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tapir-Erklärbär: Schuhe putzen, pflegen, lieben, hegen

tapir-Erklärbär: Schuhe putzen, pflegen, lieben, hegen

Nikolausi hat es an den Tag gebracht – Schuhpflege ist nicht jedermanns Sache. Dabei gehört das Schuhwerk nicht nur für mich zu dem Equipment auf Tour, das, wenn es nicht passt, einen ziemlich leiden lassen kann. Also tun wir etwas für unsere Treter, auf dass sie uns noch lange auf Tour oder im Alltag begleiten werden. Vielleicht erleben dann auch alle diejenigen, die bisher vom Schuhputzen nicht viel gehalten haben (um es nett auszudrücken), wie meditativ das Pflegen unseres Schuhwerks sein kann.

Am Ende standen vergangene Woche zur tapir-Nikolaus-Schuhputzaktion 86 Paar Schuhe vor uns. Dabei reichte die Palette von
– „Oh, der sieht cool aus, ist wahrscheinlich nur abgegeben worden, damit der Nikolaus eine Süßigkeit darin versteckt“
über
– „Hier ist zumindest schon mal jemand mit der Dreckbürste drübergegangen“
bis hin zu
– „Boah, die haben Pflegemittel bisher nur aus der Ferne zu sehen bekommen“.

Und dann gab es noch die Modelle, wo bei näherer Betrachtung der Sohlen diese schon dabei waren, sich in ihre einzelnen Bestandteile aufzulösen. Ein paar Stallschuhe waren auch dabei, wie uns der Pferdegeruch verraten hat. Wir könnten noch weiter erzählen, denn selbst bei den Nicht-Schuhputz-Nerds brach bei einigen Modellen Mitleid aus. Das haben unsere Treter einfach nicht verdient. Und ja, wir werden 2023 bestimmt wieder Schuhe für Euch putzen. Doch damit bis dahin Euer Schuhwerk nicht zu sehr leiden muss, kommen hier unsere Einsteiger-Schuhpflegetipps!

Schaut Euch Eure Schuhe genau an. Sind es Bergschuhe oder Alltagsschuhe der gängigen Outdoorfirmen, bestehen sie entweder aus Leder (Glatt- oder Rauhleder), aus einem Leder-Stoff-Mix oder einem Kunststoff-Mix. Schuhe aus Leder sollten mit einem Pflegemittel aus Bienenwachs behandelt werden. Habt Ihr Schuhe aus einem Rauleder, dann könnt Ihr auch eine flüssige Schuhpflege einsetzen. Bei einem Materialmix am Schuh kann zu Beginn mit einem Lederpflegespray gearbeitet werden, nach längerer Nutzung empfiehlt es sich, die Lederbestandteile mit einem Lederpflegemittel zu behandeln, während der Rest mit einem Imprägnierspray wieder aufgefrischt wird. Letzteres gilt auch für Schuhe aus synthetischem Material.

Als Vorbereitung legen wir das Pflegemittel aus Bienenwachs auf die Heizung oder in einen Behälter mit warmem Wasser. Durch das Aufwärmen wird das Bienenwachs richtig schön geschmeidig. In der Zwischenzeit werden die Schnürsenkel ausgefädelt, bevor die Schuhe mit einem Schwamm oder bei stärkerem Dreck mit einer Bürste feucht/nass gesäubert werden. Sind die Schuhe sauber, wird das weich gewordene Wachs mit einer Auftragbürste oder einem weichen Lappen in das Leder eingearbeitet. Das nach der Einwirkzeit übrig bleibende Wachs kann später mit einem Lappen runtergestrichen werden. Im Anschluss gehen wir mit einer Polierbürste über den Schuh, fädeln die Schnürsenkel wieder ein. Fertig!

Sollten dabei Schnallen und Ösen etwas Wachs abbekommen, macht gar nichts. Auch Nähte müssen nicht extra ausgespart werden. Ich muss also nicht fein drumherum arbeiten. Beim Pflegen sollte außerdem die Schuhzunge nicht vergessen werden, deshalb macht es Sinn, die Schnürsenkel vorher auszufädeln.

Wie bei den Lederschuhen beginnen wir auch hier damit, dass wir das Wachs vorbereiten, die Schnürsenkel ausfädeln und die Schuhe feucht reinigen. Dabei können weiche Lappen oder eine Bürste zum Einsatz kommen. Dann werden die Lederbestandteile wie beim Volllederschuh weiterbehandelt, also: Bienenwachs einarbeiten, Wachsreste abstreifen und am Ende mit der Bürste polieren.

Sind die Schuhe noch relativ neu, reicht für den Anfang das vollständige Einsprühen des Schuhes. Nach einem längeren Einsatz sollten die Lederbestandteile für die Verlängerung ihrer Lebensdauer mit Bienenwachs gepflegt werden.

Bei diesen Modellen ist das Prozedere ziemlich einfach: Unter fließendem Wasser oder in einem Wassereimer gut abbürsten, dass aller Dreck verschwindet, dann trocknen lassen. Schon ist man eigentlich durch. Wer noch etwas für den Wetterschutz tun möchte, der kann mit einem Imprägnierspray das Ergebnis abrunden.

Haben wir noch etwas vergessen? Nö, fertsch!

Neben der Schuhoberfläche gibt es noch einen weiteren Bereich, der für eine lange Lebensdauer wichtig ist, aber sehr gern vernachlässigt wird: die Schuhsohle. Deshalb wunderte es uns nur bedingt, dass bei den abgegebenen Schuhen häufig doch noch der Dreck von der letzten Tour an den Sohlen haften geblieben war. Das hat nicht nur unseren Geruchssinn nachhaltig angeregt und zu Diskussionen geführt, was wir da gerade eigentlich riechen. Es tut auf Dauer den Sohlen nicht gut. Idealerweise entfernen wir den groben Dreck oder Schmutz gleich nach der Tour, damit der überhaupt keine Chance hat, sich festzusetzen. Bürste und/oder lauwarmes Wasser sind dafür vollkommen ausreichend.

Die Außensohle unserer Schuhe wird nicht nur durch mechanische Beanspruchung beim Laufen belastet. Zur Nässe kommt häufig auch noch Schmutz, der Chemikalien enthalten kann. Gerade wer alpin unterwegs ist, wird an Kuhmist nicht vorbeikommen, der, wie auch die anderen zersetzende Drecksorten (Düngemittel, Benzin, Salz im Winter …), die Schuhsohlen zerstören kann. Heißt: immer sofort auf Tour noch abwaschen und den Dreck erst gar nicht mit nach Hause nehmen. Außerdem können kleine Steinchen sich in den profilierten Sohlen festsetzen. Das ist nicht nur beim Laufen doof, sondern die Laufsohle kann durch die daraus entstehende mechanische Beanspruchung auf Dauer auch Schaden nehmen.

Leder ist je nach Ausführung und Verarbeitung immer unterschiedlichen Alterungsprozessen unterworfen, die allesamt ein Indikator für eine hohe Qualität des Leders sind. Andere Stoffe kommen aufgrund der Kürze ihrer Lebensdauer gar nicht dazu, eine entsprechende Patina anzusetzen, sprich gepflegt zu altern. Mir gefällt es, wenn gerade bei einem Bergschuh das Leder von einem langen Leben „erzählen“ kann. Und wenn ich akzeptiert habe, dass Leder sein optisches Erscheinungsbild im Lauf der Jahre leicht verändern wird, dann ist die Farbveränderung, die mit der Wachspflege einhergeht, nur eine Schattierung von vielen. Und wir dürfen nicht vergessen: Die Wachspflege verlängert die Lebensdauer meiner eingelaufenen Schuhe immens. Das tut meinen Füßen gut, dass tut meiner Seele gut und ich kann mich auf viele gemeinsame Touren mit den Tretern freuen, ohne Angst zu haben, dass die Schuhe ihren Dienst versagen, mitten im Nirgendwo.

Wir werden bei der Schuhpflege immer wieder auch auf Wärmezufuhr zur Unterstützung beim Wachsauftragen und Einwirken lassen, angesprochen. Das ist in unseren Augen ein NO-GO! Beim Trocknen von Schuhen wie auch beim Wachsen wird nicht mit Hitzeeinwirkung gearbeitet. Heißt: keine Heizung, keine direkte Sonne und, weil es sich als Empfehlung immer noch hält, auf keinen Fall die Schuhe in den Backofen stellen!!!

Einzig das Wachs in der Tube kann – wie schon beschrieben – vorgewärmt werden. Dadurch lässt sich dieses gut auftragen und zieht anschließend auch gut in das Leder ein.

Ihr habt es lesen können: Schuhpflege ist kein Hexenwerk. Jeder kann es lernen, wenn er sich darauf einlassen möchte. Und für alle anderen wird es wohl vor dem 06.12.2023 wieder heißen: Challenge accepted – bringt uns Eure Schuhe vorbei.

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