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Teaserbild: Herbst-Tour durchs verschneite Verwall

Herbst-Tour durchs verschneite Verwall

Herbst-Tour durchs verschneite Verwall

Die letzte unverplante Woche vor Beginn des Wintersemesters wollten wir zu dritt in den Alpen verbringen. Nachdem das Wetter besser geworden war – es hatte bis auf 1300 m heruntergeschneit – fuhren wir nach Klösterle am Arlberg. Von dort ging es über die Bettleralpe – Neue Reutlinger Hütte – Konstanzer Hütte nach St. Anton am Arlberg. Von dort fuhren wir per Bahn wieder nach Klösterle zu unserem Auto.

Warum VERWALL

Die Verwallgruppe ist seit 1995 Naturschutzgebiet. So konnte der Ski- und Massentourismus diese Gebirgsgruppe bisher nicht in Besitz nehmen und man kann die Natur pur genießen. Durch die fehlenden Lifte trifft man keine Wochenend-Turnschuh-Wanderer (auch Turnschuh-Täter genannt). Wir haben auf unserer Tour keine Menschenseele getroffen, was aber wohl auch am unbeständigen Wetter lag. Die Tour beginnt auf ca.1100m, der Weg führt maximal auf ca. 2500 m, wenn keine Gipfel bestiegen werden. Mit Gipfeln wird fast die 3000m Grenze durchbrochen, je nach Schneelage ist dies auch noch im Herbst möglich.

Die Neue Reutlinger Hütte.Letzter Blick zur Neuen Reutlinger Hütte.

Was Sie schon immer über das VERWALL wissen wollten…

Was ist anders als bei einer Sommertour?
In den Alpen muss im Herbst mit jedem denkbaren Wetter gerechnet werden. Da in den höheren Lagen der Schnee liegen bleibt und die Schneedecke nachts verharscht, sind Wege durch grobe Geröllhalden sehr anstrengend zu laufen. Man sieht nämlich die Lücken zwischen den Blöcken nicht mehr und mancher vermeintlich stabiler Tritt ist nur eine Schneebrücke. Üblicherweise stolpert man genau so in das Loch hinein, dass das Schienbein optimal mit den Steinen Tuchfühlung bekommt. Auch ist der Weg öfters durch kleine Nassschneelawinen überdeckt, bei deren Überquerung man bis zu den Knien im Schnee versinkt. Wer keine aufgeschlagenen Knie habe möchte, der sollte Wanderstöcke mit Schneetellern dabei haben, um die Schneetiefe zu prüfen. Leider braucht man mit dieser Methode, auch wenn nur bei kritischen Tritten geprüft wird, sehr viel Zeit. Timo hatte steigeisenfeste Schuhe an, und konnte so im Geröll und Schnee sorgloser auftreten als wir. Auch wünschten wir uns auf sehr steilen verharschten Schneefeldern Steigeisen, so hätten wir uns das Stufenschlagen zum Teil ersparen können. Wer auf Gipfel will oder in abschüssigem Gelände unterwegs sein möchte, sollte unbedingt Steigeisen und Pickel mitnehmen. Unbedingt im Gepäck sollten auch kniehohe Gamaschen sein, da einem sonst der Schnee in die Schuhe kommt.

Wie sieht es mit Zeltmöglichkeiten aus – wo kann ich in Ruhe schlafen? 
Im Verwall – zumindest auf unserer Tour – hat es mehr als genug ruhige Zeltplätzchen mit „Wasseranschluss“ gegeben. Aufgrund des feuchten Bodens durch Schneeschmelze fallen jedoch viele dieser schönen Plätze weg, da man sonst in einer Pfütze schläft. So muss entweder auf flachen Felsen gezeltet werden, oder man schaufelt genug Schnee unters Zelt, so dass für eine Nacht eine stabile, halbwegs trockene Fläche entsteht.
Bei der Zeltplatzwahl berücksichtigen wir im Herbst auch immer, dass die Hirsch-Brunft in vollem Gange ist. Auf einer anderen Alpentour haben wir einmal auf einer schönen Almwiese übernachtet, die sich bei Einbruch der Dunkelheit in den lokalen Brunftplatz der umliegenden Wälder entwickelte. Wenn ein Hirschbulle irgendwo im Wald sein betörendes Liebeslied vor sich hin röhrt, ist das bei Sonnenuntergang noch ziemlich lustig, gegen Mitternacht stehen die Hirsche dann auf der Wiese neben dem Zelt und man genießt „Dolby Surround Sound“ in voller Lautstärke und gegen 3 Uhr morgens will man eigentlich nur noch seine Ruhe haben. Wenn man also nachmittags schon Hirsche röhren hört, nie das Zelt nie auf einer größeren Grasfläche unter 1700m mit Wald in der Nähe aufschlagen, wenn man einen ruhigen Schlaf haben möchte!

Britta beim Wasserfassen.Mittagspause - im Hintergrund das Pfungspitzenmassiv.Wir bauten uns aus Holzbohlen einen bequemen, trockenen Zeltplatz.

Ich hab aber kein Zelt!Die ganze Tour lässt sich problemlos auch ohne Zelt machen. Die vorhandenen Berghütten sind im Herbst zwar meistens schon geschlossen, aber wer einen DAV-Hüttenschlüssel hat kann im Winterraum kochen und übernachten. Das setzt natürlich voraus, dass man seine eigene Verpflegung mitnimmt. Feuerholz sollte auf allen Hütten vorrätig sein und während des Kochens kann man sich am Holzherd wärmen. Mit der Restwärme des Herdes ist schnell Wasser für ein warmes Fußbad erhitzt, das den müden und vielleicht auch minder gut riechenden Füßen zu neuem Leben verhilft. Überlebenswichtig kann bei reinen Hüttentouren ein Biwaksack werden, da man bei einem Wetterumschwung außer seiner Kleidung nichts Schützendes dabei hat. Von Alu-Rettungsdecken als Biwaksackersatz ist dringend abzuraten – die zerfetzt es bei Sturm sofort.

 

Kann ich im Winter zur Neuen Reutlinger Hütte?
Alle Wege zur Hütte liegen auf stark lawinengefährdetem Terrain. Die Wege verlaufen durch stark geneigte Grashänge und Geröllhalden mit Neigungswinkeln über 30°. Außerdem bemerkten wir auf unserer Tour viele kleinere Steinlawinen. So bleiben für Wintertouren nur die Tage mit geringer Lawinenwarnstufe. Für die Hütte benötigt man einen DAV-Hüttenschlüssel. Wir fanden die Hütte unverschlossen vor – allerdings ist mit Kugelschreiber auf die Türe geschrieben: “Hier erfroren wir fast im Schneesturm vor verschlossener Türe und mussten 1000Hm ins Tal absteigen!“.

Was kann ich im Sommer von der Neuen Reutlinger Hütte aus unternehmen?
Die Hütte eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für alpine Klettertouren. So sind auch in der Hütte Topos von der Pfungspitze (2913m) aufgehängt, aber auch rund um die Hütte soll es nach dem dortigen Topo ein paar Wände mit neu eingebohrten Routen zum plaisier Klettern geben. Die Schwierigkeitsgrade reichen von UIAA 3-6, mehr darüber im Panico-Kletterführer Vorarlberg.
Ungefähr hundert Höhenmeter unter der Hütte gibt es 2 schön gelegene Bergseen. Die locken zwar auch im Sommer sicherlich nicht mit tropischen Wassertemperaturen, aber zum kurzen Abkühlen nach einer Tagestour sind sie super. Die Selbstversorgerhütte ist auch für den Urlaub mit Kindern im Hochsommer bestens geeignet, vor allem weil in der unmittelbaren Umgebung der Hütte kein Absturzgelände ist. Wer einen längeren Aufenthalt plant, sollte sich beim Hüttenwirt anmelden beziehungsweise nachfragen ob dies überhaupt möglich ist.

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