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Testbericht: Robens Vestis Solo Tarp + Mesh Tent UL

Testbericht: Robens Vestis Solo Tarp + Mesh Tent UL

Seien wir ehrlich: Ein zentrales Element des modernen Outdoor-Lebens ist die Wetter-App! Wer sich aber bei überwiegend schönem Wetter und nur so lange auf den Weg macht, wie die Aussagen der App auch noch halbwegs zuverlässig sind, braucht für die Nächte keine schwere Zelt-Festung, die Sturm, Starkregen oder Schnee trotzen kann. Passender sind hier leichte Lösungen wie zum Beispiel Tarp-Kombinationen, die die Zuverlässigkeits-Schwankungen der Wetterprognosen ausreichend sicher ausbügeln. Ich konnte auf der tapir-Testtour 2025 schon vor Markteinführung die neue Tarp-Kombi von Robens testen, die aus Vestis 2.50 x 2.30 Solo Tarp UL, Vestis 1 Mesh Tent UL und Lowther Carbon Poles UL besteht.

Da nicht alle Interessierten jeden Bestandteil des Komplett-Pakets (Tarp, Moskitonetz-Zelt, Carbonstangen) benötigen oder für sinnvoll halten werden, werden diese klugerweise separat angeboten. Vor mir lagen also zwei Packsäcke (Tarp + Mesh-Tent) und die gefalteten Carbonstangen – zusammen 1.057 g leicht und maximal 35 cm lang (die Faltelemente der Stangen nämlich). Wer die Original-Packsäcke verwenden möchte, bekommt das Tarp und das Zelt auch zusammen in einen der Packsäcke gequetscht. Ich habe das getan, dann allerdings die beiliegenden insgesamt 14 Heringe (8 vom Tarp, 6 vom Mesh-Tent) separat transportiert, um Verletzungen des Stoffs durch die Heringe zu vermeiden. Grundsätzlich fand ich Gewicht und Packmaß des Komplettpaketes sowohl für Rucksack- wie auch für Bikepacking-Touren sehr überzeugend! Preisschilder hingen ja an meinen Testteilen nicht dran – wäre das aber der Fall gewesen, hätten die die Anziehungskraft der Tarpkombi garantiert erhöht: Mit rund 350 € für die drei Teile zusammen gelingt Robens hier eine echte Ansage, wenn man den Funktionsumfang und ähnliche Produkte auf dem Markt betrachtet.

Technisch betrachtet ist ja ein Tarp kein Hexenwerk und ist deshalb theoretisch aus zwei Zeltbahnen schnell „zusammengeschustert“. Hat Robens beim Vestis Solo Tarp UL aber nicht gemacht: Das 15 D Ripstop-Polyester ist eine hervorragende Wahl, um Gewicht, Stabilität und Preis in eine gesunde Balance zu bringen. Die Mittelnaht ist selbstverständlich nahtbandversiegelt, die Polyurethan-Beschichtung auf der Unterseite garantiert die Wasserdichtigkeit und die Silikonisierung der Außenseite des Stoffes sorgt für UV-Beständigkeit und damit längere Lebensdauer. Alle 14 Abspannpunkte sind verstärkt, acht Abspannleinen sind bereits montiert. Wichtig: Diese sind lang genug, um die vordere Aufstell-Stange nicht direkt vor die Tür des Mesh-Zeltes stellen zu müssen oder um (ohne Aufstell-Stangen) auch etwas entferntere Bäume oder andere „Stabilitätsanker“ gut erreichen zu können! Die Leinenspanner sind gewichtsoptimiert klein, lassen sich jedoch bei „normalen“ Temperaturen ohne Handschuhe gut bedienen. Und, wie gesagt, das hier ist kein Wintercamping-Setting! Das Geheimnis der ganz außen in die Mittelnaht eingenähten Steckschließen-Hälften lüfte ich im folgenden Abschnitt.

Das Moskitonetz-Zelt richtet sich an Menschen wie mich, die lieber am Boden auf der Isomatte statt in der Hängematte schlafen. Und wenn man dann noch (wie ich meist) mit Trekkingstöcken unterwegs ist, ist man 100 % Zielgruppe! Das Robens Vestis 1 Mesh Tent UL besteht aus einem stabilen, nahtfreien, wasserdicht beschichteten Boden (5.000 mm Wassersäule) sowie Moskitonetz-Wänden, die im unteren Teil Einsätze aus geschlossenem, winddichtem und wasserabweisendem Nylonstoff haben. Das schwarze Moskitonetz ermöglicht perfekte Ausblicke in die Umgebung, sorgt für gute Belüftung und hält Insekten zuverlässig vom eigenen Nachtlager fern. Das Moskitonetzzelt ist am vorderen Giebel 95 cm hoch und wird zum Fußende hin 25 cm flacher. Kombiniert mit dem rechteckigen, 90 cm breiten Boden ergibt sich ein Raum, der ausreichend groß ist, um neben der Isomatte noch seine Ausrüstung zu lagern und sich, mit einigen Verrenkungen zwar, auch mal umziehen zu können. Das Vestis 1 Mesh Tent UL kommt mit vormontierten Abspannleinen an den beiden Giebelspitzen sowie an allen vier Boden-Ecken. Letzteres ist nicht selbstverständlich, aber beim Aufbau sehr angenehm, weil es viel mehr Spielraum für das Setzen der Bodenheringe gibt als klassische Abspannschlaufen ermöglichen. Wer sich das Gewicht der Leinen sparen möchte, kann sie natürlich durch kurze, leichtere Schlaufen ersetzen. Der Einstieg in das leichte Insektenschutzzelt erfolgt über den vorderen Giebel, der mit zwei leichtgängigen Reißverschlüssen komplett geöffnet und beiseite gerollt werden kann und dann von einer Schlaufe mit Magnetverschluss kompakt an der Seite gehalten wird. Aufgebaut ist das Vestis 1 Mesh Tent UL sehr rasch: Zuerst wird der Boden mittels der vier Abspannleinen ausgespannt und dann die Giebel mit den beiden anderen Leinen nach oben gezogen. Die Giebel-Leinen können über die Robens Lowther Carbon Poles UL, die eigenen Trekkingstöcke oder ohne spezielle Hilfsmittel zu Bäumen oder anderen Fixpunkten gespannt werden. Auf jeder Giebel-Leine befindet sich eine frei verschiebbare Steckverschluss-Hälfte, mit deren Hilfe ein Vestis Tarp UL, an dessen Unterseite sich die Verschluss-Gegenstücke befinden, punktgenau dort über dem Meshzelt positioniert werden kann, wo die Nutzerin oder der Nutzer es haben möchte. Ziemlich clever. Die Ausstattung des Robens Vestis 1 Mesh Tent UL wird durch zwei kleine Mesh-Innentaschen abgerundet, die sich an den Wänden beiderseits des Einganges befinden.

Die beiden Carbon-Aufstellstangen brauchen alle Nutzer:innen, die ohne Trekkingstöcke unterwegs sind (also beispielsweise mit dem Fahrrad 😊) und die sich das mühsame Geschäft des Abspannens ohne mitgebrachte Aufstellhilfen sparen wollen. Die Lowther Carbon Poles bestehen aus fünf, mit Zeltgummi im Inneren verbundenen Segmenten. Die beiden unteren können ineinandergeschoben werden und dienen so der Höhenverstellung (115 – 135 cm) der Aufstellstange. Zur Fixierung nutzt Robens hier den von Trekkingstöcken bekannten Klemm-Mechanismus, dessen „Bissigkeit“ sehr einfach per Stellschraube nachgeschärft werden kann. Die restlichen Segmente werden gefaltet. Zusammengeschoben und -gefaltet hat das Hilfsgestänge eine Länge von 35 cm. Die strukturierten Aluminium-Spitzen der beiden Stangen verhindern ein Abrutschen der Abspannleinen. Gummikappen ummanteln sie beim Transport und ermöglichen es, die Lowther Carbon Poles UL auch an Punkten in der Mitte eines Tarps, wo sich weder Öse noch Einschubtasche befindet, als Aufstellhilfe zu verwenden.

Da ich schon auf mehreren Touren mit Kombinationen wie dieser unterwegs war und diese Art der Übernachtung sehr schätze, war ich total gespannt, wie sich Robens hier im Vergleich schlagen würde. Und, um es vorweg zu sagen: Der Gesamteindruck war super! Auch wenn ich mir bei einzelnen Details leichte Nachbesserungen wünschen würde.

Der gute Eindruck fing bei Gewicht und Packmaß sowie dem dazugehörigen Preis an und setzte sich bei Material- und Verarbeitungsqualität fort. Besonders gelungen fand ich jedoch das Handling beim Aufbau, das Robens mit simplen, aber durchdachten Details ordentlich nach vorn bringt: Ich habe die langen Abspannleinen, auch am Boden des Mesh-Zeltes, geliebt! Der Stress, einen Hering nur in einem klar definierten Bereich, der sich vielleicht gerade NICHT eignet, setzen zu können, entfiel komplett. Die Aufstellstangen konnten völlig gedankenlos auf die volle Höhe von 135 cm ausgezogen werden, was den „schönen“ Aufbau des Mesh-Zeltes sehr erleichtert, und dazu noch weit vor das Tarp oder das Mesh-Zelt gestellt werden – da stehen sie beim Rein und Raus dann nicht im Weg. Klar, Leine wiegt! Aber ich würde auf keinen einzigen Zentimeter verzichten, weil ich mir damit freiwillig Aufbau-Komfort klauen würde. Die kleinen Plastik-Leinenspanner sind übrigens anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, funktionieren aber mit etwas Übung einwandfrei auch bei feuchten Leinen.

Nächster Punkt: die Steckschließen zur Verbindung von Tarp und Mesh-Zelt. Natürlich ermöglichen sie es, die beiden Komponenten (auf rudimentäre Art und Weise) bei Regen gemeinsam aufzubauen, ohne dass das Moskitonetz-Zelt nass wird. Das „Innenzelt“ (Meshtent) hängt quasi im „Außenzelt“ (Tarp) drin. Der große Vorteil der Steckschließen ist aber NICHT vordergründig diese Verbindung, sondern die Tatsache, dass sie sich de facto die korrekte Platzierung des Mesh-Zeltes unter dem Tarp „merken“! Oder eben umgekehrt: Die richtige Platzierung des Tarps über dem Moskitonetz-Zelt. Es braucht anfangs vielleicht ein, zwei Tests, um die optimale Position der Steckschließe auf der Abspannleine zu finden – wenn das aber passiert ist, geht der Aufbau der Kombi schneller als bei alternativen Teilen, die man „per Augenmaß“ korrekt zueinander positionieren muss. Und da kommen wir jetzt zu einem ersten Optimierungsvorschlag: Trotz der tollen „Positionierungshilfe“ habe ich mich nämlich etwas schwer damit getan, das Tarp optimal über dem Meshtent zu platzieren, weil ich das Tarp etwas zu kurz finde. Ich möchte gern über dem Eingang des Moskitoschutzes noch ein kleines „Vordach“, also einen Überstand des Tarps, der es mir ermöglicht, bei Regen dort zu hantieren (Kochen, Schuhe anziehen). Weil ich den hergestellt hatte, hat es mir in der einzigen Regennacht am Fußende an die Wand des Moskitonetz-Zeltes geregnet. Regen und Wind waren nicht besonders stark und so perlten die Tropfen am geschlossenen Gewebe ab, das dort durchdachterweise verarbeitet ist. Das könnte aber bei schlechterem Wetter auch anders ausgehen und mit 20 cm mehr Tarp-Länge drastisch minimiert, wenn nicht gar ausgeschlossen werden.

Gut, aber wenn das Tarp länger wird, ist es doch Essig mit dem konkurrenzfähigen Gewicht, oder? Da hätte ich einen Ausgleichsvorschlag: Das Mesh Tent fand ich ziemlich gut dimensioniert. Besonders die „Einstiegshöhe“ von 95 cm ist komfortabel und sorgt für eine gute Sitzhöhe. Der rechteckige Grundriss lässt genug Platz zum Lagern von Ausrüstung. Aber die 70 cm Höhe am Fußende sind kaum sinnvoll nutzbar. Konkurrenzprodukte geben sich an dieser Stelle mit 40 cm zufrieden und sind damit ausreichend hoch. Und wenn das Tarp etwas länger wäre, könnte Robens vielleicht auch auf das geschlossene Gewebe in der Tür verzichten, da diese durch den „Tarp-Überbau“ viel besser wettergeschützt wäre. Das bringt sicher nur ein paar Gramm, aber neben diesem Mini-Gewichts-Effekt würde es vor allem die Rundumsicht ganz entscheidend verbessern, was für mich ein klarer Komfortgewinn wäre.

Und da wären wir dann auch schon beim Thema „Sehen und gesehen werden“. Auch wenn wir bei der tapir-Testtour ausschließlich auf Zeltplätzen übernachtet haben (ist mit 25 Menschen kaum anders möglich), dürfte klar sein, dass Tarp-Übernachtungs-Kombis gern auch „wild“ genutzt werden. In Skandinavien mit seinen klaren Regeln, was das Übernachten in der Natur anbelangt, ist die freundliche Farbe des Tarps dabei ebenso wenig ein Thema wie beispielsweise auf ausgewiesenen Biwakplätzen an Fernwanderwegen in Deutschland. Und bei schlechtem Wetter wirkt das warme Orange wie ein Antidepressivum! Trotzdem würden Interessentinnen und Interessenten, die auch vor der Wildcamper-Grauzone nicht zurückschrecken, bei einer gedeckteren Farbe wohl spontaner auf die wirklich im wahrsten Wortsinn preiswerte Kombi aus Vestis Solo Tarp + Mesh Tent UL sowie eventuell den Lowther Carbon Poles UL zurückgreifen.

Robens bietet mit dem Vestis 2.50 x 2.30 Solo Tarp UL sowie den dazu passenden Ergänzungen Vestis 1 Mesh Tent UL und Lowther Carbon Poles UL volle doppelwandige Ultraleicht-Übernachtungs-Funktionalität zu einem mehr als interessanten Preis. Trekkingstock-Nutzer:innen können sich über einen zuverlässigen Wetter- und Insektenschutz freuen, der den Rucksack mit weniger als 800 g (!) „belastet“. Das unbestrittene Highlight sind die Details, die den Aufbau der Kombi erleichtern und damit beschleunigen. Mesh Tent und Tarp lassen sich damit nahezu genauso intuitiv aufbauen wie eine klar vordefinierte Zeltkonstruktion (die aber deutlich schwerer ist!). Selbstverständlich lassen sich alle Komponenten auch einzeln sinnvoll nutzen.

+             zuverlässiger Wetter- und Insektenschutz
+             sehr leicht und klein verpackbar
+             sehr flexibel auf unterschiedliche Touren und Wetterbedingungen anpassbar
+             Aufbau als „doppelwandiges“ UL-Zelt einfach und schnell
+             intelligente Details für ein problemfreies Handling
+             verdammt guter Preis

0             Tarp könnte für noch besseren Wohnkomfort etwas länger sein
0             freundliche Farbe erschwert das „Verstecken“ in der Natur

Vestis 1 Mesh Tent UL

Vestis 1 Mesh Tent UL

139.95€

Vestis 2.50 x 2.30 Solo Tarp UL

Vestis 2.50 x 2.30 Solo Tarp UL

159.95€

Lowther Carbon Pole UL

Lowther Carbon Pole UL

49.95€

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