich „quieke“. Das bezieht sich auf eine Umtragesituation: Üblicherweise paddele ich barfuß und ziehe die Flipflops dann immer mal an, wenn es notwendig ist. Nun mussten wir aussteigen, das Boot leeren und umtragen. Ich greife also nach den Flipflops, nehme sie und zack! springt mich ein Frosch an. Ich bin so erschrocken, dass ich die Schuhe habe fallen lassen, fast rückwärts ins Wasser gefallen wäre und wohl ganz hoch und schrill gequiekt habe. Die anderen beiden konnten nicht mehr vor Lachen; ich wusste bis dato nicht, dass mich ein Frosch erschrecken kann und darf mir das seitdem ständig vorhalten lassen …

Und so trieben wir also 10 Tage umher. Im Oberlauf bzw. dem befahrbaren Abschnitt unterhalb des Rückhaltebeckens zieht sich der Fluss noch sehr schmal und teils mäanderartig durch die Landschaft. Der Wasserpegel ist hier überwiegend eher flach, dafür strömungsreich. Das macht das Paddeln spannend, da man immer mal einen Korrekturschlag tun muss und bei anhaltendem Gepaddel auch ein wenig Tempo bekommt.

 

Ein sehr zu empfehlender Rastplatz befindet sich in dem kleinen Dorf Wangen im schon deutlich befahreneren Teil der Unstrut. Wir legten an, weil Lindas Laune immer schlechter wurde („Ich will jetzt ein Eis!!!!!“). Ein lustiges Schild mit der Aufschrift „Für Warmduscher“ an der rechten Seite des Flusses kurz vor der Brücke lockte uns und nur durch dieses Schild und den Eiszwang hatten wir einen der schönsten Lagerplätze unserer gesamten Tour. Nachdem wir im Tante-Emma-Laden im Dorf Bier und Eis besorgt hatten, dachten wir darüber nach, ob es sich lohnen würde, weiterzupaddeln oder ob wir nicht einfach in diesem malerischen Dorf unterhalb der Himmelsscheibe Nebra zelten könnten. Ein Einheimischer kam vorbei und Linda fragte, ob er wisse, wem die Wiese hier gehöre und ob man hier wohl zelten könne. Eine kryptische Antwort: „Die Wiese gehört’m Henry. Un dor Henry bin wo ich. Also joa.“ Ein herrlicher, freundlicher Charakter, der sein Tagewerk mit geführten und nicht geführten Kanutouren verbringt und mit seinem Kompagnon in Karsdorf einen Verleih betreibt. Wir durften hier also kostenlos zelten, bekamen einen Sekt aus der Freyburger Rotkäppchen-Kelterei dazu und freuten uns. Hier konnten wir mal ganz entspannt früh am Nachmittag das Lager aufschlagen, kochen, baden, spielen, vorlesen … Das Ganze rundeten wir am nächsten Tag mit einem Besuch der Himmelscheibe Nebra bzw. dem dortigen Ausstellungszentrum ab. Eine willkommene Abwechslung und sehr interessant.

Eine spannende Begegnung möchte ich noch erzählen. Am vorletzten Paddeltag war es dann doch schon recht spät (für Kindverhältnisse) und wir alle gut kaputt. Wir hielten aktiv Ausschau nach einem Lagerplatz und entdeckten einen, der zwar einen steilen Zustieg erforderte, aber oben doch recht schön war: eine von Büschen verdeckte Freifläche, dahinter ein Unterholz und dieses ist das eigentlich Spannende! Denn nachdem wir Lager errichtet und in Ruhe gekocht hatten und uns das Essen schmecken ließen, gab es die übliche Vorlesestunde. Langsam ging es Richtung Dämmerung. Das Kind schlief schnell ein, wir setzten uns mit Bierchen in die Hängematte und genossen die abendliche Ruhe. Es begann zu dämmern und plötzlich hörten wir Geräusche. Nanu, ein Tier? In dem Gehölz neben uns, keine fünf Meter entfernt, erwachte eine Fuchsfamilie. Die Mutter erspähte uns sofort und beäugte uns argwöhnisch. Und dann kamen zwei Junge aus dem Bau und wir hatten das seltene Glück, direkt vor unserer Nase Fuchsjunge im Spiel beobachten zu können. Absolut herrlich! Mutter Fuchs blieb in ihrer Wachposition und wir verhielten uns so leise wie möglich. Irgendwann bemerkten uns auch die Jungfüchse und wollten schnuppern kommen. Das jedoch wollten wir nicht, also machten wir uns akustisch doch bemerkbar, so dass die Familie dann relativ schnell auf allnächtliche Futtersuche zog. Wir hängten unser Futter weit hoch in die Bäume, um am nächsten Tag keine böse Überraschung zu erleben.

Nach 10 Tagen voller solcher Erlebnisse dümpelten wir in die Saale, legten am bekannten Campingplatz „Blütengrund“ an und genossen noch einen Tag Ruhe, bevor es nach Hause ging.

Im oberen Teil der Unstrut mussten wir häufig umtragen, da dort kaum Schiffsverkehr stattfand, alte Schleusen waren außer Funktion. Ab Nebra war alles top mit Schleusen versehen. Wir hatten unseren eigenen Bootswagen mitgenommen, das ist hilfreich.

Wenn wir zum Einkaufen etc. angelegt haben, haben wir das Kanu im Gebüsch versteckt und außer den wichtigsten Wertsachen alles auf gut Glück im Boot liegen lassen. Die Paddel haben wir an einer anderen Stelle versteckt.

  • Lernen, mit Kind ganz entschleunigt paddeln zu können und anzulegen, wann immer einem danach ist; oft sind dem Kleinen die Pausen wichtiger als das Paddeln
  • Individuelle Planung ohne Kanuverleih, Tourenanbieter etc.
  • Schöne Erlebnisse direkt vor der Haustür

Reisekosten

Die Reisekosten hielten sich in Grenzen, da wir Essen für Campingkocher und alles andere so kaufen mussten, dass es nicht gekühlt gelagert werden musste. Ergo insgesamt knapp 100 € pro Nase, inklusive Restaurant, Zeltplatz etc.

Anreise

Wir sind mit dem PKW meines Vaters dahin gebracht worden – Kanu auf dem Dach, Gepäck im Kofferraum; die Abholung hatten wir vorher ausgemacht. Wahrscheinlich kann man da aber auch bei Kanuverleihen fragen, wann und wo die einen einsetzen und abholen. Richtige Parkplätze gab es nicht, aber Feldwege, von denen aus man bequem ans Wasser konnte. PKW stehen lassen ist sicher möglich, einfach mit den Anwohnern reden, da klärt sich vieles.

Einkaufsmöglichkeiten

Einkaufsmöglichkeiten finden sich immer mal, das ist eigentlich ganz gut vernetzt.

Geld

Geldabheben ist auf jeden Fall in Artern möglich, da haben wir zumindest das einzige Mal welches abgehoben.

 

Bei dieser Hochsommer-Wasserwanderung haben uns folgende Dinge das Leben leichter gemacht:

  • Kind: Digedagbücher, was kleines Süßes, Eis
  • Linda: Eis, Essenskiste, Tagestasche
  • ich: Kaffee, Bootswagen, Kühlbox

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