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Entspannung pur: Neufundland

Im August 2011 war ich für 9 Tage in Neufundland, Kanada. Es ist ungefähr so groß wie Kuba. Da ich viel wandern und auf der Insel per Anhalter reisen wollte, habe ich entschieden, mich auf den Westen der Insel zu beschränken. Ausschlaggebend dafür waren der Gros Morne National Park an der Westküste und St. Anthony mit der Eisberg Allee im äußersten Nordwesten. Die Menschen sind sehr freundlich, aber auch eigenbrödlerisch und ihr Englisch ist kaum zu verstehen. Das Wetter wechselt ständig und meistens weht ein Nieselregen von der Küste her. Gängige Badetemperaturen erreicht das Meer selbst im August nicht. Ich werde meine Reise entlang meiner Route in drei Teilen beschreiben.

Der Grund war einfach: Ich brauchte eine Pause. In dieser Zeit lebte ich in Toronto und war ziemlich gestresst: Über 30°C, nur Beton und Hektik. Neufundland mit seinem kühlen atlantischen Meeresklima und gerade mal 4,3 Einwohnern pro qkm schien ideal um abzuspannen. Im Voraus habe ich nicht viel geplant, da ich keine Zeit hatte. Dies verspricht die Insel, die in einer eigenen Zeitzone liegt (+3,5 Stunden UTC): mächtige Fjorde, niedliche Fischerdörfchen, Wale, Moose (Elche) und anderes Getier, geologische Wunder und Eisberge natürlich. Alle Versprechen wurden in den 9 Tagen eingelöst!

1. Teil: Green Gardens Trail und die Table Lands
Natürlich war ich geizig und habe den günstigsten Flug gebucht. Als Folge kam ich Mitternacht in Deer Lake an. Deer Lake ist der westlichere und günstigere Flughafen der Insel, dafür verspäten sich aufgrund von Nebel auf der Startbahn oft Flüge oder werden gestrichen (beim Rückflug genügend Zeit einplanen für einen eventuellen Anschlussflug!). Ca. früh um 6 ging es auf zum Highway Richtung Westen. Schließlich wollte ich noch am selben Tag mein Zelt am Green Gardens Trail aufschlagen. Auf meinem Pappschild stand “Rocky Harbour”.
Dort befindet sich das Besucherzentrum von Gros Morne Natl’ Park. Allerdings außerhalb der Ortschaft, so dass ich nach dem Einkauf nochmal ca. 5km zurücktrampen musste. Das Einkaufen ohne Auto gestaltet sich mitunter schwierig. Wenn man Glück hat, kommt man an Tante Emma Läden oder Tankstellen vorbei. Am besten möglichst viel von außerhalb mitbringen.
Die Übernachtungen auf den parkeigenen back country Zeltplätzen kostet ca. 10 kanadische Dollar. Kommerzielle Campingplätze sind mehr als doppelt so teuer. Die parkeigenen Zeltplätze werden nach “first come first serve” vergeben, können also nicht im Voraus reserviert werden.
Der Green Gardens Trail ist ein Rundwanderweg der von einer Straße im Landesinneren an die Küste, entlang der Küste und zurück an (einer anderen Stelle) an die Straße zurückführt. Für hektisch veranlagte Menschen ist er an einem Tag zu schaffen, es lohnt sich aber mindestens eine Nacht auf einem der Zeltplätze zu verbringen, um abends und morgens die Küste genießen zu können. Unbedingt Gamaschen mitnehmen: der Wanderweg ist stellenweise sehr überwachsen, vom Sprühregen durchnässt und führt teilweise durch sumpfiges Gebiet. An einer Stelle muss eine Furt durchquert werden.
Für drei Nächte bildete der Zeltplatz (eine ungemähte Wiese mit Plumpsklo) „Wallace Brook” meine Basis. Das Ambiente war einmalig: Eine kleine Bucht an der Mündung eines Baches (praktische Wasserversorgung und Badewanne in einem) mit Strand und ca. 30m hohen Felswänden. Ich hatte andere Zelte erwartet, blieb aber die ganzen drei Nächte allein. Unterwegs traf ich allerdings doch die ein oder andere Wandergruppe. Der Wanderweg hat seinen Namen von den üppigen Wiesen entlang der Steilküste, auf denen wilde Schafe weiden. Früh morgens kann einem, wie mir geschehen, Moose begegnen. Teilweise führt der Weg am Strand entlang, aber da an der Küste Ebbe und Flut herrscht, wurde der Großteil des Wanderwegs oberhalb angelegt.
Auf dem Rückweg zu meinem Zeltplatz habe ich dennoch mein Glück versucht und bin zurück entlang der Küste gelaufen. Ich hatte keine Lust, noch einmal durch die Schlammpiste zu stapfen, die am Anfang meiner Tagestour stand. Ich kam ohne Probleme zurück, allerdings sind nicht wenige Abschnitte bei Flut komplett überschwemmt, also bitte nur bei Ebbe nachmachen!
Den nächsten Tag ging es zu den Tablelands. Die Tablelands sind massive Aufschüttungen von ockergelbem Geröll und wollen so gar nicht in den Rest der Landschaft passen. Die Tablelands sind eine der wenigen Stellen auf der Erde, wo durch Plattenverschiebungen die Erdkruste an die Oberfläche gedrückt wurde. Die Tablelands haben daher dem Gros Morne Park den Status UNESCO Weltnaturerbe eingebracht. Durch den hohen Schwermetallgehalt wächst so gut wie nichts und wandert man ein wenig in die Tablelands hinein und lässt das Grün der Küste hinter sich, so fühlt man sich in eine Wüste katapultiert. Hier hätte ich tatsächlich die Sonnencreme gebraucht, die ich ansonsten nutzlos mit rumgeschleppt habe.
Im Vergleich zu anderen Parks gibt es wenige ausgewiesene Wanderwege in Gros Morne. Der Charme des Parks liegt in den Kanurouten entlang der Meeresküste und Fjorden und der Möglichkeit, querfeldein auf den Hochebenen zu wandern (auf der Park-Website unter „Activities – Wilderness hiking“ nachlesen).

2. Teil: St. Anthony und die Eisberge
Eigentlich hatte ich keine Lust, 350km nach Norden zu trampen, aber jede_r die ich unterwegs traf, meinte, ich müsse mir die Eisberge ansehen. Es wäre eine “once in a life time chance” da zur Zeit viel mehr Eisberge unterwegs seien als üblich. Leider gibt es keine Busverbindung mehr in den Norden (im Internet finden sich Infos zum Viking-Express, der wurde allerdings schon seit Jahren eingestellt), also stand ich wieder mit einer Pappe am Straßenrand.
Meine Mitfahrgelegenheiten waren durchweg positiv, auch wenn ich manchmal länger warten musste als mir lieb war (das Verkehrsaufkommen ist einfach nicht so hoch). Jeder Fahrer hatte die ein oder andere Story zu erzählen und erklärte einem Land und Leute.
Seit in den 1990gern die Fischereiwirtschaft zusammenbrach, ist die Arbeitslosigkeit stark angestiegen. Alternativen zur Fischerei gibt es kaum. Viele junge Menschen fliegen daher nach Alberta, um in der Ölwirtschaft zu arbeiten. Die meisten kehren aber irgendwann zurück, da sie das Meer nicht los lässt 🙂 Als ich im Regen in St. Anthony ankam, sah ich Eisberge in allen möglichen Formen und Größen vor und in der Bucht treiben. Der Trip in den Norden hatte sich schon jetzt gelohnt.
Die Eisberge brechen irgendwo in Grönland ab und wandern ca. 2 Jahre Richtung Süden, wo sie an der Nordküste von Neufundland vorbeitreiben und immer weiter abschmelzen. Ein Eisberg Locator im Internet kann einem sagen, wo der beste Spot ist, um Eisberge zu schauen. Die Saison geht meist von Frühling bis Juni, aber in meinem Fall waren auch im August noch Dutzende vor der Küste zu sehen.
Leider lag der Campingplatz wieder 5km außerhalb der Stadt und ich musste wieder zurücktrampen. Mir wurde gesagt, dass man auch in den Höhlen an der Küste übernachten kann, aber ich fand eine heiße Dusche doch verlockender als ständiger Nieselregen. Glücklicherweise landete ich im Auto von Charlie, Typ kettenrauchender fluchender Bauarbeiter. Nachdem ich erzählt hatte, dass ich mir die Eisberge mit einer Bootstour anschauen wollte, fing er an sich, über den Anbieter aufzuregen: viel zu teuer (ca. 40Dollar) und man wäre eingepfercht wie Sardinen (oder so ähnlich, wie erwähnt, man versteht die Leute praktisch nicht, obwohl sich Charlie sichtlich Mühe gab). Kurz, er lud mich ein, am nächsten Tag mit seinem Boot (das er diese Nacht zu reparieren gedachte) raus zu fahren und mir bei ein paar Bier die Eisberge zu zeigen.
Das kleine, ehemalige Fischerboot war den nächsten Morgen einsatzbereit und Charlie, sein Kumpel Zed und ich tuckerten aus der Bucht heraus und um den ersten Eisberg herum. Neben Snowmobilfahrten im Winter gehören solche Bootsausflüge zu den Freizeitbeschäftigungen in St. Anthony. Die Eisberge aus der Nähe zu betrachten war gewaltig und als dann noch zwei Buckelwale auftauchten, war der Tag perfekt! Den Tag ließen wir in Charlies Werkstatt mit ein paar weiteren Bier ausklingen. Ich fragte ihn, ob er mal nicht irgendwo Urlaub machen möchte. Er meinte, eigentlich möchte er nicht weg von der Küste. Außer vielleicht mal nach Schweden, denn dort sehe es angeblich genauso aus wie bei ihm.
Den nächsten Morgen bin ich zurück in den Süden getrampt. Zwei Nächte waren noch übrig und ca. 400km zum Flughafen zu bewältigen. Ich zog den Jackpot und ein Ehepaar nahm mich ganze 350km bis zum Gros Morne National Park mit zurück. Daher hatte ich noch Zeit einen Abstecher auf den Gros Morne zu machen.

3. Teil: zurück in und auf Gros Morne
Gros Morne ist der höchste Berg im Park (806m) und ist von einem Felsenmeer gekrönt. Die Tour ist an einem Tag schaffbar und scheint bei vielen Touris beliebt zu sein. Allerdings liegt der Fuß des Berges ca. 2 Stunden vom Parkplatz entfernt. Danach geht es in einer zick-zack Einbahnstraße eine Schutthalde auf 806m hoch. Ich habe Familien getroffen, die am Fuß des Berges aus Zeitgründen umgekehrt sind. Die Tour kann sehr anstrengend werden. Der Rückweg führt auf dem Felsenmeer an die Hinterseite des Berges entlang, wo ein langer Abstieg wartet. Auf halben Rückweg liegt ein primitiver Zeltplatz. Mit meinem Rucksack wollte ich mir die Schutthalde zum Gipfel nicht antun und bin erst einmal zum Zeltplatz gewandert.
Bis auf ein weiteres Zelt war ich allein. Am nächsten Morgen, irgendwann unverschämt, früh hat eine Elchkuh im Wasserloch nebenan gebadet und Krach gemacht. Für Bergenthusiasten bietet der Gros Morne nicht viel. Dafür belohnt er mit Blicken in das Hinterland und auf die Hochplateaus, an deren Kanten Seen in Wasserfälle münden und mehrere hundert Meter nach unten stürzen. Bei guter Sicht sind auch die Tablelands zu sehen. Den Gros Morne Trail kann man machen, muss man aber nicht. Mir passte er ganz gut in den Zeitplan, lag auf dem Rückweg zum Flughafen und die Blicke auf das Hochplateau waren wirklich lohnend.

Fazit:
Kanada ist riesig. Britisch Columbia, die Kanadischen Rockies und etliche andere Regionen locken. Wer eine Reise nach Kanada plant, muss vorher aussortieren oder sitzt nur im Auto, Bus, Flugzeug etc. Newfoundland sollte bis zuletzt auf der Liste bleiben, nur wer ganz wenig Zeit für Kanada hat, darf NFL als Ziel streichen. Für alle die weg von der Zivilisation wollen, nasses Wetter nicht scheuen und sowieso unbedingt jeden Teil der Erde vor seinen Freunden gesehen haben muss, ist NFL Pflicht.

beste Reisezeit:
beste Wanderzeit ist Juli, August (Temperaturen um die 16-25°C), die offizielle Eisbergsaison endet allerdings schon Ende Juni.

Anreise:
Flughafen in St. Johns oder Deer Lake; oder per Fähre vom Festland

Kommunikation:
Telefonzellen; kostenlose lokale Telefonate im Besucherzentrum; wenig Bevölkerung heißt wenig Sendemasten, ich hatte überhaupt kein Netz mit meinem kanadischen Handy

Mietwagen:
in der Saison werden Mietwagen von Nachbarprovinzen importiert, um das Tourismusaufkommen abzudecken. Allerdings sind die Kapazitäten dennoch schnell ausgebucht und die Preise entsprechend hoch. Zu zweit oder zu dritt sollte ein Mietwagen aber bezahlbar sein.

Einreise:
auswaertiges-amt

Geld:
Kanadische Dollar abheben ging problemlos bei den meisten Geldautomaten mit meiner Visa-Card. Manche Banken verlangen eine zusätzliche Gebühr von 1,50 Dollar. In Newfoundland sind die Bankautomaten natürlich nicht so reichlich gesät. Auf der Homepage der Provinz wird darauf hingewiesen, dass Banken normalerweise keine Fremdwährung umtauschen. Daher sollte alles Bargeld vorher in Deutschland umgestauscht werden, oder in einer größeren kanadischen Stadt außerhalb von Newfoundland.

Sprache:
Englisch, aber schwer zu verstehen

airtransat günstige Flüge nach Kanada (nur in der Saison)

Westjet bezahlbare Flüge innerhalb Kanadas

grosmorne Gros Morne Nationalpark Seite (offizielle Parks Canada Seite)

icebergfinder Eisberg Lokalisierung online

newfoundlandlabrador FAQ zu Neufundland und Labrador

wichtigster Ausrüstungsgegenstand: Pappe und Filzstift
Unbedingt Gamaschen mitnehmen: der Wanderweg ist stellenweise sehr überwachsen, vom Sprühregen durchnässt und führt teilweise durch sumpfiges Gebiet.
In den Tablelands hätte ich tatsächlich die Sonnencreme gebraucht, die ich ansonsten nutzlos mit rumgeschleppt habe.

Aktivitäten:
wandern, kayaking, Wale beobachten, Bootstouren, abschalten

bevorzugte Fortbewegung:
laufen, per Anhalter; wenige Überlandbusverbindungen

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