Da ich schon auf mehreren Touren mit Kombinationen wie dieser unterwegs war und diese Art der Übernachtung sehr schätze, war ich total gespannt, wie sich Robens hier im Vergleich schlagen würde. Und, um es vorweg zu sagen: Der Gesamteindruck war super! Auch wenn ich mir bei einzelnen Details leichte Nachbesserungen wünschen würde.
Der gute Eindruck fing bei Gewicht und Packmaß sowie dem dazugehörigen Preis an und setzte sich bei Material- und Verarbeitungsqualität fort. Besonders gelungen fand ich jedoch das Handling beim Aufbau, das Robens mit simplen, aber durchdachten Details ordentlich nach vorn bringt: Ich habe die langen Abspannleinen, auch am Boden des Mesh-Zeltes, geliebt! Der Stress, einen Hering nur in einem klar definierten Bereich, der sich vielleicht gerade NICHT eignet, setzen zu können, entfiel komplett. Die Aufstellstangen konnten völlig gedankenlos auf die volle Höhe von 135 cm ausgezogen werden, was den „schönen“ Aufbau des Mesh-Zeltes sehr erleichtert, und dazu noch weit vor das Tarp oder das Mesh-Zelt gestellt werden – da stehen sie beim Rein und Raus dann nicht im Weg. Klar, Leine wiegt! Aber ich würde auf keinen einzigen Zentimeter verzichten, weil ich mir damit freiwillig Aufbau-Komfort klauen würde. Die kleinen Plastik-Leinenspanner sind übrigens anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, funktionieren aber mit etwas Übung einwandfrei auch bei feuchten Leinen.
Nächster Punkt: die Steckschließen zur Verbindung von Tarp und Mesh-Zelt. Natürlich ermöglichen sie es, die beiden Komponenten (auf rudimentäre Art und Weise) bei Regen gemeinsam aufzubauen, ohne dass das Moskitonetz-Zelt nass wird. Das „Innenzelt“ (Meshtent) hängt quasi im „Außenzelt“ (Tarp) drin. Der große Vorteil der Steckschließen ist aber NICHT vordergründig diese Verbindung, sondern die Tatsache, dass sie sich de facto die korrekte Platzierung des Mesh-Zeltes unter dem Tarp „merken“! Oder eben umgekehrt: Die richtige Platzierung des Tarps über dem Moskitonetz-Zelt. Es braucht anfangs vielleicht ein, zwei Tests, um die optimale Position der Steckschließe auf der Abspannleine zu finden – wenn das aber passiert ist, geht der Aufbau der Kombi schneller als bei alternativen Teilen, die man „per Augenmaß“ korrekt zueinander positionieren muss. Und da kommen wir jetzt zu einem ersten Optimierungsvorschlag: Trotz der tollen „Positionierungshilfe“ habe ich mich nämlich etwas schwer damit getan, das Tarp optimal über dem Meshtent zu platzieren, weil ich das Tarp etwas zu kurz finde. Ich möchte gern über dem Eingang des Moskitoschutzes noch ein kleines „Vordach“, also einen Überstand des Tarps, der es mir ermöglicht, bei Regen dort zu hantieren (Kochen, Schuhe anziehen). Weil ich den hergestellt hatte, hat es mir in der einzigen Regennacht am Fußende an die Wand des Moskitonetz-Zeltes geregnet. Regen und Wind waren nicht besonders stark und so perlten die Tropfen am geschlossenen Gewebe ab, das dort durchdachterweise verarbeitet ist. Das könnte aber bei schlechterem Wetter auch anders ausgehen und mit 20 cm mehr Tarp-Länge drastisch minimiert, wenn nicht gar ausgeschlossen werden.
Gut, aber wenn das Tarp länger wird, ist es doch Essig mit dem konkurrenzfähigen Gewicht, oder? Da hätte ich einen Ausgleichsvorschlag: Das Mesh Tent fand ich ziemlich gut dimensioniert. Besonders die „Einstiegshöhe“ von 95 cm ist komfortabel und sorgt für eine gute Sitzhöhe. Der rechteckige Grundriss lässt genug Platz zum Lagern von Ausrüstung. Aber die 70 cm Höhe am Fußende sind kaum sinnvoll nutzbar. Konkurrenzprodukte geben sich an dieser Stelle mit 40 cm zufrieden und sind damit ausreichend hoch. Und wenn das Tarp etwas länger wäre, könnte Robens vielleicht auch auf das geschlossene Gewebe in der Tür verzichten, da diese durch den „Tarp-Überbau“ viel besser wettergeschützt wäre. Das bringt sicher nur ein paar Gramm, aber neben diesem Mini-Gewichts-Effekt würde es vor allem die Rundumsicht ganz entscheidend verbessern, was für mich ein klarer Komfortgewinn wäre.
Und da wären wir dann auch schon beim Thema „Sehen und gesehen werden“. Auch wenn wir bei der tapir-Testtour ausschließlich auf Zeltplätzen übernachtet haben (ist mit 25 Menschen kaum anders möglich), dürfte klar sein, dass Tarp-Übernachtungs-Kombis gern auch „wild“ genutzt werden. In Skandinavien mit seinen klaren Regeln, was das Übernachten in der Natur anbelangt, ist die freundliche Farbe des Tarps dabei ebenso wenig ein Thema wie beispielsweise auf ausgewiesenen Biwakplätzen an Fernwanderwegen in Deutschland. Und bei schlechtem Wetter wirkt das warme Orange wie ein Antidepressivum! Trotzdem würden Interessentinnen und Interessenten, die auch vor der Wildcamper-Grauzone nicht zurückschrecken, bei einer gedeckteren Farbe wohl spontaner auf die wirklich im wahrsten Wortsinn preiswerte Kombi aus Vestis Solo Tarp + Mesh Tent UL sowie eventuell den Lowther Carbon Poles UL zurückgreifen.
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