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Reisebericht: Mit Rad und Fähre von Polen nach Schweden

Reisebericht: Mit Rad und Fähre von Polen nach Schweden

Vier Leute, vier Räder, vier Länder: Von Polen über Litauen und Lettland nach Schweden in 20 Radtagen. 1 700 km, 6 Fährfahrten und unzählige Seen später kommt hier der Reisebericht über unsere Tour.

Wir wollten Ostsee statt Alpenpass, viel Natur, legale bzw. entspannte Wildcamping-Spots und ein Ziel mit Mythos: Schwedens Shelter, Sauna & Schären. Der EuroVelo 11 führte uns verlässlich gen Norden und das Baltikum versprach weite Wälder, kleine Städte, sehr viel Wasser (von oben wie von unten) und … Bremsen.

„Ab 20 km/h sind sie weg“: Unser Sommer mit den Bremsen
Mücken? Harmlos. Die eigentliche Plage sind Bremsen, die uns sogar in Fahrt attackierten. Picknick am See? Nur mit Fluchtplan. Der Running Gag des Trips: „Tempo halten!“ Einmal trieb uns eine Horde so effektiv vom Bilderbuchplatz, dass die Mittagspause an den Supermarkt verlegt wurde – Schattenplatz, Backsteinfassade, Bremsenfrei.

Städte-Stopps mit Kontrastprogramm
Vilnius empfing uns nach einer Regen-Bahn-Etappe mit Mini-Camping mitten in der Stadt – praktisch, aber ein noch glimpflicher Kulturschock nach Wald und See. In Riga radelten wir zwischen Markthalle und Jugendstilfassaden und nahmen uns Zeit für das Ghetto-Museum – bedrückend, wichtig, erdet. Danach raus an die Küste, Strandbivak unter Sternen (und kurzer Regendusche um 6 Uhr).

Warmshowers & Zufallsbegegnungen
In Visaginas (Litauen) zeigte uns ein Warmshowers-Kontakt eine Stadt, deren Geschichte man nicht in drei Sätzen erklärt. In Schweden teilten wir Shelters mit Schweizer Radreisenden, plauderten mit einem Kölner über Vorteile des Gruppenreisens und ließen uns in einer Bäckerei mit acht belegten Brötchen beschenken – sie waren vom Vortag und für uns Gold wert. Begegnungen mit Radreisenden in Polen/Lettland/Litauen: 1x. In Schweden: >10x.

Schweden: Shelter-Lotterie, Sauna-Luxus, Gegenwind deluxe
Schwedens Küste hat uns verzaubert: rote Häuschen, Wellen, Kiefern, Stege – und dieser Wind! 30 km Schotter am Stück? Geschenkt. 100 km frontal gegen die Böen? Zäh. Dafür: Shelters mit eigenem Steg und Ruderboot, Kartoffeln in der Glut, Badepausen vom Boot aus, ein Saunatag mit Zelt nebenan, weil der Shelter schon besetzt war. Manchmal mussten wir drei Spots anfahren, bis einer frei war – am Ende hat’s aber immer geklappt.

Kleine Landesbesonderheiten, die man erst unterwegs lernt
In Litauen gibt’s außerhalb von Bars ab 20 Uhr keinen Alkohol mehr – unser „Radler-Juhu!“ endete an der Kasse. In Lettland tuckerten wir per 1-€-Fähre über den Fluss, in Polen und Litauen führten uns Nebenstraßen gerne mal auf Offroad – schön, aber langsam. In Schweden ist Allemansrätten ein Geschenk: Natur genießen, Spuren minimieren.

Zahlen, die Geschichten erzählen
• 1 700 km
• Ø 85 km/ Tag
• 20 Fahrtage, 1 Pausentag
• 6 Fähren (Fluss und Meer)
• 0 Platten (!)
• 2 Frontgepäckträger repariert
• 2 Bowdenzüge getauscht
• 1 Sturz ohne schlimme Folgen
• 19 Nächte (legal) wild gecampt
• 8 Zecken
• 15 Nutella-Gläser (no comment)

Diese Route ist perfekt zum Abschalten: Seen und Wälder im Baltikum, Stadtmomente in Vilnius und Riga, Strandbivaks zwischen Dünengras – und dann Schweden mit Sheltern, Sauna und dieser Mischung aus Ruhe und Gegenwind, die einen still und stark macht. Wer bereit ist, ab und zu den Schotter zu nehmen, gegen Böen zu lachen und beim ersten Stich das Tempo zu erhöhen, bekommt eine Reise, die noch Monate nachklingt

Anreise und Unterwegssein
Start in Polen, dann EuroVelo 11 nordwärts. Regen-Bypässe per Bahn (z. B. nach Vilnius und Richtung Riga). Ostsee-Querung mit Stena Line nach Schweden und mehrere kleine Flussfähren unterwegs.

Beste Reisezeit
Sommer (lange Tage, warme Seen). Rechne mit Schauern und – je nach Region – intensiven Bremsen.

Übernachten
19 Nächte (legal) wild gecampt; im Baltikum häufig am See, in Schweden meist im Shelter (früh da sein, Ausweichplan haben). Gelegentlich Campingplatz/Airbnb zum Waschen und Warten

Sprache
Englisch reicht in Städten und bei Jüngeren fast immer. Hände und Lächeln helfen überall. Floskeln in der jeweiligen Sprache waren immer willkommen 😊

Nützliches zur Vorbereitung
• Routen & Karten: EuroVelo-Karte, Komoot für etwaige Abweichungen
• Übernachten: Augen auf, Warm Showers, Vindskyddskartan (Shelter Map)
• Wetter & Wind: Windy/Met-Apps – in Schweden moralrelevant

Fahrradmodell
VSF Fahrradmanufaktur Randonneur mit Shimano 105

  •  Mücken-/Bremsenabwehr: Kopfnetz, After-Bite-Mittel, langärmlige Merinokleidung
  • Sonnencreme (immer wieder Regen-Sonne-Wechsel)
  • Küche: Man kann gut in der Natur abtauchen, daher lohnt sich ein Vorrat und Equipment zum Kochen statt Essengehen
  • Schlaf und Klamotten: Zelt + Tarp (für Strandnächte), Schlafsack bis 10 °C, Isomatte, Merino-Wäsche, Regenjacke und -hose

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