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Teaserbild: Testbericht: Auf kurzer (Winter-)Tour mit dem Gnaur 60 von Lundhags

Testbericht: Auf kurzer (Winter-)Tour mit dem Gnaur 60 von Lundhags

Die Lundhags-Rucksäcke fielen uns tapiren schon auf der OutDoor 2017 ins Auge. Da sie auf uns einen ähnlich soliden und durchdachten Eindruck machten wie die Lundhags-Bekleidung, war schnell klar: Wir müssen sie in unser Sortiment aufnehmen! Erste Inaugenscheinnahmen zeigten: Hier hat sich wirklich jemand Gedanken gemacht. Klar, liegt doch die Entwicklung der Rucksäcke in der Hand von Håkan Nyström, der sich als Designer auch schon bei Klättermusen und Haglöfs einen Namen gemacht hat. Nun kann ein Rucksack gut aussehen und in allen Details stimmig sein, entscheidend ist aber, wie er sich bei der Nutzung bewährt. So habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und bin mit dem Gnaur 60 RS (also mit kurzer Rückenlänge) auf eine 3-tägige „Restschneetour“ ins tschechische Isergebirge gezogen.

Für eine kurze Tour von 3 Tagen muss es sicher nicht der große Trekkingrucksack sein. Wenn es allerdings eine Wintertour ist, kommen allein mit Schlafsack, wintertauglicher Isomatte und Isolationsbekleidung schon mal einige Liter Volumen zusammen – und da sind die „Standardausrüstungsgegenstände“ wie Zelt, Kocher, Verpflegung, Wetterschutz und Hygiene noch nicht berücksichtigt. 60 Liter stellten sich also beim Testpacken als ideal heraus, um alles bequem unterzubringen. Ein Blick auf den Wetterbericht am Abend vor der Tour veranlasste mich zwar dazu, den superwarmen Winterschlafsack und die bodenfrosttaugliche Isomatte gegen leichtere und weniger voluminöse 3-Jahreszeiten-Modelle einzutauschen, aber nun wollte ich den Gnaur 60 trotzdem testen und nahm ihn also eher luftig gepackt mit. Ein Gewicht von ca. 11 kg hatte ich am Ende doch zu schultern, also durchaus realitätsnahe Testbedingungen!

Mit einer Körpergröße von 1,66 m habe ich mich für die Rückenlänge RS entschieden, also die kurze Variante, die Lundhags anbietet. Hinter dem Rückenpolster ist direkt am Verstellriemen auch eine Skala für die Rückenlänge angegeben. Beim RS-Modell ist die Spanne von 42 – 48 cm vorgesehen. Das lässt sich im Vorhinein ausmessen (7. Nackenwirbel – der, der hinten hervorsteht, wenn man das Kinn in Richtung Brust beugt – bis Oberkante des Hüftknochens, die sich hinten gut ertasten lässt) oder man probiert es einfach im Laden aus!

Auf den ersten Blick erfreut das Obermaterial, ein Mischgewebe aus 65 % Recycling-Polyester und 35 % Bio-Baumwolle. Das verleiht dem Trekkingrucksack nicht nur sein rustikales, naturnahes Äußeres, sondern ist auch aus Nachhaltigkeitssicht ein tolles Material – und mit einer Stärke von 231 g/m² ist das Lundhags Polycotton (LPC) außerdem nahezu unverwüstlich. Gegen Nebel und Niesel schützen die PU-Beschichtung und die PFC-freie Imprägnierung des Materials.

Fängt es stärker an zu regnen, wird die Regenhülle übergezogen. Dieses Zubehör hat mich echt begeistert: Zum einen ist die Regenhülle äußerst geräumig. Obwohl ich immer versuche – und bei dieser Kurztour ist es mir leichtgefallen –, alle Ausrüstung IM Rucksack zu verstauen, so kann es auch mal vorkommen, dass man aus Platzgründen Equipment außen befestigen muss. Die Regenhülle passt spielend darüber! Zum anderen lässt sie sich aber mit dem Tankazug und den Einhängeösen so hervorragend am Rucksack befestigen, dass sie nicht flattert. Sehr schön!

Dass kleine Detaillösungen begeistern können, hat mir der Gnaur 60 weiterhin mit der Hauptfachöffnung gezeigt: Die läuft einfach so geschmeidig, dass es ein Traum ist. Die Technik erinnert mich an Osprey. Eine Frontöffnung ist bei diesem Lundhags-Rucksack vorhanden, jedoch habe ich sie irgendwie gar nicht genutzt. Das liegt, glaube ich, an dem sehr (!) geräumigen Schlafsackfach, in das tatsächlich alle meine Übernachtungsutensilien gepasst haben: 3-Jahreszeiten-Kunstfaserschlafsack, Exped-Isomatte, aufblasbares Kissen, Inlet, Schlafklamotten. Der grobzahnige YKK-Reißverschluss, stabile Zipperverlängerungen und die elastische Reißverschlussabdeckungen haben mir sofort jegliche Hemmungen genommen, beim Packen rustikal zur Sache zu gehen. So waren im eigentlichen Haupfach lediglich das Zeltgestänge, Bekleidung, Waschbeutel und Verpflegung samt Geschirr untergebracht; all das konnte ich bequem über den oberen Zugang erreichen. Regenbekleidung, konkret: Gamaschen und Regenhose, habe ich in einer der seitlichen Balgtaschen verstaut, die dadurch noch nicht annähernd ausgefüllt waren, und dabei die praktische Volumenfalte wertzuschätzen gelernt. Man vermutet nämlich auf den ersten Blick gar nicht, dass in diese beiden Taschen soooo viel reinpasst!

Die Ausstattung des Gnaur 60 lässt für mich zusammenfassend nichts zu wünschen übrig: Alles wirkt durchdacht, ist wertig gearbeitet und komplett auf intensive Nutzung ausgerichtet. Die Metallhaken sind das krönende i-Tüpfelchen; sie stehen nicht nur für Langlebigkeit, sondern auch für leichtgängige Handhabung. Besonders am Hüftgurt wird die Liebe zum praktischen Detail ganz deutlich, die Lundhags auszeichnet: Eine einfache Verschlussmechanik mit Gurtbandöse und Metallhaken, kombiniert mit der zeitgemäßen Pull-forward-Feststellung, macht das „Anschnallen“ zum kleinen Freudenmoment.

Wie ich im Teaminterview mit Laura und Rabanus bereits vor einiger Zeit erzählt habe, ist die Suche nach dem richtigen Rucksack für mich eine jahrelange Odyssee gewesen, die mich schließlich zum Guidepost 65 Women (2016er-Modell) von Thule geführt hat. Setze ich mir den Gnaur 60 auf den Rücken, spüre ich einige Parallelen: Auch hier ist eine Polsterung zwar durchaus vorhanden, aber eher kompakt gearbeitet, sodass sich gleich das schöne Gefühl einstellt, die Rucksacklast nah und schaukelfrei am Rücken zu haben. Mit starker Polsterung, wie sie beispielsweise bei Deuter und Tatonka verbaut ist, komme ich persönlich nicht zurecht, es fühlt sich schlicht zu schwammig an. Beim Wandern (täglich ca. 15 km) konnte der Lundhags-Trekkingrucksack den ersten Eindruck bestätigen, zumindest in Hinblick auf die Lastenübertragung über den Hüftgurt: Das Tragesystem ist gut ausgetüftelt, sodass ich das Gewicht wirklich „mit dem Skelett“ trage und die Schultern spürbar entlastet sind. Im Gegensatz zu meinem Thule-Rucksack klappt das hier sogar ohne blaue Flecken und Druckstellen auf dem Beckenkamm, was aber eventuell daran liegt, dass ich bei dieser Kurztour mehr Bekleidungsschichten getragen habe als auf der Sommertrekkingtour mit dem Guidepost 65. Die Einstellung der Rückenlänge erfolgt intuitiv binnen weniger Sekunden, auch ein sehr positives Erlebnis.

Was ist aber nun das Polarisierende?
Es sind die Schultergurte. Zwar gepolstert, aber doch fest, liegen die oberen Ansatzpunkte eng beieinander. Ich bin nun alles andere als breitschultrig und habe auch definitiv keinen „Stiernacken“, aber ein Druckgefühl am Trapezmuskel habe ich schon nach kurzer Zeit gespürt. Aus Gesprächen mit mehreren tapiren kann ich aber berichten, dass dieses Gefühl nicht alle haben. Hier hilft nur eins: ausprobieren! Ob es drückt oder nicht, merkt man glücklicherweise schon nach wenigen Minuten. Während meiner Tour konnte ich das Druckgefühl durch Lockern der Schulterriemen minimieren; da der Hüftgurt so wunderbar sitzt, kann man sich das durchaus gestatten.

Wer einen erstklassig gearbeiteten, robusten, nachhaltigen und optisch sehr ansprechenden Rucksack mit umfangreicher Ausstattung sucht, sollte Lundhags auf jeden Fall auf dem Schirm haben! Ob das Tragesystem zum Körper und den eigenen Vorlieben passt, lässt sich gut vor Ort testen. Wenn die Einschätzung nach dem Probetragen heißt: „Passt, wackelt und hat Luft“, dann hat man mit dem Gnaur 60 (oder den Geschwistermodellen mit anderen Volumina) ganz sicher einen Trekkingfreund fürs Leben gefunden!

Artikel: Gnaur 60
Lundhags

Gnaur 60
349.95€

tapir store

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