23 Bouldercup in Leipzig – Martin im Interview

Am Wochenende ist es wieder so weit: 250 Boulderer aus nah und fern geben sich ein Stelldichein in der Leipziger Kletterhalle No Limit. Der 23 Bouldercup hat zum Jedermann-Wettkampf geladen und bildet damit die letzte Station des Ostblockcups. Viele Boulderer und viele neue Boulder, eine große Herausforderung für die Organisatoren dieses Events. Für uns Grund genug uns mit Martin Zelfel zusammen zusetzen und zu hinterfragen, was alles hinter so einem Wettkampf steckt. Martin Zelfel ist ein bekanntes Gesicht aus dem No Limit. Er gibt dort Kurse, schraubt Boulder, arbeitet seit Kurzem bei uns im tapir und organisiert dieses Jahr den Leipziger Cup.

Bouldern wird mehr und mehr zum Breitensport. Resultierend daraus entstehen immer mehr Jedermann-Wettkämpfe und mit dem 23 Boulder Cup in Leipzig bildet ihr die letzte Station einer ganzen Serie mit dem Namen Ostblockcup. Erläutere uns doch kurz die Idee, die hinter eurem Wettkampf steckt.

Die Idee hinter unserem Jedermann-Wettkampf 23 Boulder war ursprünglich eine Art Stelldichein der Community. Es wurde ein Grund gesucht, mal alle auf einem Haufen zu haben und da boten sich viele neue Boulder natürlich an. Dies verknüpfte sich schnell mit der Idee, einen lockeren Wettkampf daraus zu machen. So entstanden diese Wettkämpfe als soziales Happening für alle, die sich kannten. Im Zuge des Klettersport- und Boulderbooms wuchs diese Gemeinschaft immer mehr und somit stiegen auch Anzahl und Größe der Wettkämpfe. Die Idee des Jedermann-Wettkampfs besteht weiterhin. Dies ist zugegebenermaßen heute schwieriger als damals, da jeder – vom Anfänger bis zu Markus Hoppe – mitmachen möchte. Natürlich ist das eine Herausforderung, ein Spagat für das Schrauberteam und die Organisatoren. Trotzdem ist es uns enorm wichtig, genau das zu erhalten. Denn zum einen ist das Bouldern ein sozialer Sport, an dem jeder auch ohne Trainingsplan und Leistungsdruck Spaß haben kann. Jeder kann über sich hinauswachsen, gerade  wenn man sich gegenseitig hilft und Tipps gibt. Zum anderen denke ich, dass die Boulderer in Leipzig so einen Wettkampf einfach verdient haben. Es kann im Sport nicht immer nur darum gehen, dass die Besten sich messen, sondern es muss auch einen Mittelweg geben zwischen Wettkampf und Integration. Jeder, der kommt, soll sich wohlfühlen, sich ausprobieren und Feuer für diesen Sport fangen.

Diese Wettkämpfe wuchsen über die Jahre immer mehr; nicht nur schlechte Luft, sondern teilweise auch Verletzungen waren die Folge überfüllter Boulderhallen. Wie geht ihr mit dem wachsenden Andrang der Boulderer um?

Also, eine der wichtigsten Neuerungen, die wir eingeführt haben, ist die Teilnehmerbegrenzung. Eigentlich das Normalste der Welt für Sportveranstaltungen, sind Voranmeldungen nur früher nie nötig gewesen im Bouldersport. Wir als Organisatoren sind jedes Jahr aufs Neue überrascht vom zunehmenden Andrang der Boulderer. Darüber hinaus versuchen wir von Jahr zu Jahr immer mehr hallenspezifische Gefahrenquellen zu analysieren und zu eliminieren. So wird in diesem Jahr ein Sektor im Dach nicht mehr beschraubt. Es hat sich gezeigt, dass es zu wenige Ausweichmöglichkeiten für Warteschlangen gibt und wir befürchten dort Unfallquellen. Seit Jahren bereiten wir die Wettkämpfe nach, um besser und vor allem sicherer zu werden.

Dich kennt man eigentlich als einen Kletterer mit Seil am Fels, woher kommt die Berufung, sich einen Wettkampf an Plastikgriffen auf die Fahne zu schreiben?

Das hängt mit meiner Freundschaft zu Lutz, dem Vater das 23. Boulder, zusammen. Lutz hat das damals ins Leben gerufen und ich habe mich immer schon als Helfer und Schrauber beteiligt. Im Jahr 2011 habe ich zudem einen Großteil der Voraborganisation in Leipzig übernommen: Griffe bereitstellen, putzen, ein Schrauberteam zusammenstellen, Wände freischrauben und 1000 andere Kleinigkeiten. Lutz arbeitet jetzt in der Boulderhalle in Berlin und so war es aufgrund meiner Erfahrungen nur logisch, dass ich mir in Leipzig den Hut aufsetze. Ebenfalls war meine gute Bekanntschaft zu René Grabis, dem No Limit-Chef, ein Katalysator. Es war auch in seinem Sinne, dass jemand die Organisation übernimmt, der sich in der Halle gut auskennt und deswegen ist er auf mich zugekommen. So war es für mich auch eine kleine Ehre, gefragt zu werden – da lege ich mich natürlich auch gerne ins Zeug! Nicht zuletzt ist es so, dass ich natürlich total auf Bouldern stehe, nur kennt man mich eben mit Seil, weil ich das Klettern doch noch ein Stück besser finde. Und für beides fehlt mir leider zu oft die Zeit.

Die Locals in Leipzig scheinen im Moment sehr aktiv zu sein. Boulderfilme, Cupserien und im Sommer die Deutsche Hochschulmeisterschaft. Entwickelt sich Leipzig immer mehr zu einem mitteldeutschen Mekka für das Bouldern und woher kommt diese Entwicklung?

Ich würde sagen, einer der Hauptgründe ist die Kletterhalle No Limit in Leipzig. Diese wächst und wächst und wächst und bildet somit eine Grundlage für die Szene. Sie sorgt dafür, dass sich gute Leute auch gerne hier ansiedeln. Die Nähe zum Elbsandstein, dem Frankenjura und den Steinbrüchen ist natürlich auch entscheidend. Ich habe auch das Gefühl, dass der Ursprung des Boulderbooms etwas mit der Idee des Farbbouldersystems im No Limit zu tun hat. Es ermöglicht jedem Anfänger, einfach ins Bouldern einzusteigen. Dies ist sehr attraktiv und für Einsteiger eine riesen Orientierungshilfe. Vorher war das Bouldern eher den Profis vorbehalten, welche sich an Griffüberfluteten Systemwänden selbst Züge definiert haben. Jetzt bekommt jeder vom Anfänger bis zum ambitionierten Boulderer ein Problem vor die Nase und kann sich darin üben.

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