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Teaserbild: Mit Kajak und Hundeschlitten zur Polarnacht in Nordnorwegen

Mit Kajak und Hundeschlitten zur Polarnacht in Nordnorwegen

Mit Kajak und Hundeschlitten zur Polarnacht in Nordnorwegen

Der Norden wurde von uns viele Jahre nur im kurzen Sommer besucht. Doch auch im Winter ist er wunderschön und eine Reise wert. Wir wollten dieses Jahr eine „richtige“ Hundeschlittentour machen und da wir noch 2 Tage unverplant hatten, kam uns die verrückte Idee, mit Kajaks in den Fjorden rund um Tromsø Wale zu beobachten.

Warum Norwegen

Norwegen bietet eine grandiose Natur in Verbindung mit wenig menschlichem Einfluss. Hier kann man schnell in die Natur eintauchen und tagelang weder Menschenseele noch Straße oder Haus zu Gesicht bekommen. Die Berge und Fjorde sind unbeschreiblich schön, besonders wenn sie schneeweiß bedeckt sind. Norwegen ist allerdings auch eines der teuersten Reiseländer der Erde. So hätten wir für einen kleinen Nachtisch in einem amerikanischen Diner knapp 15 Euro bezahlt.

Nordlicht am Abend.Feuchtigkeit setzt sich außen auf dem Pullover in Form von Kristallen bei -28°C fest.Mein Gespann mit den Leithunden Stranz und Nuuq. Dahinter die liebe Wanni.

Was Sie schon immer über diese TOUR wissen wollten…

Die Polarnächte erleben
Die Polarnacht zu erleben war ein unvergessliches Erlebnis, denn sie ist nicht so dunkel und duster wie wir uns Mitteleuropäer das vorstellen. Der Himmel gab uns Tag für Tag ein Schauspiel von unbeschreiblicher Schönheit, auch wenn wir die Sonne selbst nicht sehen konnten. Unsere Reisezeit Mitte Januar lag am Ende der Polarnacht, die größeren Seen waren schon zugefroren und es lag auch schon sehr viel Schnee.

Kajaken mit Walen
Wir kajaken sehr gerne (bis jetzt nur im Sommer) und Wale wollten wir schon immer mal sehen. Als wir dann das Angebot von Kayak Tromsø im Internet sahen, waren wir sofort Feuer und Flamme. Wir entschieden uns für eine 2-Tagestour. So konnten wir uns an das Kajaken mit Trockenanzug und bei Kälte gewöhnen und die Chance, Wale zu sehen, erhöhte sich natürlich auch. Am Vorabend des ersten Tages trafen wir uns mit Kjetill, unserem Guide für die 2 Tage, im Hoteleingang. Er fuhr uns mit seinem Auto zum Materiallager, damit wir unsere Sachen, Boote etc. auswählen konnten.
Wir bekamen ein 2er-Kajak, Trockenanzug, Schuhe und Handschuhe. Organisatorische Dinge der nächsten Tage wurden geklärt und er lieferte uns wieder am Hotel für die Nacht ab. Wir waren aber irgendwie viel zu aufgeregt, um gut schlafen zu können.

Uns kreuzen die Wale
Am nächsten Morgen zogen wir viele warme Sachen und unsere Trockenanzüge an und stapften durch das Hotel. Schräge Blicke fielen aus, ist anscheinend normal hier. Kjetill holte uns wieder mit Auto und Kajaks um 9 Uhr ab und hatte schon einen Plan, in welchem Fjord wir nach Walen suchen könnten. Es war noch dunkel, doch langsam wurde es hell und tatsächlich konnten wir schon vom Auto aus Wale auf dem Fjord entdecken. Also fix Boote vom Auto geholt und wir konnten in See stechen.
Rauer Wind mit Hagel kam uns entgegen und wir schmeckten das Salz der See, doch es war ein unbeschreibliches Gefühl, hier paddeln zu können. Die schneebedeckten Berge und das Aufbrechen der Wolken führten zu einer tollen Stimmung. Weit entfernt sahen wir Wale und paddelten ihnen entgegen. Sie einzuholen ist zwecklos, die Beobachtung von Nahem entscheiden letztendlich die Wale. Plötzlich kreuzte eine Herde Orcas unseren Weg. Wir konnten ihren weißen Rückenbereich und die beeindruckende Finnen beobachten. Später sahen wir einen ganzen Orcakindergarten. Einen Buckelwal bekamen wir an diesem ersten Tag auch noch zu Gesicht, bevor wir glücklich und zufrieden an Land gingen.
Mit warmen Getränken, Schokolade und einer gefriergetrockneten Mahlzeit erzählte uns Kjetill noch viel über unsere Wale. Die Wetteraussichten am nächsten Tag versprachen weniger Wind, und so wagte sich Kjetill mit uns vom offenen Meer in einen schönen Fjord, den Ersfjord, hinein. Heute war der Tag der Buckelwale. Zwar sahen wir auch viele Orcas, aber die hatten es ziemlich eilig und zogen nur an uns vorbei. Die Buckelwale konnten wir aber beim Jagen beobachten. Um einen schlafenden Buckelwal machten wir dann doch lieber einen Bogen. Zwei unvergessliche Tage auf dem Wasser neigten sich dem Ende zu.

Das Lavvu (samisches Tippizelt) bot uns nachts ein Dach über dem Kopf.Baden im Nordmeer im Januar. Durch Trockenanzug kein Problem.Abendstimmung bei der Fahrt über den Altevatn.Mein Leithund Stranz.Flosse eines Buckelwals vom Kajak aus fotografiert.Das Fell der Huskies ist so isolierend, dass der Schnee auf dem Fell nicht taut.Aufbruch am Morgen bei untergehendem Mond.Farbenreicher Himmel am Morgen auf der gegenüberliegenden Seite der Sonne.Pause in den ersten Sonnenstrahlen des Jahres nach einer langen Polarnacht.

Hundeschlittentour in den Weiten des norwegischen Fjälls
Mit Hunden wollten wir dann in 5 Tagen die norwegische winterliche Bergwelt erkunden. Bei Björn Klauer fanden wir das richtige Angebot. Björn ist vor über 25 Jahren aus Deutschland ausgewandert und hat seinen Traum mit dieser Huskyfarm verwirklicht. Letztes Jahr waren wir schon eine Woche auf seinem Hof, dieses Jahr sollte es dann aber eine richtige Tour werden. Wir können seine Farm nur empfehlen, die Hunde sind super lieb, läuferisch topfit und nicht zu bremsen. Die Betreuung vor Ort war für Mensch und Tier ausgezeichnet, sodass man sich gleich ab dem ersten Tag gut aufgehoben fühlt.
Am Anfang ging es erstmal ums Kennenlernen, Ausrüstung zusammenstellen, mit dem eigenen Gespann eine Runde drehen und für den großen Tag des Starts alles vorzubereiten. Wir merkten schon jetzt, dass es keine Kaffeefahrt werden würde. Die folgenden 5 Tage auf Tour verlangten Einiges an physischer und psychischer Kraft von uns.

Ohne Anpacken geht es nicht
Die Hunde mussten angespannt werden und sie hatten eine immense Kraft. Dann musste der Schlitten bepackt, umgeworfen und wieder aufgestellt werden. Auch das Laufen im Tiefschnee zog an unseren Kräften und Bremsen auf Eis war fast unmöglich. Unsere Gruppe bestand aus 5 Gästen und einer Reiseführerin sowie 39 Hunden. Das Wetter schien in den nächsten Tagen auf unserer Seite zu sein. Keine Wolke am Himmel, kalt und kaum Wind. Am ersten Tag kämpften wir uns zum Altevatn hoch, einem großen Stausee, dem wir zwei Tage folgen wollten. Jedes Gespann besaß 6 Hunde und jeder Schlitten wog ca. 100 kg. Immerhin fressen die Hunde pro Tag und Hund 1 kg Fleisch. Holz fürs Lavvu (samisches Tippizelt) und Verpflegung/Ausrüstung für uns musste natürlich auch mit. Das Lavvu hatte einen schönen Ofen, sodass es dort auch gemütlich warm wurde. Gegessen wurde abends immer regionales Essen, also Lachs, Elch, Rentier oder Schweinefleisch aus der Umgebung. Die Hunde bekamen mit der Axt zurechtgehacktes gefrorenes Fleisch und waren glücklich.

Die erste Sonne seit Langem bei -28°C
Nach einer geruhsamen Nacht im Lavvu weckte uns früh Kaffeegeruch. Es wurde gemütlich gefrühstückt und dann alles zusammengepackt für den zweiten Tag mit unseren Hunden. Wieder ging es über den Stausee und weit hinein in die norwegische Bergwelt. Unser Ziel war heute eine kleine Hütte des norwegischen Betreibers Statskog. Diese liegt traumhaft an einem See und hat sogar drei Schlafräume. Wasser wurde dann natürlich aus dem See geholt, dazu musste aber erst noch das Eisloch gefunden und wieder mit Handbohrer und Axt frei gemacht werden. Man merkt, Wasser in flüssiger Form ist hier ein kostbares Gut.
Am nächsten Tag sollten wir hier die Sonne zum ersten Mal für ein paar Minuten sehen. Für uns keine große Besonderheit, für unsere Reiseführerin nach zwei Monaten ohne Sonne ein großes Ereignis. Die Temperatur war an diesem Tag bei –28 °C, sodass unsere Augenwimpern mit Eiskristallen geschmückt wurden. Unsere Tour sollte uns hoch ins Gebirge führen, doch der Tiefschnee, in dem wir nur langsam vorankamen, machte uns einen Strich durch die Rechnung. Wir mussten umkehren und zur Hütte zurückkehren. Das trübte den Tag in keinster Weise. Die winterliche Landschaft und das Himmelsspektakel ließen uns die ganze Zeit nur so staunen.

Ein perfekter letzter Tag
Der vorletzte Tag der Tour wurde letztendlich zur Expedition erklärt, denn am Ende des Tages mussten wir einige Abenteuer überstehen. Steile Hügel mussten mit aller Hunde- und Menschenkraft erklommen werden, das dritte Gespann brach in ein kleines Eisloch ein, durch das dann noch zwei weitere Teams hindurch mussten und die letzte Stunde fuhren wir dann im Dunkeln durch verzaubert wirkende Wälder. Am Ende des Tages wurde uns mit Rum wieder gut warm und der Abend wurde noch sehr lang, denn Geschichten mussten immer wieder erzählt und neue Aspekte hinzugefügt werden. Nach 5 Tagen in der Natur und mit unseren lieben fleißigen Hunden kamen wir mit vielen Eindrücken zur Huskyfarm zurück, wo uns schon leckere norwegische Waffeln erwarteten.

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