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Testbericht: Passt, sitzt und wackelt nicht – Der Kletterhelm Vision von Black Diamond

Testbericht: Passt, sitzt und wackelt nicht – Der Kletterhelm Vision von Black Diamond

Gottseidank habe ich Unfälle am Berg bisher nur als Außenstehende miterlebt, die Verletzungen waren nie so schwer. Helme schützen dabei nicht nur vor herabstürzenden Steinen, sondern auch vor unkontrollierten Stürzen oder beim Pendeln an der Wand. Alles Gründe dafür, am Berg oder Fels mit Helm unterwegs zu sein. Und da ich aktuell auf der Suche nach einem neuen Kletterhelm für mich bin, war ich gern bereit, den Kletterhelm Vision von Black Diamond zu testen.

Ich bin sicherlich nicht die Einzige, die zu ihren Helmen ein eher zwiespältiges Verhältnis hat, ganz egal, ob es sich um den Radhelm, Skihelm oder eben um den Kletterhelm handelt. Früher habe ich Letzteren einfach nur am Rucksack außen befestigt durch die Gegend getragen, quasi für’s gute Gewissen mitgenommen. Mehr auch nicht. Helme sind schwer, man schwitzt und mit Rucksack auf dem Rücken schränken sie in bestimmten Situationen das Sichtfeld ein, wenn man sich nach oben orientieren will. Doch mit dem Alter und auch dem Erleben wuchs die Einsicht, das Helmtragen am nicht immer festen Fels sowohl beim Sichern als auch beim Klettern nicht schadet. Steinschlag lässt sich nicht immer ausschließen. Moderne Helme schützen dabei nicht nur vor Felsschlag, sondern auch beim Sturz, wenn man mit dem Kopf gegen den Fels prallt. Außerdem sind die neuen Helme deutlich leichter und besser belüftet.

Und nachdem ich bisher vor allem mit einem Hartschalenhelm unterwegs gewesen bin, war ich gespannt, wie es sich anfühlen würde, mit einem Hybridhelm zu klettern.

Kletterhelme von heute sollen neben maximaler Sicherheit auch einen hohen Tragekomfort bieten. Die EN-Norm 12492 schreibt vor, dass, wenn ein 5 Kilogramm schwerer Gesteinsbrocken (im Test ein halbkugelförmiges Gewicht) aus 2 Metern Höhe auf einen Helm fällt, maximal 10 kN (UIAA-Norm 8 kN) an Kraft auf den Kopf einwirken darf. Gleiches gilt für den Test von schräg oben (vorn, seitlich und hinten, der Helm ist im Test um 60° geneigt): Dabei wird eine ebenfalls fünf Kilogramm schwere flache Stahlplatte auf den Helm fallen gelassen. Nun fällt einem nicht immer gleich ein so schwerer Stein auf den Kopf, doch auch kleinere Steine können aus größerer Höhe ähnliche Kraftwerte erreichen. Zusätzlich werden, um die Norm zu bestehen, auch noch seitliche Aufprallversuche, ein Durchdringungstest sowie Prüfungen der Festigkeit der Gurte und des Sitzes auf dem Kopf vorgenommen. (Der Vision hat diese Zertifizierung bekommen und wer mehr zu den Helmtests nachlesen möchte, kann dies auf den DAV-Seiten tun.)

Außerdem soll der Helm mit leichter Bedienung, hohem Tragekomfort und gutem Trageklima überzeugen. Am besten wäre es, wenn der Helm einhändig und ohne großes „Rumfummeln“ eingestellt und an (m)einen Kopf angepasst werden kann. Kein Gurt und auch keine Schnalle sollten auf Kiefer oder Ohren drücken. Im Winter muss dann auch defintiv noch eine Mütze unter den Helm passen. Bei dem Black-Diamond-Helm sind die Seitenbänder mit dem Kinnriemen fest vernäht. Ich war gespannt, wie gut sich der Helm einstellen lassen würde.

Bei den Kriterien für den Tragekomfort stehen Passform, Gewicht, Polsterung sowie eine gute Belüftung im Fokus. Bei großen Ventilationsöffnungen bin ich mir persönlich nicht sicher, ob nicht doch kleinste Steinchen ihren Weg zum Kopf finden. Aber das ist reines Kopfkino und um dem zu entgehen, kann ich mich für den Helm entscheiden, der einen passenden Kompromiss zwischen Lochgröße und wenig- schwitzen-Wollen bildet – damit ich immer einen kühlen Kopf behalten kann.

Mein Helm sollte eine gut bedienbare Stirnlampenhalterung integriert haben, dafür würde ich auch ein paar Gramm mehr Eigengewicht in Kauf nehmen. Naja und ich gebe es zu: Abschließend interessiert mich dann doch auch, wie der Helm auf meinem Kopf sitzt, ob er zu hoch sitzt und wie klobig er wirkt. Ich möchte meinen Kopf auch in den Nacken legen können, ohne dass der Helm am Deckelfach des Rucksacks hängenbleibt.

Der Vision von Black Diamond ist ein Hybridhelm (Inmolding Technologie), gefertigt aus einem Verbundschaum und einer eingeformten Helmschale. Dabei wird eine dämpfende Schicht aus Styropor (Expandiertes Polystyrol, EPS) in eine dünne Schale aus Polycarbonat eingespritzt. Die Schale besteht aus einem EPP-Schaum (Expandiertes Polypropylen), einem elastischen Material, das die Schlagenergie durch Verformung aufnimmt und anschließend größtenteils wieder seine alte Form annimmt.

Der Vision gehört damit zu den strapazierfähigsten schaumstoffbasierten Helmen von Black Diamond. Der EPP-Verbundschaum mit eingeformtem EPS und die Helmschale aus Polycarbonat schützen vor Dellen, sodass auch gelegentlicher Felskontakt mit dem Helm oder kleinere Steinschläge nicht unmittelbare Dellen im Material verursachen.

Mit seinen 215 g ( Größe S/M) gehört er eher zu den leichtgewichtigen Helmen.

Zum Schutz des Kopfs wurde der Helm an den Seiten sowie am Hinterkopf weit nach unten gezogen; das sorgt für zusätzlichen Schutz, der den vorgeschlagenen UIAA-Anforderungen entspricht. Die strategisch platzierten Belüftungsöffnungen sorgen bei warmen Temperaturen für Luftzirkulation. Das Befestigungssystem sowie der Kinnriemen des Vision sind vom Bandmaterial her etwas schmaler gehalten, während die integrierten Stirnlampenclips so angeordnet sind, dass sich beim Überstreifen von Schlingen kein Material verhakt und das Klettern nach Einbruch der Dunkelheit problemlos möglich ist.

Der erste Eindruck vom Helm ist positiv, ich habe mich für die blaue Farbvariante entschieden, da der rote Helm mir einfach zu sehr ins Auge sticht. Auch Bordeaux war in dem Fall nicht meine erste Wahl. Das aber nur nebenbei, Farbentscheidungen sind ja bekanntermaßen eine Frage des persönlichen Geschmacks. So leicht, wie der Helm aussieht, trägt er sich auch. Die Passform hat mich vom ersten Moment an überzeugt.

Beim Aufsetzen habe ich das Verstellsystem des Helms komplett geöffnet und dann mit beiden Händen die Verriegelung, die die Weite reguliert, zusammengeschoben. Der Helm sitzt bequem, drückt und wackelt nicht. Ich trage die Größe M/L bei einem Kopfumfang von 58 cm. Was ziemlich cool ist: Die Schnalle des Kinnriemens sitzt nicht mittig, sondern leicht seitlich versetzt, sodass es zu keinen Kollisionen mit Jacken-Reißverschlüssen kommen kann. Eine zusätzliche Polsterung am Kinnriemen fehlt, habe ich aber dank der weichen Bänder nicht vermisst.

Durch die einklappbare Aufhängung können die Riemen gut im Helm verstaut werden, sodass beim Transport des Helmes nichts hängenbleiben kann. Beim Transport muss man sich nicht ganz so vorsehen, wie bei einem reinen Ultraleichthelm, der nur aus einem Hartschaum gefertigt ist. Ich habe den Helm entweder oben im Rucksack verstaut oder auch einmal außen am Rucksack hängend zum Fels getragen.

Die Innenpolster sind beim Vision bereits eingeklebt/ eingeklettet und fühlen sich vor allem im Stirnbereich sehr weich und hautschmeichelnd an. Einmal durchgeschwitzt, trocknen sie schnell wieder, sodass ich am nächsten Tag wieder einen trockenen Helm aufsetzen kann.

Die Stirnlampenfixierung habe ich kurz getestet, wirklich im Einsatz war der Helm noch nicht bei Nacht. Das kommt dann sicher im Winter, wobei ich nicht mit Problemen rechne.

 

Der Vision fühlte sich beim Tragen immer angenehm am Kopf an. Ich hatte weder beim Klettern noch beim Klettersteiggehen irgendwann das Gefühl, dass mich der Helm in meinen Bewegungen beeinträchtigt, ganz im Gegenteil: Irgendwann hatte ich vergessen, dass ich den Helm auf dem Kopf habe. Gleiches gilt für die das Zusammenspiel von Helm und Brille. Sowohl meine Sport-Sonnenbrille als auch die Alltagsbrille harmonierten gut mit dem Vision, sehr nice, da ich immer eine Brille auf der Nase habe, egal, welches Wetter ist.

Die Luftzirkulation funktioniert ziemlich gut. Vier seitliche Belüftungslöcher und 5 Belüftungsöffnungen am Hinterkopf sorgen auch unter sommerlichen Bedingungen für ein gutes Kopfklima unterm Helm. Wie gut die Belüftung funktioniert, konnte ich auf dem Adrenalin-Klettersteig in der Galitzenklamm in den Lienzer Dolomiten hautnah und live erleben. Ich war lange nicht mehr so durch(geschwitzt) wie auf dem Klettersteig, den wir in der Mittagshitze im September durchgestiegen sind. Früher, bei meinen älteren Helmen, hätte ich diese spätestens auf der Hälfte verflucht. Den Vision habe ich selbst in den Pausen aufbehalten, weil ich ihn, nicht nur wegen des Adrenalins im Blut, vollkommen vergessen hatte.

Bequem, strapazierfähig und gut einstellbar, so hat mich der Vision in den letzten Monaten beim Klettern oder auf dem Klettersteig überzeugt. Ein paar Kratzer zieren mittlerweile seine Oberfläche, doch lieber Kratzer auf dem Helm als an meinem Kopf. Die Polycarbonatschale hält, was sie verspricht.

Der Vision ist kein absolut ultraleichter Helm, doch er trägt sich im Vergleich zu meinen alten Helmen deutlich komfortabler; ich habe ihn gerade auf den längeren Klettersteigtouren kaum noch gespürt. Perfekt! Er wird mich die kommenden Jahre auf vielen Wegen begleiten, egal, ob im Sommer am Fels oder auf Klettersteigen oder im Winter beim Eisklettern.

+ leichter Helm fürs Klettern und Klettersteiggehen
+ schnell einstellbar und gut an den Kopf anpassbar
+ Stirnlampenclips und großzügige Belüftungsöffnungen

Helm Vision

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Stirnlampe Onsight 375

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