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Teaserbild: Auswertung Testtour die Zweite: Zelte(n) im Winter

Auswertung Testtour die Zweite: Zelte(n) im Winter

Zeltplatz Schierke im Winter

Da nicht alle von uns so hartgesotten sind und als Übernachtungsmöglichkeit  den Biwaksack gewählt haben, konnten wir auf unserer Testtour zahlreiche Zelte unter perfekten Bedingungen testen. Im Gepäck waren diesmal nicht nur alte Bekannte, sondern auch einige neue Modelle, die wir bisher noch nicht auf Touren dabei hatten und ausgiebigen Prüfungen unterziehen konnten. Neben den kleinen 2-3 Personen-Tunnelzelten Kompakt 3 von Bergans und Helsport Fjellheimen 2, expeditionstauglichen Tunneln von Hilleberg und Nanook bis zum extrem sturmstabilen Basecamp-Geodät von Helsport und einen Tipi-Hybrid von Bergans haben wir diesmal auch erstmalig ein Tipi von Helsport getestet, das mit seinem Ofen für gemütlich warme Abende mitten im Schnee gesorgt hat. Als Küchenzelt hat sich das Backcountry Barn von MSR bestens bewährt.

Der Harz empfing uns mit einem verschneiten Zeltplatz in Schierke, jedoch bei leichten Plusgraden, sprich: eigentlich Schneematsch. Während des Zeltaufbaus wurden wir von herrlichstem Schneeregen begleitet – hatten also von Anfang an harte Testbedingungen für alle mitgereisten Zelte. Da war es auf jeden Fall positiv, dass bei jedem Modell (mit Ausnahme des Tipis) außenliegende Gestängekanäle vorhanden waren, die den Aufbau mit eingehängtem und am Ende trockenem Innenzelt ermöglichten. Die vom Aufbau her kompliziertesten Zelte waren das Bergans Wiglo 4, da es ein Hybrid aus Kuppel, Tunnel und Tipi ist und das Helsport Varanger 8-10, welches schlicht ob seiner schieren Größe nicht ganz einfach handhabbar ist. Wir waren aber doch erstaunt, wie schnell dieses Raumwunder inklusive Ofen aufgebaut war: nach kaum 30 Minuten schallte ein „Fire in the  hole!“ über den Zeltplatz und die ersten Rauchwolken stiegen in den Winterhimmel. Für uns war dieses Gruppenzelt am Abend wahrlich ein Segen, denn so verkroch sich nach dem Essen nicht jeder gleich in seinen Schlafsack, sondern wir konnten angenehmen 18 Grad beisammen sitzen und die Tage ausklingen lassen.

In puncto Standfestigkeit und Sturmstabilität konnte definitiv das Helsport Svalbard 3 überzeugen, ein für zwei Personen geräumiges, geodätisch konstruiertes Basecampzelt mit einer sehr durchdachten Lüfterlösung. Erneut bewahrheitete sich – und besonders auffällig bei allen Tunnelzelten – die  Erfahrung, dass 3-Personenzelte im Winter eigentlich nur als 2-Personenzelte nutzbar sind, denn das Kondensfeuchtigkeitsaufkommen ist im Winter deutlich höher, die Bedingungen zum Lagern von Gepäck und Schuhen viel schlechter. Zudem hat man einfach  ein erheblich größeres Bekleidungsvolumen und will zum An- und Ausziehen nicht unbedingt vor das Zelt.

Neben dem absolut sturmstabilen Svalbard 3 von Helsport aus Norwegen überzeugte einmal mehr ein Hersteller mit seinem uneingeschränkt wintertauglichen Tunnelzelt: genau, die schwedischen Nachbarn von der High-End-Zeltschmiede Hilleberg. Wir hatten das Hilleberg Keron 3 (von Sandra) dabei. Allein vom Raum-Gewichts-Verhältnis und Raumgefühl überzeugt dieses robuste Tunnelzelt. Auch hier gilt: im Winter fühlt man sich zu zweit doch wohler als zu dritt. Das Innenzelt mit seinen senkrechten Eingängen an Kopf- und Fußende sorgt für einen sehr geräumigen Innenraum, was gerade große Menschen zu schätzen wissen. Natürlich hat es große Taschen und eine Wäscheleine im Innenzelt. Das robuste Kerlon-1800-Material bietet in Kombination mit dem 10mm Aluminiumgestänge und den zahlreichen Abspannmöglichkeiten genug Reserven, um auch arktischen Stürmen standzuhalten. Ein Detail, mit dem Hilleberg gegenüber anderen Herstellern punktet, ist der geräumige Gestängekanal, in den bei Bedarf ein zweites Parallelgestänge eingezogen werden kann. So wird das Zelt noch sturmstabiler und verkraftet mühelos auch hohe Schneelasten. Schaut man sich die Details des Zeltes an, merkt man schnell, dass der hohe Preis durchaus gerechtfertigt ist. Die Nähte sind durch zweifach ineinander verschlagenes Material (vier Lagen) verarbeitet und sind daher stärksten Beanspruchungen gewachsen. Rundum finden sich solide, an den vier tragenden Eckpunkten nachspannbare Metallösen zur Befestigung der Heringe. Ebenso sind die Gestängekanäle mit soliden Spannern versehen, dank derer das Gestänge ‚in Form‘ gebracht wird. Die großen, separat abspannbaren Lüfter lassen sich vollständig verschließen, mit Moskitonetz abdecken oder komplett öffnen. Die grobzahnigen YKK-Reißverschlüsse sind mit einer breiten Abdeckung versehen, die auch bei starkem Sturm zuverlässig schützt. Das Fazit des Hilleberg Keron 3 Tests: eine robuste und verhältnismäßig leichte Behausung, die den zwei bis drei Bewohnern auch unter extremsten Bedingungen treue Dienste leistet.

Vom Prinzip ähnlich, jedoch mit einer etwas schlechter nutzbaren Apsidenlösung und einer weniger technischen  Ausstattung kam das Tunnelzelt Expedition 3 von Nanook daher. Es besitzt eine interessante Lüfterlösung mit vier verschließbaren Tunnellüftern, durch die man bei Schneesturm auch mal den Schnee zur Wassergewinnung ins Zeltinnere befördern kann. Absolutes Plus ist hier ein Gearloft über die gesamte Innenzeltlänge – ein Garant für schnelles Wiederfinden von Utensilien wie Stift, Lampe, Ohropax, Zahnbürste etc.

Unsere Erfahrungen mit dem Tipi seht ihr hier:

Wirklich beeindruckt hat uns an den beiden recht stürmischen Abenden die Windstabilität des Tipi Varanger 8-10 von Helsport. Mit nur einer Mittelstange stand es, zugegeben nicht ganz ohne Windgeräusche (soviel Material flattert nun mal), stoisch aufrecht, ohne dass wir uns sorgen mussten. Dabei haben wir nur die im unteren Bereich angebrachten Abspannleinen genutzt, die bei Bedarf noch durch eine zweite Garde im oberen Zeltbereich ergänzt werden kann.
Trotz der sehr unterschiedlichen Modelle waren wir alle mit dem Schlafkomfort in den Zelten zufrieden, auch wenn sich zeigt, dass ein geräumiger Geodät oder ein perfekt belüftetes, expeditionstaugliches Tunnelzelt im Winter den kleinen, leichten Gewichtsparern vorzuziehen ist.

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