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Italien: Klettern in Marche

Unsere Kletterreise durch Italien startete in Wien. Wir waren ein Gespann von vier Leuten und reisten mit einem kleinen Auto. Die Tour ging durch wunderschöne Natur, Nationalparks, Kletterregebiete und Seen bis nach Rom. Nach einer Woche sollten wir dort ankommen – doch wie so oft ist vielmehr der Weg das Ziel, wie wir auch diesmal feststellen konnten.

Wir reisten Ende März und wollten so viel wie möglich draußen unterwegs sein und in der Natur schlafen – ein maßgeblicher Grund, warum unsere Wahl auf Italien fiel. Die Sonne hat hier schon mehr Kraft, der Frühling ist fortgeschrittener als hierzulande. Tagsüber schafft man es schon, sich den einen oder anderen Sonnenbrand zu holen. Nachts kühlt es jedoch sehr runter, sodass ein Schlafsack, der auch einstellige Temperaturen gut meistert, sicher nicht übertrieben ist. Besonders aufpassen sollte man in Flussbetten oder Schluchten: Hier liegen tagsüber wie auch nachts die Temperatur stets unter den örtlichen Vorhersagen.

Wir hörten im Vorhinein bereits, dass Italien viele bekannte Spots zum Klettern hat. Unser Ziel war es jedoch nicht, zu den bekanntesten Spots zu fahren, sondern wir wollten in die weniger bekletterten Gegenden – deswegen steuerten wir Marche an. Die Region liegt auf der Hälfte der Nord-Süd-Ausdehnung an der Ostküste Italiens. Wir machten uns anhand sehr vereinzelter Online-Beiträge schlau, welche Gegenden für uns geeignet sein könnten. Vor Ort trafen wir einige Leute, die uns weitere Insider- Informationen zukommen ließen. Ohne diese wäre es eine ewige Suche nach den meist schwer auffindbaren Spots gewesen.

Wir fuhren von Wien unsere erste Tagesetappe bis nach Furlo in der Region Marche. Wir kamen gegen Nachmittag an und schlugen unser erstes Nachtlager in einem ehemaligen Steinbruch auf. Fährt man die einzige Serpentinenstraße aus dem kleinen Örtchen bergauf, kommt man nach ca. fünf Minuten zur ersten Wendeschleife. Neben dieser befindet sich ein Parkplatz, von dem sich oberhalb der stillgelegte Steinbruch befindet. Man hat von hier einen schönen Ausblick über das gesamte Tal, ein grandioses Panorama auf die Bergketten und schläft dennoch windgeschützt und schattig. Alle der beschriebenen Schlafplätze eigenen sich sowohl zum Zelten als auch zum Schlafen im Auto/ Camper, ggf. teilt man sich dazu auf.

Wer möchte, hat aber auch hier die Möglichkeit, auf einen spartanischen Zeltplatz wenige Kilometer den Fluss entlang auszuweichen (The Oaks Park, Pianacce, 50, 61041 Acqualagna PU, Italien).

Am besten startet man den Tag mit einem Bad im eiskalten Fluss, der durch den Ort fließt. Direkt hinter dem kleinen Hochseilgarten gibt es schöne Zugangsstellen, an die man auch mit dem Auto fast heranfahren kann. Der Weg zum Kletterfelsen ist etwas schwer zu finden, Bescheid wusste auch niemand so richtig. Also hier eine möglichst detaillierte Beschreibung: Fährt man von Furlo nach Osten durch die Schlucht immer entlang des Flusses, erreicht man nach ca. 7-8 Minuten eine Art Parkplatz namens Falesia del Furlo, der Platz für ca. 15 Autos in einer Reihe bietet. Linkerhand führt hier ein unscheinbarer Pfad in den Wald leicht bergauf. Dieser nimmt weitere Abbiegungen nach rechts – diese jedoch, so verlockend es scheint, nicht nehmen! Nach maximal 10 Minuten findet man dann den ersten Felsen. Insgesamt gibt es hier 62 Routen mit Schwierigkeiten von 4a+ bis 7c (italienische Skala). Die meisten Routen sind mit Einseillängen zu meistern. Da ist es direkt in Furlo keine ausgiebige Einkaufsmöglichkeit gibt und der Weg zur nächsten Einkaufsmöglichkeit nicht mal schnell bei aufkommenden Hunger zu bewältigen ist, empfiehlt es sich, hier vorzusorgen.

Von Furlo haben wir uns dann aufgemacht in den Nationalpark Gola della Rossa e di Frasassi. Er liegt ca. 70 km südlich von Furlo. Hier haben wir einen wunderschönen Nächtigungsplatz gefunden. Er befindet sich fünf Minuten oberhalb von Castelletta, einem traditionellen Bergdorf. Dort befindet sich eine große Wiese, von der nach rechts ein kleiner Weg abgeht. Dieser führt einerseits zu den Einstiegen der Kletterfelsen, andererseits jedoch auch zu einer Übernachtungs- und Picknickstelle. Es gibt Tische, Bänke, Wasseranschluss und einen Ofen, in dem man Feuer machen kann. Man kann direkt am Spot parken oder sein Zelt aufschlagen. Zu den Kletterfelsen läuft man fünf bis zehn Minuten den Berg hinauf. Meist sind hier kaum Leute am Fels und auch sonst klettert man direkt in der Natur und genießt wunderschönes Panorama. Apropos Panorama: Wer vorhat, hier zu campieren, sollte abends unbedingt den 30-minütigen Weg zum Gipfel auf sich nehmen. Man kann hier die 360°-Aussicht genießen und das sieht bei guter Sicht wahrlich beeindruckend aus. (Koordinaten: 43.409803, 13.003875)

Alternativ gibt es auch den Caravanplatz Falassi, auf dem man kostenlos stehen kann. Hier wird auch toleriert, sein Zelt aufzuschlagen, allerdings ist dieser Parkplatz innerhalb des Ortes. Dafür gibt es Toiletten und nahe Einkaufsmöglichkeiten.

Als wir abends am Feuer saßen, haben sich noch zwei Italiener zu uns gesellt. Sie waren Fans ihres „eigenen“ Klettergebietes und haben uns von verschiedenen Klettermöglichkeiten in der Umgebung erzählt. Es gibt viele Einseillängen, aber auch eine Reihe Multipitches in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Ausgeschöpft haben wir das ganze Gebiet also noch lange nicht. Es gibt noch viel zu entdecken!

Wer Lust hat, das Gebiet noch weiter zu entdecken, sollte unbedingt in das 747 Café (in der Via Guglielmo Marconi, 22 60040 Genga) gehen. Dieses Café gilt als freiwilliger Vermittler für Kletterer und umliegende Klettergebiete. Gern hilft der Betreiber euch weiter. Uns lieh er sogar kostenfrei für den ganzen Tag ein Buch aus, in dem Routen und Felsen der Umgebung beschrieben waren.

Sehr zu empfehlen ist auch das Klettergebiet Falesia de Falcioni. Man fährt hier von Camponocecchio nördlich biegt jedoch nicht auf die Bundesstraße SS256 ein, sondern fährt unter dieser hindurch. Nach ca. 500 m nimmt man die zweite Ausfahrt auf der rechten Seite und fährt bis zu einer Schranke, welche normalerweise immer geschlossen ist und zeigt, dass man hier zu Fuß weitergehen soll. Direkt vor dieser befinden sich Parkmöglichkeiten auf der linken Seite. Man läuft um die fünf Minuten bis man linkerhand Schilder sieht, die zu den verschiedenen Felsen weisen. Hier findet man alles von Anfängerrouten bis Überhängen auf höchstem Niveau. Es gibt sogar eine Höhle, bei der man bei Regen klettern könnte, ohne nass zu werden.

Wir sind weiter nach Rom gefahren und haben auf dem Weg noch an einem wunderschönen See bei Fiumata geschlafen. Toleriert wird das hier, und außer ein paar Karpfenanglern wird man hier kaum einen Touristen antreffen. Man kann sich um den See herum einfach einen Spot suchen, vorgesehen ist es jedoch ca. 500 m östlich von Fiumata. Direkt aus dem Ort biegt hier eine Straße ein, die direkt entlang des Sees führt. Die breiten Wiesen kann man nicht verfehlen. Die letzte Nacht in der Natur war ein guter Ausklang für unsere Reise durch die unentdeckten Klettergebiete in Marche. Zum letzten Mal konnten wir hier beeindruckende Bergpanoramen besichtigen, ein morgendliches Bad im See nehmen, über dem Feuer kochen und unsere Reise resümieren, bevor es wieder hieß: Rückfahrt nach Hause.

Neben allem klassischen Kletterequipment solltet ihr zumindest im Frühling und Herbst einen warmen Schlafsack nicht vergessen. Dieser darf ruhig im Komfortbereich 5 °C liegen, denn Italien bedeutet nicht „immer warm“. Mit einem Seil mit einer Länge von 60 m könnt ihr die meisten Routen abdecken. Wer an den beschrieben Orten nächtigt, möchte Campingkocher und Kochausrüstung nicht missen.

Beste Reisezeit

Die beste Reisezeit ist meiner Meinung nach von Ende März bis Mai oder wieder im September/ Oktober. Zu der Zeit hat man hierzulande meist noch (oder schon) viele kältere Tage. In den Breitengraden Mittelitaliens entwickelt die Sonne schon (oder noch) ausreichend Wärme, die es draußen auch auf Dauer sehr angenehm werden lassen. Noch erhitzt sich der Stein aber noch nicht auf unwirtliche Temperaturen, was in den warmen Sommermonaten oft das Problem ist.

Anreise

Ich persönlich würde für so einen Trip eine Anreise mit Auto empfehlen, da öffentlicher Verkehr in Italien nicht unbedingt großgeschrieben wird und die Klettergebiete meist sehr abgeschottet liegen. Man kann auch diverse Verbindungen in größere Städte nehmen und dort Autos leihen. Italiener besitzen durchschnittlich noch mehr Autos als Deutsche. Dadurch ist die Nutzung stärker in das alltägliche Leben integriert.
Auf den kleineren Straßen Italiens  kann man auch gut trampen. Dies funktioniert nur leider auf der Autobahn nicht so gut. Hier gibt es an den Schildern die hoffnungszehrende Aufschrift: „no autostop“, welche leider auch mehr oder weniger von den Autofahrenden ernst genommen wird. Im Norden Italiens und zwischen großen Städten kann man auch gut mit dem Zug verkehren in den ländlichen Gebieten ist man dann auf die wenigen Busse, die pro Tag fahren, angewiesen. Für Zugverbindungen funktioniert die Homepage trenitalia gut. Für Busverbindungen hält man sich am besten an die Auskünfte an Bahnhöfen und Infoständen.

Geld

Geldabhebung ist in Italien in jeder halbwegs größeren Stadt gar kein Problem. Gängige Kartensysteme wie VISA oder EC werden weitestgehend unterstützt. Läden ab einer bestimmter Ladengröße unterstützen ebenfalls diese Zahlsysteme. Wenn man auch in ländlichere Gegenden fährt, lohnt es sich jedoch immer, Bargeld dabei zu haben. Nicht jeder Tante-Emma-Laden besitzt ein Kartenlesegerät.

Verpflegung

Deutsche Discounter in Italien schaffen es auch dort, zu kleinen Preisen zu verkaufen. Italienische Supermärkte, Märkte oder kleinere Läden haben schon ein etwas höhreres Preisniveau. Dafür sind Grundnahrungsmittel (Brot, Gemüse, Molkeprodukte,…) jedoch oft regionaler Herkunft  – und das schmeckt man auch!

Sprache

Die ersten Worte Italienisch lernt man innerhalb der ersten drei Kommunikationsversuche, nach 10 Minuten mit dem „Italienisch für Dummies“-Buch versteht man auch schon die erste Wegbeschreibung. Englisch kann man nicht immer voraussetzen. Erstaunlicherweise funktioniert aber die Kommunikation mit Hand und Fuß sehr gut.

Links zu Foren für die Klettergebiete

Literatur

  • Marco Nardi: Calcare di marca. Falesie e vie moderne nelle Marche e dintorni, Versante Sud: 2012.
  • Igor Brutti und SamueleMazzolini: Marche Mulipitch. Vie classiche e moderne tra San Marino e Teramo, Versante Sud: 2017

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