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Teaserbild: Kanu fahren auf der Loue mit dem Windelrocker

Kanu fahren auf der Loue mit dem Windelrocker

Kanu fahren auf der Loue mit dem Windelrocker

Pfingsten. Der Kombi ist bis unters Dach vollgepackt, früh morgens laden wir das zerlegte Rennrad in Etalans im französischen Jura am Bahnhof aus dem Auto. Verwundert wird vom Nachbarhaus verfolgt, wie “die jungen Deutschen” Fahrradteile im gelben Sack an einen Strommasten mit zig Bügelschlössern anschließen. Nach 10 Minuten rumpeln wir einige Kilometer über Nebenstraßen nach Mouthier-Haute-Pierre, um dort festzustellen, dass zu wenig Wasser in der Loue ist und viel zu viele Wehre bis Vuillafans umzutragen sind. Also fahren wir auf den Campingplatz nach Vuillafans und bauen Boot und Zelt dort auf. Am nächsten Morgen wird das Boot vollgepackt und mit dem obligatorischen “Let’s roll!” beginnt unsere Woche auf der Loue. Wir lassen es mit Kleinkind gemütlich angehen und fahren in dieser Zeit bis Arc-Et-Senans, wo der obligatorische Kulturschock im wirklich sehenswerten Salinenmuseum den Abschluss bildet.

Warum die LOUE

Während meiner Nachtdienste, die sinnvollerweise zur Urlaubsplanung genutzt werden, hat sich die Loue gegen den Orgnon/FR(zu laaaahm), Ill/FR (eher was fürs Wochenende) und Doubs/CH (umständliche Befahrungsregeln) durchgesetzt. Im Gegensatz zu den populären Flüssen in Südfrankreich ist die Anreise nicht mit ewigem Autobahn-Kilometerfressen verbunden. Der Fluss bietet immer wieder flotte Passagen, die mit einem Ally-Kanadier gut beherrschbar sind und die meist vorhandene Strömung hilft gut beim Vorwärtskommen. Der Fluss ist bei normalem Wasserstand nie so wuchtig, dass man sich als Treibgut fühlt, auch wollten wir in jeder Situation die Möglichkeit haben, dem evtl. aus dem Boot gefallenen Kind ohne Angst ums eigene Leben hinterherspringen zu können. Das sehr saubere Wasser mit Kiesgrund macht das Umtragen an Wehren einfach, ein typischer Badefluss ist sie allerdings wegen des kalten Wassers nicht. Es hat in guten Abständen Einkaufsmöglichkeiten und einige Zeltplätze, ab Quingey ist die Bahn zu Fuß in einigen Kilometern Entfernung erreichbar. Dies ist für die Rückreise gut, da man so kein teures Taxi nehmen muss.

Der Papa freut sich wahnsinnig, dass Lena endlich unter dem BW-Cape schläft. Was für eine Ruhe und Friede.Im Unterlauf der Loue mit mehreren Naturstufen.Abends ist Brot backen angesagt - Die Kühe begutachten das Zelt ausgiebig

Was Sie schon immer über die LOUE wissen wollten…

Die Loue – noch nie gehört!
Das 122 km lange Flüsschen entspringt oberhalb von Mouthier-Haute-Pierre aus einer Quellhöhle. Es ist dadurch optisch sehr sauber. Das Wasser versickert bei Pontarlier aus dem Doubs und kommt durch Kalksteinhöhlen geleitet am sehenswerten Quelltopf wieder zum Vorschein. Diesen Zusammenhang stellte man fest, als um die vorletzte Jahrhundertwende in Portarlier eine Absinth-Fabrik abbrannte und die Loue danach nach Absinth roch. Der Fluss schlängelt sich ähnlich schön wie die Donau anfangs durch ein stark eingeschnittenes Kalksteintal, im weiteren Verlauf weitet sich die Landschaft auf. Der Fluss ist zwar durch einige Wehre reguliert, allerdings gibt es meist eine zügige Strömung, die durch Naturstufen mit Durchlässen recht spritzig sein kann. Mit etwas Erfahrung überfordern die natürlichen Schwierigkeiten jedoch nicht, sondern sorgen für die gewisse Würze bei einer Wasserwanderung. Ab Arc-Et-Senans wird der Fluss langsamer und mäandert sich als breiter Wiesenfluss bis zur Mündung in den Doubs bei Parcey.

Boot fahren, Klettern, Angeln, Kultur?
In Arc-Et-Senans sollte man sich den obligatorischen Urlaubskulturschock antun und die historische Saline anschauen. Auch das Städtchen Ornans ist sehr schön am Wasser gebaut und eine Besichtigung wert. Am Ortsanfang von Ornans gibt es einen Waldklettergarten, der die Loue überspannt – dort kann man auch sehr schön Mittagspause machen. Speziell im Oberlauf gibt es außerdem viele Kletterfelsen mit einem eigenen Kletterführer für die Region (siehe Literatur). Auch ein Klettersteig ist eingerichtet. Das Angeln gestaltet sich schon deutlich schwieriger: Die Loue ist auf gefühlte 1000 Eigentümer aufgeteilt, so dass es keine durchgehende Angelkarte für den gesamten Fluss gibt. Lokal kann man in den Orten für kurze Abschnitte eine Tageskarte erwerben, insgesamt gestaltet sich das Angeln auf Wanderfahrt aber sehr umständlich. Seit ein paar Jahren vernichten außerdem die Überdüngung und eine Fischpest die Zuflüsse des Doubs, so dass der Fischbestand geschont werden muss. Gefangene Forellen und Äschen müssen zurückgesetzt werden.

Warum sollte man nicht mit einem Schlauchboot am Dienstag durch Ornans fahren?
Wie so viele Flüsse muss die Loue im Oberlauf wegen übermäßiger Befahrung vor dem Mensch geschützt werden. Dienstags darf man die landschaftlich schönste Strecke der Loue zwischen Mouthier und Cleron (km 5 – 33, km 0 – 5 Fahrverbot) nicht mit dem Boot befahren, da hat sie sozusagen Ruhetag. Nur Kajak oder Kanadier sind erlaubt und in der Brutzeit 10.04.-10.05. ist der Fluss aus Naturschutzgründen gesperrt. Es gibt in diesem Abschnitt ausgewiesene Zeltplätze, die man nutzen muss, ab km 35 ist das Zelten nicht mehr explizit verboten. Schwimmwesten und Helm sind in diesem Abschnitt vorgeschrieben (Helm hatten wir aber keinen dabei). Die Befahrung ist von 10-18 Uhr erlaubt.
Die Referenzpegel sind:
– unter 4 m³ Fahrverbot außer Teilstrecken (siehe Karte z.B. am Camping in Vuillafans)
– zwischen 4 und 14 m³ Fahrverbot in April und Dezember, über 14 m³ Befahrung erlaubt zwischen 10 Uhr 18 Uhr (Pegel Vuillafans).
Da der reglementierte Oberlauf aber bei zügiger Fahrweise sogar in einem Tag runtergerissen werden kann, sollte man sich von diesen Befahrungsregeln nicht von der Tour abhalten lassen – es ist nur wichtig, sie zu kennen.

Chateau von Cleron, hier suchten wir vergeblich nach einer EinkaufsmöglichkeitEine der vielen Naturstufen, die durch Kalksteinsinterung entstanden sind.Teil der Saline von Arc-Et-SenansErstes Wehr vor Ornans, wir haben umtragen müssen, rechts ist es mit Festbooten fahrbar.Tal der Loue vor Quingey, die einzige Stelle, wo der Fluss teilweise etwas verkrautet war.Ein typisches Wehr, vorne ist gut die Bootsrutsche zu sehen. Über den moosigen Wehrbewuchs kann man das Boot runterrutschen lassen.

Wie hat es der Nachwuchs weggesteckt?
Lena war zu diesem Zeitpunkt 20 Monate alt, auf diversen Wochenendtouren und in Urlauben haben wir die Möglichkeiten des kindgerechten Reisens mit dem Boot getestet und für gut befunden. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem wir im Glaskogen-Reservat in Schweden unterwegs waren, war allgemeine Unterhaltung jedoch mehr gefragt. Dies ließ sich gut durch Stöcke, die ausgiebig zum Rumspritzen eingesetzt wurden, bewerkstelligen. Auch saubere Kiesel, eingeladen an Umtragestellen, wurden eifrig aus dem Boot geworfen. Der Stoffhund – des Kindes bester Freund – konnte fast immer in der wasserdichten Tonne bleiben. Lena saß vormittags öfters in Ihrem IKEA-Antilop Stuhl, den wir mit Rohrklemmen und Stummelfüßen im Ally befestigt haben. Irgendwann wurde ihr das zu langweilig, so dass wir sie im Kanadier herumkrabbeln ließen. Die Baby-Hängematte (quer im Ally befestigt) aus unserem Chariot Anhänger diente tagsüber als Bettchen, darüber haben wir wegen der Sonne ein BW-Regencape gelegt, damit das Kind im Schatten schlafen konnte.
Wir haben Lena beigebracht, sich bei Stromschnellen im Boot hinzulegen oder sich gut festzuhalten. Morgens nach dem Frühstück setzte sich Lena ins Boot auf der Wiese und wartete, bis wir das Kanu endlich zu Wasser ließen.

Habt Ihr keine Angst um das Kind im Kanu?
Das war der übliche Kommentar, den wir von Verwandten und Bekannten hörten, als wir die Tour planten. Im Gegensatz zu den Kritikern sind wir im Kanufahren geübt und im Ally Tour sind wir noch nie gekentert oder herausgefallen. Das Kanu ist im Mittelteil extrem breit, so dass Kentern sehr schwierig ist; erst wenn man Flüsse in höheren Wildwasserklassen befährt, sollte man vorsichtig werden. Dass man im Ally kentern kann, beweisen einige Youtube-Videos. Lena trug ihre Ohnmacht-sichere Kinderschwimmweste. Im heimischen Schwimmbad haben wir unter großem Protest und Gebrüll davor auch getestet, ob sich das Kind auch tatsächlich auf den Rücken dreht, wenn es losgelassen wird. Dabei haben wir auch festgestellt, dass die Beinschaufen ziemlich festgezogen sein müssen, um eine gute Funktion zu gewährleisten. Auch sollte die Weste mit der ausgewiesenen Auftriebskraft eher zu klein als zu groß sein um die Drehbewegung auf den Rücken zu fördern. Hat die Weste zu viel Auftrieb, dreht sie sich viel schlechter in Rückenlage. Einmal wurde es dann doch noch ungemütlich, und zwar in Ornans. In dieser Kleinstadt gibt es mehrere Wehre, am Letzten (bei den Industrieanlagen) wäre das Boot mit Kind fast abgesoffen. Wie bei fast allen Wehren gibt es hier eine Bootsrutsche, die mit Festbooten problemlos zu benutzen ist. Wir sind mit unserem Faltkanadier diese Bootsrutschen nie heruntergefahren, sondern haben das Boot immer an Seilen herabgleiten lassen, um die etwas empfindliche Haut zu schonen. Bei diesem Wehr war aber kein Platz um das Gepäck zu entladen, rechts ist eine Fischtreppe mit wenig Stehmöglichkeit, links ist das Wehr, wo nicht gestanden werden kann. So haben wir also alles im Boot gelassen, beim Herunterlassen des Bootes merkten wir erst, dass es doch viel zu schwer ist, um es sicher zu halten, so dass wir es zügig an der Leine runterließen. Soweit so gut, allerdings drehte sich das Heck schnell Richtung Wehr, wo das herabstürzende Wasser begann in das Kanu zu fallen. Nur durch einen Sprung ins brusttiefe Wasser konnten wir das Kanu vom Wehr wegziehen. Die Wassermassen waren nicht besonders stark, der Wasserrückstrom zum Wehr war nur gering, das Kind hatte eine funktionierende Rettungsweste an und doch bekommt man Angst um den Nachwuchs in dieser Situation.

Leben wie Gott in Frankreich – ein bisschen zumindest…
Nach der Ankunft in Frankreich haben wir uns in einem großen Supermarkt erst einmal mit Lebensmitteln eingedeckt. Standardmäßig nehmen wir aus Deutschland Fertiggerichte für 2-3 Tage und Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln oder Knödel mit. Den Rest kaufen wir vor Ort. Besonders beim Brot sollte man sich frisches Baguette nicht entgehen lassen, dazu ein lokaler Weichkäse und etwas Butter – Bon Apetit! Die französische Käseauswahl muss durchprobiert werden! Außerdem sollte man einmal frisch gekochte Crevetten verkosten, die es in Frankreich recht günstig an der Fischtheke gibt. Man kann sie direkt ohne Weiterverarbeiten puhlen und zum Beispiel gut mit Baguette essen. Neben der Fischtheke sollte noch das Pastetenangebot an der Wursttheke begutachtet werden, was es in dieser Form in Deutschland nicht gibt. Bevor man zur Kasse fährt, kann man sich in der Weinabteilung noch einen lokalen Rotwein einladen, der Einfachheit halber kann man sich hier bezüglich der Qualität auf die aufgedruckten Medallien auf dem Etikett verlassen. Und wenn es einmal keine Boulangerie (Bäckerei) gibt – Brot backen outdoor. Seit einigen Jahren nehmen wir im Kanu immer eine Brotbackmischung aus dem Discounter und 6 Teelichter mit. Als Backofen dient ein normal großer Trangia mit 2 Töpfen. Man beginnt am besten in der Mittagspause mit der Zubereitung wie auf der Packung beschrieben, eine Handvoll Mehl sollte man aber in der Tüte zurückhalten, die braucht man später beim Ausbacken des Brotes. Den Teig lässt man zugedeckt mit einem Handtuch je nach Temperatur in der Sonne oder auch im Schatten bis zum Zeltplatz im kleinen Topf gehen. Nach dem Anlanden fettet man den großen Topf an den Wänden und am Boden ein. An die Wände und vor allem auf den Boden kommt Öl oder Butter und das restliche Mehl, damit später nichts klebt. Der bemehlte Teig wird in den großen Topf umgelagert und darf dort noch einmal gehen. Dies dauert abends oft etwas länger, weswegen man den kleinen Topf mit einer Bodenschicht Wasser füllen kann und den großen Topf darauf stellt. Das Trangiageschirr baut man ohne Brennereinheit auf und stellt die 6 brennenden Teelichter auf den Mittelrost. Die Doppeltopf-Kombi kann man dann so ca. 30 Minuten gehen lassen, danach den Teig-Topf dirket auf die Teelichter runtersetzen und das Backen mit geschlossenem Deckel beginnen. Wenn der Teig den Deckel erreicht, für etwas Lüftung sorgen, so dass die Feuchtigkeit entweichen kann. Nach ca. 45 Minuten muss man das Brot, das dann schon ziemlich formstabil sein sollte, wenden und die andere Seite noch einmal 15 Minuten backen. Wenn das Brot nicht aus der Form will, war entweder zu wenig Mehl auf dem Boden oder zu wenig Fett. Das passiert aber nur bei den ersten Malen, nach einiger Übung bekommt man ein perfektes, sehr leckeres Brot.

Wie komme ich zurück zum Ausgangspunkt (Auto)?
Wie erwähnt haben wir ein Fahrrad in der Nähe des Bahnhofes in Etalans zurückgelassen, das Auto haben wir in Vuillafans im Dorf geparkt. Zum Ende der Tour bin ich vom Bahnhof Arc-Et-Senans nach Etalans mit der Bahn zurückgefahren. Von dort mit dem Rennrad zum Auto und dann zurück nach Arc-Et-Senans. Hört sich kompliziert an, aber eine direkte Busverbindung scheint es nicht zu geben, 6 Stunden sollte man dafür aber schon einplanen. Die Bahnverbindungen kann man sich daheim für den geplanten Rückreisetag orientierend ausdrucken oder am Campingplatz erfragen.

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