Armenien: Auf der Suche nach den Spuren der Zeit

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Reiseberichte Asien Armenien Josh | 20. März 2011

Armenien: Auf der Suche nach den Spuren der Zeit

Ich unternahm meine Reise Anfang September 2010. Der ursprüngliche Gedanke, Armenien über den Landweg zu erreichen, konnte aus Zeitgründen leider nicht verwirklicht werden. Mein erstes Ziel bestand im Aragats, mit 4.090m der höchste Berg Armeniens. Einige Tage verbringt man zwangsläufig in Yerevan, da die Stadt oft als Ausgangspunkt für verschiedene Ausflüge in alle Teile des Landes dient. Eine weitere Wanderung führte mich vom Geghard-Kloster über die Gegama-Berge bis zum Sevansee. Vier Tage verbrachte ich außerdem in Nagorno-Ka, um meine Reise schließlich die letzten drei Tage in Tblisi ausklingen zu lassen.

Warum Armenien

Armenien – Wahrscheinlich können sich nur Wenige unter diesem Land etwas vorstellen. Selbst mir als Geographiestudent ging es da nicht viel anders, bis ich im Internet zufällig über Fotos gestolpert bin und ich gleich begeistert war. Ein weiteres Argument für eine Reise in dieses Land war für mich, dass es noch nicht zu den Top-Destinationen für Touristen gehört.
Vielleicht liegt das an der geographischen Einordnung Armeniens: irgendwo zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer, nicht wirklich Asien oder Naher Osten, jedoch auch nicht Europa. Schon früher erfuhr Armenien die unterschiedlichsten kulturellen Einflüsse der umliegenden Reiche, was es heute so interessant macht.

Kloster Sevanavank am SevanseeRuinen in Sushi - Berg KarabakhSpuren der Zeit

Was Sie schon immer über Armenien wissen wollten…

Armenien? Allein? Ohne Russisch-Kenntnisse?           
Klar doch! Armenien steht bei den meisten nicht gerade oben auf der Favoritenliste als nächste Reisedestination. Dennoch wird man bei seinem Aufenthalt in Armenien ständig andere Individualtouristen treffen, zumindest in den Städten. Bei Wanderungen in den Bergen stehen eher Begegnungen mit Hirten auf der Tagesordnung. Selbst ohne Russisch-Kenntnisse wird man oft zum Kaffee oder Essen eingeladen und kommt nie um ein kleines Schwätzchen herum. Einige Brocken Russisch können helfen, interessante Geschichten der Leute zu erfahren.
      
Wie ist es um die öffentlichen Transportmittel bestellt?
In Armenien stellen die sogenannten Marshrutkas das Herzstück des öffentlichen Transports dar. Dabei handelt es sich um Kleinbusse, die in Europa auf 9 Personen zugelassen sind. In Armenien allerdings finden mehr als doppelt soviele Passagiere einen Platz. Dass dies zu Lasten des Reisekomforts geht, versteht sich von selbst. Die Marshrutkas fahren los, sobald alle Plätze belegt sind,dabei muss man jedoch nie lange warten. Bei kürzeren Strecken zahlt man beim Aussteigen beimFahrer, bei längeren Strecken kauft man sich die Fahrkarte an einem Schalter. Zu beachten ist ausserdem, dass die meisten Marshrutkas am Morgen oder Vormittag losfahren, also sollte man sich nicht zu spätz um Busbahnhof begeben. An den Busbahnhöfen geht es teils chaotisch zu. Die Fahrtziele sind nur in Armenisch angegeben, so dass es nützlich sein könnte, sich die 36 Buchstaben des armenischen Alphabets anzueignen. Allerdings kommt man auch ohne die entsprechenden Sprachkenntnisse immer an sein Ziel, hier kann man sich ganz auf die armenische Hilfsbereitschaft verlassen.

      
 

Eine Mitfahrgelegenheit in den Bergen mit anschließendem Wodka-FrühstückTal in der Nähe des Garni-TempelsBlick auf den Gipfel des Aragats

Warum würdest du eine Reise nach Armenien unbedingt empfehlen?
Armenien besticht neben seinem reichen kulturellen Erbe und seiner landschaftlichen Vielfalt vorallem durch seine ausgesprochene Gastfreundschaft der Bewohner. Um in dessen Genuss zu kommen, sollte man sich natürlich etwas ausserhalb der Touristenpfade begeben und Wanderungen unternehmen. So kommt man am einfachsten mit den Dorfbewohnern und Hirten in Kontakt. Selbst wenn die Kommunikation oft schwierig sein mag, so sind es doch diese Begegnungen,die einem lange in Erinnerung bleiben werden. Ich befand mich noch keine 12 Stunden in Armenien, da war ich bereits einmal zum Essen und einmal zum Kaffeetrinken eingeladen worden. Es sind also vorallem die menschlichen Begegnungen, die dieses Land für mich so interessant gemacht haben und weswegen ich eine Reise dorthin nur wämstens empfehlen kann.

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2 Kommentare

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    1
    Vincent Templer | 25. März 2011, 13:00

    Ich musste leider zwei Tage in Armenien-Dilijan “Dili Villa gasthaus” verbringen. Es war schrecklich. Das Personal sprach nich Englisch und war im allgemeinen sehr unfreundlich. Der Mann hat mich morgens nach dem Frühstück so angeschaut als müsste ich meinen Teller selbst wegräumen! Man bekommt nicht mal den Koffer auf´s Zimmer gebracht! Die Zimmer sind bestimmt seit Monaten nicht mehr gereinigt worden. Zum Glück hatte ich meine Sagrotantücher mit, sonst hätte ich in dem dreckigen Zimmer nicht aushalten können. insgesamt sehr ungemütlich. Einzig positiv ist der kostenlose Internetzugang.
    Keine Weiterempfehlung, nie wieder Dili Villa!

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    Claudia | 15. Juni 2011, 22:30

    Ich kann den Bericht von Josch nur bestätigen. Armenien ist ein faszinierendes Land. Es besticht durch seine atemberaubend schöne Natur und die Herzlichkeit der Menschen. Auch die Tatsache, dass es touristisch wenig erschlossen ist, ermöglicht, das Land “pur” kennen zu lernen. Uns hat auch fasziniert, wie sicher dieses Land ist! Wir waren nun schon 3x dort und ein nächster Besuch ist geplant!

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Short Cuts Armenien

  • Reisezeit: Der August ist für eine Reise am wenigsten zu empfehlen, da in diesem Monat die Temperatur nicht selten 40°C beträgt. Selbst der September ist noch ziemlich heiß, sofern man sich in den Tälern oder den Städten aufhält. Hat man jedoch vor Wanderungen in den Bergen zu unternehmen, sollte man genügend warme Kleidung dabei haben,da es,sobald die Sonne verschwunden ist, empfindlich kalt wird. 
  • Anreise: Es gibt relativ günstige Flüge nach Yerevan verschiedener Fluggesellschaften mit Zwischestopps entweder in Kiev, Warschau, Minsk, Moskau, Riga etc. Bei den meisten Flügen muss man damit rechnen, zu ungünstigen Zeiten zu starten bzw. zu landen. Alternativ kann man über dem Landweg über die Türkei und Georgien, sowie dem Iran einreisen oder das Schwarze Meer mit einem Frachtschiff überqueren, was jedoch lange dauert und etwas Geduld erfordern wird.
  • Einreise: Für Armenien benötigt man ein Visum, welches jedoch problemlos am Flughafen oder den Grenzstationen zu bekommen ist (Kosten 3000 dram). Hat man vor, mit dem Zug von Tblisi nach Yerevan zu fahren, muss man das Visum schon im Voraus besorgen. Es besteht außerdem die Möglichkeit, das Visum über Internet zu bestellen, das ist eventuell die einfacherer Variante, jedoch auch etwas teurer.
  • Sprache: Außer Armenisch sprechen die meisten Leute noch Russisch, so dass ein paar Wörter entweder der einen oder anderen Sprache bei der allgemeinen Verständigung hilfreich sein können. Englisch wird nicht so häufig gesprochen, jedoch findet man in Yerevan zahlreiche Restaurants mit englischer Speisekarte, außerhalb der Hauptstadt kommt dies jedoch äußerst selten vor.
  • Geld: In größeren Städten kann man Geld problemlos an Geldautomaten abheben oder in den unzähligen Wechselstuben umtauschen. Reist man viel über Land, sollte man sich vorher Gedanken über die Möglichkeiten der Geldversorgung gemacht haben.

wwwo beginnen

Leider ist das Angebot an informativen Internetseiten derzeit noch äußerst bescheiden. Informationen findet man jedoch auch auf den zahlreichen Reiseanbietern für Armenien. Zum Beispiel:
Reiseinfos:
Diese Seite stellt sehr ausführliche PDFʼs zu einigen Regionen Armeniens umsonst zur Verfügung. Hier findet man alle Informationen die man für eine Armenienreise benötigt,beispielsweise auch für Wanderungen auf dem Aragats.

armenischer Reiseblog
Hier findet man einige interessante Beiträge, sie sind jedoch weniger für die Reiseplanung gedacht. Die Seite verfügt allerdings über eine sehenswerte Bildergallerie.

Infos zur Aragat-Besteigung:
Auf dieser Seite gibt es einige Informationen über die Besteigung des Aragats, die sehr hilfsreich sind, da die Informationen in Reiseführern äusserst spärlich sind. Allerdings trifft man auch andere Wanderer die einem Informationen über die aktuelle Lage liefern können.

Armenien

Nicht vergessen

  • Ein Kocher ist für mehrtätige Wanderungen sicherlich zu empfehlen. Er lässt sich damit auch zum Abkochen von Wasser einsetzen. Am einfachsten ist ein Multifuel-Kocher, so ist man relativ unabhängig und Tankstellen lassen sich meist problemlos finden.
  • Ansonsten eventuell ein Pfefferspray, welches einen vor aufdringlichen Schäferhunden schützen könnte. Jedoch habe ich in dieser Hinsicht keine schlechte Erfahrung gemacht. Die Hirten sind immer gleich zur Stelle, wenn ein Fremder im Anmarsch ist.

Literatur

Karten online:  Die ursprüngliche topomaps-Seite mit allen topographischen Kartenblätter für Armenien (abrufbar und zu speichern) gibt es so als link nicht mehr. Die Karten waren in einem Maßstab von 1:100.000, haben jedoch teilweise bereits 40 Jahre auf dem Buckel. Da ich mir aber für meine Reise die Karten digitalisiert habe, kann ich auf Nachfrage auch gern weiterhelfen. Die hier verlinkten Karten der Texas University haben einen größeren Maßstab, sind aber z.T. genauso alt. Sie dienen also eher der groben Orientierung beim Wandern oder bei der Planung der Reise. In waldfreien Regionen kommt man damit über die Runden, wobei man sich im Norden Armeniens nicht unbedingt darauf verlassen sollte.


Lonely Planet 2008 von Richard Plunkett und Tom Masters: Georgia, Armenia & Azerbaijan.
Bei diesem Reiseführer handelt es sich nicht um einen der besten dieser Reihe. Die Informationen zum Transport und Unterkunft sind wie gewohnt meist zuverlässig, jedoch auch nicht immer richtig - beispielsweise sind auch teure Hotels aufgeführt, die vermutlich kein Individualreisender aufsuchen wird. Des Weiteren sind oft angepriesene Sehenswürdigkeiten oder sogenannte „Highlights“ total überzogen dargestellt. Bei Armenien würde es sich lohnen, auch mal einfach ohne Reiseführer los zu ziehen; wird zwar etwas anstrengender, aber ist sicherlich nicht unmöglich. Selbst mit ein paar Brocken Russisch findet man immer den richtigen Bus.