Ein Wochenende über dem Vierwaldstätter See

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Reiseberichte Europa Schweiz Matthias | 10. Januar 2007

Ein Wochenende über dem Vierwaldstätter SeeMit dem Auto ging es spät  abends bis an den Fuß der Musenalp auf ca. 1200 m, um eine leichte Solobegehenung mit Gletscherquerung zu bewätigen. Der nächste Morgen lief sich recht gut und sonnig an, ich bestieg den Gitschen (2540m) mit großartiger Aussicht auf den See und danach den Uri-Rotstock (2930m), wo ich eine Stunde vor Sonnenuntergang angelangte. Nach einer Bilderbuch-Übernachtung auf dem Gipfel gelangte ich auf der anderen Seite des Berges über kleine Umwege wieder zum Ausgangspunkt zurück.

Warum Uri-Rotstock

Der Uri-Rotstock sticht aufgrund seiner exponierten Lage über dem Vierwaldstätter See aus der Masse der lohnenden Berge eindeutig heraus. Von ihm aus hat man einen Rundblick, der selten so beeindruckend ist. Der teilweise exponierte Gipfelpfad zum Gitschen; die zunehmende Einsamkeit am Nachmittag, wenn man noch gen Uri-Rotstock aufsteigt; ausreichend Kondition für die insgesamt etwa 2400 m Aufund Abstieg paaren sich zu einem wunderbaren Bergerlebnis in technisch leichterem Gelände. Also ideal für eine entspannte Einzeltour, vorausgesetzt ist optimales Wetter wie bei mir.

Kurz nach Sonnenuntergang auf dem Uri-RotstockDer Schlafsack trocknet in der Morgensonne. Im Tal unter dem Nebel der Vierwaldstaetter SeeSonnenaufgang,links Chlitaler Firn auf Bergsattel direkt darüber von rechter unterer Bildecke bis linke mittlere Bildhaelfte und dann nach Rechts ins Tal die Abstiegsroute

Was Sie schon immer über die SCHWEIZ wissen wollten…

Wie komme ich am schnellsten zum Ausgangspunkt?
Anreise bis ins Haupttal zu finden im Reise 1×1. Hier der Geheimtipp: entweder eine sehr genaue Karte kaufen, oder einfach dreist bis zum Ende des nicht gesperrten Waldweges fahren, der eventuell auf der eigenen nur als Wanderweg eingezeichnet ist – so kommt man auf gut 1200 Meter, ohne am selben Ausgangspunkt wie der Rest zu starten (eigentlich nämlich St. Jakob im Isenthal), was den Vorteil hat, dass man die Tour allein genießen kann. Gemeint ist die Straße zur Materialseilbahn der Musenalp von Isenthal aus.

Was nehme ich mit?

Wenn man nur ein Wochenende Zeit hat, so braucht man zwar alles, was auch auf einer längeren Tour dabei sein sollte, dafür kann man bei Essen und Kocher Gewicht reduzieren, indem man bei ersterem weniger benötigt und letzteren daheim lässt. Wasser gibt es leider auf der ganzen Tour außer auf der Musenalp und an der Gitschenhöreli-Hütte nicht. Wer sich trotzdem beim Aufstieg (wie ich) verkalkuliert hat, der kann unterhalb des Gletscherfußes aus kleinen Rinnsalen seine Vorräte auffüllen.

Wo kann ich übernachten?

Übernachten kann man am Startpunkt entweder direkt im Auto oder nach einem kurzen Aufstieg auch problemlos auf der Alm unterhalb der Musenalp oder in der Almhütte gegen ein mir nicht bekanntes Entgeld. Auf dem UriRotstock ist bei gutem Wetter Platz zum Biwakieren für eine Schulklasse, ein nicht selbst stehendes Zelt dürfte schwieriger seinen passenden Platz finden. Will man trotzdem Zelten, so kann man das am Joch über dem Gletscher, ca. 100 Meter unterhalb des Gipfels machen. Auch auf dem Gletscher finden sich am oberen oder besonders am unteren, flach auslaufenden Rand einige geeignete Stellen, die dann allerdings entsprechende Bodenisolierung mit zwei normalen oder einer Winterisomatte voraussetzen. Außerdem kann man natürlich auch in der Gitschenhöreli-Hütte sein Nachtlager aufschlagen.

Mein Schlafplatz mit Bluemlisalpfirn und Brunnistock im HintergrundBlick vom Gitschen auf den Vierwaldstaetter See im DunstBlick vom Aufstieg zum Gitschen in Richtung Uri Rotstock mit dem Chlitaler Frin links davon

Was ist an einer Solotour so besonders?
Wenn man alleine unterwegs ist, kann man sich vollkommen auf die eigene Kondition und Leistungsfähigkeit einstellen und verlassen. Man braucht keine Rücksicht auf andere zu nehmen und benötigt vordergründig auch keine Rücksicht von anderen. Die Routenund Zeitplanung kann also vollkommen den eigenen Bedürfnissen und Anforderungen gerecht werden. Das allerdings immer unter Beachtung der Tatsache, dass im Falle eines Unfalles auch niemand sofort zur Stelle ist. Dies schränkt die Routenauswahl wiederum etwas ein, allerdings gibt es bei der hier beschriebenen Tour auch für den normalen Bergwanderer keine unkalkulierbaren Risiken. Des Weiteren kann man seinen Gedanken ungestört folgen und die Natur durch weniger Ablenkungen intensiver erfahren. Geteilte Freude ist zwar auch doppelte Freude, jedoch ist die Erfahrung eines allein in den Bergen verbrachten Wochenendes eine grundsätzlich andere und auf eine andere Weise sehr intensive, welche man in einer Gruppe ganz anders wahrnimmt.

Winterbegehung und weitere mögliche Tourvariationen:

Eine Winterbegehung ist prinzipiell gut möglich. Was die Lawinensicherheit der von mir hier beschriebenen Route angeht, so kann ich diese nicht einschätzen, es könnte aber an einigen Stellen sehr kritisch werden. Einen Winterweg gibt es dagegen von St. Jakob im Isenthal aus über die Gitschenhöreli-Hütte zum Gipfel. Dies ist auch die alternative Anstiegsroute für den Sommer.

Was kann ich kulturell am Weg mitnehmen?

Der Vierwaldstätter See eignet sich allein schon, um mindestens ein ganzes Wochenende an seinem Ufer zu verbringen. Angefangen von Luzern und seinen Touristenaussichtsberg Pilatus weiter in die Hohle Gasse und die ganzen anderen Zeugnisse vom Leben und Wirken des Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell, bis zu einem entspannenden Bad im tiefblauen Wasser des Sees gibt es einiges zu entdecken.

Weiterschmökern:


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Short Cuts Uri-Rotstock

Reisezeit: Das ganze Jahr, je nachdem, ob man eine Winterbesteigung plant oder nicht.

Anreise:
Mit dem Auto über die N2 oder die E41 bis Seedorf am Vierwaldstätter See, dann Westseite des Sees entlang in Richtung Isenthal.

Einreise:
Da die Schweiz sich erfolgreich wehrt, der EU beizutreten, erfolgen die Grenzkontrollen recht regelmäßig über eine Ausweiskontrolle. Ab und zu kann man auch schon mal dazu aufgefordert werden, einen Blick in den Kofferraum zu gewähren.

Sprache:
Prinzipiell sollte man Gruezi oder einen ähnlichen Gruß parat haben, ansonsten verstehen die Schweizer Hochdeutsch und sprechen es auch selbst mehr oder weniger erfolgreich. Nur nicht selbst anfangen, im Dialekt der Einheimischen zu reden, wenn man ihn nicht beherrscht.

Geld:
Schweizer Franken erfreuen sich in diesem Ländchen bester Gesundheit, trotz der Umzinglung von Euronen

wwwo beginnen

www.kusti.ch
Einige Bilder vom Berg und kurze Beschreibung desselben.
www.swissgeo.ch
Karten des Schweizer Bundesamtes für Landestopographie, mit sehr guten Onlineausschnitten, auch zum Kauf.
www.lakeluzern.ch
Tourismusbüro Vierwaldstätter See, für den Urlaub drumherum
www.gipfelderschweiz.ch
Welche Gipfel man vom Gipfel erblicken kann.

Schweiz

Nicht vergessen

Winter/Herbstschlafsack mit entsprechender Komforttemperatur, idealer Weise mit winddichter Hülle

Biwaksack oder große Plane (z.B. Zeltunterlage), wenn kein Zelt mitgenommen wird, das Wetter kann schnell umschlagen

Bei eventuell auch im August zu erwartendem Schnee auf dem Gipfel/am Schlafplatz zwei normale oder eine Winterisomatte

Trekkingstöcke sorgen für guten Halt

Feste Bergschuhe ideal mit Geröllschutz

Handy in der Not

Stirnlampe für gute Sicht

Literatur

Kümmerly+Frey, Wanderkarte; Schwyz, Zug, Vierwaldstätter See und angrenzende Gebiete; Herausgeber: Schwyzer Wanderwege

Wem diese Karte nicht reicht (mir hat sie genügt), dem seien die Karten des Schweizer Bundesamtes für Landestopographie, 1:25000, Blätter 1171 (Beckenried) und 1191 (Engelberg) empfohlen