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Teaserbild: Solotrekking in Island

Solotrekking in Island

Im Sommer 2017 geht es für mich und Bretbert – seines Zeichens Reisegefährte und Glücksbringer – für drei Wochen ins isländische Hochland. Die Tour führt über den recht neuen und bisher eher wenig bekannten Hellismannaleið, den dafür umso bekannteren Laugavegur und über den Vulkan bis Skógafoss. Die verbliebenen Tage meines Jahresurlaubs trampe ich an der Südküste und schaue mir noch das ein oder andere touristische Highlight an.

Island ist wohl der Traum eines jeden Outdoorliebhabers – so auch meiner. Endlose, raue, karge Landschaften gepaart mit dem saftigen Grün des isländischen Mooses und ganz neben bei Vulkane, Geysire, Thermalquellen oder eben auch blubbernde Schlammlöcher mitten auf dem Weg, die einen unsere Erdgeschichte quasi live erleben lassen. Es gibt mehr Schafe als Menschen auf der Insel, quasi keine Kriminalität, fußballspielende Hünen, die einen ganzen Kontinent für sich begeistern können, im Sommer ist es praktisch durchgängig hell und selbst zu dieser Jahreszeit kann man die vier Jahreszeiten an einem Tag erleben. Wer kann da schon Nein sagen? Ich wollte so wenig wie möglich in festen Unterkünften und umso mehr mit meinem Zelt weit draußen und fernab von vielen Menschen unterwegs sein.

Ab Berlin ging es mit dem isländischen Flieger nach Reykjavík auf den dortigen Zeltplatz – es gibt nur einen, man hat also die ganze Zeltergemeinde um sich. Hier konnte ich früh halb vier mein Zelt schon mal im Hellen aufbauen. Nach ein paar Stunden Schlaf hieß es am ersten Tag in Reykjavík, die noch fehlenden Lebensmittel sowie Campinggas zu organisieren, den Bus zum Startpunkt ausfindig zu machen und zu buchen und ein bisschen die Stadt anzuschauen. Mir kribbelte es jedoch schon ganz schön in den Füßen, ich wollte los und nicht in der Stadt „rumhängen“. Und so kürzte ich den Aufenthalt in der Hauptstadt ab und nahm schon am nächsten Morgen den Bus ins Hochland.

Erste Station Rjúpnavellir, Start des Hellismannaleið: Mit mir steigen noch zwei Niederländer aus dem Bus – das sind sie also, meine Mitwanderer für die ersten Tage. So schnell wie die beiden starten, kann ich gar nicht gucken! Zum ersten Mal wird mir bewusst, dass ich nun tatsächlich allein unterwegs bin und gönne mir erst mal noch einen Kaffee im Bistro der Hütte Rjúpnavellir. Der Wind bläst gewaltig, als ich losmarschiere, und das soll sich auch erst am dritten Tag ändern. Damit spürt man die 25 Kilo Startgewicht des Rucksacks umso mehr. Die erste Etappe führt anfangs entlang des Flusses Ytri-Rangá mit seinem imposanten, über 100 m breiten Wasserfall und später dann durch endlose Aschefelder und -hügel. Nach den endlos wirkenden 20 Kilometern erreiche ich endlich die Hütten von Áfangagil und entscheide mich für einen nicht gerade günstigen Schlafplatz in einer der Hütten – bei dem Orkan bekomme ich mein Zelt nicht aufgebaut.

Während der nächste Tag bis Landmannahellir einem Spaziergang auf dem Mond gleich kommen mag – endlose, schwarze Lavafelder und Aschewüste hin und wieder unterbrochen von kleinen Oasen an den zu querenden Flüssen –, ist die 3. Etappe (und damit letzte auf dem Hellismannaleið) bis Landmannalaugar schon deutlich farbenfroher mit grünen Moosfeldern, glasklaren, blauen Bergseen gesäumt von saftigen Wiesen und den bunten Ryolithbergen von Landmannalaugar. Meine niederländischen Mitwanderer sehe ich meist nur abends zum gemeinsamen Essen und ansonsten aus einer ziemlich großen Entfernung – die beiden sind aufgrund der kürzeren Tour und des deutlich leichteren Gepäcks sehr viel schneller als ich.

In Landmannalaugar, Startpunkt des Laugavegur, lege ich einen Pausentag ein. Morgens, bevor die Tagestouristen kommen (denn der Ort ist per Auto und Bus noch erreichbar), entspanne ich fast alleine in der heißen Quelle und verbringe den Tag mit einer kleinen Wanderung durch die bunten Berge rund um das Camp. Der nächste Tag begrüßt mich mit Nebel und Regen und so gehe ich erst nochmal in den Hotpot baden, bevor ich am späten Morgen dann langsam zusammenpacke und mich auf den 55 Kilometer langen Laugavegur mache. Anfangs führt der Weg durch das Lavafeld Laugahraun vorbei an zahlreichen bunten Ryolithbergen stetig und teils auch sehr steil bergan und ist gesäumt von dampfenden Schwefelrauchschwaden der heißen Quellen, die in der Umgebung brodeln. Eine der imposantesten Quellen kündigt sich durch das laute Fauchen und ihre imposante und kräftige Dampfsäule mit kräftigem Schwefelgeruch schon lange vor dem Passieren an – hier schießt dampfend heißes Wasser mit großer Wucht aus einem Loch im Boden, gesäumt von brodelnden Schlammtöpfen ringsherum. Im Matsch der Altschneefelder kurz vor dem Pass hätten sich die Grödel gut gemacht, die ich aber aufgrund des Gewichts zu Hause gelassen habe. Ohne sie ist das Vorankommen im Schneematsch und bergan manchmal sehr mühselig. Riesige Steinmännchen und gelbrote Plastiksäulen weisen hier in den Schneefeldern den Weg, der bei Nebel aufgrund der schwierigen Orientierung als gefährlich gilt. Nach endlosen Schneefeldern erreicht man die Passhöhe und die dahinter in einer Senke liegende Hütte Hrafntinnusker. Die Zeltfläche vor der Hütte bietet ein ungewöhnliches Bild: Aufgrund des stetigen Windes hier oben haben sich die Camper über die Jahre aus den umherliegenden Steinen kleine, kreisrunde Festungen als Wind- und Wetterschutz gebaut.

Auf der 2. Laugavegur-Etappe geht es erst nochmal knackig, teils durch Schneefelder, bergauf bis zu einer Ebenenkante, die einen herrlichen Blick zurück auf die bunten Berge eröffnet. Auf der anderen Seite der Kante wird es deutlich grüner und in der Ferne kann ich schon mein Tagesziel, den See samt Hütte von Álftavatn, erkennen. Vorher warten aber noch ein steiler Abstieg und die erste größere Furt von Grashagakvisl. Als ich meine Schuhe zur Flussquerung wechsele, beginnt es ordentlich zu regnen. Der Regen soll an diesem Tag auch nicht mehr aufhören und lässt die restliche Strecke bis zur Hütte arg lang werden. Dort angekommen verharre ich mit einigen Franzosen in einem leerstehenden „Touristenzelt“, bis der Regen schwächer wird und wir unsere Zelte halbwegs trocken aufstellen können. Das Highlight der Hütte ist das „Restaurant“ – ein kleiner beheizter Raum, in dem sich die Wanderer stapeln und ein Essen und das eine oder andere teure Bier genießen können. Gemeinsam mit zwei Franzosen und zwei Kanadierinnen verbringe ich hier einen sehr lustigen und gemütlichen Abend und habe ganz nebenbei meine Mitwanderer für die restliche Tour gefunden, denn ab hier kreuzen sich unsere Wege immer öfter und wir beschließen, die Tour gemeinsam bis zum Ende zu laufen.

Tag 3 auf dem Laugavegur startet mit einem leichten Hangover, aber auch mit herrlichstem Sonnenschein – das Spiegelbild der Landschaft im See ist dadurch unbeschreiblich schön und märchenhaft. Die heutige Etappe hält zwei ordentliche und spannende Furten bereit (u. a. durch einen Gletscherfluss, dessen Kälte ganz schön schmerzhaft ist), führt ansonsten aber eher eintönig durch ewig weite, schwarze Lavafelder bis zur Hütte von Emstrur. Von hier geht es spannender weiter auf der letzten Etappe des Laugavegur, vorbei an einer canyonartigen Landschaft, durch Felder mit rotblühenden Pflanzen und vorbei am „Nashorn“-Berg bis nach Þórsmörk, wo es verschiedene Campingmöglichkeiten gibt. Wir entschließen uns für den Platz mit Sauna und Hotpot und beschließen, hier einen weiteren Pausentag einzulegen. Die deutlich grünere Landschaft rund um Þórsmörk beschert uns außerdem eine super Pilzpfanne mit Wildkräutern, die wir auf dem Weg sammeln konnten. Außerdem bekommen wir an der Hütte noch zwei Flaschen Wein von anderen Touristen geschenkt und können so ein wahrschlich festliches Dinner zaubern. Den Pausentag nutzen wir für eine kleine Wanderung inkl. Einkauf zur nahegelegenen Hütte mit Minishop, zum Wäschewaschen und Entspannen.

Der letzte Teil der Wanderung führt über die Hochebene Fimmvörðuháls und den Eyjafjallajökull-Vulkan (jener unausprechliche Vulkan, der vor einigen Jahren den Flugverkehr in halb Europa lahmlegte) bis nach Skógar. Bei gutem Wetter eine anstrengende, aber gut machbare Tour, die man über einen Tag oder zwei Tage machen kann. Bei schlechtem Wetter ist die Sicht da oben gleich Null, was schon einigen zum Verhängnis geworden ist. Wir haben wettertechnisch Glück und beschließen, uns für die Tour zwei Tage Zeit zu nehmen. Bei schönstem Sonnenschein geht es am ersten Tag gut 900 Höhenmeter steil hinauf, vorbei an den Vulkankratern und frischen Lavafeldern vom Ausbruch von 2010. Zwischendurch gibt es den Katzenrücken, einen Kamm mit schmalem Weg, der bei Wind und Nebel sicherlich ganz schön hässlich sein kann, und die eine oder andere Kletterstelle zu bewältigen, die jedoch mit Seilstücken abgesichert sind. Das letzte Stück bis zur Hütte Baldvinsskáli ist durch das Auf und Ab unzähliger Hügel noch einmal ganz schön kraftraubend. Dafür belohnt dann der Ausblick von der Hütte, der uns bei strahlendem Sonnenschein um fast Mitternacht bis zur Küste blicken lässt.

Die letzte Etappe bis nach Skógar geht dann sanft bergab und wartet mit einer Vielzahl von Wasserfällen auf, insgesamt weit über 20 Stück und so sind wir am Ende der Etappe fast etwas übersättigt, als als krönender Abschluss, neben der Zivilsation und zahlreichen Autotouristen, auch einer der größten und imposantesten Wasserfälle, der Skógafoss, auf uns wartet. Am späten Nachmittag kommen wir am Ziel an und sind stolz, es geschafft zu haben, aber auch etwas wehmütig. Hier trennen sich meine Wege von denen der Franzosen und Kanadierinnen nach einer tollen Tour. Während ich erst mal alleine an der Südküste entlang will, wollen die beiden Franzosen noch um die Insel trampen und die Kanadierinnen erst mal noch in Skógar bleiben. Aber wie es der Zufall so will, treffe ich die Kanadierinnen einige Tage später in Skaftafell an Islands größtem Gletscher und die Franzosen an meinem letzten Abend in Reykjavík wieder.

Beste Reisezeit

Sommer/ Spätsommer: Je nach Schneelage öffnen die Hochlandstraßen Anfang bis Ende Juni, vorher öffnen auch die Hochlandhütten nicht und es fahren keine Busse (z. B. nach Landmannalaugar). Sicherlich kann man die Tour auch außerhalb dieser Zeit angehen, die Anreise und Übernachtungsplanung werden dann aber deutlich erschwert.

Anreise bzw Von A nach B in Island

Mit dem Flugzeug z. B. ab Berlin nach Reykjavík oder mit der Fähre ab Dänemark, was jedoch die deutlich längere Anreise ist.

In Island selbst sind die Busunternehmen gerade für die Touristen sehr gut organisiert, aber auch sehr teuer. Mit etwas Recherche und Durchfragen findet man dann aber auch die günstigeren Busse für die Isländer, die quasi die gleichen Strecken fahren, aber nur die Hälfte kosten. Der Großteil der Buslinien bewegt sich auf der Ringstraße, einige wenige führen auch zu ausgewählten Zielen im Hochland wie z. B. Landmannalaugar.

Trampen ist eine Alternative, um von A nach B zu kommen, wenn man zeitlich nicht zu sehr gebunden ist. Im Süden habe ich die Erfahrung gemacht, dass es auf der Ringstraße gegen den Uhrzeigersinn besser funktioniert, da dies auch die Hauptrichtung der Touristenströme zu sein scheint.

Unterkünfte

Ich war mit meinem mobilen Eigenheim, also mit dem Zelt, unterwegs. In der Hauptstadt sowie rund um die Ringstraße findet sich immer ein Zeltplatz. Außerhalb der Naturschutzgebiete kann man so zelten, innerhalb derer nur an ausgewiesenen Plätzen, die sich zumeist in der Nähe der Übernachtungshütten befinden.

Geld

Isländische Kronen. Das Einfachste ist eine Kreditkarte, mit der man quasi überall bezahlen kann – sogar auf den Hütten im Hochland. Ich hatte 20 Euro Bargeld dabei, wovon ich die Hälfte wieder mit nach Hause gebracht habe.

Sprache

Isländisch, aber man kommt sehr gut mit Englisch zurecht.

Wasserversorgung

War auf meinem Weg kein Problem, bis auf eine Hütte hatten alle Wasser und es gab auch immer wieder Flüsse, aus denen man meines Erachtens bedenkenlos trinken kann. Für die letzten zwei Etappen über den Vulkan nimmt man ausreichend mit oder man macht die beiden Etappen in einem Ritt, was jedoch ganz schön zehrt.

Essen

An einigen Hütten kann man für teuer Geld Outdoornahrung, Tütensuppen oder Süßigkeiten kaufen, was jedoch als alleinige Versorgung ganz schön ins Geld geht. An den Volcano Huts in Þórsmörk gibt es ein richtiges Restaurant, am Álftavatn einen Imbiss, der warme Mahlzeiten anbietet. Alles in allem sollte man aber doch vorher gut planen und das Essen mitnehmen, wenn man nicht arm werden möchte. Einfuhrbestimmungen beachten!

Orientierung

Die Wege, insbesondere ab Landmannalaugar, sind sehr gut ausgeschildert – ein Verlaufen ist so gut wie unmöglich, sofern das Wetter mitspielt. Nichtsdestotrotz sollte man bei widrigen Sichtverhältnissen für Alternativen sorgen (z. B. GPS).

Sandalen: Sind meiner Meinung nach für das sichere Furten der Flüsse unabdingbar. Außerdem kann man abends doch mal aus den dicken Bergstiefeln raus.

Wanderstöcke: Ohne die gehe ich nirgends mehr hin! In Island waren sie zum Ausbalancieren beim Furten und auch auf den ganz steilen Streckenabschnitten Gold wert.

Regenkleidung und Raincover für den Rucksack: Unbedingt! Das Wetter wechselt oft und schnell, gute Regensachen sind hier hilfreich.

Sonnenschutz: Etwas, das ich sehr unterschätzt habe im hohen Norden und das bei mir für Sonnenbläschen an den Händen und im Gesicht gesorgt hat. Die Polarsonne hat es in sich und eine Sonnencreme sollte unbedingt mit.

Island: Trekking-Klassiker (Outdoor Nr 28), Conrad Stein Verlag: Meine Reisebibel! Hier war der komplette Weg ab Landmannalaugar perfekt beschrieben mit Karten, Höhenprofilen und Tipps.

Serkort 04: Landmannalaugar – Þórsmörk – Fjallabak, 1:100.000/ 1:50.000, Verlag Mal og menning: Wanderkarte für Südisland, Bereich Laugavegur. Erhältlich z. B. über die Geobuchhandlung Kiel.

www.trekkingtrails.de/hellismannaleid/ : Sehr gute Wegbeschreibung für den Hellismannaleið inkl. Bildern und GPS-Routen

www.fi.is/en/mountain-huts: Webseite zu den isländischen Berghütten, mit Angaben zu Ausstattung, Preisen, Lage etc. Außerdem kann man hierüber auch Plätze in den Hütten buchen.

www.reykjavikcampsite.is: Hauptstadt-Zeltplatz und Ausgangspunkt der Touren für alle Camper

https://www.nat.is/bus-schedules-south-iceland und https://www.straeto.is/en: Busfahrpläne für Island

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