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Mit dem Fahrrad durch Kalifornien

California – The Golden State. Schon der Name dieses drittgrößten Bundesstaates der USA lässt die Ohren klingeln. Gutes Wetter mit viel Sonnenschein und hervorragende Straßen, eine ausgezeichnete Versorgungslage sowie das dichte Netzwerk an Warmshowers-Gastgebern machen Kalifornien zu einem Paradies für Reiseradler. Darüber hinaus locken zahlreiche Nationalparks, beeindruckende Küstenlandschaften und spektakuläre Highways.

Wir starten in San Francisco Anfang März und radeln bis Monterey – ein Stück weiter südlich ist der berühmte Highway 101 nach Big Sur immer noch aufgrund eines Erdrutsches gesperrt – und queren das Central Valley über kaum befahrene Bergstraßen nördlich von Bakersfield. Mit Respekt wagen wir uns ins Death Valley, aufgrund der kühlen Witterung letztlich jedoch kein Problem. Wir verlassen Kalifornien Richtung Osten und kehren Ende Juli aus nördlicher Richtung wieder zurück. Längere Zeit verbringen wir im beeindruckenden Redwood Nationalpark, dem eher unbekannten Lassen Nationalpark und am Lake Tahoe. Aufgrund der verheerenden Waldbrände sind die Nationalparks der Sierra Nevada langfristig gesperrt, immer wieder müssen wir Teilstrecken per Anhalter zurücklegen. Wieder angekommen in San Francisco führt die Route entlang des kürzlich geöffneten Big Sur nach San Luis Obispo. Ein Zug bringt uns schließlich in den Moloch Los Angeles.

Die Nationalparks in Kalifornien sind ein unbedingtes Muss für Radfahrer. Erstaunlich viele radeln einfach „nur“ an der Küste entlang – dabei lohnt sich ein Zickzackkurs allemal! Neben dem Death Valley besuchen wir den recht unbekannten und doch spektakulären Lassen Nationalpark und einen der schönsten Orte der Reise: die Redwood State and Nationalparks. Leider ist zu dieser Zeit (August) der Großteil des Yosemite-Tals aufgrund von Waldbränden gesperrt. Lohnenswerte Abstecher führen zum Sequoia und Joshua Tree Nationalpark (letzterer jedoch nicht im Sommer). Für uns macht sich der Kauf eines Einjahres-Nationalparkpass bezahlt – 80 Dollar für zwei Personen, erhältlich in jedem Nationalpark.

Weitere landschaftliche Highlights sind der azurblaue Lake Tahoe und malerische Lake Isabella sowie die gesamte Westküste, besonders aber die Bay Area nördlich von San Francisco und Big Sur südlich von Monterey.

 

Das extrem weitläufige Straßennetz der USA ist überwiegend in hervorragendem, gut asphaltierten Zustand und stellt keine besonderen Ansprüche an das Fortbewegungsmittel. Unsere massiven Patria Terra erscheinen etwas überdimensioniert – wer keine ausgedehnten Backcountry Trips plant, ist besser mit einem leichten Tourenrad oder gar Randonneur beraten. Gut sortierte Outdoor- und Fahrradläden finden sich in jeder größeren Stadt, die meisten führen auch Teile für 28er Räder.

Das Radeln empfinden wir fast immer als sicher. Im eher liberalen Kalifornien sind Radfahrer weitestgehend akzeptiert, Autofahrer verhalten sich entsprechend rücksichtsvoll. Wir würden dennoch nicht auf Rückspiegel und Helm verzichten wollen. Die allermeisten Highways verfügen zudem über einen mehr oder weniger breiten Seitenstreifen, der gute Sicherheit bietet. Vorsicht vor Überresten geplatzter LKW-Reifen, die sich hier besonders oft finden – deren rostige Drähte durchbohren jeden Reifen. Brenzlig wird es manchmal auf engen Forststraßen in den zentralen Waldgebieten. Die mit Holz übervoll beladenen und oft veralteten Trucks rasen durch die Kurven und können – oder wollen? – gar nicht schnell genug bremsen. Am besten gleich von der Straße und die Sattelschlepper passieren lassen.

Die Wahl der Kleidung hängt von den bereisten Gebieten und Jahreszeit ab. In den Sommermonaten empfiehlt sich luftige Kleidung und guter Sonnenschutz, besonders im Inland ist es mörderisch heiß. Wohl dem, der dann sein Innenzelt solo aufstellen kann. Doch selbst im Hochsommer kann nachts sehr kalt werden, auch an den Küsten tragen wir am Abend lange Unterwäsche. Vor allem im Frühjahr ist wasserdichte Kleidung sinnvoll, dann regnet es in Küstennähe oft. Gaskartuschen gibt es in jedem Supermarkt, allerdings mit zölligem Gewinde – ohne Adapter unbrauchbar. Kartusche mit hierzulande geläufigem metrischem Gewinde sind meist dreimal so teuer. Wir machen gute Erfahrungen mit dem Optimus Polaris und Tankstellenbenzin. Für Fahrten ins Death Valley oder dünner besiedelte Gebiete ist ein Wassersack sehr praktisch. Unseren Wasserfilter verwenden wir fast gar nicht, sondern trinken Leitungswasser, das immer sauber ist und überall bereitwillig gespendet wird. Die Nationalparks locken mit einer Fülle an Backcountry-Zeltplätzen, die nur über längere Wanderungen erreichbar sind – Wanderrucksack nicht vergessen!

In jeder kleineren Stadt säumen Supermärkte und Fastfood-Läden die Hauptstraßen. Zudem gibt es in allen Nationalparks, selbst im Death Valley, Shops oder gar Supermärkte mit Obst, Brot, Milch und Müsli im Sortiment, wenn auch mitunter recht teuer. Insgesamt gestaltete sich die Versorgungslage deutlich besser als befürchtet und von anderen geschildert. Achtung! Wir beide nehmen in den USA mehrere Pfund zu – selbst beim Radfahren! Alles, wirklich alles ist fettig und gesüßt, mitunter ungenießbar.  Nahrungsmittel sind etwas teurer als in Deutschland, bei Discountern lässt sich aber preiswert einkaufen. Überhaupt bieten die Supermärkte eine gute Anlaufstelle mit Geldautomat, kostenloser Toilette und gratis WiFi.

Der überwiegende Teil des Landes befindet sich in privater Hand, worauf mittels Zäunen und Schildern – manchmal sehr martialisch – hingewiesen wird. Es ist tunlichst zu vermeiden, solche Warnungen zu ignorieren. Man sollten ebenso wenig privaten Grund ohne Ankündigung betreten (wir halten meist die Hände hoch und rufen laut). So herzlich und gesellig sie sind – die Amerikaner besitzen häufig Waffen und nutzen diese gegebenenfalls auch. Dieser Private-Property-Wahn kommt Zeltreisenden einerseits ungelegen, zwingt uns andererseits aber dazu, Einheimische nach einem Plätzchen für unser Zelt zu fragen – und somit noch mehr in Kontakt zu kommen. Es passiert jedoch häufig, dass wir spontane Einladungen für eine Dusche, Abendessen oder gar das Gästezimmer bekommen.

Wildes Zelten ist in den States Forest erlaubt, wird in National Forests toleriert, in National Parks hingegen klar geahndet. Dort gibt es manchmal vergünstigte, nicht reservierungspflichtige Zeltplätze für Radfahrer (Bike and Hike Campgrounds). Wir reservieren keinen einzigen Platz und haben dennoch keinerlei Probleme, unser Zelt bei anderen Campern mit auf dem Platz aufzustellen.

In kaum einem anderen Land erfahren wir soviel Gastfreundschaft wie in den USA. Die Amerikaner laden uns tagtäglich zu Kaffee, Eis, Bier oder gar zu sich nach Hause ein. Zudem sind sie unglaublich offen, neugierig und gesellig, es vergeht keine Pause, ohne dass uns jemand anspricht. Auf Zeltplätzen können wir unser Hilleberg einfach auf reservierten Plätzen neben die Camper stellen, nur zahlen dürfen wir nichts, die Amis spendieren immer! Viele Kalifornier entschuldigen sich zudem für „ihren“ Präsidenten. Auch Gesprächen über heikle politische Fragen scheuen sie nicht. Die Gastgeber der Warmshowers-Gemeinschaft verwöhnen uns meist nicht nur mit Barbecues, Bett und heißer Dusche, sondern vor allem mit heiteren bis tiefgründigen Gesprächen.

Die landschaftliche Vielfalt und mitunter wunderschönen Wanderwege in den Nationalparks geraten in Anbetracht der geselligen Kalifornier fast in den Hintergrund. Ihre Neugier und entspannte Art, die Unterhaltungen am Lagerfeuer, vor Supermärkten, am Straßenrand, aber vor allem ihre wahnsinnige (!) Gastfreundschaft haben uns tief beeindruckt.

Reisezeit

Entlang der Küste herrscht im gesamten Jahresverlauf kühl-gemäßigtes Klima mit kaltfeuchten Nächten. Der Wind weht tendenziell aus Nordwest (Fahrtrichtung beachten). Die Küstenregionen können theoretisch ganzjährig beradelt werden, im Sommer bildet sich jedoch oft Nebel, der sich den ganzen Tag über halten kann. Nachteil: schlechte Sicht, kalte Witterung und sehr viele Touristen auf den Straßen. Ideal sind daher Frühjahr (März bis Mai) und vor allem der Herbst (September bis November) mit guter Sicht und weniger Verkehr. Niederschläge fallen vorwiegend im Frühjahr, der Herbst ist meist sehr trocken.

Im Landesinneren dominiert kontinentales Klima mit viel Schneefall im Gebirge, die bis über 3.000 m hohen Pässe der Sierra Nevada sind daher meist ab Mai geöffnet und oft schon im November wieder geschlossen. In tieferen Lagen – also fast überall – wird es ab Mai drückend heiß. Im August erreicht das Quecksilber nicht selten über 40 °C, verheerende Waldbrände sind die Folge mit weitläufigen Straßensperrungen und extrem schlechter Sicht.

Wer den gesamten Bundesstaat auf dem Rad bereisen will, sollte im Frühjahr oder Herbst kommen, dann besteht auch die Chance das Death Valley zu besuchen ohne gegrillt zu werden.

 

Anreise

Meist per Flugzeug: internationale Flughäfen gibt es u. a. in Los Angeles und San Francisco. Auch die Einreise auf dem Landweg aus Mexiko ist möglich.

 

Einreise

Für einen Maximalaufenthalt von 90 Tagen reicht das ESTA, online zu beantragen für derzeit 14 Dollar. Achtung! Da wir zuvor Iran (und Pakistan) bereisten und sechs Monate im Land unterwegs sein möchten, müssen wir ein richtiges Touristenvisum bei einer US-amerikanischen Botschaft beantragen. Dafür unterzieht man uns einem zwanzigminütigen Interview, außerdem ist dieses Visum sehr teuer. Vorsicht: ESTA und Visum sind noch keine Einreisegarantie, die endgültige Erlaubnis erteilt der Grenzbeamte des Heimatschutzes. Auch wir werden bei der Ankunft nochmals von der Homeland Security verhört. Herausforderndes Verhalten, unangemessene Witzeleien etc. sind tunlichst zu vermeiden.

 

Geld

Ein Euro entspricht derzeit 1,14 US-Dollar. Bargeldlose Bezahlung überall mit Kreditkarte möglich. Wichtig: das übliche Trinkgeld beträgt 20 % – die Kellner sind davon abhängig. Da wir nie ein Hotelzimmer nehmen, sondern ausschließlich zelten oder bei Einheimischen unterkommen, zahlen wir lediglich für Verpflegung und die Zeltplätze in Nationalparks. Für gut 30 Dollar am Tag führen wir zu zweit ein ziemlich luxuriöses Radlerdasein.

 

Sprache

Englisch. Viele Kalifornier (auch ohne Migrationshintergrund) sprechen auch etwas Spanisch.

 

  • Nick Edwards, Reiseführer USA: Der Westen, Stefan Loose Verlag, 2017. Auch als Ebook erhältlich.
  • Landkarte USA– Kalifornien (1:850.000), Reise Know-How Verlag, 2018.
  • Andreas Altmann, Im Land der Freien: Mit dem Greyhound durch Amerika, Dumont Verlag, 2014.: Der weltbeste Reisereporter liefert einmal mehr spannende Zeltlektüre während der Reise.
  • Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, Wie Demokratien sterben, DVA 2018.: Auch für Nicht-Politikwissenschaftler interessant geschrieben und ein absolutes Muss, um die aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen der USA (und in Europa) wissenschaftlich fundiert nachvollziehen zu können.

 

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