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Klettergurte – Wann ist es Zeit für einen neuen Gurt?

Die Winterzeit ist die perfekte Zeit, mal in Ruhe seine Ausrüstung zu überprüfen. Schaut man den Leuten nicht nur in der Kletterhalle auf die Klettergurte, dann fällt auf, dass sich darunter auch immer mal wieder ältere Exemplare finden. Fragt man nach, bekommt man die unterschiedlichsten Antworten zu hören. Doch wann ist es nun an der Zeit, seinen Gurt auszutauschen, auch wenn er visuell noch keine großen Verschleißerscheinungen aufweist? Wie kann man feststellen, wann ein Klettergurt ersetzt werden muss?

Einem Klettergurt muss man voll vertrauen können! Er gehört zu den Ausrüstungsgegenständen, auf die man sich zu 100 % verlassen muss, egal ob man mehr als 100 m Luft unterm Gesäß hat oder „nur“ in einer Einseillängentour unterwegs ist. Im Falle eines Sturzes kann er zum (Über-)Leben des Kletterers beitragen, wenn die Sicherungen greifen. Und, wie das Seil auch, gehört er zu dem Teil des Equipments, für das es kein Backup gibt, wenn man ihn angelegt hat und in die Tour eingestiegen ist.

Doch, auch wenn wir das alles wissen, neigen einige unter uns eher dazu, ihren Gurt viele Jahre zu verwenden, ohne ihn genauer in Augenschein zu nehmen – sicher auch, weil es für Klettergurte keine festgelegte oder gar genormte Lebenszeit gibt.

Dabei ist es doch ganz einfach!

Genauer betrachtet kann man die Lebenszeit von Gurten nicht vereinheitlichen. Die Gründe dafür sind vielfältig und vielschichtig: Jeder Kletterer hat seinen eigenen Kletterstil, bewegt sich in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und Klettergebieten. Einige Kletterausrüstungsspezialisten geben in ihren Produkthinweisen eine generelle Lebenszeit für den jeweiligen Gurt an, wobei die Spanne zwischen einem Jahr und zehn Jahren liegen kann. Ziemlich wage, denn die oben genannte unterschiedliche Beanspruchung wird dabei nicht berücksichtigt. Deshalb empfehlen wir, sich nicht allein auf die gedruckten Angaben der Firmen (Herstellerangaben) zu verlassen, sondern seinen Gurt augenscheinlich regelmäßig selbst zu kontrollieren und zu hinterfragen, was man bisher in der Vergangenheit alles mit seinem Gurt angestellt hat.

Bei einer Sichtkontrolle sollte man auf Risse, Schnitte und den Abrieb des Bandmaterials achten. Genauer betrachten sollte man bei seinem Gurt die Anseilpunkte. Hersteller wie Petzl, aber auch Arc’teryx und Mammut haben Gurte in ihrem Sortiment, bei denen die Anseilpunkte aus einem Kern aus farbig markierten Nylonfasern bestehen. Werden diese sichtbar, ist der Gurt nicht mehr sicher. Darüberhinaus gibt es bei jedem Gurt Stellen, an denen etwas Abrieb nicht zu Funktionsverlust führt und damit nicht sicherheitsrelevant ist, dennoch sollten auch Gurtbänder und Beinschlaufen auf Verschleißerscheinungen überprüft werden.

Zwei Faktoren, die die Lebensdauer eines Gurtes beeinflussen können, sind die Nutzungshäufigkeit und die (Sturz-)Intensität beim Klettern. Gehört man zu den Genußkletterern, die ein paar mal im Jahr mit Freunden draußen unterwegs sind, dabei immer nur im Toprope klettern und daheim den Gurt trocken lagern, dann kann man seinen Gurt oft jahrelang benutzen.

Auch wenn man immer nur im Toprope klettert, inklusive minimaler Sturzhöhen, kann man seinen Gurt oft über Jahre hinweg einsetzen.

Wer mehrmals in der Woche im schweren Vorstieg mit längeren Sturzwegen unterwegs ist, sollte seinen Gurt schneller austauschen – manchmal halten dann die Gurte (je nach Gurtart) nicht einmal ein Jahr. Es sollte selbstverständlich sein, dass man nach schwereren Stürzen immer wieder den Gurt kontrolliert. Untersuchungen haben ergeben, dass schwere Stürze zum Verschleiß von Kernfasern des Sitzgurtes führen können, die nach außen hin nicht sofort sichtbar sind.

Wenn der Gurt sein Haltbarkeitsdatum überschritten hat (auch wenn er lange Zeit nicht genutzt worden ist) oder wenn die Verschleißerscheinungen es anraten, sollte der Gurt zerstört werden, bevor man ihn entsorgt. Heißt auch, zu einem Secondhand-Gurt gehört die Frage nach dem Alter, bevor man ihn nutzt.

Geht es um die Lebensdauer unserer Gurte, dann ist es eigentlich wie bei uns Menschen: Die ist auch davon abhängig, wo der Gurt zum Einsatz kommt und wie er in seiner Freizeit gelagert, also quasi gepflegt wird. Sand, Dreck, Feuchtigkeit beeinflussen das Ganze genau so wie starke Sonneneinstrahlung. Eine Umfrage unter den kletternden tapiren hat ergeben, dass diejenigen unter uns, die mehr draußen klettern, ihre Gurte schneller austauschen müssen als vielleicht die Hallenkletterer. Schmutz kann das Material spröde und steif werden lassen, während Sand oder auch Granitgestein das Bandmaterial spürbar aufrauen lassen. Sprödes Material führt zu Einbußen bei der Elastizität. Wenn ich da also an das Kaminschrubben im Elbsandstein denke…! UV-Strahlen, das kennen wir auch von anderen  Ausrüstungsgegenständen, führen zum Ausbleichen des Materials und beschleunigen den Alterungsprozess des Gurtes.

Gelagert werden will der Gurt auf jeden Fall trocken sowie UV-geschützt und in großem Abstand zu Chemikalien. Außerdem sollte der Gurt so aufbewahrt werden, dass er vor größeren mechanischen Beanspruchungen und scharfen Kanten (Stichwort Eisgeräte) geschützt wird. Heißt: nicht einfach immer nur den Kletterrucksack mit den zusammengestopften Sachen in die Ecke stellen.

Edelrid empfiehlt, den Gurt – wie auch andere Textilien – von Zeit zu Zeit mit nichthalogenhaltigem Waschmittel zu reinigen. Waschen hat dabei nicht nur hygienische Gründe, sondern sollte auch aus sicherheitstechnischen Gesichtspunkten erfolgen. Wir hatten ja schon vom Einfluss von Sand und Gesteinspartikeln gesprochen: Diese können durch Waschen aus dem Gurt herausgelöst werden. Handwäsche ist angesagt, wobei im Anschluss der Gurt an der Luft (ohne direkte Sonneneinstrahlung und nicht über der Heizung) langsam getrocknet werden sollte.

… den Gurt eher austauschen, als darüber zu philosophieren, ob er vielleicht die nächsten Touren noch überleben könnte. Unser Leben hängt daran!

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