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Kurzreise nach Aarhus in Dänemark

Eine Städtereise nach Dänemark beschränkt sich für die meisten Unternehmungslustigen auf Kopenhagen, ich jedoch besuchte die zukünftige Kulturhauptstadt Europas 2017: Aarhus.

Seit vier Jahren bin ich mit einem dänischen Kollegen aus dem Studienprogramm des Pädagogischen Austauschdienstes befreundet und eben dieser Kollege wohnt und arbeitet in Aarhus. Nach der regelmäßig wiederholten Einladung folgte nun endlich das Abenteuer Dänemark. Aus Zeit und Höflichkeitsgründen beschränkte ich mich auf drei Übernachtungen.

Aarhus
Das ist die zweitgrößte Stadt in Dänemark und sie liegt auf Jütlands Ostseeseite. In der Einwohnerzahl halb so groß wie Leipzig, wartet sie mit Wäldern, Hügeln und Strand auf.

Schon auf der Zugreise bemerkt man die typischen dunkelroten Ziegelhäuser, die so typisch für die gesamte norddeutsche Region sind. Unmerklich überfährt der ICE die deutsch-dänische Grenze, nur durch das geänderte Handynetz, die dänischen Bahnhofsbezeichnungen und die unverwechselbaren schmal geschnittenen Nationalflaggen in rot-weiß auf allerlei Fahnenmasten gibt sich das Nachbarland zögernd zu erkennen.
Ca. 4 Zugstunden von Hamburg aus erreicht man den Bahnhof von Aarhus. Ähnlich dem Leipziger Bahnhofskonzept gibt es auch hier in die Einkaufsmeile integrierte Bahnsteige und Abfertigung für Reisende.

Große Bürgerhäuser dominieren die Stadt, abgewechselt von typischen modernen Glasbauten und Bürohäusern, die man überall in Europas Städten finden kann. Einzig die schreienden Lachmöwen und die industrieorientierten Hafenanlagen vermitteln dem Besucher eine maritime Stimmung, die jedoch weit entfernt von pittoresk anmutender Ferienhausidylle ist. Hier schlägt das Herz einer modernen europäischen Studentenstadt, viele Einwohner von Aarhus sind Studenten, oft auch ausländische, was ein multikulturelles Bild entstehen lässt. Nördlich des Stadtzentrums, welches historische Straßenzüge mit kleinen Boutiquen und Cafés beherbergt, liegt der Segeljachthafen mit einer atemberaubenden modernen Architektur, den „Eisberghäusern“. Überhaupt ist in Dänemark die Architektur experimenteller und man fühlt sich teilweise in die Niederlande oder Belgien /Antwerpen versetzt. Bekannte dänische Architekten und Designer leben und arbeiten auch international, z.B.in New York.

Unterwegs in Europa unterliegt man zeitweise der Versuchung, Vergleiche mit Deutschland heranzuziehen. Hier fällt die einheitliche Modelinie der jungen Dänen auf, stets schwarz/weiß oder grau gekleidet, eher der elegante Businessstil als die amerikanische Streetwear. Ungewohnt bleibt die ständige Euroumrechnung und auffällig ist der Einzug von computergesteuertem Alltag, mehr als bei uns. Ein Beispiel: In einem normalen Supermarkt zum Feierabend benutzt jeder Einkäufer in Selbstbedienung eine videoüberwachende und selbstwiegende Kasse mit Scann, bei der abschließend mit der Kreditkarte bezahlt wird. Lediglich ein Beobachter des Unternehmens schaut nach „schwarzen Schafen“.

Für mich sehr interessant ist die ganze dänisch-grönländische Geschichte und aktuelle Beziehung dieser so unterschiedlichen Kulturen. So wunderte ich mich darüber, dass die Inuit in Dänemark am untersten Ende der gesellschaftlichen Hierarchie stehen, tiefer als jeder Asyl beantragende Flüchtling unterschiedlichster Länder, gehört doch Grönland trotz weitestgehender Autonomie immer noch zu Dänemark. So wollte ich freilich auch in Aarhus Grönländer sehen. Vielen Dänen tun sie leid, verschiedene Gründe gibt es, die die Integration verhindern. Die Inuit sitzen an ihren Lieblingsplätzen in der Stadt zu bestimmten Zeiten, sind fast immer stark alkoholisiert und stets freundlich, keinerlei Aggressivität, verlorene Seelen, die man mit seinem klischeebeladenen Grönlandbild nicht in Einklang bringen kann. Das aber ist eine typische dänische Seite der Großstädte, wie überall in Europas Städten fremde Kulturen sich selten assimilieren.
Dass die Lebensmittelpreise für den Besucher auffällig hoch sind, ist den meisten bekannt, weniger, dass damit das soziale System finanziert wird.

Was ist sehenswert?
Der ideale Tag beginnt in Dänemark mit einem blauen azurfarbenen Himmel und leichtem Wind und 23 Grad Temperatur. Dann sollte man südlich von Aarhus ins Moesgaard (ausgesprochen wird das „Moosgor“) Museum aufbrechen. Ein prähistorisches Museum mit der allerneuesten Museumspädagogik und einer grandiosen landschaftsplanerischen Architektur. Zur Zeit ist der Besuchermagnet die Terrakottaarmee des chinesischen Kaisers. Aufwendig inszeniert in roten und schwarzen Hallen, mystisch anmutende Kalligrafie und Fotografie ziehen die Besucher in ihren Bann. Andere Räume bestechen durch Videoinstallationen und fühlbare Untergründe inhaltlich passend z.B. bei der Moorleiche „Grauballemanden“.

Zum Mittag fährt man in Sichtweite an den Strand hinunter, ähnlich deutschen Ostseestränden mit Kiosk und einer Festwiese für Wikingerspektakel.

Nachmittags Besuch der kleinen überschaubaren Altstadtgassen mit Cafés und Galerien und vielerlei teuren, schicken Boutiquen. Der ganz aktuelle Renner für die modebewussten Studenten sind die zahlreichen typischen Secondhandshops. Durch einen der zahlreichen Parks gelangt man zum AROS, dem Kunstmuseum von Aarhus, welches mit seiner regenbogenfarbenen Glaskonstruktion auf dem Dach schon von Weitem auszumachen ist. Natürlich auch hier moderne Museumskonzeption, das New Yorker Guggenheim mit seinen schneckenförmigen charakteristischen Treppenaufgängen inspirierte deutlich sichtbar den Architekten. Bekannteste Kunstwerke sind die Malereien der Künstlerkolonie von Skage und natürlich der im Erdgeschoss hockende fünf Meter große „Boy“ des australischen Künstlers Ron Mueck.

Den nächsten Tag kommt man nicht umhin, „Den Gamle By“ zu besuchen, übersetzt: die alte Stadt, so wurden hier historische Häuser, beginnend im Mittelalter, aus ganz Dänemark auf einem Areal fußläufig von der Innenstadt, gleich neben dem Botanischen Garten, original samt Inneneinrichtung aufgebaut. Die aktuellste Neuerwerbung ist eine Jazzkneipe aus den 70er Jahren. Nicht nur als Touristenattraktion, sondern auch als Therapieplatz für demenzkranke Menschen, die sich glücklich an genau die Inneneinrichtungen der Wohnungen erinnern können, stellt Den Gamle By einen Höhepunkt bei jeder Aarhusreise dar.

Beste Reisezeit:
Frühjahr bis Herbst

Anreise:
mit ICE von Hamburg ca. 4 Stunden, Kosten von Leipzig mit BahnCard25: 118,00 € im Angebot, Parkplatzsituation katastrophal überlastet, Busverkehr in die Innenstadt, ab 2017 ist eine Straßenbahn nutzbar, momentan im Bau

Sprache:
Deutsch und Englisch kein Problem

Geld:
Umtausch von Euro in dänische Kronen (1€=7,4 DKK (dänische Kronen, Stand: 2015))

visitaarhus
hier gibt es alle möglichen nützlichen Tipps für die Stadt

moesgaardmuseum

das besagte tolle Museum mit der (zur Zeit) Terrakottaarmeeausstellung

aros
das Museum mit dem regenbogenfarbenen Dach

Tipps für Ausrüstung:

je nach Jahreszeit warme Kleidung (Fleecejacke, Softshell) da ständig ein frischer Wind weht
Regenjacke gegen das mögliche Nass von oben
Rucksack für kleine Mahlzeiten und Trinkflasche

Kim Leine, (Bestsellerautor mit einem Roman über einen dänischen Missionar in Grönland) “Ewigkeitsfjord“, vermittelt einen guten Eindruck über das historische Dänemark

Jussi Adler Olsen, Krimireihe in skandinavischer Qualität

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