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Testbericht: Auf der Suche nach den Sternen im Robens Seeker LW 3

Testbericht: Auf der Suche nach den Sternen im Robens Seeker LW 3

Robens ist eigentlich bekannt für solide Qualität zu soliden Preisen, nicht unbedingt für besonders leichtgewichtiges Equipment. Mit der neuen LW- Serie hat der Hersteller mehrere Zelte auf den Markt gebracht, die allerdings genau dieses Ziel verfolgen und dabei dennoch die zwei anderen Kriterien nicht aus den Augen verlieren; Gute Verarbeitung und einen bezahlbaren Preis.

Es ist Anfang Sommer 2025, der Urlaub ist geplant, die Packliste steht, nach Schottland soll es gehen, endlich mal! Die Vorfreude bekommt einen gehörigen Dämpfer, als wir beim Gartenschlauch-Test feststellen: Das gute alte Hillleberg ist undicht, keine Höhle, kein Heim, oh weh! Also flugs die Kollegis gefragt und siehe da, ich darf eines der neuen Modelle von Robens mit auf die Insel nehmen. Gerettet! Das Seeker 3 LW soll uns für zwei Wochen komfortabel beherbergen, sind wir doch nur zu zweit und obendrein auch nicht mit Rucksack, sondern mit dem Auto unterwegs. Also los!

Das Robens Seeker 3 LW ist ein Komplettset: Es gibt ein Innen- und ein Außenzelt mit dazugehörigem Gestänge, Die Abspannleinen sind schon dran und eine passende Anzahl Heringe ist ebenfalls dabei. Eine Reparaturhülse für Notfälle gibt´s dazu, für eventuell nötige Flickarbeiten packen wir das gute alte Tear-Aid ein. Im Wesentlichen handelt es sich beim Seeker LW um eine klassische Kuppelkonstruktion, das Innenzelt wird aufgebaut und das Außenzelt drübergeworfen und befestigt und abgespannt, 2 Eingänge, 2 Apsiden, zackfertig, DIN A-Zelt sozusagen. Dennoch hat sich Robens einige Besonderheiten und Extras ausgedacht, die das Seeker von anderen Zelten seiner Kategorie abheben (sollen/können/tun).
Es gibt nämlich nicht nur die Möglichkeit, lediglich das Innenzelt als Insektenschutz für warme Nächte aufzustellen, sondern auch eine „Halb-und-halb“-Lösung, bei der eine Hälfte des Außenzeltes hochgeklappt wird. Wie sich das in der Praxis gestaltet, sehen wir später, ich denke jedenfalls direkt an Stargazing in Scotland und bin gespannt.
Außerdem wurde dem Seeker 3 LW mit einer simplen, aber effektiven Konstruktion am Fußende eine zusätzliche Belüftungsmöglichkeit verpasst: Mittels Tankas und Zeltschnur lässt sich ein Teil der Zeltwand hochzurren, sodass man sich die Füße von der Sommerbrise kitzeln lassen kann. Gut gelöst!
Gewichtstechnisch steht das Seeker 3 LW mit knappen 2,3 kg für ein 3-Personen-Zelt recht gut da, es verdient durchaus den Zusatz „Lightweight“ und lässt sich auch allein gut tragen, wenn man zu zweit unterwegs ist und sich Küche und Behausung aufteilen kann.
Werfen wir einen Blick aufs Material: Hier gibt es wenig Aufregendes zu berichten. Das Außenzelt besteht aus solidem Ripstop-Nylon, innen Polyurethan-beschichtet, außen silikonisiert. Ich mag die Kombi, weil sie ein wirklich guter Kompromiss zwischen Leichtgewichtigkeit und Bezahlbarkeit ist, außerdem ergibt die Außenbeschichtung mit Silikon einfach Sinn, damit das Wasser abperlt, anstatt ins Gewebe einzudringen. So muss ich das Zelt einfach seltener nass und schwer einpacken, wenigstens ist es dann nur nass, das ist immerhin eine (1!) Sorge weniger. Außerdem ist eine Silikon-Beschichtung UV-beständiger und damit langlebiger. Die Nahtbänder sind selbstverständlich versiegelt, das ist nicht nur super sinnvoll, sondern gibt mir auch ein gutes Gefühl, was die Zuverlässigkeit des Nässeschutzes angeht. Und gute Gefühle sind nun mal sehr ausschlaggebend für viele Sachen.
Für 2026 hat das Zelt gleich 2 hochwertige Upgrades erhalten: Es hat ein DAC-Gestänge bekommen, das besteht jetzt also aus sehr bewährtem Marken-Aluminium. Und außerdem ist das Außenmaterial nun ein Polyester in gleicher Fadenstärke, mit dem Vorteil, sich bei Nässe im Vergleich zu Polyamid so gut wie gar nicht zu dehen.
Was mir auf den ersten Blick ein bisschen Sorgen bereitet, sind die Steckschließen aus Plastik (ick!) und die doch recht breiten/soliden Heringsschlaufen an den Zeltecken und Apsiden aus Gurtband, das wirkt irgendwie noch nicht so richtig praktisch, trägt aber zum Gesamteindruck des Zeltes als sehr solide und gut verarbeitetes Produkt mit entsprechend erwartbarer Lebensdauer bei. Wollen wir doch mal sehen, ob sich diese Assoziation bestätigt und sowohl die Seeker-Specials als auch die klassischen Designelemente in der Praxis bewähren.
Mit 399,- € ist das Robens Seeker 3 LW preislich in der Mittelklasse anzusiedeln. Wie immer bezahlt man für weniger (und damit leichteres) Material sowie den erhöhten Designaufwand, der da reingeht, auch ein bisschen mehr Geld.

Wir sind also unterwegs und fahren quer durch die Highlands ein wenig auf den Touri-Routen herum, ein Campingplatz hier, ein Campingplatz da, einmal rüber nach Skye, dann drei Tage Ferienhaus, wieder eine Nacht im Zelt auf einem Hotelparkplatz und so weiter und so fort.
Das Seeker 3 LW ist ein bisschen wie ein sehr wohlerzogener Hund: wir haben uns extrem schnell aneinander gewöhnt und müssen uns einfach keine Sorgen darum machen. Es lässt sich für den Flug easy an einen Rucksack schnallen, kompakt in eine Kofferecke quetschen, ist schön leicht und auch mit kalten, klammen Fingern noch gut aufzubauen, keine fummeligen Verschlüsse oder ultraleichte Kleinteile. Das klingt schon fast ein bisschen nach Fazit, also fang ich mal von vorne an.
Der Aufbau des Seeker erfolgt recht intuitiv (zumindest für alle, die schonmal ein Zelt aufgebaut haben.). Lediglich an der Stelle, wo es ums Einhaken der Kuppelspitze geht, ist es wichtig, auf die Richtung des Hakens zu achten, damit man später die Querstange noch durchschieben kann. Zum Zweiten ist die Zuordnung von Kopf- und Fußende des Außenzeltes auf den ersten Blick nicht eindeutig, deshalb verrat ich an dieser Stelle: Die Belüftungsöffnungen zeigen zum Fußende! Eigentlich soll das auch an den Farbmarkierungen an den Steckschließen erkennbar sein; wir haben die winzigen roten Markierungen allerdings die ersten Male direkt übersehen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Fußende mit verlängerten Gurtbändern aka Einstellmöglichkeiten für die zusätzliche Belüftung ausgestattet ist (damit man die Zeltwand hochziehen kann) und irgendwie ist die Markierung einfach am ENDE vom Band gelandet, anstatt direkt an der Zeltecke, das könnte intuitiver sein, aber nun gut, wenn man es einmal weiß…
Grundsätzlich habe ich gar nix gegen Plastikteile an Zelten, es schwingt für mich aber immer ein bisschen die Befürchtung mit, dass die schnell brechen und einfach ein bisschen anfälliger fürs Altern sind als z.B. Metallösen. Dafür aber natürlich auch leichter und billiger, hat also wie immer alles sein Für und Wider. Beim Seeker bin ich mittlerweile mit den Steckschließen zum Befestigen des Außenzeltes versöhnt, die wirken nicht so, als ob sie schnell aus dem Leim gehen und wenn, sind sie immerhin leicht zu ersetzen. Mit dem leichteren Handling bei nasskaltem Wetter haben sie sogar noch einen Pluspunkt.

– Na, ganz vorzüglich! Zu zweit bietet das Seeker 3 LW sehr komfortabel Raum, auch für Menschen, die mit sehr viel oder sehr chaotischem Gepäck unterwegs sind. Die Kopffreiheit ist aufgrund der senkrechten Seitenwände wirklich deluxe und auch die Apsiden bieten ausreichend Platz für Schuhe oder wettergeschütztes Kaffeekochen, wenn es morgens noch allzu ungemütlich draußen ist (mehrfach erlebt, fürs Bilderbuchwetter fährt schließlich niemand nach Schottland).
Zu dritt geht´s auch, zumindest für einige Nächte. Natürlich gilt hier aber wie so oft: Wenn mehr Menschen, dann weniger Gepäck. Aber immerhin, ein 3-Personen-Zelt, in dem man tatsächlich auch zu dritt schlafen kann, ohne dass eine Person ein Kleinkind sein muss – das ist doch was!
Und was ist nun mit der super special Stargazer-Aufbauvariante? Also Kopfteil des Außenzeltes wegklappen und schön Nachthimmel-Panorama? – Ganz ehrlich: Nicht einmal getan und nicht einmal vermisst. Einerseits hat es das Wetter nicht wirklich hergegeben, aber auch in späteren lauen Sommernächten an der heimischen Mulde sind wir nicht auf den Gedanken gekommen „Hui, das wär´s jetzt“. Vielleicht wäre ich geneigter, die Funktion auszuprobieren, wenn man nicht ausgerechnet das Kopfende aufklappen würde – was ich mir ungefähr so heimelig und beruhigend vorstelle, wie mit dem Kopf zur Tür zu schlafen. Ein zweiter Punkt ist, dass ich noch keine Möglichkeit gefunden habe, die Außenzelthälfte dann irgendwo gescheit zu befestigen Sobald also ein leichter Wind geht, kann man dann schön zum sanft-synthetischen Reibegeräusch einer losen Zeltplane von den Sternen träumen, na wenn das nicht maximal beruhigend für alle eingefleischten Draußenschläfer:innen ist!
Punkt Nummer 3 ist für mich der Relevanteste hinsichtlich der Auswirkungen dieser Design-Entscheidung. Sämtliche Taschen im Innenzelt sind in den Fußbereich gewandert und beschränken sich auf eine breite Netztasche sowie zwei seitliche Einschubtaschen (die sind gut zum Verstauen der Innentüren geeignet). Das finde ich ein bisschen dürftig, gäbe das an sich robuste Material des Zeltes doch zumindest zwei Taschen am Kopfende für Stirnlampe und Taschentuch her. Wenn nun aber zwei (oder gar 3) Zelt-Bewohnis ihre nächtlichen Notwendigkeiten in diese eine Netztasche am Fußende packen, wird es erstens chaotisch und zweitens eine ganz schöne Belastung fürs Mesh-Gewebe. An dieser Stelle (bzw. eben da gerade nicht) hätte ich mir eine Lösung gewünscht, die einem 2-3-Personen-Zelt eher gerecht wird. Also weniger Special Stargazing und mehr praktikable Alltagslösungen.
In Punkto Robustheit hatte ich ja bereits von den ziemlich breiten Gurtband-Lösungen berichtet, mit denen die Ecken des Seeker LW sowie die Apsiden ausgestattet sind. Die sind zwar reißfest wie sonstwas und erleichtern das Handling der ganzen Sache, spätestens in einer sehr windigen Aufbausituation mit Wind und Windigkeit auf Skye wird mir aber klar, was daran wirklich stört: Die breiten Gurtbänder passen nicht mit den recht minimalistischen Heringen zusammen. Deren Hakendurchmesser ist so klein, dass besonders die Befestigungen der Apsiden bei starken Böen immer wieder herausrutschen und es kaum möglich ist, Gurtband und Gummiband gleichzeitig zu befestigen.
Nehmen wir noch dazu, dass die Heringe auch einfach sehr wenig Bodenwiderstand aushalten (obwohl sie sich „Rock Peg“ nennen und wir bei den Schafen/ auf Campingplätzen und nicht auf der Klippe gezeltet haben), würde ich mir hier wirklich noch eine solidere/passendere Lösung von Robens wünschen, Gewicht hin oder her.
Eine sehr (sehr!) gut gelungene Lösung hingegen sind die Belüftungsöffnungen in der Außenzelt-Kuppel. Die haben nicht nur flashy Reflektorstreifen, die verhindern, dass man des nächtens überrollt wird, wenn man zum Beispiel auf einem Hotelparkplatz zeltet, sondern auch einen kleinen Regenfang eingenäht und das ist ja mal eine sowas von schlaue Sache! Gerade die fiesen Böen, die den Regen manchmal waagerecht gegen das Zelt drücken, haben dadurch keine Chance, das Wasser durch die Belüftungsöffnungen zu wehen.
Auch allgemein lässt sich zur Wasserdichtigkeit der ganzen Sache sagen: Ja. Ist dicht. 10/10. No Notes. Würde das weiterempfehlen. Dieses Zelt ist schottlandtauglich.

Wer ein solides, leicht bedienbares, zuverlässiges Zelt sucht, das ohne Ultraleicht-Fummelei auskommt, dennoch bequem Backpacking-tauglich ist und ein komfortables Zuhause für zwei Personen auf längeren Touren hergibt, ist mit dem Seeker 3 LW von Robens gut beraten und bedient. Ja, es gibt (subjektive) Mankos, ja, ich habe mich sehr ausführlich über Detaillösungen ausgelassen, aber alles in allem bin ich mit dem Zeltlein sehr zufrieden und weiß, dass ich die nächsten paar Jahre nicht nachdenken muss, wenn es um eine behagliche Behausung für verschiedenste Unternehmungen von kurzem Festivalschlaf bis mehrwöchiger Rucksacktour geht.

+ Raumangebot und Kopffreiheit, fast rechteckiger Grundschnitt
+ Belüftung(slösungen)
+ leicht UND robust
+ solide Verarbeitung, solide Lebensdauer zu erwarten
+ Robens hat einen guten (Reparatur-)service

o „Panorama“- Aufstellvariante

– Taschenverteilung im Innenzelt
– Gurtbandschlaufen und alles was damit einhergeht
– Heringe – Nachbesserungsbedarf!
– Wasser sammelt sich wegen einer Naht bei starkem Regen auf dem Zeltdach

Seeker 3 LW

Seeker 3 LW

399.95€

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