Dein Outdoor-Abenteuer beginnt hier!

Teaserbild: Grenzgang am Sumava

Grenzgang am Sumava

Grenzgang am Sumava

Es gibt Menschen, die gehen bis an ihre Grenzen. Reinhold Fuchs und Arved Messner sind für solche Grenzgänge bekannt. Schon immer wollte ich da noch einen draufsetzten: Ich wollte meine eigene Grenze überschreiten. Nach langen Überlegungen erschien mir die deutsch-tschechische Grenze dafür am geeignetsten. Am Kamm des Böhmerwaldes fand ich das ideale Gelände.

Warum Tschechien

Der Kamm von Böhmerwald (Sumava) und Bayrischem Wald ist exakt die Demarkationslinie zwischen Tschechien und Deutschland und das zivilisationsfernste Gebiet beider Staaten. Keine Loipe, kein Lift, kein Baude. Da die Grenzlinie mit blau-weißen Stäben markiert ist, kann man immer sicher sein, sich exakt an seiner Grenze zu befinden. So ist es möglich, an einem Tourentag 100 Grenzgänge zu bewältigen und sogar 8 Tausender zu überschreiten. Verwunderlich, dass bisher niemand auf dieses expeditionstechnisch hochinteressante Gebiet gestoßen ist!

Gut markiert und unberührt - das muss kein Widerspruch sein!Nadelwald, Laubwald, Schilderwaldein typischer Mischwald ebenTod auf der Kante: Waldsterben am Kamm des Böhmer Waldes

Was Sie schon immer über Grenzgänge wissen wollten…

Den Wald vor lauter Schildern nicht sehen, ist das nicht öde?
Keineswegs! Neben Nadelund Laubbäumen gibt es zur Abwechslung noch Grenzbäume! Der heutige Böhmerwald besteht aus den Resten eines vor 300 Mio Jahren entstandenen Hochgebirges, das durch Verwitterungsund Erosionsprozesse bis auf seine Rumpfschollen abgetragenen wurde. Angesichts einer solch prägenden Vergangenheit sollten die Grenzsteine der letzten 50 Jahre nicht ins Gewicht fallen.

Wie bereitet man sich auf eine solche Tour am besten vor?
Das wichtigste ist bekanntermaßen eine gute mentale Vorbereitung. Körperlich können sicher ein paar Tage Dauerlauf nicht schaden. Glücklicherweise hatte ich schon ein paar Tage Training hinter mir, da ich auch zu Fuß auf Arbeit gehe. Ergänzend sind vor, während und nach solchen Höchstbelastungen jedoch auch die bekannten Czechky Oblatky als Kraftnahrung sowie ein paar Schlucke Becherovka als Mutmacher gut geeignet.

Immer über Stock und Stein, schnurgerade querfeldein...Kraftnahrung und Mutmacher: Chzechky Oblatky und ein kräftiger Schluck BecherovkaHinterlasse nichts außer deine Schneeschuhspuren

Welche Schwierigkeiten habe ich zu erwarten?
Die Grenze ist eine Markierungslinie, kein Wanderweg. Der Verlauf orientiert sich nicht an Geländegegebenheiten: Täler, Hänge, Gipfel werden auf „politische“  Weise überwunden und das ist bekanntlich nicht die logischste. Es gibt keine Brücken, Entfernungsangaben oder Einkehrmöglichkeiten.
Aber: es funktioniert! Während am großen Arber der Lift brummt und die Loipen glühen,  treffe ich in 8 Stunden keine Menschenseele. Die Landschaft wirkt natürlich und unverbraucht: Willkommen im Grenzland!
Offiziell sind solche Grenzgänge nicht verboten. Solange man auf einer Seite bleibt verhält man sich rechtlich absolut korrekt.

Tagstour oder Kurzurlaub? Winter oder Sommer? Wo starten?
Dreh und Angelpunkte sind die offiziellen Grenzübergänge Bayrisch Eisenstein/Zelesna  Rude, Eschelkamm/Vseruby, Phillipsreuth/Stazny. Dazwischen erstrecken sich 2 mal 80 km Spielwiese. Perfekt sind Touren im Umfang von 5 Tagen (von einer Grenzstation zur anderen). Für eine Tagestour würde ich das Gebiet nördlich von Bayrisch-Eisenstein empfehlen: Spektakulär (Felsformationen, ausgeprägte Kammlage) und troztdem leicht zugänglich (Orte/Strassen auf dt. Seite max. 1-2 h von der Grenze entfernt). Für ein Wochenendabenteurer eignet sich das Gebiet zwischen Modrava und Bayrische-Eisenstein (aber: Zugang Modrava-Grenze: +10km, Autorückholung schwierig).
Eine Wintertour ist NUR mit Schneeschuhen möglich und deutlich langsamer zu bewältigen (max. 15 km pro Tag). Ansonsten gilt:  Die Grenzregion ist DAS Schneeschuhterrain („gut markiert und unberührt“, „schnurgerade querfeldein“) und sehr schneesicher.

Das klingt nicht nach einer Rundtour. Wie gestaltet sich die Logistik?
Ja, leider ist, wie bei vielen Expeditionen, das Abenteurer mit aufwendigen Anund Abreisen verbunden. Für eine Rundtour eignet sich solch ein Grenzgang überhaupt nicht. Glücklicherweise konnte ich auf meinen Kollegen und Freund Gunnar Speck (BJ 78) bzw. sein Shuttlefahrzeug (BJ 90) zurückgreifen. Danke!
Für alle anderen: Auto in Bayrisch-Eisenstein (sicher) abstellen. Rücktransport über lokale Busunternehmen (steuern alle Bayrisch-Eisenstein an).

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weiterschmökern

Ein Kurztripp zu und auf der Drawa

Tobias 28. Februar 2005

Östliche Lebensweise mit westlichem Komfort

Marco 28. Februar 2005

Mit dem Fahrrad durchs Land

Peter  2. Mai 2007

Winter am Baikal: Im UAS über`s Eis

rando 28. Februar 2005

Auf zwei Rädern um das Stettiner Haff

Christiane 28. Februar 2005