„Ab 20 km/h sind sie weg“: Unser Sommer mit den Bremsen
Mücken? Harmlos. Die eigentliche Plage sind Bremsen, die uns sogar in Fahrt attackierten. Picknick am See? Nur mit Fluchtplan. Der Running Gag des Trips: „Tempo halten!“ Einmal trieb uns eine Horde so effektiv vom Bilderbuchplatz, dass die Mittagspause an den Supermarkt verlegt wurde – Schattenplatz, Backsteinfassade, Bremsenfrei.
Städte-Stopps mit Kontrastprogramm
Vilnius empfing uns nach einer Regen-Bahn-Etappe mit Mini-Camping mitten in der Stadt – praktisch, aber ein noch glimpflicher Kulturschock nach Wald und See. In Riga radelten wir zwischen Markthalle und Jugendstilfassaden und nahmen uns Zeit für das Ghetto-Museum – bedrückend, wichtig, erdet. Danach raus an die Küste, Strandbivak unter Sternen (und kurzer Regendusche um 6 Uhr).
Warmshowers & Zufallsbegegnungen
In Visaginas (Litauen) zeigte uns ein Warmshowers-Kontakt eine Stadt, deren Geschichte man nicht in drei Sätzen erklärt. In Schweden teilten wir Shelters mit Schweizer Radreisenden, plauderten mit einem Kölner über Vorteile des Gruppenreisens und ließen uns in einer Bäckerei mit acht belegten Brötchen beschenken – sie waren vom Vortag und für uns Gold wert. Begegnungen mit Radreisenden in Polen/Lettland/Litauen: 1x. In Schweden: >10x.
Schweden: Shelter-Lotterie, Sauna-Luxus, Gegenwind deluxe
Schwedens Küste hat uns verzaubert: rote Häuschen, Wellen, Kiefern, Stege – und dieser Wind! 30 km Schotter am Stück? Geschenkt. 100 km frontal gegen die Böen? Zäh. Dafür: Shelters mit eigenem Steg und Ruderboot, Kartoffeln in der Glut, Badepausen vom Boot aus, ein Saunatag mit Zelt nebenan, weil der Shelter schon besetzt war. Manchmal mussten wir drei Spots anfahren, bis einer frei war – am Ende hat’s aber immer geklappt.
Kleine Landesbesonderheiten, die man erst unterwegs lernt
In Litauen gibt’s außerhalb von Bars ab 20 Uhr keinen Alkohol mehr – unser „Radler-Juhu!“ endete an der Kasse. In Lettland tuckerten wir per 1-€-Fähre über den Fluss, in Polen und Litauen führten uns Nebenstraßen gerne mal auf Offroad – schön, aber langsam. In Schweden ist Allemansrätten ein Geschenk: Natur genießen, Spuren minimieren.
Zahlen, die Geschichten erzählen
• 1 700 km
• Ø 85 km/ Tag
• 20 Fahrtage, 1 Pausentag
• 6 Fähren (Fluss und Meer)
• 0 Platten (!)
• 2 Frontgepäckträger repariert
• 2 Bowdenzüge getauscht
• 1 Sturz ohne schlimme Folgen
• 19 Nächte (legal) wild gecampt
• 8 Zecken
• 15 Nutella-Gläser (no comment)
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