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Update: die neue Prüfnorm für Klettersteigsets ist da!

In den letzten Jahren beherrschte das Klettersteiggehen immer wieder die Schlagzeilen: Rückrufaktionen der Firmen und leider auch Absturzberichte, oft genug resultierend aus unsachgemäßem Umgang. Und dann noch das Gerücht, dass es eine neue Klettersteigsetnorm geben würde, die auf Konstruktion, d. h. auch auf Größe und Form der Bandfalldämpfer Einfluss haben sollte. Auf der Outdoor 2016 wurden dann Details aus der Normgerüchteküche bekannt und erste Bergsportausrüster stellten ihre neuen, darauf abgestimmten Klettersteigsets vor. Natürlich noch unter Vorbehalt, weil im Juli 2016 noch nicht abzusehen war, ab wann die neue EN 958 Prüfnorm für Klettersteigsets greifen würde.

die durch kontrolliertes Aufreißen eines Bandfalldämpers einen Sturz sanft abbremsen soll, sodass der Fangstoß beim Klettersteiggeher und schwere körperlichen Schäden durch Verletzungen an der Wirbelsäule minimiert werden können. Energie, die auf den Körper einwirkt, wird umgewandelt. Soweit die Theorie. In den vergangenen 7 Jahren hat sich die DAV-Sicherheitsforschung immer wieder mit dem Thema Klettersteigset und der Prüfnorm beschäftigt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind bekannt:

– Knoten in Lastarmen reduzieren teilweise die Bruchfestigkeit (auf Werte unterhalb der Ansprechkraft der Bremse) mit der Folge, dass kein Seil durch die Bremse rutscht und damit ein zu hoher Fangstoß entsteht
– Bei leichtgewichtigen Klettersteiggehern lösen im Fall des Falles die Bandfalldämpfer nicht aus, ein Sturz kann so durch die Höhe des Fangstoßes lebensgefährliche Verletzungen hervorrufen
– Elastische Lastarme waren den Dauerbelastungen nicht gewachsen (vorsorgliche Rückrufaktionen waren die Folge)

tritt in Kraft, mit ihr sollen Sicherheitslücken der alten Norm geschlossen werden. Dabei geht es vor allem um das Aufreißverhalten der Bandfalldämpfer. Nach der neuen Norm dämpfen sie bereits ab Fangstoß von 3,5 kN (alte Norm: 6 kN), das Prüffallgewicht liegt bei 40 kg. Bei einer schwereren Person setzt sich die Dämpfung des Sturzes fort, so dass erst bei 120 kg Fallgewicht und 6 kN Fangstoß die volle Aufreißlänge erreicht wird. Ermöglicht wird dies durch eine Verlängerung des Aufreißbandes von 1,2 m auf 2,2 m Bremslänge. Außerdem müssen nach der neuen Norm die elastischen Fangarme eine Mindestfestigkeit von 12 kN, die nichtelastischen Fangarme von 15 kN aufweisen. Ein Nässetest ergänzt die Prüfnorm, sodass der niedrige Fangstoß auch bei Nässe gewährleistet ist.

Wir werden sehen, ob es wirklich dazu kommen kann, dass bei schwereren Personen (100 kg +) der Bandfalldämpfer auch schon nach einem leichten Rutsch und Reinsetzen aufreisst (und dann das Set ausgetauscht werden muss). Eines wissen wir schon jetzt: Abgesehen vom neuen Bandfalldämpfer in den Petzl-Sets sind die neuen Klettersteigsets etwas schwerer und wirken auf dem ersten Blick klobiger. Doch das ist ein kleiner Preis für die Vorteile, die damit verbunden sind: Die neue Norm bringt in puncto weichere Dämpfung und damit Minimierung des Verletzungsrisikos bei Stürzen gewaltige Vorteile. Außerdem hat sich die Normkommission dazu entschieden, wieder eine Norm für alle Anwender (also nicht nach Gewichtsklassen geteilt) zu erlassen – jeder kann jetzt jedes Set nutzen. Sandra war auf unserer Testtour mit dem neuen Klettersteigset Scorpio Vertigo von Petzl unterwegs. Ihren Testbericht dazu könnt ihr demnächst hier bei uns im Blog lesen.

Wir haben im tapir für euch derzeit das Petzl Scorpio Vertigo im Programm und warten noch auf die neuen Sets von Edelrid. Für die Hersteller von Klettersteigsets gilt, dass sie ab Mai nur noch Sets nach neuer Norm herstellen, zertifizieren und ausliefern. Für den Handel gilt eine Übergangszeit für Sets, die nach alter Norm geprüft worden sind. Bis zum Erreichen der angegebenen Lagerungs-, Nutzungs- oder Lebensdauer dürfen also die Sets mit alter Norm verkauft werden – auch hier unter der Maßgabe für den Nutzer, sie nur so lange zu verwenden.

Für alle, die sich jetzt fragen, ob sie ihre alten Sets austauschen müssen: Wer ein neues Set braucht (oder gerade erst ein Set gekauft hat) und mit 70 und 90 kg inklusive Rucksack unterwegs ist, kann sich problemlos noch ein Set nach der alten Norm kaufen beziehungsweise ein vorhandenes Set weiter nutzen. Weitere Empfehlungen dazu gibt es auch hier beim DAV. Doch auch wenn es demnächst ein Set für alle gibt, gilt weiterhin: Kinder wie auch Anfänger sollten im steilen Gelände zusätzlich gesichert werden.

Klettersteigausrüstung

Klettersteigausrüstung

Unterschiedliche Verrieglungsmechanismen für die Karabiner sorgen je nach Handgröße, Handkraft und Gewohnheit für ein einfaches Handling der Klettersteigsets.

Klettersteigsets im tapir

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