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Teaserbild: Testbericht: The North Face Shinpuru Jacket – leichtgewichtiger Alleskönner

Testbericht: The North Face Shinpuru Jacket - leichtgewichtiger Alleskönner

Ich war ganz enthusiastisch, als wir zur Wintersaison 2016/2017 das Shinpuru Jacket von The North Face bekommen haben – und das lag nicht nur an dem klanglich ansprechenden Namen! Fasziniert war ich vom Minimalismus der Regenjacke und von den Pit Zips, die sich hier eher als „Oberarmfrontbelüftung“ bezeichnen lassen. Das ist eher eine individuelle Vorliebe: Ich mag keine Belüftungsreißverschlüsse, die mich unter den Armen einengen. So habe ich mich gefreut, diese Jacke bei der tapir-Testtour und einige Wochen darüber hinaus ausprobieren zu können; ihren Stärken, aber auch ihren Schwächen nachzuspüren.

Dreilagiges Leichtgewicht

Was zuerst ins Auge fällt, aber nicht ins Gewicht: Das Shinpuru Jacket bringt gerade einmal 340 Gramm auf die Waage. Das ist für eine robust wirkende Regenjacke mit 3-lagigem Gore-Tex-Laminat schon erfreulich wenig. Klar, leichter geht immer, aber im Vergleich zu meinen bisherigen zwei Hardshells schneidet dieses Modell prima ab.

Passform und Schnitt

Das Shinpuru Jacket ist schmal und hinten lang geschnitten. Mir passt normalerweise eine S, erst recht bei The North Face – aber hier musste ich eine M nehmen, um auch im Brust- und Schulterbereich ausreichend Platz zu haben. Mit der gewählten Größe habe ich aber auch noch ausreichend Platz für eine mitteldicke Isolationsjacke (Arc’teryx Atom LT Jacket). Der Schnitt gefällt mir sehr gut, er ist tailliert und in gleichem Maße feminin und sportiv. Rückseitig spendiert The North Face ein paar zusätzliche Zentimeter, was sich vor allem in leicht nach vorn geneigter Haltung auf dem Fahrrad sehr positiv bemerkbar macht. Die Ärmel sind durchschnittlich lang, erfüllen Radfahranforderungen voll und ganz und lassen sich über die Klettbündchen gut anpassen. Der Saum ist teilelastisch gearbeitet. Seitliche Gummibündchen verschaffen der Jacke einen körpernahen Abschluss – und das ganz ohne nervende, raushängende Zugbänder.

„Oberarmfrontbelüftung“

Unterarmbelüftung? Klar ist das sinnvoll, wenn man bei Mistwetter superaktiv unterwegs ist. Doch rein rechnerisch trifft das auf nur wenige Tage im Jahr zu, zumindest bei mir. Deswegen bin ich bisher mit meiner Rab-Jacke ohne Pit Zips bestens zurechtgekommen oder treffender: Ich habe sie nicht ein einziges Mal vermisst. Beim Shinpuru Jacket sind Belüftungsreißverschlüsse vorhanden, jedoch liegen sie eher am Oberarm. Somit gibt’s kein Kneifen unter dem Arm. Beim aktiven Radeln auf Testtour konnte ich mich außerdem von der Funktionalität überzeugen. Meine Achseln fühlten sich optimal vom Luftzug umspielt und entschwitzt. Perfekt! Doch ein Fragezeichen ergibt sich natürlich aus der ungewöhnlichen Position: Kommt der Regen nicht von oben herein, wenn sich der Schlitz nach eben dort öffnet? Anwort: Ja. Konsequenz: Pit Zips geschlossen lassen bei Starkregen, denn das Material reguliert die Körperfeuchtigkeit ohnehin recht zuverlässig. Ein permanentes Justieren der Belüftung wird durch die etwas schwergängigen Reißverschlüsse (ohne Zwei-Wege-Mechanik) schon aus rein praktischen Gründen verhindert.

Weitere Details: Kapuze und Reißverschlüsse

Auch bei der Kapuze setzt sich das Shinpuru Jacket von seinen Regenjacken-Mitspielern ab. Sie ist überhaupt nicht einstellbar! Die Passform ergibt durch den Mix aus einem sehr weit nach oben gezogenen Kragen und einem innenliegenden Gummiband, das quasi wie ein Heiligenschein um den Kopf verläuft. An sich ist das für mich auch wieder ein Grund zur Freude, denn wo kein Zugband ist, kann kein Zugband kaputt gehen oder stören. In der Praxis hat mich diese Lösung jedoch nicht völlig zufriedengestellt. Meine subjektiven Kritikpunkte:
(1) Ich trage gern einen „Messy Bun“, also einen locker-verwurschtelten Dutt. Damit sitzt das Gummiband der Kapuze nicht optimal: zum einen nicht fest genug, sodass man sich beim Drehen des Kopfes leicht in die Kapuze hineindreht; zum anderen kommt es dadurch zu etwas eigentümlichen Luftverwirbelungen und einer verwirrenden Geräuschentwicklung an den Ohren. Mit Pferdeschwanz oder offenen Haaren war das Ergebnis besser. „Helmtauglich“ ist die Kapuze folglich nur, wenn der Kopfschutz über der Kapuze getragen wird.
(2) Mit Kapuze und geschlossenem Kragen ist der Kopf sehr zuverlässig regendicht eingehüllt. Je nach Gusto kann der Kragenabschluss sogar den Mund verbergen, das Kinn allemal. Bei trockenem Wetter muss dann ein wenig improvisiert werden. Ich habe den Frontreißverschluss immer ein wenig offen gelassen und den Kragen nach unten geklappt.

Der Kapuzenschild ist leicht verstärkt und etwas verlängert. Für Normalsterbliche absolut ausreichend, für die Kombination „Brillenträgerin, Radfahren und Regen“ könnte der Frontausläufer gern noch ein bisschen größer sein.

Der Frontreißverschluss ist eher zart und verfügt über keine Zwei-Wege-Mechanik. Durch die (erprobt) wasserdichte Bauweise ist er etwas schwergängig. Beim Radfahren hätte ich mir manchmal gewünscht, ihn von unten ein paar Zentimeter öffnen zu können. Da bin ich von all meinen anderen Jacken aber auch ein bisschen verwöhnt. Sehr praktikabel waren für mich hingegen die Taschenreißverschlüsse. Sie sind leichtgängiger, da die Wetterfestigkeit hier nicht über Laminierung, sondern über Einfassung zustande kommt. Die Zipperverlängerungen ermöglichen eine Bedienung auch mit Handschuhen.

Belüftung und Körperklima – Funktionalität im Langzeittest

Wer bis hierher gelesen hat und sich wundert: „Hm, so eine teure Jacke und dann so viele Kritikpunkte!?“, darf das auch tun. Beim Testen hatte ich eher die Aspekte auf dem Schirm, die ich verbessern würde. Erst nach wochenlanger Nutzung ist mir dann aufgefallen, dass das Shinpuru Jacket ein superfettes Plus bietet, das quasi alle subjektiv empfundenen Nachteile auf einen Schlag wettmacht. Die Rede ist vom Futtermaterial, C-Knit heißt es. Rein haptisch ist es kaum von anderen Gore-Tex®-Innenstoffen zu unterscheiden, abgesehen davon, dass es vielleicht etwas weicher ist. Der „Aha-Effekt“ kam hier nicht mit einem großen Knall, sondern hat sich ganz still und heimlich angeschlichen. Das Shinpuru Jacket habe ich nämlich nicht nur bei Regen getragen, sondern auch an sonnigen Tagen. Im Testzeitraum pendelten die Temperaturen dabei zwischen ca. 0 °C und 15 °C; die Aktivitäten waren eher alltagsorientiert und reichten von gemütlichem Spazieren bis zu zügigem Radfahren. Und was soll ich sagen? – Ich habe mich nie, NIE auch nur annähernd schwitzig gefühlt, egal, wie aktiv ich war oder wie stark der Wind oder wie hoch die Temperaturen. Das spricht wirklich für ein durchdachtes Material, das die Körperfeuchtigkeit schnell nach außen transportiert. Und plötzlich ergibt auch die Idee der „Oberarmfrontbelüftung“ einen Sinn, denn sie ist einfach ein Zusatzfeature für sehr schweißtreibende Aktivitäten, aber keinesfalls notwendig, denn das Laminat ist mehr als ausreichend atmungsaktiv. Somit ließe sich das Shinpuru Jacket ein wenig ketzerisch als „kompromisslos wetterfeste Softshell“ bezeichnen. Dass sie obendrein so leicht ist und in jedem Rucksack, in jeder Fahrradtasche und sogar in einer etwas größeren Hosentasche ihren Platz findet, prädestiniert sie als wirkliches Multitalent für jede Aktivität. Ich empfehle: Einfach mal ausprobieren!

Vor- und Nachteile auf einen Blick

++ beeindruckender Tragekomfort, sehr atmungsaktiv dank C-Knit-Futterstoff

+ sehr leicht
+ hervorragend komprimierbar, geringstes Packmaß
+ zuverlässig wasserdicht
+ körpernahe Passform
+ hinten verlängerter Schnitt
+ reibungsfreie Position der Pit Zips am vorderen Oberarm
+ leichtgängige Taschenreißverschlüsse mit Zipperverlängerung – auch mit (dünnen) Handschuhen zu bedienen
+ robustes Obermaterial

0 minimalistische Konstruktion ohne Kordelbänder und Saumzüge
0 gut gedachte Kapuzenlösung, die aber nicht mit allen Frisuren harmoniert
0 filigraner Frontreißverschluss
0 sehr hoch gezogener Kragen

– kein Zwei-Wege-Frontreißverschluss
– Kapuzenschild etwas zu kurz für Brillenträger*innen
– Pit Zips nicht einhändig zu bedienen

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