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Teaserbild: Für Mädchenrechte nach Burkina Faso

Für Mädchenrechte nach Burkina Faso

Für Mädchenrechte nach Burkina Faso

Meine Projekterkundungsreise startete mit Air France in Halle-Leipzig und führte über Paris Charles des Gaulles nach Ouagadougou. Von Ouagadougou aus ging es auf 190 km asphaltierter Straße in den Nord-Westen des Landes in die Provinzhauptstadt Ouahigouya, eine historische Stadt des Mossi-Königreichs. Ab Ouahigouya waren noch 45 km Sandpiste bis zu meinem eigentlichen Ziel, dem Dorf Gomboro nahe der malischen Grenze, zu bewältigen.

Warum Burkina Faso

In den letzten Jahren hatte ich regelmäßig Gelegenheit mit Künstlern und Menschenrechtsaktivisten aus Afrika zusammen zu arbeiten. Gemeinsam haben wir verschiedene Kinderrechtskampagnen auf den Weg gebracht. Vor knapp zwei Jahren hatten wir ein Arbeitstreffen mit dem Musiker Max Ray Ibrango aus Burkina Faso. In Leipzig haben wir mit ihm unsere neuen Strategien zur Überwindung einer der meist verbreiteten Misshandlungen an Kindern, der Genitalverstümmelung von Mädchen, besprochen. Max Ibrango hat uns dabei überzeugt, in seinem Heimatdorf Gomboro das erste Hilfsprojekt mit unserem Ansatz zu beginnen.

Unversehrtheitskontrollen schützen die Mädchen vor GenitalverstümmelungWäsche waschen und Wasser pumpen in GomboroTanzgruppen feiern das Ende der Genitalverstümmelung in Gomboro

Was Sie schon immer über BURKINA FASO wissen wollten…

On the road
Mein Hauptziel war das Dorf Gomboro in der Region Ouahigouya. Von Ouagadougou aus fährt man 189 km auf asphaltierter Straße in Richtung Norden. Dabei hatte ich einheimische Begleitung: Max Ibrango, den Leiter unserer Partnerorganisation (hier als Übersetzer, Fremdenführer, Fahrer und Koch in Personalunion) und seine Frau Henriette. Max´ aus der Schweiz importierter Opel Vectra geht in Burkina wohl noch als tadellos durch, wohingegen die deutsche TÜV-Fähigkeit zu bezweifeln wäre.
Die Heckscheibe ersetzt ein Blech, dessen ohrenbetäubendes Scheppern nur sehr nervenstarken Menschen nichts ausmachen dürfte. Mir machte aber mehr Kopfschmerzen, dass wir trotz fehlender Sicherheitsgurte mit 130 km/h über die Piste bretterten – ohne Fahrbahnmarkierung, ohne Fahrbahnbegrenzung, aber immer dicht vorbei an Radfahrern, Fußgängern und überladenen Mopeds.
Was mir sehr gut gefällt, ist, dass die Nutztiere meist völlig frei das Land durchstreifen dürfen. Leider kreuzen Ziegen, Schafe und Schweine aber auch die Straßen nach Lust und Laune. Plötzlich lief eine Ziege auf die Straße und ihr Junges hinterher. Wir waren schon gefährlich nah, als ich etwas von „Brems´ doch!“ brüllte. Das Muttertier hatte es indes beinahe über die Straße geschafft, das Junge hoppelte hinterher. Max machte aber keine Anstalten zu stoppen, hupte bloß – und fuhr das Kleine über den Haufen. Mein Entsetzen quittierte er mit einem „Sorry, normally they jump away, when I push the horn!” Diese Regelung war dem Tier wohl entgangen…
Die Strafe folgte aber auf dem Fuß: 10 km weiter platzte bei voller Fahrt ein Reifen. Unter gleißender Sonne räumten wir den Kofferraum aus und förderten glücklicherweise einen brauchbaren Ersatzreifen vor, den Max überaus routiniert montierte.

Vorbeigeschaut in Yako und Ouahigouya
Die Panne sorgte für einen ungeplanten Stopp in der Stadt Yako, um einen neuen Reifen zu besorgen. Yako ist die sehr lebendige Hauptstadt der Provinz Passoré, deren reichster Einwohner für sämtliche Infrastruktur gesorgt hat: Straßen, Krankenhaus, Schulen, Moscheen. Ein Spaziergang lohnt sich und die meisten Leute freuen sich über ein gemeinsames Foto. Weiter ging es nach Ouahigouya, der Hauptstadt der Provinz Yatenga, eine wichtige historische Stadt im ehemaligen Königreich der Mossi. In der Stadt leben ca. 55.000 Menschen, die überwiegend von Landwirtschaft leben und Handel treiben. Touristisch ist die Stadt nicht sonderlich attraktiv. Gleichwohl gibt es mehrere Hotels, die wohl vorwiegend von durchreisenden Entwicklungshelfern und Rucksacktouristen frequentiert werden.
Wir besuchten hier Freunde von Max, die syrisch-burkinischen Inhaber des sympathischen Hotels Dunia, deren Sohn gerade das selbe WLAN-Router-Modell installiert hatte wie ich kurz zuvor in Deutschland. Mit kühler Limonade versorgt gingen wir los, um uns auf dem weitläufigen, bunten Markt mit Lebensmitteln einzudecken für den Trip nach Gomboro.

Ankunft in Gomboro
Auf der abenteuerlichen Sandpiste in die Dörfer kamen uns zum Glück keine weiteren Tiere in die Quere. Manche Dörfer sorgen auch mit gelegentlichen Bremsschwellen für verkehrsberuhigte Bereiche zum Schutz ihrer Kinder und Tiere. Die riesigen Schlaglöcher ließen ahnen, dass die Piste in der Regenzeit häufig komplett überschwemmt und unpassierbar sein muss. Unser Wagen ächzte und wir bald auch, denn die Fenster mussten geschlossen bleiben wegen des feinen roten Staubs, der aber trotzdem durch alle Ritzen dringt. Im Auto waren es bald geschätzte 50 Grad. Bei der Ankunft im Dorf war die strapaziöse Fahrt aber schnell vergessen: Lokale Würdenträger hatten sich zur Begrüßung versammelt und die Grundschulkinder trugen ein Willkommenslied vor, das sie mit ihrem Lehrer einstudiert hatten.
Untergebracht wurden wir dann im Rohbau eines Steinhauses neben der mächtigen Moschee. Leider hatte ich mein Befestigungskit für das Moskitonetz in Ouagadougou vergessen. Also trieben wir Nägel auf und klopften sie mit dem Wagenheber in die Wände. Immerhin: keine Verletzten. Am nächsten Morgen um halb fünf dämmerte mir, warum mir am Vortag selbst muslimische Dorfbewohner ihren Unmut über die Mosche kundgetan hatten: Von seinem Minarett stand nämlich der Muhezzin und rief sehr ausdauernd und mit einer mächtigen Lautsprecheranlage verstärkt seine Schäfchen zum Gebet.

Hauptstraße mit Blick auf Moschee in YakoEine Frau führt ihren blinden Mann am Stock durch OuagadougouSchulkinder begrüßen uns mit Willkommenslied in GomboroBlick in einen Innenhof im Dorf GomboroUnversehrtheitskontrollen schützen die Mädchen vor GenitalverstümmelungWäsche waschen und Wasser pumpen in Gomboro

Mutiger Chief
Für diesen Morgen war ein weiteres Treffen mit dem Chief verabredet, den ich am Vorabend bereits kennenlernen konnte. Wir wollten die Details unserer Zusammenarbeit fixieren und einen Maßnahmenplan besprechen, um die gravierendsten Armutsursachen in dieser extrem benachteiligten Gemeinde abzuwenden. Gomboro ist, wie viele andere Dörfer auch, durch jahrelange Aufklärungskampagnen bereits gut informiert über die fatalen gesellschaftlichen Folgen von Genitalverstümmelungen und nun galt es, den Zusammenhang zwischen dieser schweren Gewalt und der herrschenden Armut sichtbar zu machen.
Mittlerweile ist Genitalverstümmelung nicht nur international als massive Menschenrechtsverletzung geächtet. Vielmehr ist auch anerkannt, dass diese Gewalt nicht nur das einzelne Kind lebenslang schädigt, sondern auch ein massives Entwicklungshemmnis für die gesamte Gesellschaft darstellt. Um so erstaunlicher ist es, dass bislang keine Hilfsorganisation den Verzicht auf diese Misshandlung in ihren Projekten aktiv einfordert und prüft. Unser Partner vor Ort, eine Graswurzelinitiative, hatte die Dorfgemeinschaft bereits im Vorfeld meiner Reise auf unseren entwicklungspolitischen Ansatz eingestimmt: Der Dorfgemeinschaft war klar, dass eine Zusammenarbeit von der Anerkennung der grundlegenden Kinderrechte und insbesondere von der körperlichen Unversehrtheit der Mädchen abhängen würde.
Förderlich für unseren Ansatz sind dabei die klare gesetzliche Lage in Burkina Faso und staatlichen Bemühungen zur Abschaffung von Genitalverstümmelung, Kinderzwangsverheiratung und Polygamie. Der Chief und seine Berater waren schließlich bereit, das Ende der Genitalverstümmelung in Gomboro öffentlich zu erklären, um unser kinderschutzorientiertes Programm zu starten.

Gomboro für Mädchenschutz
Zu meiner großen Erleichterung stimmten der Chief und seine Berater auch den medizinischen Unversehrtheitskontrollen der Mädchen zu, so dass erstmals messbarer Schutz für die Kinder möglich werden konnte und wir die Wirksamkeit unserer Projektarbeit auch würden belegen können. Am nächsten Tag hatten wir in der Gesundheitsstation des Dorfs Gelegenheit für die Untersuchungen und konnten die ersten 35 Mädchen in unser Patenschaftsprogramm aufnehmen. Die anschließende Feier war dann auch ein großes, ausgelassenes Freudenfest, zu dem verschiedene Musikgruppen des Dorfs auftraten. Ein besonderes Ereignis sind dabei die traditionellen Tänzer in ihren muschelbesetzten Kostümen. Die Ausrüstung hat ein enormes Gewicht, scheint aber die Ausdauer der Tänzer nicht im Mindesten zu beeinträchtigen. Sie wechselten sich ab mit Maskentänzern und den Gruppen der Jugendlichen, der Männer und der Frauen. Einige der Frauen entfalteten Ehrgeiz, dem Gast aus Deutschland einige Tanzschritte beizubringen und mussten bald die Hoffnungslosigkeit dieses Unterfangens einsehen…
Nach sehr eindrucksvollen und arbeitsreichen Tagen im Dorf brachen wir wieder auf nach Ouagadougou. Dabei konnten wir eine gebrechliche alte Dorfbewohnerin mitnehmen, deren akute Beschwerden nicht in der örtlichen Gesundheitsstation behandelt werden konnten. Ein Ambulanzfahrzeug gibt es noch nicht, deshalb werden normalerweise die Schwerkranken, Verletzten oder Schwangeren mit Geburtskomplikationen in Sandwichposition auf ein Motorrad geklemmt und über die Sandpiste in das nächste Krankenhaus gekarrt.

Ouagadougou-Eindrücke
In der Hauptstadt sollte man keinesfalls verpassen, den “Marché Rood-Woko” im Zentrum zu besuchen, der zu den größten Märkten Westafrikas gehört. Das bunte Markttreiben findet in einem beeindruckenden Backsteinbau auf mehreren Ebenen statt. Feilgeboten wird alles von Fleisch, Gemüse und Obst über Kleidung, Stoffe, Schmuck bis zu Haushaltswaren und Spielsachen. Wer sich schon öfter gefragt hat, wo eigentlich der Produktionsüberschuss der mit Blumen bemalten emaillierten Kochtopf-Sets der 1970er Jahre hin verschwunden sind, wird hier fündig. Deutsche Eltern schlagen vermutlich die Hände über den Köpfen zusammen, wenn sie die bunten Kinderstühlchen sehen: Aus dem Boden ragen vier riesige Schrauben – also weit entfernt von unserem GS-Siegel für “geprüfte Sicherheit”. Ist man auf der Suche nach schönen Stoffen, findet man – außer in Koupéla – hier womöglich die beste Auswahl vor.
Ich wollte mir aber auch gern in entspannterer Atmosphäre Kunsthandwerk ansehen und dafür lohnt sich ein Besuch im “Jardin de l'Amitié”, wo es abends Livemusik und gutes Essen gibt. Mein Lieblingshändler wurde allerdings Samuel Compaore, der seine winzige Verkaufsbox am zentralen Kreisverkehr “Nations Unies” hat und alles herbeischaffen kann, was man sich an Schmuck und typischem Kunsthandwerk wünscht.

Die Unbestechlichen
In Ouagadougou hatte ich Gelegenheit, bei der Produktion einer Folge der TV-Serie “Affaires Publiques” zuzusehen, weil Max eine kleine Rolle darin angenommen hatte. Behandelt werden in der beliebten Serie, die gerade in die zweite Staffel ging, gesellschaftskritische Themen, die meist mit ironischem Unterton transportiert werden. Dieses Mal wurde ein korrupter Staatsdiener überführt und der Leiter einer nichtstaatlichen westlichen Organisation, der sich mit Spendengelder die Taschen gefüllt hatte, gleich mit. Korruption ist ein allgegenwärtiges Übel in Burkina Faso. Den Feldzug gegen Korruptheit und amoralische Politiker hatte der 1987 ermordete Präsident Thomas Sankara begonnen und als Symbol der Ernsthaftigkeit die damalige unabhängige Republik Obervolta 1984 in Burkina Faso, das heißt “Land der Unbestechlichen” umbenannt.
Das Aufnahmestudio wurde provisorisch in einem leerstehenden Gebäude in einem weitläufigen Komplex in “Ouaga 2000”, dem Luxus-Stadtteil, dessen Bau vom libyschen Ex-Diktator Gaddafi finanziert wurde. Die Tagesgage für die Hilfskräfte am Set waren ein paar Münzen und die Crew kam ohne Toiletten und fließendes Wasser zurecht. Ein paar Hundert Meter wurde das Grün um die Brunnen eines nur selten genutzten, aber von einer Armada an Personal in Schuss gehaltenen Kongressgebäudes mit Sprinklern automatisch bewässert.

Armut und neureiche Oberschicht
In Ouagadougou lässt sich der Kontrast zwischen Pracht und extremer Armut nicht ignorieren. Auf der einen Seite der Präsidentenpalast oder der noble Sitz des Bürgermeisters, der sich die Bürger und ihre Begehren mit einigem Wachpersonal vom Leib hält. Nicht weit entfernt hocken dann magere Bettler in Lumpen herum. Die Straßenverkäufer, darunter viele schulpflichtige Kinder, stehen mit ihrem teilweise armseligen Angebot den ganzen Tag in Abgasen und Staub, während polierte Geländewagen und deutsche Luxuskarossen an ihnen vorbeifahren. An den Ständen entlang der Großen Moschee kaufen die Einheimischen Lebensmittel, Gasflaschen und Kleider. Die neureiche Mittelschicht und Ausländer decken sich gegenüber der Mosche im “Marina-Market” ein, der von Libanesen betriebenen Supermarktkette, in der auch deutsche Pralinen zum Sortiment gehören.

Heilige Krokodile vor dem Abflug
Von Trubel, Lärm und Schmutz der Großstadt kann man schon mal genug haben. Deshalb wollte ich meinen letzten Tag für einen Ausflug zu den heiligen Krokodilen in Bazoulé nutzen, die nach ihrem Ableben in aufwendigen Zeremonien beigesetzt werden. Das kleine Dorf Bazoulé ist etwa 35 Km von der Hauptstadt entfernt in Richtung Bobo-Dioulasso gelegen und über die Autobahn komfortabel zu erreichen. In einer Seenlandschaft leben hier die heiligen Krokodile, mit denen man – motiviert von den für meine Verhältnisse recht draufgängerischen Führern – sogar auf Tuchfühlung gehen kann.

Für die Besucher
In Wallung gebracht werden die Panzerechsen mit lebendigen Hühnern, die teilweise sogar von kleinen Jungs vor den riesigen Mäulern herumgeschwänkt werden. Das ist nicht jedermanns Sache. Unfälle gebe es keine, versicherte man mir. Um die Nerven zu beruhigen, beobachtete ich danach noch ein paar andere Urviecher: beeindruckend große Landschildkröten, die friedlich ihren Salat kauten statt Hühnchen zu zermalmen. Bazoulé verfügt über eine kleine Bar und eine Kunsthandwerkstatt, in der man Schnitzereien, Musikinstrumente, Bronze und Batik erstehen und den Frauen bei der Herstellung traditioneller Stoffe an Webstühlen zusehen kann.

Fazit…
Die Hauptstadt ist natürlich sehenswert, aber auch eine ideale Basis für Ausflüge und mehrtägige Trips. Wärmstens empfohlen wurden mir die Wasserfälle von Karifigélah, die Bergspitzen von Sindou, die Dôme von Fabédougou, der Ténakourouberg, die Flusspferde von Tengréla, die Falaise von Banfora, die Ruinen von Loropeni und die Altstadt von Bobo-Dioulasso – was alles auf der Liste für das nächste Mal steht. Nach Burkina Faso zu reisen wäre mir ohne unser Kinderschutzprojekt vermutlich nie in den Sinn gekommen. Umso mehr überrascht bin ich jetzt, dass das drittärmste Land Westafrikas auch für Touristen einiges zu bieten hat und freue mich, wenn mehr Menschen von seinem Reiz angezogen werden.

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