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Teaserbild: Testbericht: mit dem Yatra 65 auf Tour

Testbericht: mit dem Yatra 65 auf Tour

Der Ursprung des Wortes Yatra liegt wohl im Hindi, übersetzt bedeutet es Reisen, sich auf Tour begeben. Seinen Namen bekommen hat er genau zu der Zeit, als in Nepal das schwere Erdbeben seine Spuren hinterlassen und viele Augen, auch die bei Bach, in den Himalaya schauten. Der neue Yatra ist eine Weiterentwicklung des Venture-Trekkingrucksacks von Bach, quasi das Facelifting des Vorgängermodells.  Ein modernerer Materialmix, etwas leichter und trotzdem robust, ein zeitgemäßeres Design und Anpassung der Features an Reisen in der heutigen Zeit, das hatten sich die Iren ganz fest für den Yatra vorgenommen. Sie stellten uns für die tapir-Testtour ein echtes Testmodell zur Verfügung. Spannend für uns dabei zu sehen, wie nach der Vorproduktion und den sich daran anschließenden Tests der Rucksack in Kleinigkeiten noch verändert worden ist, teilweise war es eine Millimetersache. Ich habe die Chance genutzt, den neuen Yatra auf Herz und Nieren zu testen. Als langjährige Nutzerin eines Specialist 2 war ich natürlich neugierig, welche neuen Features mich erwarten würden und wie gut sich das Expedition-Tragesystem auch beim Yatra bewährt.

Ein erster Blick auf die Hardfacts:

Bachrucksäcke haben den Ruf, auf viel Schnickschnack zu verzichten, nicht auf jeden modischen Trend aufzuspringen und viel Wert auf höchste Funktionalität zu legen. Nun gibt es also einen Neuen in der irischen Backpackfamily: den Yatra. Entwickelt wurde er als ein Allroundtalent, ein Alleskönner, mit dem man auch schwereres Gepäck durch die Welt tragen kann. Als Trekkingrucksack konzipiert hat auch er das Expedition-Tragesystem mit seinem bequemen, gut belüfteten Rückenpolster bekommen, ist somit stufenlos einstellbar, während über die intelligent angelegten Kompressionsriemen sich das Gepäck so fixieren lässt, dass es beim Lauf nicht herumwackelt.

Die versteifende Außenhülle beim Hüftgurt besteht aus einem Composite Laminat (5 mm Aveolite Schaum, der außen mit 1000D CORDURA® fabric und innen mit 220D Oxford Nylon verklebt wird). Der Kern des Hüftgurts besteht aus geschlossenporigem 20 mm Evazote Schaum, der mit elastischem CORDURA® fabric überzogen ist. Das Resultat ist ein formstabiler Hüftgurt, der weder Wasser noch Schweiß absorbiert. Zusätzlich steifen die irischen Rucksackspezialisten den Hüftgurt mit einer High Densitiy Poly Ethylene (HDPE) Platte aus.


Mit seinem Volumen von 65 Litern bietet der Yatra genügend Stauraum für das Tourequipment, das gut organisiert in den verschiedenen Taschen im Yatra seinen Platz finden wird. Ein durchgehender Fronreißverschluss erlaubt einen schnellen und einfachen Zugriff aufs Hauptfach. Dazu kommen noch zwei Seitenfächer, ein großes 3-D-Balg-Frontfach und zwei Deckelfächer. Der Deckel selbst ist höhenverstellbar. Mit seinen 2.350 g gehört er definitiv nicht zu den Leichtgewichten unter den Trekkingrucksäcken, dafür begeistert mich immer wieder die Robustheit des Materials, das Bach bei seinen Rucksäcken verarbeitet. Beim Yatra ist es eine Kombination aus einem 500D Nylon in High Tenacity Qualität und 420D Cordura fabric Ripstop Nylon, einem rund einen Drittel leichterem und extrem weiterreißfesten Nylonmaterials. Auch die Reißverschlüsse (YKK Nr.10) lassen beim Yatra keine Wünsche offen.

Mit dem Yatra auf Tour:

Ich hatte beim Tragen keine Probleme, allerdings denke ich, dass ich seine Möglichkeiten gewichtstechnisch gesehen mit 21 kg auch nicht komplett ausgereizt habe. Die Lastkontrollriemen im Schulter- und im Beckengurtbereich haben ihr Übriges getan, um den Rucksack gut an meinen Rücken anzupassen. Ich konnte den Hüftgurt gut an- und zuziehen, sodass sich die Last für mich gut beim Tragen verteilen konnte.  Der Hüftgurt selbst ist gut gepolstert, die Flügel für mich eher lang (ich habe normalerweise auch bei meinem Specialist 2 einen Gurt in der Größe 1). Außerdem hat es Bach endlich geschafft, sein Schnallenkonzept am Hüftgurt umzustellen. Yeah! Früher brauchte ich immer Hilfe, um den Hüftgurt richtig fest zuziehen zu können. Erst den einen Riemen nach links, dann den zweiten Riemen nach rechts, beides gleichzeitig ging nie und am Besten hat noch jemand mitgezogen, um die Hebelwirkung zu verstärken. Nun kann man über eine Umlenkung an den Flügeln problem- und stressfrei, beide Riemen gleichzeitig richtig fest zuziehen. Wir hatten auf unserer Schwedentour lange mit einer der Produktentwicklerinnen von Bach genau darüber diskutiert.


Der Yatra ist ein klassischer Zweikammerrucksack, das Bodenfach kann mittels Reißverschluss geöffnet, damit auch komplett nach hinten wegegklappt werden, sodass der Yatra zum Einkammerrucksack wird. Die beiden äußeren Stecktaschen mit je einer Balgfalte waren groß genug, dass selbst die etwas dickbäuchigeren Hydroflask-Flaschen problemlos in ihnen Platz finden konnten. Außerdem war in den vielen größeren und kleineren zusätzlichen Taschen viel Platz für Kleinigkeiten, an die man schnell herankommen will. Dazu gehören eine auf den ersten Blick kaum zu erkennende Balgtasche auf dem Frontflap, eine Reißverschlusstasche im Hubdeckel innen sowie die bachtypisch sehr große äußere Deckelfachtasche. Letztere begeistert mich schon seit Jahren beim Specialist, kann sie scheinbar unendlich viel aufnehmen.

Das Deckelfach ist, wie ich es bei einem Trekkingrucksack auch erwarten würde, nach oben verstellbar. Mit den beiden äußeren Riemen kann man den Deckel perfekt auf den Packsack anpassen, egal, wie voll der Rucksack gepackt worden ist. Die Riemen sind dabei auch lang genug, dass man Ausrüstung unter dem Deckel festschnallen kann.  Auf der Rückseite gibt es noch einen weiteren Gurt zur Höhenverstellung des Deckels. Bach gibt ja bei seinen Rucksäcken nie das Zusatzvolumen an, was man bekommt, wenn man den Packsack des Rucksacks voll ausreizt. So bleibt nur festzuhalten, dass da noch viel Platz ist. Das Volumen im oberen Bereich kann dazu durch zwei Schnürzüge gut reguliert werden.

Ich bin kein wirklicher Freund von Frontzugriffen bei Trekkingrucksäcken. Über Jahre hinweg habe ich (m)ein Packsystem entwickelt und muss tagsüber in der Regel auch nicht lange im Hauptfach rumkramen. Aber, mir wird auf der Messe immer die Notwendigkeit versichert und im Kundengespräch im tapir wird auch verstärkt nach diesem Feature gefragt, also habe ich mich auf der Tour im Umgang mit demselben geübt. Heißt, in den Pausen zu versuchen, an das bewusst im Hauptfach verstaute Essen oder an die Kamera zu kommen. Kein Problem! Auch nicht beim Wiederverstauen. Der rundumlaufende Reißverschluss öffnet weit das Hauptfach, der Zipper macht einen robusten Eindruck und ist mit einem Flap abgedeckt, dass man in der Menschenmenge nicht gleich befürchten muss, dass jemand unbemerkt einmal nachsieht, was man im Rucksack so durch die Gegend trägt. Im Übrigen gibt es keinen inneliegenden Kompressionsriemen unter dem Frontflap, was ich als sehr angenehm empfunden habe, weil so nichts daran hängenbleiben konnte, wenn ich den Yatra wie einen Toploader gepackt habe.


Fazit zum Yatra-Rucksacktest:

Ich habe mich auf der Tour mit dem Yatra echt wohlgefühlt. Und das nicht nur, weil mir sein cleanes Design gefallen hat. Der Rucksack saß satt und fest auf meinem Rücken, so wie ich es persönlich mag. Bei dem Gesamtgewicht an der Ostsee rutschte der Packsack auch nicht weiter nach unten. Der Materialmix machte erwartungsgemäß alles mit, am Ende erzählten kaum Gebrauchsspuren von der Tour. Riemen, Gurte, Schnallen (Nylon Duraflex) und die YKK-Reißverschlüsse sind robust und auf eine lange Lebensdauer angelegt. Klar, das macht sich im Eigengewicht des Yatra auch bemerkbar, für echte Puristen und Leichtgewichtsanhänger ist er nichts. Zu viele Features, zu schweres Material. Schön, dass es die neue Hüftgurtlösung gibt, schade, dass es kein separates Fach für eine Trinkblase und einen Trinkschlauchausgang gibt*. Ich bin ein Flaschenkind, aber viele unter uns tapiren hätten genau das vermisst. Die Regenhülle darf man sich auch separat zulegen, sollte man auch. Nieselregen und feuchter Nebel sind nicht das Problem, aber wenn der Himmel seine Schleusen so richtig öffnet, kommt der Materialmix schnell an seine Grenzen.

Der Yatra ist der kleine Bruder vom Specialist, hat das moderatere Volumen bekommen (Größe 1 = 60Liter / Größe 2 = 65 Liter). Ich habe im Nachgang natürlich auch bei Bach nachgefragt, ob mir beim Vergleichen etwas entgangen sein könnte. Martin meinte nur: „Wir wollen doch heute auch nicht mehr so viel durch die Welt tragen. Außerdem, die Ausrüstung wird immer kleiner und leichter. Fragt euch selber, wie oft ihr noch die großen Trekkingrucksäcke von 80 Litern und mehr verkauft!“ Der Yatra macht also die Lücke nach unten zu den Tourenrucksäcken etwas kleiner und ist für Backpacker oder Trekker, die einen robusten, langlebigen Rucksack suchen und mit dem Expedition-Tragesystem gut zu recht kommen, der perfekte Lastenesel.

PS: Das Expedition Tragesystem ist modular aufgebaut und bietet zwei verschiedene Schulterträger und verschiedene Hüftgurtlängen für die individuelle Passform. Auf unserer Tour war ich mit Yatra 2, Rückenlänge 67cm,  breiterer Trägeransatz und einem Hüftgurt in Größe 2 unterwegs. Die ebenfalls anpassbare HDPE-Rückenplatte mit Aluminium 6082-TF Schiene habe ich nicht weiter verändert. Alex und Matthi testeten auf der Testtour abwechselnd den Yatra 1. Die Detailbilder haben wir nicht vom Testmodell, sondern vom nun erhältlichen Yatra gemacht.

* Wir wurden darauf hingewiesen (siehe Kommentare), dass es sehr wohl einen Ausgang für den Schlauch und eine Befestigungsmöglichkeit im Inneren für einen Hydropack gibt.

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