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Zurück zu den Anfängen – Zurück nach Georgien

In den letzten Jahren hatte es mich im Sommerurlaub wieder verstärkt gen Osten gezogen. 2016 sah ich dann in Odessa den Fähren hinterher, die sich übers Schwarze Meer in Richtung Georgien auf den Weg machten. Und mit dem Gedanken an Georgien hatte ich sofort die Bergwiesen des Kaukasus vor Augen. Die würde ich schon gern noch einmal live sehen wollen … Es hat etwas Überzeugungsarbeit gekostet, doch im August sind wir dann mit dem Flieger von Berlin nach Kutaisi geflogen. Auf unserem Reiseplan standen Swanetien und Tbilissi und was uns sonst so noch links und rechts des Weges ins Auge fallen würde.

Nach dem Mauerfall führte uns meine erste Bergtour (außerhalb Europas) 1997 in den Kaukasus. Den Disput, ob der Mont Blanc der höchste Gipfel Europas ist oder doch der Kaukasus-Hauptkamm die natürliche Grenze Europas bildet, will ich an der Stelle gar nicht führen, das ist zumindest für die Geschichte von heute auch nicht wirklich relevant. Doch bevor wir uns also vor 20 Jahren in Richtung Elbrusgipfel begeben wollten, hieß es, eine geeignete Route für die perfekte Akklimatisierung vor Ort zu finden. In Zeiten ohne google.maps und mit extrem langsamen Internet, ja, das war damals noch so, holten wir uns die notwendigen Informationen für die Tour aus antiquarischen Büchern und in vielen Gesprächen mit kaukasuserfahrenen Leipzigern. Wir bekamen dabei Bilder von alten Türmen und Ikonen, von einem Hochtal in Georgien zu sehen. Und natürlich auch von der Ushba.

Nach dem Stöbern im alten Bender, dessen sechsbändige Ausgabe wir des nächtens an einem Kopierer der TU Chemnitz für uns vervielfältigt hatten, und dem Studium der berühmten alten russischen Militärkarten stand fest, dass uns, wenn irgend möglich, die Eingehtour nach Swanetien führen sollte. Über den Mestia-Pass wollten wir Russland verlassen und über den Dongus-orun-Pass nach Russland zurückkehren. Und dann gut akklimatisiert weiter ziehen nach Terskol – zum Elbrus. Keiner von uns hatte damals eine Vorstellung davon, was uns im Gebirge beim Grenzübergang an den Pässen erwarten sollte. Der Plan war simpel: So weit gehen, bis uns im worst case Grenzer wieder zurückschicken würden …

Neben einer 1992 neu aufgelegten englischen Karte des Elbrusgebietes, basierend auf einer alten russischen Karte aus den 70ern, begleitete uns damals auch ein Führer (Abenteuer Trekking. Rußland) herausgegeben von Bruno Baumann. Ein Riesenfehler, wie sich herausstellen sollte. Rückblickend gesehen, hatte Bruno wohl nur den alten tschechischen Führer (von Bogdan Brakus und Lumir Pecold) aus den Siebziger Jahren Anfang der 90er neu aufgelegt – ob er dazu wirklich vor Ort war? Die Beschreibungen waren teils haarsträubend realitätsfern.

Der Aufstieg zum Mestia Pass auf der russischen Seite verlief ziemlich problemlos, der Abstieg auf der georgischen Seite dagegen gestaltete sich recht abenteuerlich. Die Innenstadt von Mestia war ziemlich zerstört, Brandruinen prägten das Bild um den Markt. Erste Anzeichen, dass sich die Einheimischen an den Wideraufbau machten, waren zu erkennen. Und wir hatten Glück, wir bekamen die Ikonen, verborgen in den zerstörten Häusern von einem zehnjährigen Mädchen gezeigt, und das auf deutsch. Die uralten Wehrtürme, die wir auch besteigen durften, waren einfach nur beeindruckend. Über das Nakra-Tal ging es über blühende Bergwiesen zurück zum Kaukasus-Hauptkamm, begleitet wurden wir auf dem letzten Stück von georgischen Grenzern. Über den Rückweg auf der russischen Seite hängen wir den Mantel des Schweigens …

Anyway, von dieser Tour und dem Erlebten zehre ich noch heute. Im Freundeskreis ist sie legendär, und das, obwohl wir am Elbrus selbst dann bei seiner Besteigung einen Wettersack aufhängen mussten, im Sattel zwischen den beiden Gipfeln im Whiteout umgekehrt sind. Lange Zeit war Mestia aus meinem Reiseplänen verschwunden. Und ich war erstaunt, dass dann doch fast auf den Tag genau, 20 Jahre ins Land gegangen waren.

Als feststand, dass es zurück nach Swanetien gehen würde, kramte ich in alten Reisetagebüchern, Dias und Erinnerungen. Außerdem stellte sich bei der Vorbereitung der Tour heraus, dass Georgien heute schon mehr als nur ein Geheimtip ist, eher schon ein echter Hotspot für Traveller aus der ganzen Welt. Von vielen Seiten war zu hören „Ach, du auch? Im Sommer nach Georgien?“

Georgien ist ein kleines Land am Südrand des Kaukasus, voll mit grandiosen Landschaften zwischen Gebirge und Meer und einer gastfreundlichen Bevölkerung. Aktuell ist man dabei, rings um die Naturschätze und Kulturgüter eine touristische Infrastruktur aufzubauen. Neben den beiden klassischen Trekkingzielen Mestia (Swanetien) und Stepantsminda (Kasbegi), hier gut auf der Karte zu erkennen, hat Georgien mit Tuschetien und Chewsuretien im Nordosten sowie dem Bordschomi-Charagauli-Nationalpark im Kleinen Kaukasus zwei kleine, feine, wenn auch schwerer zu erreichende Ziele. Wer die für das kleine Land Georgien lange, unwegsame Anreise nicht scheut, wird dort kaum einem Menschen abseits der Dörfer über den Weg laufen, findet dort in der Abgeschiedenheit seine Ruhe, inklusive ganz schön viel Natur.

Bis nach Stepantsminda und den Kasbek haben wir es vergangenen Sommer (geplant) nicht geschafft. 14 Tage sind einfach viel zu kurz, doch mehr (Urlaubs-)Zeit gab es nicht. Ich bleibe lieber länger an einem Ort, tauche dort ins Leben ein, als jeden Tag weiterziehen zu müssen, aus Angst, etwas zu verpassen. Die Entscheidung fiel auf Mestia, den Hauptort von Upper Swanetien – perfekter Mittelpunkt unserer einwöchigen kurzen Tour in den Hohen Kaukasus. Wir hatten uns ja im Vorfeld schon ziemlich gut informiert, trotzdem haben wir, mitten im Ort gelegen, uns im Tourismusbüro umgesehen. Dort, und das war wohltuend, wurden einem keine Jeepausflüge angeboten (wie in den anderen Tourist Office), sondern man konnte auf englisch (oder georgisch oder russisch) seine ganzen vielen Fragen zur umliegenden Bergwelt los werden. Für Unvorbereitete haben sie als A4-Ausdruck Kartenblätter mit gekennzeichneter Wegführung ausgelegt, die gab es kostenfrei in die Hand gedrückt. Die Wege um Mestia herum, inklusive der Mehrtagestour bis nach Usguli, waren gut gekennzeichnet, da hat sich in den letzten Jahren ziemlich viel getan. Doch, vor allem auf den Mehrtagestouren geht es nicht immer dabei durch’s Gebirge, an malerischen Almwiesen entlang; ein Teil der Routen führt auch über staubige Pisten, die heute die Bergdörfer bei guter Wetterlage mit dem Tal verbinden.

Im Gegensatz zu 1997 haben wir ins Nakra-Tal nur kurz hineingeschaut, an dessem Talende geht es zu einem der leichteren Übergänge über den Hauptkamm des Kaukasus zum Dongus-orun. Das ist Grenzgebiet und der Zugang ist, wahrscheinlich, genauso verboten, wie in den anderen Seitentälern.

Ich habe es mir nicht nehmen lassen, mir einen Teil unseres Abstiegs vom Mestia-Pass von den gegenüberliegenden Koruldi Lakes anzusehen. Große Augen – Da sind wir damals runtergekommen. Wow! Talseitig kamen wir nicht in die Nähe. Gesperrt. Die schönen Wiesen, auf denen wir vor 20 Jahren genächtigt haben, nachdem wir vom Mestia Pass runter waren, gibt es so auch nicht mehr. Auf einer Länge von 10 km wird aktuell eine Stromleitung gebaut, am Zusammenfluss von Mestia- und Tscheki-Fluss soll ein kleines Wasserkraftwerk entstehen.

Dafür sind wir in Mazeri gewesen, dem Tal, von dem aus es zum Betscho-Pass oder zum Ushba-Gletscherabbruch geht. Wir hatten uns 1997 gegen dieses Tal entschieden (Fehler!), weil wir nur spärliche Informationen zur Wegebeschaffenheit um den Pass herum hatten. Dort angekommen waren wir im vergangenen Sommer (fast) allein, ein paar russische Bergsteiger auf dem Weg zur Ushba liefen lange hinter uns her, ein britisches Paar kam uns im Abstieg entgegegen. Auf dem Weg zum Ushba-Plateau, aber auch am zweiten Tag auf der Tour über den Guli-Pass, führten die Pfade über bunt blühende Bergwiesen; der Kontrast zum Gletscheraufbau und den kargen Gipfeln konnte nicht größer sein. Die Überschrift für den letzten Abschnitt auf dem Weg zum Guli Pass könnte unter „Versuch-Irrtum“ laufen: Ich sage euch, Kuhpfade können echt ins Nichts führen, wo die überall lang laufen. … Doch davon abgesehen vom Wegeverlauf, auch die Nebentäler um Mestia herum bestechen mit einer grandiosen Landschaft, mit Gipfeln, die eine ziemlich dramatische Kulisse bieten können, wenn, wie erlebt, am Abend über der Ushba von Russland kommend ein Gewitter aufzieht …

Georgien ist ein ziemlich perfektes Trekkingtourenland und bei allen Erneuerungen und Sanierungen hoffen wir, dass ein Teil der Ursprünglichkeit, die den Charme des Landes ausmacht, noch lange erhalten bleibt.

Ich möchte auch nicht wieder 20 Jahre bis zu einer Rückkehr nach Georgien warten (dann bräuchte ich wahrscheinlich wirklich den Jeep zum Koruldi-Lake, weil ich selbst nicht mehr so weit und hoch steigen kann). Geht es zurück in den Kaukasus, dann steht als Trekkingtour eine Überschreitung von Upper nach Lower Swanetien (Zuruldi Range) an oder, wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, soll es nach Tuchetien gehen.

Beim Thema Trekking sei als kleine Randbemerkung noch gestattet, dass es nach wie vor extrem schade ist, dass auch heute noch Grenzsoldaten an den Zuflüssen stehen. Sie versperren den Weg, denn es scheint nach wie vor nicht gestattet zu sein, sich auf der georgischen Seite zu Fuß den Gipfeln auf dem Hauptkamm des Kaukasus zu nähern  🙁

Um mal ein paar Klischees zu bedienen: Wir haben in Swanetien viele Japaner getroffen. Oft, so schien es, waren sie für 3 Tage in den Kaukasus gekommen, um auf die Schnelle nach den Weltkulturerbestätten zu sehen (und ein Foto zu machen): Anreise von Kutaisi (6 -8 Stunden), Tagesausflug nach Ushguli (Aufenthalt vor Ort zwischen 2 und 4 Stunden), Abreise nach Tbilissi (8 – 10 Stunden). Wir haben uns mit einigen unterhalten, für ganz Georgien waren oft nicht mehr als 6 Tage geplant. Schade, sie verpassen etwas.

Ushguli, das Dorf mit den vielen alten Wehrtürmen auf engstem Raum, hält noch immer seinen Status als Weltkulturerbe, trotz einiger Neu- und Umbauten, die den Blick auf das historische Häuserensemble beeinflussen. Das fällt auf, das wird registriert und auch wenn man es den Bewohnern von Ushguli nicht verübeln kann – ihnen fehlt schlichtweg das Geld für die Sanierung der alten Häuser und Türme  – kann es dazu führen, dass sie ihren Status als Weltkulturerbe verlieren und damit zumindest auch einen Teil der kultur- und bauwerkinteressierten Touristen.

Das Geheimnis der Türme ist bis heute nicht komplett entschlüsselt. Es gibt sie ja nicht nur in Ushguli, in Upper Swanetien gibt es fast in jedem Dorf noch einen Turm oder Reste zu bewundern. Die ersten mehrstöckigen Türme noch zu vorchristlichen Zeiten wurden aus Holz errichtet, in Ushguli sind die Steintürme teilweise deutlich älter als 1000 Jahre. Kein Erdbeben oder schwere Lawinenabgänge konnte ihnen etwas anhaben; es heißt, dass sie Schlammlawinen und Felsabgänge wie «Wellenbrecher» um das Dorf herumlenken. Es gibt einige Theorien zur Stabilität der alten Türme. Eine davon sagt, dass es mit einer mathematischen Formel zu tun haben könnte: Die Gesamtlänge der Grundseiten, also rund 30 Meter, entspricht meist der Höhe der Türme. Und, obwohl sie sich nach oben verjüngen, liegen die Ecken des Fundaments auf einer Linie mit den Ecken des auf die Verjüngung aufgesetzten vierten Stockwerkes. … Nun nagt der Zahn der Zeit an ihnen und es müsste einiges an Geld investiert werden, um die Türme und damit den unvergleichlichen, archaischen Charme von Ushguli zu erhalten.

Nicht nur Dresdner können das, nein, auch die Georgier haben mit ihrer Entscheidung, die Bagrati-Kathedrale von Kutaisi zu modernisieren, 2017 für diese Stätte den Status Weltkuturerbe verloren. Der Anbau ist hässlich, passt überhaupt nicht zum Gebäudeensemble und im Gegensatz zur Waldschlößchenbrücke, die eine Funktion erfüllt, hat sich dieser Anbau auch bei näherer Betrachtung nicht wirklich erschlossen.

Heißt: Neben Ushguli (als Symbol für die Bergdörfern in Upper Swanetien) werden noch die Akademie von Gelati und die Historische Kirchen von Mzcheta von der UNESCO als Weltkurlturerbe anerkannt, 15 weitere Bauwerke stehen auf der Tentative List.

Doch was heißt schon Weltkulturerbe? Eigentlich muss man aufpassen, in Georgien nicht über historische Sehenswürdigkeiten zu stolpern. Flächenmäßig nicht viel größer als Bayern, ist Georgien eines der urchristlichen Länder, bereits im 3. Jahrhundert wurde hier das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Einiges der historischen Bausubstanz hat bis heute überlebt und wird, mehr oder weniger professionell, zur Zeit für Interessierte aufbereitet.

Die alte Höhlenstadt Uplisziche, an der Seidenstraße gelegen, lädt dazu ein, sich in ihren alten Festungsanlagen umzusehen. Oder man macht sich auf den Weg in die alte Hauptstadt Ostgeorgiens, nach Mtskheta. Oder, wer wie ich nicht gerade im Hochsommer unterwegs ist und von Bergsichten eine kurze Erholungspause braucht, der sollte sich auf den langen und steinigen Weg ins Kloster Davit Gareji im Udabno Gebirge machen (Tagesausflug von Tbilissi aus). Abgerundet wird dieser Ausflug in eine steppenähnliche Landschaft mit dem Besuch der Udabnohöhlen (Udabno Kloster), die mit etwas Trittsicherheit gut vom Gareji Kloster aus zu Fuß erreichbar sind. Letztere liegen im Übrigen auf der aserbaidschanischen Seite; die Grenzsoldaten haben nichts dagegen, so lange man nach den Höhlen den Weg wieder zurück auf die georgische Seite findet.

Oder, sieht alt aus, ist aber erst 2004 fertiggestellt worden, und gehört für mich mit zu den beeindruckendsten Gebäuden: die Sameba Kathedrale von Tbilisi. Wir hatten das Glück eine beeindruckende Zeremonie in der größten Georgischen Orthodoxen Apostelkirche  mit ihrem höchsten Patriarchen zu erleben. Und überhaupt – Tbilissi: Die Stadt, in der man georgisch–orthodoxe, armenisch–gregorianische und römisch–katholische Kirchen, eine Synagoge, eine Moschee sowie einen zoroastrischen Tempel innerhalb eines 5-minütigen Spaziergangs besuchen kann. Tbilissi ist eine spannende Stadt!

Oder, und damit soll es dann auch genug sein, man befasst sich mit der jüngeren Geschichte Georgiens und begibt sich auf den Weg nach Gori, der Geburtsstadt von Stalin.

Wir haben uns auf unserer Tour nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln vorwärts bewegt, haben dabei so ziemlich alles genutzt, was angeboten wird: Taxi, Bus, Minibus, Marschrutka, Zug. Die Infos haben wir vor Ort am Bahnhof oder in den Touristeninformationen bekommen. Letztere hatten zumindest in Kutaisi die richtigen Tipps parat; die Touristeninformation in Tbilissi wollte eher Touren in die Umgebung verkaufen und konnte uns nicht wirklich weiterhelfen. Die Straßen sind, außerhalb der Städte und von einem gelegentlich etwas ausgebauten Autobahnabschnitt abgesehen, eher staubige Pisten. Je weiter man ins Inland vordringt, desto holpriger werden die Fahrbahnbedingungen – es gibt dann auch mal schnell ziemlich tiefe Fahrrinnen. Je nach Fahrzeugalter kann es dann auch schon mal nur noch im Schneckentempo vorangehen.

Will man selber fahren, kann es beim Lesen der Schilder schwierig werden, wenn man kein Georgisch kann. Dort, wo Touristen unterwegs sind, gibt es auch englische Ausschilderungen. Wir haben die Erfahrung gemacht: Sobald man etwas ratlos mit einem Zettel/ einer Karte in der Hand herumstand, wurde immer Hilfe angeboten. Das sollte also auch beim Autofahren funktionieren.

Ein Teil der Busse ist schon in die Jahre gekommen, das kennt man aus den Ländern. Vor allem was die Federung angeht (also Augen auf beim Plätze suchen im Bus). Im Gegensatz dazu ist das U-Bahn-Netz in Tbilisi ziemlich modern. Man kommt gut durch die Stadt, braucht dazu eine wiederaufladbare Karte und Gelder werden pro Strecke und nicht entsprechend der Länge abgezogen.

Wir waren unterwegs mit leichtem Gepäck, das neben den Sachen für den Reisealltag auch ein Tarp sowie Schlafsack und Isomatte, aber kein Kochzeug einschloss für den Fall, dass wir doch auf eine Mehrtagestour ohne Hütte losziehen würden. Nach zwei Tagen in Kutaisi bei Temperaturen jenseits der 30 °C (nichts für mich!) verließen wir die heiße Ebene in einem Minibus und fuhren mit Polen, Briten, Russen und einem deutschen Pärchen nach Mestia. Ich nahm mir einen Tag, um alte Plätze wiederzuentdecken, zog durch die Straßen der Stadt. Es folgten Dayhikes zum Koruldi Lake und zum Chalaadi Glacier. Danach zog es uns nach Mazeri (Taxi), dort mit einem Dayhike zum Ushba Plateau und dem Shdugra Waterfall. Zurück ging es von Mazeri zu Fuß über den Guli Pass am Koruldi Lake vorbei wieder nach Mestia. Danach ging es auf einen Tagesausflug nach Ushguli mit Dayhike in Richtung Shkhara-Gletscher.

Am Ende, wir hatten es angesichts der Temperaturen lange hinausgezögert, entschieden wir uns doch noch, uns ein paar Tage Tbilissi anzuschauen, bevor es wieder zurück nach Kutaisi mit dem Zug ging.

Bei der Kürze der Tour war ich nicht willig, lange nach einer Übernachtung zu suchen. Das Internet hat weitergeholfen, wobei wir feststellen durften, dass gefühlt alle noch so kleinen Pensionen gern schon mal „Hotel“ in ihren Namen verankert haben. Im Gegensatz dazu bekam man in einem Guest Houses schon beinahe traditionell den Familienanschluss mit dazu.

Heißt, wir haben alle Unterkünfte online gebucht. Hat es uns dann, wie in Mestia geschehen, gefallen, haben wir einfach versucht zu verlängern. Das Ganze hat bis auf die letzte Unterkunft in Kutaisi ziemlich gut funktioniert. Die hatten einfach unser Zimmer weitergegeben, weil sie uns telefonisch nicht erreichen konnten. Mein Telefon wiederum war die ganze Zeit aus, da die Gebühren (World 1) relativ hoch sind und ich im Urlaub einfach auch offline sein möchte. Im besagten Fall hieß es für uns, abends um 23 Uhr ein Quartier zu finden …

Wir haben aber auch Deutsche getroffen, die einfach so lange von Haus zu Haus gezogen sind und sich haben ansprechen lassen, bis sie ein passendes Zimmer für die Nacht gefunden hatten.

Anreise und Visabestimmungen: Per Flugzeug ging es für uns direkt von Berlin Schönefeld mit Wizz Air nach Kutaisi und auch wieder zurück. Wir hätten aber auch direkt nach Tbilissi fliegen können. Seit März 2018 fliegt auch Georgian Airways direkt von Berlin oder Köln/Bonn nach Tbilissi. Wer etwas mehr Geld ausgeben will, fliegt mit Lufthansa ab München. Will man weiter nach Mestia fliegen, dann sollte man rechtzeitig buchen, die Plätze bei Vanilla Sky sind im Sommer immer ausgebucht,

Hat man viel Zeit im Gepäck, geht es auch ohne zu fliegen: Mit dem Fernbus oder per Bahn bis nach Odessa, dort auf die Fähre und mit einer 2,5-tägigen Überfahrt nach Poti in Georgien. Wir haben auch einen Sachsen in Usguli getroffen, der seit vielen Jahren mit (s)einem Mercedes-Bus über die Türkei nach Georgien fährt.

Man kann problemlos mit einem deutschen Pass (ohne zusätzliches Visum) einreisen, solange er auch bei der Ausreise noch gültig ist (aktuell kann man sich bei zu einem Jahr in Georgien aufhalten). Vereinzelt ist zu lesen, dass auch der Personlausweis ausreicht, wenn man direkt nach Georgien fliegt. Das haben wir nicht probiert.

Geld und Karten: Lari konnte ich im letzten Jahr in Deutschland nicht bekommen. Auf dem Flughafen nutzen wir daher den Automaten, um an Bargeld heranzukommen- wir mussten/wollten schließlich unser Taxi nach Kutaisi bezahlen. Der Automat nahm sowohl EC-Karten (Maestro) als auch Kreditkarten. Aktuell ist ein Lari 0,34 Euro wert, das war bei uns im vergangenen Sommer ähnlich. Selbst in Mestia konnte man problemlos Geld abheben, in den umliegenden Dörfern lief dann alles wieder über Barzahlung. Wir hatten neben ein paar Euro auch ein paar Dollar einstecken, quasi als Notgroschen, falls es in den Bergen kein Bargeld geben würde.

Sprache: Georgisch ist die Landessprache und regional verschieden kann man sich auch auf Aserbaidschanisch, Armenisch, Abchasisch oder Ossetisch veständigen, den Sprachen der Völker im Kauskasus. Was mich etwas überrascht hat, war die immer wieder geäußerte Bitte, sich auf Russisch zu verständigen. Georgisch kann ich nicht, mit englisch sind wir nur in größeren Ortschaften weitergekommen. Also erwies sich Russisch oft als einzig mögliche Alternative.

Beste Jahreszeit: Ganzjährig (abhängig von der Art des Reisens)

Sicherheit: Den gesunden Menschenverstand eingeschaltet, hatte ich nie das Gefühl, mich nicht sicher zu fühlen. Wir haben in unserer Herberge in Mestia in der Küche Sachen deponiert, die wir nicht durch die Berge tragen wollten. Kein Problem. Busreisen – von den Straße abgesehen: Was sollte passieren? Taxifahrten – kein schlechtes Gefühl dabei. Selbst das Auswärtige Amt hält sich derzeit bei seinen Reisewarnungen im Hinblick auf Georgien zurück.

  • Ich musste bis kurz vor Abreise warten: Andreas Sternfeldt – Georgien. Unterwegs zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer (Trescher-Verlag,  8., aktualisierte Auflage 2017. Es gibt jetzt schon die 2018er-Auflage)
  • Geoland Maps: Ushguli – Lashkheti – Mt. Shkhara Trekkingkarte Georgien 1:50.000 (Blatt 8) / Mestia – Ushguli – Lashkheti Trekkingkarte Georgien 1:50.000 (Blatt 9) / Mt. Ushba – Mestia Trekkingkarte Georgien 1:50.000 (Blatt 10)
  • Stadtplan von Tbilissi
  • Mein absolutes Informations-Highlight: Josefs webseite about trekking in Georgia– mit vielen genauen Tour- und Wegeinformationen (habe ich erst durch Zufall beim Lesen in Mestia entdeckt), viele aktuelle Infos gibt es auch in seiner Community auf Facebook
  • Viele Infos gab es auch auf GeorgianTour  und bei Georgiano (auch wenn man bei ihnen keine Tour bucht)
  • Tourberichte gibt es im Blog von Reisezeilen mit Infos zu Sehenswürdigkeiten oder mit praktischen Infos zum Reisen durch Georgien oder mit Wanderempfehlungen für Swanetien

Gefühlt waren wir ja eher als Reisende in Georgien, den als Hiker. Als Kompromiss hatten wir neben einem kleineren Trekkingrucksack einen Sommerschlafsack, Isomatte, Tarp und Trekkingstöcke mit. Und einen kleinen Tagesrucksack (groß genug für 3 Liter Wasser, den kleinen BeFree Wasserfilter und meine Kamera). Dazu noch eine Stirnlampe für Nächte außerhalb der größeren Ortschaften. Die warme Jacke für abends haben wir nur durch die Gegend getragen, die Nächte waren selbst in den Bergen noch zweistellig. Das Squamish Jacket deckte die wenigen Wetterunbilden ab, Regenjacke und Regenhose blieben im Gepäck. Alles was ich im Vorfeld an Wandersachen geplant und eingepackt hatte, wurde auch nur im Rucksack durch die Gegend getragen. Auf einem Foto kann man es gut sehen: Bergschuh von Boreal, Trekkingsocken von Falke, ein Skirt von Patagonia und ein Tanktop von Arc’teryx. Wichtigstes Utensil für mich war neben der Sonnencreme Antibrumm – in den Bergen Swanetiens war Bremsen-Alarm. Und Fenistil, wenn die beißenden Biester doch zum Zuge gekommen sind.

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