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Teaserbild: tapire unterwegs: Sicherungsgeräte-Schulung im NoLimit

tapire unterwegs: Sicherungsgeräte-Schulung im NoLimit

Was nur tapir-Insider wissen: Jede Woche treffen wir uns freitags vor Ladenbeginn zu einer längeren Teamsitzung, bei der es neben den ganzen Alltagsroutinen im Leben eines tapirs auch um Schulungen zu ausgewählten Themen geht. Die Wunschliste der aktuell 28 tapire ist lang, die Interessenlage sehr unterschiedlich. In der Wunschliste ganz oben steht das Kletterequipment. Eine Schulung lässt sich besser unter eher realistischen Bedingungen umsetzen. Deshalb machten wir uns vergangene Woche auf den Weg ins NoLimit – eine intensive Auseinandersetzung mit den im tapir erhältlichen Sicherungsgeräten stand auf dem Programm.

Kletterhallen sind heute nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken; das Bewegen in der Vertikalen ist im Mainstream angekommen, was auch immer man persönlich davon halten mag. Doch egal, ob man indoor oder outdoor unterwegs ist: Die Sicherheit steht immer wieder im Mittelpunkt der Diskussionen. Dabei geht es vor allem um Sicherungsgeräte und das Minimieren des menschlichen Risikofaktors beim Klettern.

Deshalb verwunderte es nicht, dass trotz bevorstehenden Winteranfangs eines der Schwerpunktthemen in der aktuellen Panorama das Klettern in der Halle ist. Dabei geht es, nicht zum ersten Mal, auch um die Funktionsprinzipien der Sicherungsgeräte beim Klettern. Untersuchungen der Unfälle in den Kletterhallen und Ergebnisse des DAV-Sicherheitskreises hatten zuletzt zu der Empfehlung geführt, dass Halbautomaten beim Sichern im Sportklettern in Hallen und im Klettergarten zum Einsatz kommen sollten. Diese bieten einen „Sicherheitspuffer“ bei Bedienfehlern unabhängig von der Handkraft. Umgangssprachlich wird es oft mit einem „Verzeihen von Fehlern“ umschrieben. Doch auch die „dynamischen“ Sicherungsgeräte haben ihre Berechtigung: spielen sie ihre Stärken doch vor allem dann aus, wenn alpin oder in Mehrseillängenrouten geklettert wird.

Für jemanden, der nichts oder nur wenig mit Klettern am Hut hat, erscheint die Auswahl an Sicherungsgeräten oft unübersichtlich und die neuen Geräte kommen heidentechnisch daher. Außerdem sehen einige der Sicherungsmittel auf den ersten Blick relativ gleich aus, Unterschiede werden erst beim Handling spürbar.

Ich weiß nicht, ob einer von uns tapiren vier oder mehr verschiedene Sicherungsgeräte daheim in der Ausrüstungstruhe zu liegen hat, wahrscheinlich nicht einmal Alex oder Moritz. Nicht nur deshalb haben mehr als die Hälfte der tapire die Chance, die Teamsitzung zum Thema Sichern auszulagern, genutzt. Auch wenn das für einige von ihnen hieß, nach einem langen Arbeitstag ins NoLimit zu radeln, um sich vor Ort an der Wand über Vorzüge und Nachteile der einzelnen Sicherungsgeräte auszutauschen.

Sicherheit geht vor: Nicht nur bei Unsicherheiten im Umgang mit den Geräten wurde hintersichert, sondern auch, wenn wir die Sicherungsgeräte nicht mit dem vom Hersteller empfohlenen Karabiner verwendet haben.

  • Halbautomaten und Geräte mit Bremskraftverstärkung: GRIGRI2 und GRIGRI+ von Petzl, MegaJul Sport und Mega Jul (Edelrid), Smart und Smart Alpin (Mammut) und Click Up (Climbing Technology)
  • Tuber: ATC-XP und ATC-Guide (Black Diamond) und Reverso III (Petzl)
  • „traditionelle“ Sicherungsgeräte: Achter und HMS-Karabiner (Wir hoffen, dass es deshalb keinen Stress mit dem NoLimit gibt, HMS-Sicherung ist in der Kletterhalle nicht erwünscht …)

Wer wollte, konnte auch mal den Unterschied im Vorstieg mit und ohne Ohm ausprobieren und sich näher mit dem Handling des I’D S auseinandersetzen, einem Gerät, dass nicht primär von Kletterern, sondern eher von Geocachern genutzt wird.

Gestaltet wurde die Schulung von den kletteraffinen tapiren Alex und Moritz mit Unterstützung von Carsten. Sie haben sich vor allem um die tapire gekümmert, die mit dem Handling der Geräte noch nicht so vertraut waren. Technische Neuerungen wie das Umstellen beim GRIGRI+ zwischen Toprope und Vorstieg, Klettern mit dem Ohm und das I’D S wurden in großer Runde vorgestellt, alles andere in wechselnden Kleingruppen getestet und am Ende zusammengefasst.

Fast schon erwartungsgemäß fällt das Fazit zu den Geräten sehr unterschiedlich aus, kein Wunder bei den Vorerfahrungen der anwesenden tapire. Deshalb an dieser Stelle mal ein Ausschnitt aus den Diskussionen und Eindrücken einzelner tapire:

Carsten (tapir-Urgestein): Das könnten wir ruhig jedes Jahr machen, an der Wand hier kann man viel mehr ausprobieren, den anderen auf die Finger schauen und sich selber hinterfragen. Für mich war es spannend zu erleben, was den Unterschied beim Tunneln oder Umgreifen bei der Seilführung ausmacht. Als umständlich im Handling hat sich für mich das MegaJul erwiesen, während Click Up und GRIGRI ganz geschmeidig sind. Ich bin kein Fan davon, das GRIGRI im Vorstieg zu nutzen, bin mir daher nicht sicher, ob das monetäre Mehr von 30 Euro beim GRIGRI+ (mit Edelstahleinlage und Panikfunktion) gegenüber dem GRIGRI2 es wert sind. Mit dem Click Up werde ich mich noch weiter auseinandersetzen, den hatte ich noch nicht so auf dem Schirm.

Sophie (tapir-Newbie): Ich fand den Abend ziemlich cool. Zum einen war es für mich schon fast eine teambildende Maßnahme – ich habe im Ladenalltag noch nie mit Marten und Felix etwas zu tun gehabt. In der Halle konnte man sich locker kennenlernen und quatschen. Ich brauche die ganzen Sachen sonst nicht, gehe privat bouldern. Früher habe ich mal mit Smart und ATC gesichert. Ist eine Weile her, deshalb war der Überblick zum Thema Sichern beim Klettern von Carsten für mich ziemlich interessant. Am Ende ist es das GRIGRI gewesen, das mich überzeugt hat.

Markus (langjähriger tapir): Ich würde mich nicht wirklich als Kletterer bezeichnen, bin in großen Abständen immer mal mitgewesen und habe dabei unter Anleitung gesichert. Um so spannender war es für mich, die unterschiedlichen Sicherungsgeräte im Vergleich ausprobieren zu können. Mein Favorit ist das GRIGRI+. Interessant war es, auch mal die Entwicklung der Sicherungsgeräte nachzuvollziehen, mal mit HMS und Achter zu sichern und danach den Halbautomaten zu nutzen.

Felix (tapir-Newbie): Privat habe ich eine gefühlte Ewigkeit mit HMS gesichert, bevor ich dann auf einen einfachen Tuber umgestiegen bin. Mit dem bin ich noch heute unterwegs. Im Laden war ja auch während der Einarbeitungsphase wenig Zeit, mal alle Geräte in die Hand zu nehmen. Das wollte ich schon immer mal in Ruhe machen und bei der Aktion letzte Woche war die Zeit dazu. Cool. Zumal ich von dem Abend mitgenommen habe, mich noch intensiver mit dem GRIGRI auseinanderzusetzen. Könnte mein neues Sicherungsgerät werden. Außerdem bin ich schon mehrfach im tapir nach dem I’D S gefragt worden und war neugierig auf die vielen Funktionen, die Petzl eingebaut hat.

Isabel (tapir-Urgestein): Ich kenne die Geräte, habe sie alle mehr oder weniger häufig schon mal in Händen gehalten. Was mir nachdrücklich in Erinnerung geblieben ist, waren Sophies Probleme beim Ablassen von Marten, der in der ersten Sicherung den Ohm eingehangen hatte. Das GRIGRI+ hat in der Toprope-Einstellung richtig fest blockiert, der Ohm blockierte den Seilzug und Marten hing in der Luft. Wir haben ihn natürlich nicht hängen lassen; mit größere Kraftanstrengung und Carstens Hilfe konnte er zentimeterweise abgelassen werden. Heißt: Die Sicherheit war gegeben, ein komfortables Ablassen aber nicht möglich. Man müsste noch mal näher beleuchten, warum das so passiert ist.

Micha (kein wirklicher tapir-Newbie mehr): Klettern gehört zu meinen Outdoorpassionen. Für mich war es daher gut, einmal alle Geräte, die wir so haben, ausprobieren zu können. Normalerweise nutze ich ein GRIGRI2 und den ATC-Guide. Jetzt werde ich mich etwas mehr mit dem Smart beschäftigen, den fand ich vom Handling her ziemlich überzeugend.

Stefan (langjähriger tapir): War wichtig, mal alles in der Hand gehabt und ausprobiert zu haben, was wir so an Geräten im tapir anbieten. Ich gehe nicht so häufig klettern, sichere auch nur wenig. Den Abend habe ich genutzt, um das Handling mit meinen eigenen Sicherungsgeräten zu festigen. Außerdem wollte ich schon immer mal wissen, was es mit der HMS-Sicherung auf sich hat, wie man sichern kann, wenn man kein dafür vorgesehenes Gerät (mehr) zur Hand hat. Kannte ich immer nur vom Hörensagen. Außerdem wollte ich schon immer mal den I’D S testen. Vielleicht brauche ich ihn ja doch einmal bei einem meiner nächsten Caches.

Simone (tapir-Urgestein): Da ich nicht Vollzeit im tapir arbeite, erlebe ich einige aus dem Team nur in den Ladensitzungen, samstags oder eben bei solchen Team-Aktionen. Allein dafür hat es sich für mich daher schon gelohnt, in die Halle zu kommen. Ansonsten habe ich, ähnlich wie Carsten, meinen Kollegen auf die Finger geschaut, mich vor allem mit Moritz übers Händeführen und die Handpositionen beim Sichern ausgetauscht. Klettern gelernt habe ich noch mit HMS-Sicherung, bin nach einer Amerika-Reise relativ schnell auf einen ATC umgestiegen, mit dem ich auch heute noch sichere. Mich interessierte vor allem der Vergleich Click Up zum Smart sowie zum MegaJul. Ich werde mit dem Smart und auch dem MegaJul einfach nicht warm, war auch nicht der erste Versuch. So bleibt für mich das Click Up die erste Wahl unter den Sicherungsgeräten mit Bremskraftverstärkung. Ansonsten wollte ich auch schon immer mal jemanden mit einem Ohm sichern und auch die ganzen technischen Details des I’D S näher betrachten. Auch dafür war am Abend Zeit – gerne wieder!

Alex (tapir-Urgestein): Für mich war vor allem auch schön, dass unsere Neuen Felix, Sophie, Marten und Pat mit dabeigewesen sind, dass man sie auch mal außerhalb des tapirs erleben und kennenlernen konnte. Gerade für die Teambildung ist das ziemlich gut und wichtig. Und vom Technischen her: Wichtig, auch mal zu sehen, dass einige der Geräte tatsächlich nur dann reibungslos funktionieren, wenn man die dazugehörigen Karabiner verwendet, sonst kann es hakelig werden beim Seilausgeben oder Ablassen. Davon abgesehen war es für mich spannend, den  I’D S in der Hand zu haben und ausprobieren zu können.

Moritz (tapir-Urgestein): Ein schöner Abend, der mir auch viel Spaß gemacht hat. Es hat sich für mich gezeigt, dass das GRIGRI noch immer das Maß aller Dinge ist, wobei die Specials des GRIGRI+ im Vergleich zum GRIGRI2, außer vielleicht die Edelstahlippe, keine Bedeutung haben. Ich persönlich liebe und sichere noch immer mit meinem unverwüstlichen GRIGRI1.

Wir könnten die Liste noch weiter fortsetzen, die Empfehlungen würden immer mal in die eine oder die andere Richtung gehen. Insgesamt gesehen hat sich das GRIGRI an die Spitze im tapir-Ranking gesetzt, wobei es nicht alle tapire gern im Vorstieg nutzen. Da scheiden sich dann die Geister.

Der Trend dazu, Sicherungsgeräte einzusetzen, die das Risiko beim Sportklettern, egal ob an künstlichen Wänden oder natürlichem Gestein, weiter minimieren, wird sich fortsetzen. Neue Geräte und Technologien werden für Gesprächsstoff sorgen. Aktuell sind wir gespannt, wie sich der neue Revo machen wird, über den auf den Outdoormessen schon diskutiert und gesprochen worden ist.

Wir sehen uns an der Wand!

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