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Mit dem Fahrrad durch Thailand

Thailand ist Luxus für Radreisende: abwechslungsreiche Landschaft, gastliebe Menschen, gesundes, abwechslungsreiches Essen, geringe Reisekosten und gute Infrastruktur. Auf dem Rad entkommt man auf oftmals geteerten Nebenrouten den touristischen Ballungsorten und gewinnt viele spannende Einblicke in das Leben am Straßenrand.

Thailand ist eine ideale Mischung aus herzlichen, entspannten Einwohnern, westlichen Standards, tropischen Regenwäldern, steilen Bergetappen und Strandbaden. Zudem lassen sich, wenn gewünscht, einzelne Gebiete ganz einfach im Zug auch mit den Rädern überspringen. Aufgrund der ausgebauten touristischen Infrastruktur, den verhältnismäßig geringen Kosten und recht hohen Sicherheitsstandards ist das Radfahren sehr entspannt.

Wir reisen mit dem Boot aus Laos über den Mekong nördlich von Chiang Rai ein, fahren gen Chiang Mai und entscheiden uns anschließend, den Zug in den Süden nach Nakhon Si Thammarat zu nehmen und entlang der Strände zurück Richtung Bangkok zu radeln. Wer Lust auf mehr Regenwald und Anstiege wie Skateboard-Rampen hat, fährt den Mae Hong Son Loop im Norden.

 

„Viel zu viele Radtouristen bleiben auf den Hauptstraßen!“, meint ein Warmshowers-Gastgeber und hat völlig Recht. Die Highways sind dank eines Seitenstreifens zwar sicher zu befahren, aber fast durchgängig von Buden, Betonbauten und Müll gesäumt, obendrein außerdem extrem laut und abgasschwanger. Anders als in den Nachbarländern sind viele kleinere Nebenstraßen in Thailand geteert und in gutem Zustand. Dank GPS-Routing lassen sich bequem sämtliche Schnellstraßen umgehen – ohne digitalen Helfer ist dies sehr viel umständlicher bzw. unmöglich, da sich viele Sträßchen irgendwann verlieren oder blind enden. Wir radeln fast ausschließlich durch kleinere Ortschaften, mitten durch Felder und Plantagen, oft auch am Meer entlang.

Die Straßen des Landes befinden sich überwiegend in gutem Zustand und stellen keine besonderen Ansprüche an die Fahrräder. Unsere massiven Packesel sind reichlich überdimensioniert. Gute Tourenräder oder Randonneur, in jedem Falle mit eher schmalen Reifen, sind völlig ausreichend. In den Bergen des Mae Hong Son Loops sind starke Bremsen und eine Gangschaltung mit vielen Gängen wichtig. Auf einen Rückspiegel würden wir nicht verzichten wollen. Gute Radläden gibt es in Chiang Mai und Bangkok, in der Hauptstadt gar einen Rohloff-Fachmann!

Abgesehen vom hohen Norden des Landes sinken die Temperaturen nur selten unter die Kuschligkeitsgrenze, daher reicht luftige, kurze Kleidung (klare Empfehlung: Merinowolle), dazu lange Kleidung für kühle Abende. Auch das Schuhwerk darf leicht sein: Sandalen oder Sneaker. Empfehlenswert ist wasserdichtes Schuhwerk zum Baden, da die Strände abseits der Touristenorte oft mit Müll gespickt sind. Hotels gibt es überall, in allen möglichen Preislagen und generell recht günstig, das gleiche gilt für Restaurants. Aufgrund der schwülen Temperaturen und der vielen Krabbeltiere zählt das Land ohnehin nicht zu den Traumdestinationen für Wildcamper – daher könnte man auf Campingausrüstung auch komplett verzichten und auf einen Schlag die Hälfte der Ausrüstung sparen.

In jedem noch so kleinem Ort gibt es Garküchen, in denen Radreisende für ein bis zwei Euro satt werden. Zudem erfrischen die überall verkauften Eis-Shakes hervorragend – allerdings fangen wir uns Giardien (Parasiten) ein. In größeren Städten gibt es Supermärkte mit westlichem Angebot, eine willkommene Abwechslung zur einheimischen Küche. Oft bitten wir die Betreiberinnen der Garküchen, für uns Gemüse mit Ei zu braten, die Currys sind außerhalb der Touristenhochburgen nämlich meist extrem scharf.

Zelten ist möglich, am Feldrand oder auch in Klöstern, wo wir sogar oft duschen können. Allerdings krabbeln – neben Skorpionen, Taranteln und Schlangen – auch hier die tropischen Ameisen, die sich ggf. durch Zeltwände beißen. Wir gönnen uns zwei Wochen klimatisierte Bungalows für 10 bis 20 Euro direkt am Strand. Auch die Warmshowers-Gemeinschaft wächst und nicht nur in Bangkok finden sich zahlreiche Gastgeber.

Aus Laos kommend, fahren wir noch für einige Tage durch die Berglandschaften im Norden des Landes. Undurchdringlicher Regenwald wechselt sich mit Reisterrassen und verstreuten Dörfchen ab, der Verkehrslärm weicht dem Stimmenkonzert des Waldes und manchmal turnen Affen in den Bäumen.

Ganze 127 Nationalparks zählt Thailand, in denen Tiger, Elefanten und Bären noch wild durch die Wälder streifen. Doch nicht wenige Schutzgebiete ähneln eher Zoos, erlauben Abholzung und Wilderei und verdienen ihren Namen kaum.

Daniel erwischt es arg: eine eitrige Luftröhrenentzündung mit Fieber und Schüttelfrost. Er ist so matt, dass wir aus lauter Angst vor Malaria und Dengue ein privates Krankenhaus in Chiang Mai aufsuchen. Hunderte Patienten warten in dessen Empfangshalle und ich rechne mit dem Schlimmsten. Doch letztlich funktioniert dieses Thai-Spital besser als ein deutsches Modell: Dem Arztgespräch folgen umgehend Labortests, die Medikamente inklusive Wurmkur erhalten wir in der integrierten Apotheke und zahlen mit VISA-Karte. Nach nur drei Stunden sind wir fertig, weniger als 80 Euro kostete alles zusammen. Nicht umsonst sind Thailand, Indien und Singapur Top-Ziele für westliche Medizintouristen.

Wir nehmen den Zug weiter in den Süden des Landes, um nach den endlosen Bergetappen entlang der Palmenstrände nach Bangkok zu radeln. Knapp zwei Wochen genießen wir völlig steigungsfreies Fahren, Genussradeln pur. Mittags und abends erfrischen wir uns in den sanften Wellen des Thailändischen Golfes. Unser Budget reizen wir aus, denn das Zelt hat Pause. Stattdessen entspannen wir in klimatisierten Bungalows am Strand, mit Meeresrauschen als Soundkulisse.

Doch dem paradiesischem Anschein zum Trotz: Beim Schwimmen verheddere ich mich in Plastiktüten, bei Strandspaziergängen waten wir durch Müll. Steigender Lebensstandard und Massentourismus (also auch wir) führen im ganzen Land zu enormen Umweltproblemen. Knapp 40 Millionen Besucher urlaubten hier 2017, damit liegt Thailand auf Platz drei der umsatzstärksten Reiseziele weltweit, direkt hinter den USA und Spanien. Tendenz steigend. Ungeklärte Abwässer verwandeln ganze Buchten in Kloaken. Jährlich gelangen 700.000 Tonnen Plastikmüll ins Meer, denn Abfall wird schlicht im nächsten Bach entsorgt. Das kleine Land zählt zu den fünf größten Meeresverschmutzern überhaupt und alleine im Golf von Thailand finden sich mehrere Müllteppiche, mitunter nur 10 Kilometer entfernt vom Badestrand.

Doch trotz des touristischen Dauerbooms erfuhren wir seit Pakistan nicht mehr soviel Gastfreundschaft. Das in einem Land, das seiner zahllosen Gäste eigentlich überdrüssig sein dürfte!? Ob Bananen, Wasser, Papayas oder Reis – täglich beschenkt man uns reichlich. Anders als in Laos zahlen wir auf Märkten oft weniger als das Preisschild angibt.

Wir tappen in einige Peinlichkeitsfallen: Einmal verwechseln wir eine Trauerfeier mit einem Restaurant am Straßenrand, werden von den Gastgebern dennoch gemästet und bewirtet. Die buddhistischen Thais sind vor allem bei Beerdigungen spendabel, damit der Verstorbene ein möglichst gutes Karma mit auf dem Weg bekommt.

Ein anderes Mal fragen wir unsere Warmshowers-Gastgeber, wie ihnen der aktuelle König tauge. Der treibt sich nämlich gerne mit seinen Mätressen in der Münchner Schickeria herum. Die beiden lächeln verschmitzt und die Stimmung sackt in den Keller – Tage später erfahren wir, dass man wegen Majestätsbeleidigung hier locker in den Knast gesteckt wird. Jeder kann dabei jeden denunzieren. Also: Bitte nicht nachahmen.

Reisezeit

November bis März (Trockenzeit). Während der Regenzeit sind viele Straßen überschwemmt und Zelten fast unmöglich. Die Temperaturen schwanken im Jahresverlauf kaum, gegen Ende der Trockenzeit und während der Regenzeit wird die Luft allerdings unerträglich schwül.

Anreise

Internationale Flughäfen befinden sich beispielsweise in Bangkok, Chiang-Mai, auf Phuket, Krabi und Ko Samui. Wir reisen entspannt mit dem Boot über den Mekong von Laos ein. Auch die Einreise über Land von Malaysia, Kambodscha und Myanmar ist problemlos möglich.

Einreise

Ohne Visum möglich, die Aufenthaltsdauer beträgt 30 Tage. Wer kein Flug-, Bus-, oder Zugticket als Ausreisebeleg vorzeigt, muss jedoch ein Visum kaufen. Auch längere Aufenthalte sind möglich, allerdings muss dann ein Visum beantragt werden – meist ist es billiger (und einfacher), das Land kurz zu verlassen und erneut wieder einzureisen.

Geld

Landeswährung ist der Thailändische Baht (THB). Die Geldabhebung mit Kreditkarte stellt kein Problem dar. Das Land ist recht günstig zu bereisen, vor allem Essen ist sehr billig. Da wir uns einige Nächte in Strandbungalows gönnen und Daniel manchmal doppelte Portionen verdrückt, um zuzunehmen, beträgt unser Tagesbudget zu zweit 35 Euro – es geht jedoch auch weitaus günstiger.

Sprache

In den Touristen-Hochburgen sprechen viele Thais Englisch, außerhalb bedarf es vieler Gesten und Google Translate als Offline-Übersetzer zur Kommunikation. Als Vegetarierin bitte ich die erstbeste Englischsprechende, auf einem Zettel zu übersetzen, dass ich weder Fleisch noch Fisch und Fischsoße esse. Das hilft enorm!

  • Mückenspray und Sonnenschutz
  • Metronidazol (Antibiotikum gegen Durchfall verursachende Darmparasiten)
  • Wasserfilter (Flaschenwasser produziert sehr viel Müll, Leitungswasser muss jedoch behandelt werden)
  • www.warmshowers.org: Ähnlich dem Couchsurfing-Konzept beherbergen hier Einheimische Radreisende kostenlos.
  • https://www.amnesty.de/jahresbericht/2018/thailand#section-3695171: Was der Strandurlauber nicht sieht: Das Paradies ist eine Diktatur mit allen üblichen Torturen. Hier ein aktueller Bericht zur Menschenrechtssituation.
  • https://osmand.net: Extrem praktische Navigationsapp mit detaillierten Offlinekarten weltweit, die uns zuverlässig die vielen Schleichwege durchs Hinterland zeigt.
  • Landkarte Thailand, 2017, 1:1.200.000, Reise Know-How Verlag
  • Altmann, Andreas, 2007, Der Preis der Leichtigkeit: Eine Reise durch Thailand, Kambodscha und Vietnam, Malik Verlag
  • Vater, Tom & Krack, Rainer, 2016, Thailand Handbuch, Reise Know-How Verlag

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