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Teaserbild: Tessiner Hüttentour mit Kind

Tessiner Hüttentour mit Kind

Tessiner Hüttentour mit Kind

Die erste längere Alpentour mit 2-jährigem Kind. Mit dem Auto ging es im Hochsommer nach Piotta/Tessin, von dort über Wanderwege zur Capanna Garzonera, weil wir diese Hütte mit Zustieg schon kannten. Am nächsten Tag stiegen wir ab zum Auto. Nach Proviantaufnahme und Transfer nach Chironico wanderten wir einige Stunden in brütender Hitze zum Rifugio Sponda. Von dort wollten wir am nächsten Tag zum Rif. Barone queren, was uns jedoch mit Kind an der Schlüsselstelle des Via Alta della Versasca doch zu heikel war, so dass wir langsam und mit vielen Badepausen zurück zur Hütte liefen und einen Pausentag mit Baden verbrachten. Nach dem Abstieg zum Auto und einer Fahrt nach Molare stiegen wir zur Cap. Gana Rossa auf, wo wir ebenfalls eine Nacht verbrachten. Da noch ein Radurlaub folgen sollte, beendeten wir hier die Tour.

Warum Schweiz

Als Schreckgespenster der Hüttenwirte, Bahnbetreiber und der alpinen Tourismusindustrie haben wir die letzten 10 Jahre bei fast allen Bergtouren im Zelt übernachtet und haben den konsumierenden Mainstream gemieden. Das Tessin bietet zudem viele kleine Hütten ohne Bewirtschaftung, wo man sein eigener Herr / Frau im Haus sein kann. Man kommt intensiver mit anderen Gästen in Kontakt, da man mehr gemeinsam koordinieren muss: Kochen, Wasserverbrauch usw. Es steht einem absolut frei, eine Nacht länger zu bleiben oder bei schlechtem Wetter nach Hause zu fahren, ohne sich nachher No-Show-Gebühren vom Hüttenwirt anhören zu müssen. Mit Kind ein entscheidender Vorteil! In der betreffenden Woche war außerdem südlich des Hauptalpenkammes brüllender Sonnenschein angesagt, während wir im Norden auf sehr durchwachsenes Wetter trafen.

Badetag im Gumpen:  30°C draussen, im Wasser vielleicht 10°CIn den Bergen gibts überall Wasser zum spielenWenn der Holzofen läuft: 5l warmes Wasser in den Eimer und fertig ist die Badewanne

Was sie schon immer über eine Tour mit Kind wissen wollten…

Ist das nicht eine Plackerei mit Kind und Kegel auf dem Berg?

Man muss diese Frage mit Jein beantworten. Natürlich ist es deutlich stressiger sein Kind, Ausrüstung und Wickelsachen in die Berge zu schleppen. Allerdings ist man im Urlaub und nicht auf der Flucht und so fallen die Touren eben kürzer aus. Den Nachmittag verbringt man eben mit Baden oder Heidelbeerensuchen. Da wir viele Jahre schwere Rucksäcke mit Zelt usw. durch die Alpen getragen haben, war das Zusatzgewicht vom Kind zu verschmerzen.

Ein kleiner Exkurs: Initial wollten wir mit Zelt die Tour versuchen. Bei einer Probetour im Mai hatte sich aber herausgestellt, dass das Schleppen von Gepäck und Kind hauptsächlich sportlich-masochistische Reize hat. Ein typischer Tag hätte wahrscheinlich wiefolgt ausgesehen:

1. Müde um 5 Uhr aufstehen, weil das Kind einen nachts 3x geweckt hat und bei Helligkeit laut Kindesmeinung aufgestanden werden muss – es ist ja schon Tag!

2. Frühstück für Kind und sich selbst machen, dabei peinlichst darauf achten, dass das Zelt und die Schlafsäcke nicht mit Marmelade oder Müsli verziert werden.

3. Mit nörgelndem Kind alles in den Rucksack packen. Super Spiel – Kind packt Rucksack auch gleich wieder aus.

4. Kind vor dem Loslaufen wickeln, nach ca. 20 min wieder wickeln, weil die Windel deftig ausdünstend befüllt wurde.

5. 2 h laufen, während Kind schläft – so etwas wie Friede stellt sich ein.

6. Kind will selbst laufen, obwohl man noch 600 Hm vor sich hat.

7. Mittagspause – Mama und Papa wollen ausruhen – Kind ist jetzt richtig fit nach 2 h Schlaf und will spielen (nachvollziehbar).

8. Es regnet – Kind muss regendicht verpackt werden – muss dafür aus der Kraxe – und will dann in Regenklamotten natürlich nicht mehr in die Kraxe – Gebrüll und Protest sind die Folge.

9. Zelt aufbauen – Essen kochen im Zelt bei Regen – Kind will spielen – Eltern sind müde.

10. Kind ist endlich müde, Eltern immer noch, Kind will aber nicht schlafen – brüllt – Eltern losen aus, wer das Kind in den Schlaf singt und wer diese Nacht schlecht neben dem Kind schläft, was sich wieder 3-4 mal aus dem Schlafsack robben wird…

Wir sind entweder mittlerweile zu alt oder brauchen einfach mehr Entspannung, um auch in den Ferien noch Schlafmangel zu haben. Deswegen guter Alternativplan: Hüttentour!

Wie weit komme ich mit Kind?

Pro Tag strebten wir eine ungefähre Wanderzeit von 4-5 Stunden an. Diese verteilten wir über den ganzen Tag, die Hauptwegestrecken legten wir jedoch zurück, wenn der Nachwuchs schlief. Anhalten war dann verboten, da die Kleine das sofort merkte und drohte aufzuwachen. Mit einem Auge für Kleinigkeiten, was ein Schmetterling oder eine Eidechse oder auch das Streicheln eines Esels sein kann, gestaltet sich die Tour für das Kind einigermaßen interessant. Außerdem muss man dem kleinen Quasselsack klar machen, dass wir (Quasselsack und Papa) die lahme Ente sind und der Mama hinterherrennen müssen. Der Nachwuchs entwickelt da schon mal Jockey-Ambitionen und freut sich drüber. Wenn alle Spaß haben, vergeht die Zeit wie im Flug.

Etwas rechts von der Bildmitte geht der VAV über den Pass.  Wir drehten um.Pause in weglosem Gelände beim Rifugio SpondaTypisch unberührt wunderschöne Tessiner Wiesen über der Baumgrenze

Was war nicht so gut?

Wir haben unterschätzt, dass ein Kind bei Kraxeleien und schwierigen Wegabschnitten nicht eine tote Masse darstellt, sondern herumhampelt und bespaßt werden möchte. Das kann in schwierigem Gelände gefährlich werden, da man Gewichtsverlagerungen nicht so gut ausbalancieren kann. Auch will der Nachwuchs an manchen Stellen unbedingt aus der Kraxe raus, sei es zum Windelwechsel oder um sich die Beine zu vertreten. Teile des Weges (Via Alpina della Versasca (VAV) waren T5-T6 Gelände (wegloses Geröll / Drahtseilversichert / Absturzgefahr, usw.) was, wenn es sich hinzieht, für das Kind unfair und unspaßig wird. Aus diesem Grund werden wir solche Wegabschnitte mit Kind in Zukunft meiden. Unsere Wanderstöcke halfen dem Kraxenträger, sich stabil zu halten, auch wenn das Kind sich gelegentlich stark zur Seite lehnte.

Als zweiten Punkt bei dieser Frage muss die Hütte Gana Rossa genannt werden. Sie liegt recht nett über einem kleinen See der zum Baden einlädt, die Stromüberlandleitungen ziehen in der Nähe über den Bergkamm, woran man sich aber nicht stören muss. Was allerdings wirklich stört, ist, dass die Hütte innen komplett verschimmelt ist. Das fängt bei der Holzvertäfelung an und endet bei nach Schimmel riechenden Matratzen. Wir haben die Hütte mehrere Stunden gelüftet, aber gegen das durchgeschimmelte Holz ist nichts zu machen. Die Hütte ist also eher nicht der optimale Ort, um länger als eine Nacht zu verweilen.

Wie war das mit dem Schlafen im Matratzenlager?

Gleich auf der ersten Hütte durften wir über eine Stunde unsere Kompetenz in Sachen Kind-ins-Bett-Bringen beweisen. Die Hütte besaß nur einen Raum, wo im hinteren Teil doppelstöckig Matratzenlager eingebaut waren. Unsere Tochter war zwar müde und es war auch die übliche Bettgehzeit, aber trotz voller Hütte und wirklich leiser anderer Gäste war es nicht leise und dunkel genug. Man erntet in solchen Situationen dann mitleidige Blicke der anderen Gäste, beschwert hat sich niemand über das Gebrüll, da sonst niemand schlafen wollte. Zum Schlafen haben wir beim Outdoor-Service-Team einen Kinderschlafsack mit Overfill anfertigen lassen, in dem sich die Kleine überall heimisch fühlt; sozusagen das heimische Bettchen für unterwegs.

Im Laufe der Tour haben wir dann die Kleine erst mit etwa zwei Stunden Verspätung zur normalen Schlafenszeit ins Bett gebracht, wenn sie kurz vor dem Umfallen war, dann war das Einschlafen kein Problem. Mittlerweile haben wir auch festgestellt, dass der Schlafvorrat unserer Tochter zu Beginn einer Tour für etwa zwei Tage ausreicht, danach kann man sie getrost zur normalen Zeit schlafen legen.

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