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Reisebericht: Transardennaise – Fernwanderung durch die grüne Hügelwelt der belgischen Ardennen

Reisebericht: Transardennaise – Fernwanderung durch die grüne Hügelwelt der belgischen Ardennen

Die Ardennen, ein waldreiches Mittelgebirge, das sich über Belgien, Luxemburg und Frankreich spannt, haben mich schon lange fasziniert, auch wenn ich nicht mehr genau sagen kann, wann ich zum ersten Mal von ihnen gehört habe. Da ich meine kleine Schwester in Brüssel besuchen wollte, beschloss ich, dass es nun an der Zeit war, mir die Gegend einmal von Nahem anzusehen. Ich recherchierte nach einer Mehrtageswanderung mit guter Beschilderung und fand schließlich den in den 1980ern geschaffenen Fernwanderweg „Transardennaise“, eine Tour, die in sieben Tagen und mit rund 150 Wander-Kilometern die beiden mittelalterlichen Städte La Roche-en-Ardenne und Bouillon verbindet. Obwohl es den Weg schon lange gibt, schien er nicht besonders stark frequentiert, zumindest fand ich wenige Informationen oder Reiseberichte. Also puzzelte ich mir selbst die Übernachtungsmöglichkeiten zusammen, schnürte meine Schuhe, packte mein Zelt und startete im Mai 2025 allein Richtung Westen.

Die Transardennaise ist ein – abgesehen von der Etappenlänge bei vollem Rucksack – leichter Wanderweg, denn er verläuft hauptsächlich auf Forststraßen und Ackerwegen, manchmal auch auf kleineren Waldpfaden, die aber immer gut zu finden und zu begehen sind. Zugegeben: Nach ein paar Tagen fragte ich mich, was ich eigentlich hier machte, mag ich doch diese breiten einfachen Wege gar nicht. Und genauso gut hätte ich meinem Empfinden nach in Thüringen wandern gehen können. Aber ganz stimmte dieses Gefühl dann doch nicht. Trotz vieler landschaftlicher Parallelen sind die Ardennen kulturell und historisch eine völlig andere Ecke. Und dann gab es auch oft diese kleinen Höhepunkte, wo der Pfad plötzlich ins Unterholz an einen Bachlauf abtaucht und man sich ein bisschen wie auf einer Entdeckungsreise fühlt …

Meine Reise begann mit einer ersten Nacht auf belgischem Boden in La Roche-en-Ardenne, dem Ausgangspunkt der Transardennaise. Die Stadt ist ein touristisch gut erschlossener Ort und so belohnte ich mich für die lange Anreise erst einmal mit einem Cappuccino und beobachtete in der Sonne sitzend die Menschen und Häuser. Schnell bemerkte ich die große Zahl niederländisch sprechender Besucher, die hier einen Großteil der Touristen ausmachen, und die eher wenig vorhandene historische Bausubstanz. Der Panzer vor einem kleinen Museum erklärte letzteren Fakt und stimmte mich auf die Weltkriegsgeschichte der Region ein, die einem in den Ardennen immer wieder begegnet. Da ich bereits wusste, dass erst am Ende der Tour in Bouillon wieder ein Ort mit ähnlichem Angebot an Cafés und Restaurants auf mich wartete, genoss ich den sanften Trubel und schlenderte zur Burgruine und entlang der Flussmauer, die La Roche von fast allen Seiten umgibt – der Ort liegt in der Mitte einer engen Flussschleife, welche der Stadt ein ganz besonderes Flair gibt. Mit dem Rucksack voller Essen von meiner Supermarkt-Shoppingtour lief ich schließlich zum weitläufigen Campingplatz, wo man mir einen Platz direkt am Ufer des mäandernden Flusses Ourthe zuwies, der in den letzten Sonnenstrahlen glänzte.

Am nächsten Morgen packte ich zusammen und lief los – der Blick in die ginsterbedeckten, gelben Hänge rund um La Roche faszinierte mich und ich war freudig gespannt auf das, was auf mich zukommen würde.

In den nächsten Tag begleiteten mich vor allem drei Arten von Landschaften, die sich immer im Wechsel aneinanderreihten: Wälder, Felder und Gewässer. Da es sich um einen Höhenzug handelt, führt der Weg stets durch hügeliges Terrain, bergauf, bergab und schafft so eine Vielzahl an Fernblicken über die schön strukturierten Flächen hinweg. Die Ardennen sind nie intensiv landwirtschaftlich genutzt worden, da die Böden zu sandig und feucht sind, um Ackerbau zu betreiben. Stattdessen finden sich ausgedehnte und zum Teil stark forstwirtschaftlich genutzte Wälder und große Wiesenflächen, auf denen vielerorts das Vieh weidet. Die Gegend ist sehr regenreich und daher sehr grün und voller Bäche und Flüsse, die man immer wieder quert oder an ihnen entlang wandert. Neben der Ourthe, der man schon in La Roche begegnet, kommen unterwegs Our, Lesse, Lomme und Semois hinzu, um nur die größeren Namen zu nennen. Einige dieser Flüsse sind auch bei Kanufahrern sehr beliebt. Und auch (Fisch)teiche, ein Teil davon schon von Mönchen vor hunderten Jahren angelegt, tauchen ab und zu zwischen dem Blätterdach der Bäume auf und glitzern einem freundlich entgegen.

Ich genoss es sehr, stundenlang durch die verschiedenen Arten von Wäldern zu laufen und war mit meinem forstlichen Vorwissen sehr interessiert an den lokalen Strategien zur Bewirtschaftung. Oft befand ich mich in ursprünglich anmutenden Eichen-Buchen-Mischwäldern mit ihren saftig grünen Blättern, durch die das Licht schimmerte, und ihrem strauchigem Unterwuchs, anderntags wieder in in Reihe gepflanzten Fichtenwäldern oder sogar an Flächen, die vor kurzem „geerntet“ worden waren und nun entweder brach lagen oder bereits mit Neupflanzungen bestückt waren. Einmal stolperte ich auch über eine Fläche, die eindeutig für den Anbau von Weihnachtsbäumen bestimmt war – was sich im Frühling ein bisschen absurd anfühlte.

Wunderschön waren auch die Wege am Wald-Feldrand entlang, die häufig an Hängen lagen und einen Blick in die Weite ermöglichten. Mein persönlicher Favorit bleiben aber die Viehweiden, auf denen ich unglaublich viele Mutterkuhherden, oft inklusive Stier, beobachten konnte, die häufig neugierig zum Zaun kamen, wenn ich etwas länger verweilte. Aber auch Schafe und Ziegen begegneten mir und sogar drei freundliche Alpakas im Garten eines Einfamilienhauses. Auf manchen Wiesen wurde auch gerade Heu gemacht, sodass man das volle Spektrum an landwirtschaftlicher Aktivität beobachten konnte.

Nicht nur Haustiere kreuzten meinen Weg. Die Ardennen sind nicht nur wald-, sondern auch sehr wildreich: Dort leben Rehe, Hirsche, Wildschweine, aber auch Luchs, Dachs und Wildkatze und seit kurzem wieder der Wolf. Eines späten Nachmittags wanderte ich einen Berg hinauf, der sich abgelegen und zwischen einigen Flussschleifen befand. Plötzlich raschelte es am nahegelegenen Bachlauf und durch die Blätter konnte ich gerade noch so kleine Schweinchen erkennen, die dort herumwuselten. Erst war ich fasziniert und ein wenig ergriffen, den Kleinen so nah zu sein, bevor mir wieder einfiel, dass da eventuell auch ein Mama-Wildschwein zur Truppe gehörte … Wegen des hohen Wildbestands ist die Region prädestiniert für die Jagd, welche in einigen Ortsbildern sehr präsent ist. So ist zum Beispiel der Hirsch das Symboltier von Saint-Hubert und prangt auf dem lokalen Bier ebenso wie als Statue im örtlichen Kreisverkehr.

Auf der Transardennaise liegen zwar nicht viele, aber dafür sehr hübsche und interessante kleine Städte, mit einer reichen Geschichte und der für die Region typischen Architektur: grau-braune Steinmauern und dunkelgraue Schieferdächer. Besonders beeindruckt haben mich dabei Saint Hubert, das kleine Buchdorf Redu und die Stadt Bouillon am Ende der Tour.

In Saint Hubert staunte ich über die Basilika ebenso wie den direkt daneben gelegenen Abtei-„Palast“, welcher aufgrund seines rötlichen Anstrichs und der vielen Verzierungen aussieht wie ein Schloss. Auf dem Platz war darüber hinaus die neongelbe Figur eines Jagdhunds ausgestellt, was einen spannenden visuellen Kontrast ergab. Auf dem Weg zum Campingplatz passierte ich dann den Rest einer Stadtmauer und einen Friedhof, auf dem sich auch etliche Soldatengräber befanden.

Das kleine Dorf Redu entpuppte sich überraschend als toller Stopp auf einer meiner Etappen. Als Buchliebhaberin war ich sofort gefesselt von den kleinen Buchläden und setzte mich auf die Sommerterrasse eines Cafés, beobachtete das heimische Schaf im Garten und genoss einen Iced Latte zusammen mit einer veganen Waffel. Auch das Haus von innen – ein Fachwerkbau mit Lehmwänden und Holzböden – war eine Augenweide. Unvernünftigerweise kaufte ich prompt ein Buch über … Gartenbau. Was man auf einer Wanderung eben so braucht … Nur einen Kilometer weiter wanderte ich dann an einer riesigen Satelliten-Anlage der europäischen Weltraumorganisation ESA vorbei, welche der Kommunikation mit Raumfahrzeugen dient – das war wirklich unerwartet.

Bouillon schließlich erblickte ich als erstes von oben, von einem Aussichtsturm oberhalb der Stadt, an welchem man auf dem Weg zum Wanderziel vorbeikommt. Die Stadt liegt wie La Roche in einer Flussschleife und zudem noch auf einem kleinen Hügel. In den Fels schmiegt sich eine Burg und am Wasser erstreckt sich eine lange Promenade, gesäumt von Cafés und Restaurants. An meinem letzten Abend genoss ich dann endlich noch einmal belgische Waffeln, Pommes und ein lokales Bier und campte auf einem Platz oberhalb der Stadt.

Neben den Highlights möchte ich auch erwähnen, dass man so manches Dorf durchwandert, das stark unter den Deutschen gelitten hat. Es gab mir ein sehr mulmiges Gefühl auf Infotafeln zu lesen, was im Kriegsverlauf zum Teil komplett zerstört wurde oder wo es Verteilerstationen für Essensnotlieferungen gab. Meiner Meinung nach ist es absolut notwendig, diese Ereignisse im Gedächtnis zu behalten und sie so real und nah zu präsentieren, damit niemand vergisst, was Krieg bedeutet. Trotzdem konnte ich nicht umhin, mich vage schuldig zu fühlen und zu hoffen, dass niemand der Bewohner mich wegen meiner Herkunft verurteilen würde.

Vielleicht lag es an der Jahreszeit, dem Wochentag oder dem Wetter, aber mir schien, als wäre ich in dieser dünn besiedelten Gegend einer der wenigen Menschen, die die Transardennaise für sich entdeckt haben – obwohl sie bei allen Unterkunftsbetreibern bekannt war. Unterwegs begegneten mir vielleicht eine Hand voll anderer Wanderer, ein Teil wohl aber eher auf Wochenendtour. Auch auf den Campingplätzen herrschte erstaunliche Ruhe dafür, dass man an einigen Orten eindeutig erkennen konnte, dass die Ardennen touristisch erschlossen und genutzt sind. Aber vielleicht weniger zum Fernwandern? Wer mir begegnete, waren Radfahrer. Und davon viele und in Gruppen. Ganz wunderbar, wenn man sich gerade mutterseelenallein zum Pinkeln begibt und dann 15 sportlich gekleidete Halbprofis an einem vorbei preschen … Auch Motocrossfahrer, ob legal oder illegal kann ich nicht sagen, waren auf den breiten Forstwegen unterwegs und zerstörten die Stille für mehrere Augenblicke. Mir schien es, bei allen Infotafeln, die ich sorgfältig studierte, oft nur um Aktivitäten für Auto- oder Radfahrer zu gehen. Vielleicht ist das Fernwandern in Belgien out? Aus diesem Grund war ich die meiste Zeit meiner Wanderwoche wirklich für mich, denn auch in den Dörfern, wenn es denn mal welche gab, war nicht wirklich etwas los. Ich muss gestehen, dass mir das ein wenig zu schaffen gemacht hat, vielleicht nicht an der Oberfläche, aber drinnen begleitete mich eine Unruhe, die ich mir anders nicht erklären kann. Es tut gut, beim Wandern die Eindrücke miteinander zu teilen und eine Wanderfreundin unterwegs zu finden, hätte mir sicher gefallen. Stattdessen gab es freundliche männliche Kontakte, die aber leider Hintergedanken durchblicken ließen.

Eine Tatsache, die für mich auffällig und spannend war, war die Dichte an Ferienhäusern in Großfamiliengröße, sprich für zehn Personen aufwärts. Es scheint, als wäre die Gegend ein sehr beliebtes Ziel für Familienfeiern aller Art und auch die Vermarktung als Tagungs- oder Teambuilding-Ort habe ich auf Werbeflyern gesehen. Das erklärt vielleicht die eingeschränkte Auswahl an Individual-Unterbringungen für Wanderer: Wenn die Belgier und Niederländer immer in Horden anreisen, ist man als Einzelne natürlich nicht die Zielgruppe.

Die Ardennen sind wirklich ein schöner Flecken Erde und die Wanderung durch all die Wälder und Felder mit all den Tieren hat mir sehr gut gefallen. Auch die Städte und Dörfer der Region sind oft einen Besuch wert. Entgegen manch anderer Tour orientiert sich der Streckenverlauf mehr an der Natur als an der Zivilisation, mit allen Vor- und Nachteilen. Manchmal habe ich ein bisschen Abwechslung vermisst und auch die Einsamkeit als Alleinwandernde hätte für meinen Geschmack etwas weniger sein dürfen. Alles in allem kann ich die Tour jedem empfehlen, der eine relativ entspannte Fernwanderung im Grünen sucht und kein Problem damit hat, zu zelten (oder ein großes Budget mitbringt) und Essensvorräte mitzunehmen.

Anreise

Die An- und Abreise mit dem ÖPNV klappt problemlos: mit dem ICE bis Lüttich und dann Regionalbahn bis Marche-en-Famenne. Von dort fährt ein Bus nach La Roche. Die Apps von SNCB und TEC helfen bei der Planung und sind verlässlich

Beste Reisezeit

Frühling bis Herbst. Im Winter ist in dieser Region Jagdsaison und manche Wege sind daher für den Wanderer gesperrt.

Geld

Die Zahlung mit Kreditkarte ist in Supermärkten und Restaurants kein Problem. Auch auf den meisten Zeltplätzen konnte ich mit Karte zahlen. Trotz allem empfehle ich, etwas Bargeld mitzuführen, nur für den Fall. Immerhin handelt es sich um eine sehr abgelegene Ecke, Geldautomaten findet man nur selten.

Übernachten

Übernachtungen sind sowohl auf Zeltplätzen und Biwaks als auch in Hotels oder Pensionen möglich. Ich habe sechsmal gezeltet und zweimal in Pensionszimmern übernachtet. Unterwegs gibt es oft nur eine kleine Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten, weshalb man die Route nach diesen und nach ihrer Verfügbarkeit planen und rechtzeitig buchen sollte. Wild campen ist außerhalb von offiziellen Biwakplätzen nicht erlaubt. Achtung: Einige der Biwakplätze müssen reserviert werden, auch wenn sie kostenlos sind. Tipp fürs Geldsparen: Ich habe bei den Unterkünften direkt gebucht, nicht über Portale.

Verpflegung

Supermärkte und Restaurants sind nur in den größeren Ortschaften vorhanden, daher muss man für einige Tage seinen Proviant selbst organisieren. Packt nicht zu viel in euren Rucksack, denn das Essen wird Raum einnehmen müssen und Wandern mit schwerem Gepäck macht wirklich nur halb so viel Spaß. Wasser findet man unterwegs am zuverlässigsten an Friedhöfen, die ich deswegen oft besucht habe.

Sprache

Die Transardennaise verläuft im französischsprachigen Teil Belgiens. Viele Menschen vor Ort sprechen Französisch, Flämisch (Niederländisch) und ein bisschen Englisch. Auch Deutsch verstehen einige.

Tourvariante

Wer lieber eine Rundtour laufen möchte, kann die Transardennaise und die Transfamenne miteinander kombinieren und startet und endet dann in La Roche.

  • Die Tour ist mit Trailrunningschuhen gut zu meistern, es braucht keine super stabilen Wanderschuhe.
  • Aufgrund der ganzjährig hohen Niederschlagsmengen ist Regenzeug auf jeden Fall obligatorisch.
  • Abhängig vom Grad der Selbstversorgung sollte man ggf. schon aus Deutschland spezielle Trekkingnahrung sowie Kocher und Topf mitbringen. Da Supermärkte und Restaurants nicht jeden Tag erreichbar sind, ist man auf Vorräte angewiesen.
  • Wer kein Französisch spricht, lädt sich eventuell im Voraus eine Übersetzungsapp und das entsprechende Wörterbuch dazu herunter.

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