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Teaserbild: „Papa, was machst du?“ – Radwandern im bayrischen Voralpenland

„Papa, was machst du?“ - Radwandern im bayrischen Voralpenland

„Papa, was machst du?“ - Radwandern im bayrischen Voralpenland

Beginnen wir mit dem Wetterbericht im Spätsommer 2011: Dänemark: regnerisch 16°C – die ganze Woche – nicht gut – wo ist es besser und näher? – ahhhhh! – Niederbayern sonnige 28°C, die ganze Woche. Kann man da auch irgendwas mit dem Rad fahren? Google fragen…Bodensee-Königssee Radweg… Ahhh und da gibt’s einen GPS-Track zum Download – …dann fahren wir halt diesen Fernradweg mal. Und so fuhren wir am nächsten Morgen nicht nach Dänemark, sonder nach Lindau, um entspannt mit fröhlichem Kind (dank kurzer Anreise) auf Tour zu gehen. Einziger Haken an der Sache – das Urlaubsflair wollte bei deutschen Menschen in deutschen Läden mit deutschen Produkten mit bekanntem Inhalt anfangs nicht so richtig aufkommen. Bis wir die Vielfalt des bayrischen Biers entdeckten – und nach dem Schlafen legen des Kindes – verkosteten.

Warum Bayern/Allgäu

Bayern, das ist das weiß-blaue Land, wo alle biertrinkend in Lederhosen und Dirndl herumlaufen, dazu gibt’s Blasmusik und Weißwürste mit Brez´n zu Essen. Hört sich einfach und recht monoton an. Nach der Bedienung dieses Klischees ist der südlichste Teil des Landes jedoch tatsächlich ein einladendes, freundliches Stückchen Deutschland, in dem man eine schöne Urlaubswoche mit dem Rad verbringen kann. Im Gegensatz zu Sachsen ist man durch die starke Zersiedelung zwar selten wirklich allein, was aber auch Vorteile wie sehr gute Einkaufsmöglichkeiten und gute Infrastruktur mit sich bringt. Kilometerlange monotone Streckenabschnitte, die man in anderen Regionen teils ätzend abstrampeln muss, gibt es nicht, da Wald, Wiesen, Seen und Berge mit sehr ländlichem Charakter genügend Abwechslung bieten.

Frühstücken über dem RottachseeMorgenstimmung über dem RottachseeMittagspause - gegenüber Lindau

Was Sie schon immer über das ALLGAU wissen wollten…

Streckenverlauf
Der Radweg quer durch das hügelige Voralpenland bietet ständig reizvolle Blicke auf Alpen, idyllische Seen und Wälder, sagt die Broschüre. Also – wenn man gerade nicht im Adrenalinrausch auf die Schotterstraßenabfahrt vor sich stiert oder wegen Luftnot beim Bergzeitfahren kurz vor der Intubation steht, dann kann man das alles theoretisch sehen. Der Radweg führt von Lindau (Bodensee) zum Großen Alpsee, vom Rottach-Stausee geht es über den Hopfensee nach Füssen. Ab hier wird der Radweg „Romantische Straße“ bis zur Wieskirche genutzt. Wer möchte, kann hier das Schloss Neuschwanstein mit Begleitung von chinesischen Touristen besuchen. Per Königsweg geht es nach Osten nach Eschenlohe. Auf dieser Strecke wird jeder verfügbare Kiesweg genutzt um die Ammergauer Berge zu durchqueren. Ab Eschenlohe führt der Radweg entlang der Loisach nach Nordosten zum Kochelsee und durch die Loisachmoore, teilweise den „Prälaten-Radweg“ mitbenutzend, nach Bad Tölz. Hier kann man auf den „Isarradweg“ wechseln, der nach München führt. Von Bad Tölz führt der Bodensee-Königssee-Radweg über den Tegernsee und Schliersee zum „Innradweg“, kreuzt den Inn und bindet am Chiemsee an „Salinen-Radweg“ an, der via Berchtesgaden zum Königssee führt.
Der Radler bewegt sich überwiegend auf befestigten Feldwegen und schwach befahrenen Straßen und hat an einigen Stellen größere Steigungen und Abfahrten zu überwinden. Der Königssee, das Ziel der Radtour, ist einer der schönst gelegenen Seen Bayerns. Das Wahrzeichen des Königssees ist die Wallfahrtskirche St. Bartholomä, die mit dem Schiff oder per Wanderweg zu erreichen ist.

Wegequalität
Zum großen Teil verläuft die Route auf ruhigen asphaltierten Landstraßen. Einige Male führt die Strecke aber auch über unbefestigte Rad- und Landwirtschaftswege, die teilweise vom letzten Regen ausgewaschen sind. Bei Nässe gibt es dann ein schönes Matschfestival am Rahmen und den Beinen. Die Beine sind dann nicht nur von der Sonne gebräunt… Stark verkehrsreiche Straßen sind selten. Bei erhöhtem Verkehrsaufkommen, besonders in der Nähe großer Städte fährt man auf straßenbegleitenden Radwegen oder in verkehrsberuhigten Bereichen, was auch schon mal die Fußgängerzone einiger größerer Städte bedeutet. Da die Radroute im Voralpenland von West nach Ost führt, bleiben teils deftige Steigungen auf der gesamten Strecke nicht aus. Hämische Kommentare wie: „Ah, da haben sie noch einen Berg zum hochfahren gefunden“ oder „Du wolltest doch im Urlaub Sport machen!“, fallen da schon mal.

Beschilderung
Es existiert eine durchgehende gute Beschilderung für den gesamten Radweg zwischen Lindau und dem Königssee. Nur ganz vereinzelt fehlt ein Schild oder zeigt nicht eindeutig in die entsprechende Richtung bzw. ist von der Sonne sehr ausgeblichen. Wer ein GPS mit dem aufgespielten Track (siehe WWW) benutzt, sollte keinerlei Probleme haben, dem Streckenverlauf zu folgen. Eine Karte ist nicht unbedingt notwendig, fertige Tourheftchen von Bikeline kann man im tapir bestellen lassen.

Übernachtungsmöglichkeiten
Entlang des Weges gibt es gefühlt alle 10 Minuten eine Übernachtungsmöglichkeit. Viele Anwohner stellen ein Zimmer für Radreisende bereit. Bett & Bike ist sehr verbreitet. Problemlos kann man sich auch für längere Zeit in eine Ferienwohnung einmieten und auch das Übernachten in Hotels entlang des Weges ist kein Problem, wenn man keine hohen Ansprüche hat. Die Zimmersuche sollte man allerdings nicht zu spät beginnen, denn es sind einige Radfahrer unterwegs und begehrte günstige Unterkünfte schnell besetzt. Eventuell vorab reservieren. Campingplätze gibt es recht wenige. Diejenigen, die direkt an der Strecke und am Ende der Etappe lagen, wurden von uns zum Übernachten genutzt. Wild zelten ist im hügeligen Voralpenland auch kein Problem, irgendwo ist immer eine Ecke mit Sichtschutz.

Auf der Flucht - vor dem RegenFrisch gemähte Moorwiese, ideal zum Übernachten wenn sonst kein Campingplatz in der Nähe istCampingplatz am Schliersee direkt am Wasser

Einkaufsmöglichkeiten
Da die Strecke durch Dörfer und Städte verläuft, ist das Einkaufen von alltäglich benötigten Dingen kein Problem. Wenigstens eine Bäckerei oder ein Bäcker-Laden, der auch andere Lebensmittel verkauft, gibt es in jedem größeren Dorf. Merke: Wer hungrig einkauft, kauft mehr! Dementsprechend fiel die Brottüte oft größer als nötig aus. Gegen 10-11 Uhr gab es meist noch ein 2tes Frühstück mit Kaffee in irgendeiner Bäckerei.

Sehenswürdigkeiten
Die Niederbayern wissen, wie man Touristen ködert, überall stehen Karten und Schilder zur Landschaft / Gebäuden oder Geschichtlichem herum. Bad Reichenhall und Berchtesgaden haben eine lange Salz-Geschichte. Im Schwangau ist ein Abstecher zum Schloss Neuschwanstein möglich, hier ist besonders die chinesisch-japanische Menschenansammlung amüsant, die das Schloss umlagert. Die Besichtigung der Wallfahrtskirche St. Bartholomä, dem Wahrzeichen des Königssees ist lohnenswert.

Wie weit kann ich fahren?
Unsere Tageskilometerzahl pendelte anfangs zwischen 50 und 65 km. Wir hatten schon eine Woche Bergsteigen mit Kind hinter uns und wollten es ruhig angehen lassen – man ist ja nicht auf der Flucht. Der Vorsatz war dann aber bald dahin, weil wir morgens gemütlich 50km spulten und nachmittags ja auch noch was machen wollten. Gegen Ende der Tour waren wir bei etwa 80km pro Tag angelangt, was in etwa 4 Stunden fahren entsprach. Bei 65 km pro Tag trafen wir immer wieder die gleichen Radler an. Wir überholten sie, sie überholten uns. Das passierte bei 80km nicht mehr.

Radwandern mit Kind, geht das?
Man sollte die Frage „Papa, was machst du?“ etwa 100x am Tag mit verschiedenen Antworten wie „Fahrrad fahren – schwitzen – Sport – trinken…“ beantworten können, dann geht’s… Wir haben feststellen dürfen, dass unsere 2-jährige Tochter besser mit dem täglichen Zelten klar kommt als mit dem Schlafen in fremden Betten bei Freunden. Im Zelt war das Einschlafen kein großes Problem wenn sie müde genug war. Ihren Anhänger betrachtete Sie als ihr Refugium, wo sie morgens beim Zeltabbau schon einstieg und uns dann mit den Worten „ Loooosfaaaahrn!“ zum schnelleren Aufbruch drängte. Sicher nicht ideal ist ein Regentag, den man mit Kind im Zelt absitzen muss. Wir haben einen Tag, an dem es nur 1x regnete (von morgens bis abends) im Schwimmbad und in der Stadt verbracht. Abends zögerten wir die Heimkehr zum Zelt auf dem Campingplatz bis 20 Uhr heraus, so dass die Kleine das Zelt nicht mehr verlassen wollte, weil sie müde genug war, um schlafen zu können. Alternativ sucht man sich sonst ein Dach über dem Kopf.

Stichwort baden:
Auf die Badehose im Gepäck sollte man bei dieser Tour auf keinen Fall verzichten. Es lohnt sich sogar, Handtuch und Badebekleidung gut erreichbar in den Fahrradtaschen zu verstauen, denn täglich oder sogar mehrmals täglich verläuft die Route entlang schöner Voralpen-Seen. Eintritt in Freibäder kann man sich sparen, es gibt immer irgendwo einen öffentlichen Badeabschnitt. Oftmals gibt es Liegewiesen mit direktem Zugang zum Wasser und einfach ein Klo mit dabei.

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