Friedrichshafen-Messenachlese: Auch Outdoor-Profis kommen ins Schwitzen…

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planet tapir tapir aktuell Simone | 1. August 2015

…und konnten Mitte Juli bei hochsommerlichen Temperaturen testen, wie sommertauglich sie und ihre Bekleidung sind. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, wo Sonnenschein eher zur Mangelware erklärt worden war und Regen und Kälte das Bild bestimmten, konnten wir uns diesmal nicht beklagen. Sonne satt am Bodensee! Wie immer kamen die Klimaanlagen in den Messehallen an ihre Grenzen und traditionell fiel diese auch an einem Tag in einer der Hallen komplett aus. Doch wir waren ja nicht auf Testtour für aktuelle Bekleidung und Ausrüstung in Friedrichshafen. Wir wollten uns intensiv mit den Neuerungen für 2016 auseinandersetzen.

Zurück im tapir war auch schon traditionell die erste Frage an uns die nach den Highlights der vergangenen Tage. Das Resümee fiel unterschiedlich aus, was auch logisch ist. Jeder Einzelne der Fünfergruppe hat durchaus seinen eigenen Kopf und ganz ureigene Vorstellungen vom Outdoor-Dasein. Damit sieht sich vor allem im Ausrüstungsbereich auch jeder mit einem anderen Blickwinkel nach den Neuerungen um. Das finden wir auch gut so. Deshalb hier an dieser Stelle die Highlights der 5 tapire:

Moritz: (Sein Fokus war auf Hardware im Allgemeinen und auf Kletter- und Bergsport im Speziellen gerichtet.)

Ortovox Trad 35 – Der Trad 35 ist ein Alpintourenrucksack der besonders leichten Art und obwohl das Gewicht deutlich unter einem Kilo (850 g) liegt, bringt er alles mit, was im Gelände benötigt wird: Schlaufe auf dem Top, um das Kletterseil zu befestigen, eine Pickelbefestigung zum Anbringen von zwei Eispickeln, Stockhalterung und einen großen Eingriff hat man hier dabei. Was könnte man sich da noch mehr wünschen? Vielleicht eine abnehmbare Helmhalterung? Ist natürlich auch dabei!

Primus Zweiflammenkocher -  Die neue Zweiflammen-Kocherserie von Primus hat es wirklich in sich. Nicht nur, dass es sich ab jetzt stilsicher und geräumig im Gourmet- und Chefkochstil kochen lässt. Die eigens entwickelten Kocher sind sowohl mit großen (wiederbefüllbaren) Gasflaschen nutzbar als auch mit den bekannten und kompakten Schraubgaskartuschen. Die werden wir ab nächstem Jahr in verschiedenen Ausführungen sehen können. Nettes Detail: Die obere Platte des Kochers ist abnehmbar und kann somit nach einem langen Wochenende problemlos im Geschirrspüler gereinigt werden.

Kochsystem GSI Dualist -  Als ob das Dualist-Topfsystem nicht schon ausgereift genug wäre, nein, es bekommt ab nächstem Jahr noch sein I-Tüpfelchen. GSI bietet nämlich zwei Kocher an, die mit Kartusche und (!) Windschutz und (!) zwei Schüsseln und (!) zwei Besteckteilen im Topf verstaubar sind. Kompakter und effizienter geht es wohl kaum!


Rando: (Für alle, die ihn nicht kennen: Er ist unser Chef-Zeltplatzwart! Ihn interessierten vor allem die Neuheiten im Bereich Zelte und Camping.)

Meine Messehighlights sind eigentlich traditionell Gespräche direkt mit Produktdesignern und Fertigungstechnikern. Das geht außerhalb der OUTDOOR kaum und selbst auf der Messe nur selten. Relativ einfach ist das immer bei kleineren Marken, weil dort häufig Personalunion von Entwicklung und Vertrieb herrscht. Diese Gespräche bringen Wissenszuwachs und sie geben uns als Händlern die Möglichkeit, unsere Ideen und Wünsche direkt an die „Macher“ der Produkte zu kommunizieren. Dabei macht es mich schon auch ein wenig stolz, dass unsere Meinung auf der Herstellerseite geschätzt und manche Anregung dann in späteren Sortimenten auch umgesetzt wird.

So freue ich mich immer, wenn ich bei Nigor/ Eureka, unserem wichtigsten Zeltlieferanten, eine exklusive Sortimentsvorstellung vom Chef und kreativen Kopf der Firma, Geor Nicolaas, bekomme. Was der Mann jedes Jahr an neuen Ideen auspackt, ist beeindruckend. 2016 wird es bei Eureka eine ganze Familienzelt-Linie mit Luftschläuchen statt Gestänge geben. Das allein ist ja noch keine Revolution, aber wenn man dann die konkreten Modelle, ihre Details und ihre Verarbeitung sieht, dann kommt schnell Begeisterung auf. Hier ist wirklich ein Perfektionist am Werk und im Gespräch mit Geor gewinne ich eigentlich immer Zelt-Know-How dazu.

Ähnlich erging es mir auf dieser Messe am VauDe-Stand, wo ich von einer Technikerin, die direkt an der Entwicklung der VauDe-Zelte beteiligt ist, etliche Details zu den Modellen des Jahres 2016 (z.B. zum weiterentwickelten Taurus UL 2P) erfahren habe, die sich mir von selbst keinesfalls erschlossen hätten. Ein solches vertieftes Wissen verbessert die Qualität unserer Beratung natürlich erheblich, auch wenn am Ende nicht jeder potenzielle Zeltkäufer so tief in die Materie einsteigen muss (und will).

Wenn wir uns das bis 2016 merken können, dann böte sich beim Nomad „Masai 5 LW“ eine schöne Gelegenheit zu schauen, ob unsere Anregungen wirklich in die Produktentwicklung einfließen. Wir finden dieses kleine Familienzelt mit den zwei Vis-a-Vis-Schlafkabinen sehr gelungen, verstehen aber einfach nicht, warum es in zwei Packsäcken ausgeliefert und der Nutzer damit immer gezwungen wird, zum Transport Schlafkabinen und Boden auszubauen. Ein ausreichend großer Packsack, in dem das komplett montierte Zelt bequem Platz hat, wäre also dringend wünschenswert – und den habe ich mir auf der Messe bei Nomad gewünscht. Wir dürfen gespannt sein.


Ander: (Konzentrierte sich ausschließlich auf der Hardware  – mit besonderem Fokus auf Bergsportausrüstung, Kocher + Zubehör, Matten und Rucksäcke.)

Im letzten Jahr fand ich die technischen Highlights und Innovationen noch etwas spannender. Aber auch in diesem Jahr gab es größere, aber auch ganz kleine Innovationen, die mich überzeugt haben. Meine Highlights waren auf jeden Fall die Daypacks und große Tourenrucksäcke von Thule, sowohl, was das Design angeht, aber auch in Bezug auf die Ausstattung. Wie für Moritz gehört für mich das GSI-Kochsystem (Backpacker-Topfset inklusive Windschutz und wintertauglichem, freistehendem Kocher) auch dazu. Im Kletter- und Bergsportbereich sind es ein Edelrid-Toureneispickel, bei dem Haue und Schaufel/Hammer wechselbar sind und der neue Grivel-Karabiner für die Wandseite von Exen, der noch mehr Sicherheit in den Klettersport bringt.


Weitere Highlights sind die Mini-Variante der GoalZero Lighthouse-Lampe, die auswechselbaren Zipper-Repair-Schieber von Munkees und die neue Glacier-Superlight-Schlafsackserie von Mountain Equipment. Auch Ortlieb hat seine Radtaschenaufhängesysteme weiter optimiert und seine Kollektion um einen 35 Liter großen Back-Roller, sehr stylische Alltagsbackpacks und einen neuen, wasserdichten Ultralight-Rucksack mit aufblasbarem Tragesystem erweitert!

Alex: (Ist hauptmitverantwortlich für den Bekleidungsbereich in unserem Katalog, den der tapir gemeinsam mit den anderen Outdoor-Insider-Stores zusammenstellt. Sein Fokus liegt daher auf der Kleidung, auf neuen Materialien, spannenden Designs und außerdem auf den Schuhen)

Aus Bekleidungssicht gab es in diesem Jahr auf der Messe nur wenig, was wirklich neu ist. Man hatte eher den Eindruck, dass zur Zeit eine Regulierung des Bekleidungsmarktes stattfindet. Überzeugt hat mich die neue Technik bei der Therma-Rest-Matte. Eagle Creek verwendet bei seinem neuen Fast Inflate Pillow mit Windcatcher Technologie bei den Reisekissen eine ähnliche Technologie.


Außerdem hat mich der neue MSR® Guardian Purifier überzeugt. Der Wasserfilter schafft es, ohne jegliche chemische Zusätze Bakterien, Viren und Protozoen zu entfernen. Ich war erstaunt, wie leichtgängig er ist, wie schnell man sauberes Wasser bekommt (2,5 Liter/ Minute!) und wie simpel das Selbstreinigungssystem durch das Rückspülen funktioniert.


Simone: (Ist mit Alex zusammen unterwegs und versucht sich auf die Bekleidung und die Schuhe zu konzentrieren und trotzdem Zeit für die Neuerungen in der Hardware zu finden).

Bei der Bekleidung kann ich Alex nur zustimmen. Neben der Matte und dem Filter, über die Alex schon berichtet hat,  habe ich mich intensiv mit den neuen Schuhen von Arc’teryx auseinandergesetzt. Dabei fiel mir vordergründig nicht der Acrux AR GTX ins Auge, sondern der Arakys Shoe, ein leichter, barfußtauglicher Halbschuh: Extrem bequem und mit eingeklappter Fersenklappe als Schlappe zu tragen. Reinfahren und wohlfühlen. Meine Füße waren begeistert.

Am stärksten beeindruckt hat mich die Idee von Polarmond. So etwas können sich wahrscheinlich nur die Schweizer ausdenken. Ein All-in-one-Schlafsystem für Temperaturen weit unter -20 °C. Ein Schlafsystem, bei dem auch die wärmesuchenden akkubetriebenen Geräte kein Problem mehr darstellen, mit denen ich mir sonst im Winterschlafsack den Platz teilen muss. Außerdem ist das System auch flexibel einsetzbar: Man kann Teile zu Hause lassen, wenn man sie nicht braucht oder auch einzeln nutzen. Polarmond hat auf der Messe einen Prototypen vorgestellt, denkt über Anpassungen an moderatere Einsatzbedingungen nach und hat in meinen Augen für die Idee und für das Konzept, das dahinter steht, zurecht einen der Outdoor-Awards bekommen.

Bei uns im tapir gehören mobile Sicherungsgeräte wie Klemmkeile und Friends eher zu den Nischenprodukten. Aber Black Diamond ist es beeindruckend gelungen, das Gewicht bei ihren neuen Camalot™ Ultralight noch weiter zu reduzieren (wohl 25% weniger als der vergleichbare C4-Friend). Das konnten sie dadurch erreichen, indem sie das Stahlkabel des C4 durch einen Dyneema-Kern ersetzt haben, ohne Kompromisse im Hinblick auf Festigkeit und Langelebigkeit des Klemmgerätes eingehen zu müssen. Drüber hinaus gibt es bei Black Diamond auch neue Seil- und Kletterucksäcke und eine komplette Überarbeitung der Klassiker unter den Stirnlampen.

Fasziniert haben mich die neuen Sachen von Petromax und Primus. Zu den neuen Primus-Kochern hat Moritz ja schon etwas gesagt. Die Petromax-Kochutensilien sprechen mich nicht nur optisch an, sondern ich bin mir außerdem sicher, man kann sie eines Tages an seine Nachkommen weitervererben. Das ist nichts für Ultraleicht-Trekkingtouren – wer aber auf vier Rädern unterwegs ist, und gern am Feuer sitzt und kocht, der sollte sich die Sachen einmal näher ansehen.


Na, und dann gibt es auch wieder kleine Neuerungen, die das Outdoorleben (vielleicht) spannend machen können: Die On-Tour-Getränke (Flaschensystem zur CO2 Anreicherung von Wasser mittels Pulver + Zusätzen nach Wahl) von Pats Backcountry Beverages. Die haben sogar Bier! Und dann hat Powerspot einen mobilen Akku entwickelt, der einen Output bis zu 10 Watt hat, was aber nicht das Besondere an ihm darstellt, sondern: Man kann ihn auf Tour auch durch heißes Wasser aufladen! Damit werden wir uns noch weiter auseinandersetzen.

Und nicht nur damit. Wir haben in den vergangenen Tagen das Geschehene und Gesehene sacken lassen und verstärkt über das ein oder andere Produkt oder die ein oder andere Entwicklung nachgedacht. Wer in diesen Tagen genau hinsieht, kann über den Büroräumen am Georgiring Rauchwolken aufsteigen sehen. Wir brüten über Katalogen, Mitschriften, Fotos und sind dabei, das  Programm für den tapir und den angeschlossenen tapir-Store für Frühjahr/Sommer 2015 zusammenzustellen. Wie schon in den vergangenen Jahren sind wir darauf aus, (fast) alle Spielarten des Outdoorlebens abzudecken und euch die perfekte Bekleidung und Ausrüstung anbieten zu können. Natürlich wird es auch im Katalog 2016 und noch mehr bei uns im Laden beziehungsweise im tapir-Store Neues zu entdecken geben, werden neue Marken, aber auch Rückkehrer zu erspähen sein. Lasst euch überraschen und wenn ihr noch Anregungen habt, weil euch Sachen bei uns im tapir fehlen, dann schreibt uns eine kurze Mail.

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