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Teaserbild: Von winkenden Autofahrern und Zaunkletterern

Von winkenden Autofahrern und Zaunkletterern

Von winkenden Autofahrern und Zaunkletterern

Wir sind Mitte Oktober 2005 zum Kerry-Airport geflogen. Mit dem Airport-Shuttle ging es dann erst mal die 20 km nach Killarney. Am nächsten Tag starteten wir auf dem Kerry-Way (Rundwanderweg auf der Iveragh-Halbinsel) durch den Killarney-National-Park nach Kenmare im Süden, dann ging es über Sneem nach Caherdaniel und Waterville im Südwesten der Kerry-Halbinsel. In Cahersiveen verbrachten wir noch zwei ruhige Nächte bei schlechtem Wetter und nahmen dann nach fast einer Woche den Bus zurück nach Killarney.

Warum KERRY WAY

Da ich schon einmal vor zehn Jahren in Irland unterwegs war, weiß ich, wie schön das Land ist und wie (gast-)freundlich die Menschen dort sind. Damals hatte ich keine Gelegenheit zum Wandern, wollte das Land aber gerne einmal zu Fuß erleben. Der Kerry-Way, der als einer der schönsten der Insel gilt, bot sich auf Grund der in dieser warmen Gegend besonders vielfältigen und seltenen Flora und Fauna sowie der großen Dichte von hohen Bergen (viele über 650m ü NN) an.

Kernzone des Killarney-National-ParksDer ständige BeobachterKilcrohane Church bei Castlecove über dem Kenmare-River

Was Sie schon immer über den KERRY WAY wissen wollten…

Welche Schwierigkeiten birgt der Weg?

Der Weg hat meistens gut sichtbare Markierungen (aufrecht stehende Pfosten oder Steine mit gelben Zeichen, nur selten fehlt mal eines) und leicht zu finden. An manchen Stellen (z. B. auf großen Weiden) kann man ihn zwar mal verlieren, aber in der Regel findet man ihn schnell wieder. Bei Nebel allerdings sollte man aufpassen (im Zweifel Kompass oder Zelt aufstellen), da man schnell mal in ein falsches Tal gelangt und nicht unbedingt gleich wieder den Weg findet bzw. ein Haus zum Fragen sieht.
Der Zustand der Wege ist gut. Teilweise waren sie ein wenig zugewuchert, so dass man dann doch durch hüfthohes und nasses Gras richtig nass wird, obwohl es nicht regnet. Die Bekleidung sollte allerdings sehr strapazierfähig sein, da der an den Rändern wachsende Stechapfel und die Brombeeren auch durch leichte Gore-Tex Kleidung stechen.
Bei den Tagesetappen sind immer wieder Strecken auf wenig befahrenen Straßen (Teerund Schotterstraßen) dabei und auf kurzen Stücken muss man auf den Ring-of-Kerry (um die Halbinsel herumführende Hauptstraße) ausweichen. Wir waren uns anfangs nie sicher, ob das gut geht, aber die Iren gehen auf der Straße selbst mit einem Kinderwagen spazieren, so dass es so aussieht, als würden die Autofahrer mit Personen auf der Fahrbahn schon ständig rechnen. Auch haben wir uns über die Winkerei der Autofahrer gewundert, aber das heißt nur, dass sie einen gesehen haben – also, so lange sie winken (zurückgrüßen!), ist man sicher…
Eine weitere Eigenheit der Wegführung sind die Zäune, deren Bau in Irland subventioniert werden muss. Es gibt Strecken, auf denen kommt man aus dem „über den Zaun steigen“ (Wanderleitern vorhanden) gar nicht mehr raus, aber die Reaktion der Schafe entschädigt jedes Mal dafür.
Einmal ist es auch vorgekommen, dass der Weg über ein Hofgrundstück führte und der Hund des Besitzers zu Hause war. In diesem Fall haben wir versucht, auf den Hund ruhig einzureden und langsam und sicher aufzutreten. Mit dieser Taktik funktioniert es häufig ohne Probleme, nur macht der Hund halt einen riesigen Radau. Bei den auf dem Weg stehenden Kühen hilft einfaches Klatschen in die Hände, dann laufen sie davon.

Ogham-Stein im Derrynane National Historic ParkAbbey Island im Derrynane National Historic ParkBlick auf den Atlantik zwischen Caherdaniel und Waterville

Wo am besten übernachten?

Zelten stellt in Irland nur insofern ein Problem dar, dass alles Land weitgehend in Privatbesitz ist und man auf jeden Fall den Besitzer um Erlaubnis fragen sollte (was meistens kein Problem ist). Auf dem Land herrscht auch nicht die gleiche Dorfstruktur wie in Deutschland, sodass man nicht einfach aus einer Ortschaft herauslaufen und sich dort ein ungestörtes Plätzchen suchen kann, weil in jedem Winkel doch noch ein Haus auftaucht.
In Irland gibt es auch eine Reihe von Campingplätzen (obwohl Camping nicht in der Kultur des Iren zu finden ist), wovon wir den in Caherdaniel kennen gelernt hatten. Dieser eine war sehr schön und obwohl er geschlossen hatte, ließ uns der Besitzer dort übernachten (Fragen lohnt sich bei der Hilfsbereitschaft fast immer!).
Aber auch die privaten Hostels (IHH – Independent Holiday Hostels) sind sehr schön. Es ist immer eine Küche und ein Aufenthaltsraum vorhanden, man kann seine Sachen trocknen und mit anderen Reisenden hilfreiche Tipps austauschen. Die Preise bewegen sich zwischen 13-15 € (dorms) und 16-20 € (double). Im mit Abstand schönsten Hostel (The Sugan Hostel, Lewis Road) haben wir direkt in Killarney übernachtet – es ist sehr gemütlich, die Besitzer sind freundlich und direkt daneben ist ein Pub… Im Übrigen liegen in den IHHs immer Faltblätter mit allen irischen Hostels aus, in denen Preise, Öffnungszeiten, Telefonnummern und Adressen verzeichnet sind.
Allerdings muss man zugeben, dass ein Bed&Breakfast in Irland auch seinen Reiz hat. Sie sind zwar teurer (ab 30 € in der Hauptsaison aufwärts), aber die Betten können himmlisch sein, man „wohnt“ direkt im Haus mit, es gibt sie wirklich überall (das Hostel in Sneem musste schließen) und das reichhaltige Frühstück schafft die beste Wandergrundlage am Morgen. Wenn man ohne Zelt unterwegs ist, sollte man aber beachten, dass die einzelnen Etappen zwischen den Ortschaften teilweise sehr lang sein können (bis 30 km), was sich aber auf Grund der guten Wege doch bewältigen lässt.

Wie läuft es mit der Verpflegung auf dem Weg?

Da es in fast jeder Ortschaft ein Geschäft gibt und diese auch sehr entspannte Öffnungszeiten (teilweise bis 22:00) haben, kann man sich häufig abends für die nächste Etappe leicht verpflegen und muss nicht alles von Anfang an tragen. Die Auswahl in den Geschäften ist natürlich von der Größe abhängig, aber Essen findet man immer. Natürlich kann man auch auf die überall angebotenen warmen Speisen zurückgreifen (z. B. Fish&Chips) und spart sich so auch noch das Kochen.
Dem Wasser in den Bächen haben wir allerdings nicht vertraut (außer direkt oben in den Bergen), weil eigentlich überall Vieh weidet und die irischen Höfe auch nicht alle an Kläranlagen angeschlossen sind.
Wenn man Glück hat, findet man unterwegs auch Pilze (Tintlinge, Steinpilze, u. a.) Brombeeren und anderes Obst und das Angeln im Meer (nicht in Flüssen und Seen, hier ist zwar kein Angelschein notwendig, aber man benötigt eine staatliche Lizenz) ist, wie fast überall, auch in Irland frei und erlaubt.

Wo sind die schönsten Stellen?

Direkt am Anfang der Tour führt der Weg durch den Killarney-National-Park. Das Stück im Tal ist zwar noch sehr „parkartig“ (sehr alte Eichenmischwälder), aber sobald man mit dem Aufstieg begonnen hat, wird es schon ursprünglicher und oben auf der Fläche, im Kerngebiet des Parks, ist das Land unbewaldet und sehr weitläufig. Wenn man Glück hat, trifft man hier sogar auf Rothirsche.
Der mit Abstand schönste Streckenabschnitt liegt unserer Meinung nach zwischen Sneem und Caherdaniel. Man quert auf dieser Etappe viele wunderschön gelegene Täler und hat von den dazwischen liegenden Rücken die tollsten Ausblicke auf den Kenmare-River (Meeresbucht), die Bauernhöfe am Talgrund sowie die Berge im Norden. Am Ende der Etappe, auf dem letzten Pass nach Caherdaniel befindet sich eine Stelle am Weg, an der riesige Mengen von Kamille wachsen, was im Frühsommer auf weite Strecken einen angenehmen Geruch verbreitet.
Einen besonderen Reiz hat auch ein Wald aus Stechapfel, am Anfang der Etappe Caherdaniel  -Waterville. Man läuft hier über eine größere Strecke hinweg durch einen hallenartigen Wald aus dieser sehr stacheligen Pflanze, ohne mit den Dingern selbst in Kontakt zu kommen und an den wenigen lichten Stellen hat man einen schönen Ausblick auf den Atlantik.
Was man sich allerdings auch nicht entgehen lassen sollte, sind die vielen historischen Plätze (Kirchen, Steinforts, Heilige Brunnen, Ogham-Steine, Steinkreise etc…) rechts und links vom Weg und in den Städten. Eigentlich sollen sie gut ausgeschildert sein, aber wir haben häufig die Erfahrung gemacht, dass irgendwann die Schilder dann doch fehlen und man ein wenig suchen muss.

Welche Fortbewegungsmöglichkeiten gibt es?

Will man sich in Irland fortbewegen, sind Busse eigentlich die erste Wahl. Sie verbinden sehr viele, auch kleine Dörfer, miteinander und fahren sehr regelmäßig. In der Nebensaison (Sommerund Winterfahrplan vorhanden) kann es allerdings passieren, dass manche Gegenden nicht mehr so häufig bzw. gar nicht mehr angefahren werden. Normalerweise verbindet ein Bus mehrmals am Tag alle Orte am Ring-of.-Kerry miteinander, wodurch ein Abbruch der Tour an jedem Punkt, wo der Wanderweg die Ringstraße berührt, möglich ist. Allerdings wird ab Oktober die Strecke Sneem-Cahersiveen nicht mehr bedient, so dass man zwar von Sneem und von Cahersiveen aus nach Killarney, aber nicht von den Haltestellen dazwischen weg kommt.
Die größeren Überlandverbindungen hingegen sind gar kein Problem, auch im Winter nicht und Busse z.B. nach Dublin verkehren mehrmals am Tag regelmäßig und zuverlässig. Dabei sollte man aber beachten, dass man immer Hinund Rückfahrt gleichzeitig bucht (ist auch im Bus beim Fahrer kein Problem) und dass man gleich das Endreiseziel angibt, weil man dadurch wesentlich günstiger weg kommt. Ein internationaler Studentenausweis kann sich bei größeren Strecken ebenfalls lohnen.
Zum Trampen lässt sich sagen, dass es meistens relativ gut geht und die Iren und teilweise auch die Touristen nicht ängstlich gegenüber Tramper eingestellt sind. Im übrigen ist es für die Iren in den ländlichen Gebieten normal, mit zu nehmen und auch mitgenommen zu werden (uns wurden öfters Mitfahrgelegenheiten angeboten, obwohl wir es gar nicht versucht haben), allerdings sollte man sich natürlich nicht darauf verlassen.
Eine Bahnfahrt in Irland ist so teuer, dass sie eigentlich nur für Liebhaber in Frage kommt, aber natürlich sind die großen Städte auch mit dem Zug erreichbar.

Ist Irland nicht zu teuer?

Wenn man nicht gerade über alle Maße lebt, kann man die Kosten relativ gering halten. Die Übernachtungspreise habe ich oben schon beschrieben und die einfache Busfahrt Cahersiveen-Killarney hat uns 11,10 € (Student: 8,80 €) gekostet. Was Lebensmittel angeht, bemerkt man schon Unterschiede, aber die Preise kann man in Deutschland vielleicht mit einem teureren Supermarkt vergleichen.

Weitere Touren in der Gegend:

Wer nach dem 215 km langen Wanderweg über die Iveragh-Halbinsel noch nicht genug gelaufen ist, hat keine Probleme sich in direkter Umgebung noch weiter auszutoben.
Auf der direkt nördlich liegenden Dingle-Halbinsel verläuft der Dingle-Way, welcher mit dem Beara-Way auf der südlich liegenden Halbinsel ebenfalls zu den schönsten Fernwanderwegen von Irland zählt.

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