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tapir-Messe-Nachlese: Outdoor by ISPO 2023

tapir-Messe-Nachlese: Outdoor by ISPO 2023

Vom 04.-06. Juni traf sich die Outdoor-Community drei lange Tage auf der OutDoor by ISPO im MOC Event- und Ordercenter in München, mittendrin auch ein paar tapire aus Leipzig. Die Tage waren vollgepackt, sodass uns nicht nur die Temperaturen auf dem Messegelände ins Schwitzen gebracht haben. Ob und was es an Neuerungen zu entdecken gab, könnt Ihr in unserem Messeresumee nachlesen.

Die Outdoor by ISPO stand auch in diesem Jahr wieder ganz im Zeichen von Nachhaltigkeit in der Produktion. Schon längst geht es dabei nicht nur um den Einsatz recycelter Materialien, sondern um den kompletten Prozess einer Kreislaufwirtschaft. Dazu kommt, dass „Weniger ist mehr“ als Lebensphilospohie auch eigentlich in der Outdoorindustrie angekommen ist. Eigentlich deshalb, weil zwar im Bewusstsein der Outdoor-Community angekommen ist, dass das Naturerleben nur im Einklang mit der Natur funktionieren kann. Andererseits wollen immer mehr Menschen raus in die Natur, sodass die (Verkaufs-)Zahlen in der Outdoorindustrie noch immer weiter ansteigen (wenn auch nicht mehr so stark wie noch vor einigen Jahren). Dabei beruht das Geschäftsmodell der Outdoorindustrie auf einer intakten Natur, kann man sich auf allen Werbefotos anschauen. Doch wir erleben auch, Stichwort Gletscherehe im Pitztal, dass in der Realaität der Umweltschutz mit dem Bewahren der Natur im Widerspruch zu unserem Anspruch ans Draußensein stehen kann.

Draußensein hat auch viel mit persönlicher Freiheit zu tun. Regulationsmechanismen, die auf dem ersten Blick diese Freiheit einschränken, werden dann nicht immer gut aufgenommen. So muss die Outdoor-Community versuchen, diesen Spagat zwischen Regulierung und Umweltschutz gelöst zu bekommen. Eine Stellschraube dabei können und sollten Innovationen in der Outdoorindustrie sein, Neuerungen, die auf Ökoeffizienz und Langfristigkeit ausgerichtet sind.

Das heißt: Auch die Outdoorindustrie braucht, um den Problemen unserer Zeit – Klimawandel, Abfall und Umweltverschmutzung, um nur einige Aspekte zu nennen – begegnen zu können, neue Ideen und visionäre Netzwerke. Und so kam man auf der Messe am Thema „Nachhaltigkeit in der Produktion“ auch gar nicht vorbei. Diese Einstellung spiegelt sich auch in den Awards wider: Ohne einen Nachweis der nachhaltigen Produktion wurde kein Produkt in den Wettbewerb aufgenommen. Die Herausforderung für die Jury dabei ist, Greenwashing herauszufiltern. Nicht alles, was als nachhaltige Produktion deklariert wird, ist es auch. Neu in der Jury für die Awards ist dann auch konsequenterweise Louisa Smith, Textil- und Fashion-Expertin. Sie ist verantwortlich für den Check der Sustainability-Angaben der eingereichten Produkte – für mehr Transparenz und wirkliche Veränderung in der Outdoorwelt.

Ich habe mir die Zeit genommen, mir im Freibereich einen Teil der ausgezeichneten Produkte näher anzusehen und bin dabei auf sowohl auf Altbekanntes getroffen wie auch auf einige wenige spannende Neuerungen. Ein klar erkennbarer Trend wird mit Re-Invention beschrieben. Bedeutet: Produkte werden überarbeitet und zeitgemäßer produziert und das zugunsten umweltfreundlicherer Materialien und Verarbeitungsprozesse (wiederverwendbare Rohstoffe, Verzicht auf schädlichen Chemikalien, Fokus auf Langlebigkeit und Entsorgungsfragen).

Unter den Altbekannten waren Therm-a-Rest (NeoAir XLite NXT), Bach (Dr. Expedition Duffel), Primus (Ulti Stove Systems), Ocùn (Twist Tech Eco Klettergurt), Black Diamond (Pursuit Shock Trekkingstock) und Leki (Hemp One Vario) vertreten. Während es durchaus möglich ist, dass diese Produkte in nächster Zeit den Weg in den tapir finden werden, fällt der Stock von Leki bei uns erst einmal raus. Der Stockhersteller aus Kirchheim u. T. hat beschlossen, dass zunächst nur Kunden von Globetrotter im Rahmen eines Pilotprojektes diese Stöcke erwerben können. Wir sind gespannt, ob vom Hanfstock im kommenden Jahr noch die Rede sein wird.

Auch Schuhfirmen wie Dolomite (Carezza WP), Dachstein (SF Trek), Garmont (Dragontail Geo) und Merell (Moab Sped 2 Mid GTX) sind unter den Award-Preisträgern vertreten.  Last but not least gab es auch kleine, feine Preisträger: Dometic (Hydration Water Faucet), 8BPLUS (Boulderbürste aus Meeresplastik) und Trail Hoppers (Nomad Cape).

Neben der Freifläche für die Award-Preisträger gab es auch eine Freifläche für die Newcomer, die für mich in diesem Jahr eher nicht so spannend und innovativ war wie in den vergangenen Jahren. Das liegt vielleicht daran, dass sich viele neue Trends in diesem Jahr um Materialentwicklung drehen.

Die Outdoor by ISPO sieht sich ja als Branchentreffpunkt – in diesem Jahr auch wieder mit gestiegenen Zahlen, was die Aussteller und auch die Besucher angeht. Gerade internationale Marken aus Übersee und Asien nutzen die Möglichkeit, sich den Europäischen Outdoormarkt zu erschließen. Für Händler wie uns ist die Messe eine Gelegenheit, sich mit den Neuigkeiten (Bekleidung, Hardware, Zelte) für den kommenden Sommer auseinanderzusetzen, um ein cooles Porgramm für den tapir zusammenzustellen. Und sie bietet außerdem die Möglichkeit, auch einmal über den eigenen Tellerand hinauszuschauen, zu entdecken, was andere Firmen alles zu bieten haben und womit wir unser Programm gut ergänzen könnten. So waren wir in diesem Jahr zu sechst auf der Messe unterwegs: Manu und Rando (Zelte, Tarps, Outdoormöbel), Alex und Wikki (Bekleidung und Schuhe), Carsten (Ausrüstung) und Simone (Neuigkeiten).

Alex und Wikki: „Im Bekleidungsbereich gab es in diesem Jahr kein neues Label auf der Messe. Dafür, dass es eine internationale Messe und ein großer Branchentreff ist, war das Markenportfolio eher enttäuschend. Im Austausch mit den Firmenvertretern ist immer von einer positiven Grundstimmung die Rede, die Nachfrage ist da. Aber herausragende Innovationen haben wir vermisst, die Firmen setzen aktuell eher auf Konsolidierung und auf Veränderungen in kleinen Schritten. Ja, und zur Trendfarbe für 2024 in der Outoorbekleidung: Lila ist das neue Blau! Auch bei Männern.“

Carsten: „Die Räumlichkeiten des Orderzentrums MOC in München erwiesen sich als zu klein, die Stände standen dicht gedrängt und es waren viele kleine Firmen aus dem Ausland vertreten. Im Grunde hat auch in diesem Jahr niemand das Rad neu erfunden. Im Hardware-Bereich sind die Themen Xpak und und Titan weiter im Kommen, genauso wie das große Thema Vanlife. Fast schon egal, an welchem Stand man war: Recycling wird immer wichtiger für Kunden und damit auch für die Hersteller. Auffällig ist aber auch, dass, auch wenn „recycelte Materialien“ an den Produkten steht, Firmen nicht immer aussagekräftig sind, woher die Materialen ursprünglich kommen. Das ist unbefriedigend für alle und bleibt für uns tapire definitiv ein Thema, wenn es an die Auswahl der Produkte für den kommenden Sommer geht.“

Manu: „Ich war seit 10 Jahren zum mal wieder auf der Messe und wegen der Fokussierung auf nur eine spezielle Produktgruppe (Zelte) war der Besuch für mich ein Novum. Viel Zeit, um über den Tellerrand zu schauen, blieb bei dem dichten Terminplan und mächtig viel Begängnis auf der Messe nicht. Bei den Zelten wird es 2024 keine großen Veränderungen oder Innovationen geben. Interessant zu sehen waren allerdings die mannigfaltigen Zubehöre für das Reisen mit Bus, Dachzelt und Campingvan. Hier ist der Trend noch lange nicht vorbei.
Meine coolste Sichtung auf der Messe war ein Baumwoll-Glamping-Zelt von Nordisk, das vom Zelt bis zum Zubehör (Bambusgestänge und -Heringe!) komplett aus natürlichen Materialien gefertigt war.“

Simone: „Nach ein paar Jahren Messepause hatte ich die Zeit, abseits von Oderterminen über die Messe zu schlendern. Mein Fokus lag dabei auf Neuheiten und Trends. Ich habe gerade im Textilbereich, was Stoffe und Materialzusammensetzungen angeht, europäische Start-Ups vermisst. Auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit sind mir auf den Ausstellungsflächen der Sustainability Hub fast nur alte Bekannte wie VauDe, Blue Loop oder Exped begegnet. Auffällig war dabei auch, wie Carsten schon erwähnt hat, dass die Aussagefähigkeit zum Recycling-Kreislauf bei einigen Firmen einfach nicht gegeben ist. Ein grünes Label allein sagt eben doch noch nicht alles aus. Da ist noch deutlich Luft nach oben.
Ansonsten ist mein Highlight die Weiterentwicklung des Petzl-Klassikers Grigri: NEOX®. Das Sicherungsgerät mit Blockierunterstützung hat für ein besseres Handling bei der Seilführung (Einfachseile zwischen 8,5 und 11 mm) eine intergrierte Rolle eingebaut bekommen. Ich bin gespannt, ob sich das NEOX® von Petzl trotz des stolzen Preises von 130 Euro in der Community durchsetzen wird.“

Am Ende der drei Münchner Tage zogen die Veranstalter ein mehr als positives Fazit: „Fast doppelt so viel Ausstellungsfläche wie letztes Jahr, die Rückkehr unzähliger wichtiger Branchen-Player und die Teilnahme vieler interessanter Newcomer-Brands haben uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und mit unserem Hauptthema – die Kreislaufwirtschaft – und den entsprechenden Konferenzen und Projekten haben wir den Nagel auf den Kopf getroffen. Wir freuen uns schon sehr auf die OutDoor by ISPO 2024 in Riem, wo uns mehr Fläche und Möglichkeiten zu weiteren Höchstleistungen inspirieren werden.“ (Lena Haushofer, Exhibition Director ISPO Munich und OutDoor by ISPO)

Ich halte es mit dem Yeti auf zwei Beinen, Reinhold Messner: „Die entscheidende Frage ist: Wie ernst werden Nachhaltigkeit und Recycling wirklich genommen? Früher oder später werden alle dabei mitmachen müssen, weil es sowohl praktisch als auch emotional nicht mehr anders geht, wenn man die Menschen bei diesen Themen mitnehmen will.“

Nicht nur reden, machen!

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