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Teaserbild: Mit dem Hausboot in den Masuren

Mit dem Hausboot in den Masuren

Wir betreten Neuland und zählen uns nach diesem Sommer zu ‚Bootsführern‘. In den Polnischen Masuren sind wir eine Woche lang auf einem Hausboot durch die wunderschöne Landschaft geschippert. Es ging von Wegorzewo nach Gizycko, weiter bis nach Jora Wielka und dann den gleichen Weg wieder zurück. Dabei ging es durch wunderschöne Kanäle, durch Städte und weite Seen, vorbei an endlos weiten Feldern, Wiesen und Wälder. Wir schliefen mal in Häfen und mal ganz wild an einsamen Buchten. Für uns war die Tour der Inbegriff von Entschleunigung.

Ursprünglich wollten wir den Oder/Neiße Radweg abfahren und bei unseren Recherchen dazu, stießen wir auf einen Link zu einem Vermieter von Hausbooten in den Masuren. Masuren? Das soll doch wahnsinnig schön dort sein… Und schon waren wir Feuer und Flamme von der Idee, eine Woche auf den Seen umherzufahren. Das klingt nach Freiheit, Ausprobieren völlig neuer Dinge, Kajütenleben, einsamen Buchten, tollen Sonnenuntergängen. Und unsere Vorstellungen sollten sich komplett bewahrheiten!

Habt ihr etwa einen Bootsführerschein gemacht?
Nein! Für unseren Urlaub haben wir uns ein Boot ausgesucht, was man völlig unkompliziert ohne Führerschein fahren darf. Solche Boote haben eine recht geringe Leistung, sodass man auf gar keinen Fall zu schnell werden kann. Wir kamen über 11 km/h nicht hinaus. Auch wenn wir den Gashebel voll umgelegt hatten und gefühlt Rückenwind hatten, wurden wir nie schneller.
Wir haben eine etwa einstündige Einführung in alle technischen Details des Bootes bekommen. Uns wurde gezeigt, wie das Echolot funktioniert, wie man ein- und ausparkt, wie das Heckruder funktioniert, was die wichtigsten Bootszeichen bedeuten, wie die Wasserkarte zu lesen ist, wie man das Boot sicher anbindet und wie die gesamte Innenausstattung zu bedienen ist (Gasherd, Standheizung, Chemietoilette, Befüllen von Wasser- und Benzintank). Es blieben quasi keine Fragen offen und uns fehlte nur noch ein bisschen Praxis. Aber schon die ersten Stunden an Bord und auf See zeigten, dass es gar nicht so schwierig war.
Man muss nur wissen, dass ein Boot deutlich langsamer reagiert, wenn man nach links oder rechts steuert.

Was ist unbedingt zu beachten, wenn man auf dem Wasser unterwegs ist?
Es gibt sogar richtige Wasserstraßen auf den großen Seen. Es empfiehlt sich, innerhalb dieser zu fahren, denn dann kann ausgeschlossen werden, dass das Boot im Schlamm hängen bleibt und feststeckt. Segelboote haben absolut Vorrang auf dem See. In den Kanälen zwischen den großen Seen muss äußerst langsam gefahren werden (6 km/h), denn die sind zum Teil recht eng und es muss Platz für den Gegenverkehr bleiben. Das Ein- und Ausfahren von Kanälen kann mal knifflig werden, wenn der Wind recht stark ist und damit ordentlich Wellengang herrscht.

Habt ihr genug Platz im Boot gehabt und wie war es ausgestattet?
Unser Boot war insgesamt 7 Meter lang und knapp 2,5 Meter breit. Damit konnten wir es gut händeln. Zwei Erwachsene und drei kleine Kinder hatten prima Platz gefunden und auch unser ältester Sohn (hier nicht mit an Bord) hätte noch einen bequemen Schlafplatz gefunden. Klar, bei schlechtem Wetter ist es irgendwann mal eng, aber es ist immer schön trocken.
An Deck hatten wir ein kleines Dach, was vor Sonne und Regen schützt. Hier ist der einzige Punkt, den wir beim nächsten Mal ändern würden. Denn oben an Deck ist es recht windig und bei Regen hilft das offene Verdeck nur bedingt, denn der Regen kommt meist von vorn. So würden wir das nächste Mal ein verschließbares Verdeck wählen.

Hattet ihr keine Angst, dass die Kinder ins Wasser fallen?
Und ob! Das war die Frage, die wir uns selbst am meisten schon vorab zu Hause gestellt haben. Wir haben für alle Schwimmwesten gehabt (zum Ausleihen bekamen wir welche vom Verleiher und von zu Hause haben wir noch eine für den Jüngsten mitgebracht) und bereits vorm Betreten des Bootes mehrmals darauf hingewiesen, dass das nicht ganz ungefährlich ist, ins Wasser zu fallen. Auf den Bildern kann man ganz gut sehen, dass die Brüstung an Deck nicht recht hoch ist und der Abstand vom Boden bis zur ersten Strebe kein Kind davon abhält, bei rutschigem Boden und Wellengang durchzurutschen. Wir haben zudem eine Öffnung mit Seilen versucht, abzuschließen. Aber überall lauerten quasi ‚Abrutschgefahren‘.
Ich kann glücklich berichten, dass kein Kind ins Wasser gefallen ist!!! Mal saßen sie an Deck, haben den Ausblick genossen, mal ging es in wilder Hasche ins Oberfenster rein ins Bett und dann wieder über den Eingang raus. Meist sind sie in der Kajüte geblieben und haben gespielt. Der Jüngste kam oft auf den Rücken in die Trage, wo er dann die Fahrtzeit verschlief und wir so dem kindlichen Drang nach Bewegung ein Schnippchen geschlagen haben.
Das Wichtigste ist wohl aber, die Fahrtzeit nicht zu lang werden zu lassen. So drei bis vier Stunden sind wir am Tag fahrend im Boot gewesen.

Wie waren denn die Polen so?
Ich hatte mich im Vorfeld schon erkundigt, wie sie uns als Deutsche wohl entgegentreten. Da kamen mal positive, mal kritische Äußerungen. Unser Eindruck war, dass die Polen gern unter sich sind. Wir waren bei unserer Reise in Polen auch noch an der Ostsee in einer sehr bekannten Ecke für Sommerurlaub unter den Polen. Auch hier gab es eher den Eindruck, dass ihnen die eigenen Landsmänner- und frauen lieber sind als wir. Ich hatte wider Erwarten das Gefühl, dass ältere Polen gern mal auf uns zukamen – vielleicht auch wegen der Rasselbande. Ich wurde auch mal wild beschimpft, weil ich wohl an einer falschen Stelle abgewaschen habe. Er hörte gar nicht auf zu meckern, obwohl er merkte, dass ich kein Wort verstand.
Logischer Weise haben wir uns polnische Floskeln eingeprägt, um schneller in Kontakt zu kommen, aber das schien nicht zu fruchten. Sie blieben recht kühl, eher abweisend und nicht so richtig mega hilfsbereit.

Wie muss ich mir die Masuren optisch vorstellen?
Ich meine wie die Mecklenburger Seen nur noch um einiges größer und viel weiter und nicht so touristisch. Die vielen aneinandergereihten Seen bieten an vielen Ecken kleine, unberührte Buchten mit feinem Sand, Muscheln, Wasserschnecken und (ja!) Blutegeln. Das Wasser ist absolut sauber. Was leider von den kleinen Buchten und dem Wald nicht immer zu sagen ist. Überall fanden wir Müll! Es bleibt mir ein Rätsel, warum in so idyllischer Landschaft Säcke von Müll abgestellt werden. In den riesigen Seen gibt es oft kleine Inseln, die zum anlegen einladen.
Die Wälder waren oft unberührt, die Felder endlos weit und es gab wenig Städte am Ufer. Wir fanden eher kleine Wohnsiedlungen und einzelne Häuser.

Und wie macht man das mit dem Tanken?
Das Thema konnte ich mir vor der Tour nur schwer vorstellen. Wir haben immer gelesen, es gäbe Tankstellen am Wasser. Und genauso ist es auch. Es gibt sie nicht in Massen, aber wir haben unsere Etappen so geplant, dass wir bequem vom Wasser aus tanken konnten. Leider gab es einmal im Buch den Hinweis zu einer Tankstelle, die dann dort gar nicht war. Das hat auf der nächsten, sehr langen Etappe für ein sehr ungutes Gefühl gesorgt. Aber wir hatten es doch zur nächsten Tankstelle (‚Orlen‘ ist die Tankstellengesellschaft in Polen) geschafft, extrem bange Stunden inklusive. An den Tankstellen muss man schon recht fit im Ein- und Ausparken sein, damit man das Seil flott festmacht und auch gekonnt wieder davonschippern kann, aber mein Mann hat das mit Bravour geschafft. 😉
Sonst gibt es immer mal in Straßennähe eine Tankstelle. Wer also nicht unbedingt auf die Wassertankstellen angewiesen sein will, nimmt einen Kanister mit und läuft eben mal ein, zwei Kilometer.

Was kostet denn so eine Tour?
Die Hafengebühr pro Nacht schwankte zwischen 5€ und 10€. Im Heimathafen ist die Übernachtung kostenfrei. Dabei muss auch manchmal die Toilette bezahlt werden, das Entleeren der Chemietoilette kostete nichts. Duschen gab es nie kostenlos.
Das Essen in Polen ist ähnlich im Preis. Ein bisschen günstiger als in Deutschland. Essen gehen ist auch günstiger. Wer Freund von süßen Dingen wie Waffeln ist, wird es lieben.
Die Bootsmiete war deutlich günstiger im Vergleich zu den Mecklenburger Seen. Es war etwa nur die Hälfte. Für ein fast neues Boot mit super Ausstattung bezahlten wir für eine Woche 525€. Die hinterlegte Kaution waren 100€.
Das Benzin liegt preislich unter dem aktuell in Deutschland. Sowohl am Wasser wie auch normal an der Straße war es etwa nur 75% so teuer wie hierzulande.

Wie lange komme ich mit den Benzin, Wasser, Chemietoilette, Gas?
Bei uns in den Benzintank passten 20 Liter, die dann etwa für 2 bis 3 Tage locker reichten. Wer sehr viel am Tag fährt, natürlich weniger. Die Standheizung lief mit Diesel, was aber nicht im Ansatz drohte, alle zu werden.
Das Wasser im Wassertank waren 50 Liter und war nach knapp 2,5 Tagen leer. Wir hatten noch einen Wasserkanister mit, der uns dann half, Wasser nachzufüllen, wenn kein Schlauch verfügbar war.
Das Chemieklo muss schon so alle zwei Tage geleert werden. Unterwegs in den Häfen geht das immer unkompliziert. Allerdings ist es trotz der Enge im ‚Bad‘ deutlich angenehmer, als auf den alten, abgewirtschafteten Toiletten.
Das Gas zum Kochen wurde bei uns in der Woche nicht alle, obwohl wir oft gekocht hatten. Im Notfall kann aber an den Tankstellen und Häfen neues nachgekauft werden.

Beste Reisezeit:
Von Mai bis Ende August. Auf den Seen ist es doch deutlich kühler und windiger und selbst bei viel Sonne ist immer eine leichte kühle Brise zu spüren. Obwohl das natürlich auch die Zeit der Mücken ist, hatten wir keine Probleme mit den Stechtieren. Eher die Wespen störten von Zeit zu Zeit. Dies ist sicher in jeder Saison anders.

Einreise:
Es gab keinerlei Kontrollen. Allerdings hatten wir alle Reisepässe zur Vorsorge mit.

Anreise:
Polen ist stark im Um- und Neubau was die Straßen angeht. Wir sind mit dem Auto zum großen Teil auf der Autobahn unterwegs gewesen. In Polen wird auf den Autobahnen Maut verlangt. Bis in die Masuren waren es knapp 30€. Die Landstraßen schlängeln sich zum Teil ganz gemütlich durch die Landschaft, auf manchen Landstraßen kann aber recht flott gefahren werden. Achtung! Es stehen regelmäßig Blitzer am Straßenrand. Diese sind aber vorher angekündigt. Oft mussten wir gefühlte Ewigkeiten an Baustellenampeln warten, weil die Straße saniert wurde. Irgendwann haben wir es den Polen gleichgetan und sind einfach trotz rot gefahren – es ging immer gut!

Sprache:
Natürlich Polnisch. Wir haben vorab bereits einige Floskeln gelernt, sodass nach dem Zeigen vom Brot ordentlich ‚Danke‘ und ‚Auf Wiedersehen‘ gesagt werden konnte. Aber wie erwähnt, erweichte ein polnisches ‚Guten Tag‘ nicht oft die Seele der Einheimischen.
Das erhoffte Englisch half nicht ganz so oft und gut, wie ich gedacht hätte. Manche Ältere konnten noch gebrochen Deutsch.

Geld:
Bezahlt wird mit dem Zloty. In Deutschland hatten wir kein Geld gewechselt und hatten an der ersten Mautstelle an der Autobahn den Zloty als Wechselgeld bekommen. Am besten sind wir gefahren, wenn wir in einer Bank gewechselt haben. Hier war der Umrechnungskurs am ehesten wie eigentlich ausgeschrieben (1€ = 4,2 Zloty, Stand 2014). An den Wechselstuben wird immer abgerundet. Die findet man aber in den größeren Städten überall. Am Automaten Geld abheben funktioniert unkompliziert.

polen-hausboote
Hier haben wir unser Boot gemietet. Die Kontaktperson spricht Deutsch und alles lief absolut professionell ab.

masuren
Hier haben wir uns viel belesen über Land und Leute.

wiki/Masuren
Hier gab es auch geografisch eine gute Einordnung.

unbedingt eine warme Mütze für den zum Teil heftigen Wind an Deck!

eine Sonnenbrille hilft wunderbar gegen den Wind in den Augen und gegen die reflektierende Sonne.

warme Kleidung! Es wird kühler als erwartet an Deck.

vielleicht sogar ein Paar dünne Handschuhe. Das Lenkrad war aus Metall, das macht es doppelt kühler.

Eine Schwimmweste für die Kinder ist goldwert!

Sandalen, die schnell wieder trocken werden.

Outdoorseife. Damit kann man sich und die Kleidung auch mal im Wasser waschen.

Bootsurlaub in den Masuren. Melanie Haselhorst, Kenneth Dittmann, 2009.
Ein super Buch und eigentlich ein Muss. Alle Häfen sind erklärt mit Wassertiefe, Anlegerichtung und Tipps für die Städte/Dörfer, eine kleines Wörterbuch ist im Anhang, die wichtigsten Schifffahrtsregeln stehen drin,  Aber Achtung! In Jora Wielka gibt es keine Tankstelle!!!

Wielkie Jeziora Mazurskie. Von ExpressMap, 1:60 000. Dies war unsere Wasserkarte. Hier konnten alle Kanäle, Brücken, Wassertiefen, Untiefen, Fahrtrichtungen ect. abgelesen werden.

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