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Triest – vergessenes Kleinod an der Adria

Triest – vergessenes Kleinod an der Adria

Vor einer gefühlten Ewigkeit habe ich Silvester in Triest verbracht, eher zufällig, weil wir in Osp über Neujahr bei ziemlich miesem Wetter klettern waren. Die Stadt mit ihren kleinen Gassen war mir in Erinnerung geblieben und stand schon seit Längerem auf meiner Wunschliste. Im Frühjahr war die Zeit dann reif dafür. So viel sei schon mal vorweggenommen: Triest ist für mich eine kleine Perle an der Adria.

Denken wir an Italien, an Städtereisen in den Süden Europas, dann verbinden viele damit Reisen nach Rom, Venedig, Neapel, Florenz, Verona oder Mailand. Mich zog es in den Osten von Italien, nach Triest, eine Stadt, über die im Internet die Meinungen ziemlich weit auseinandergehen. Sie reichen von „Es gibt Städte, mit denen wird man nicht so recht warm“ bis hin zu „Warum Italiens östlichste Stadt so sehenswert ist„. Doch in einem sind sich alle einig: Triest ist DIE Stadt des Kaffees in Italien, mit vielen kleinen Cafés, die dazu einladen, zuviel lecker Koffeinhaltiges zu sich zu nehmen. Klingt schon mal perfekt für mich. Also nichts wie hin!

Triest ist die Hauptstadt der Region Friaul-Julisch Venetien im Nordosten Italiens. In der Hafenstadt kann man die Kontraste zwischen blauer Mittelmeerküste und slovenischem Karstgebirge hautnah erleben. Diese Nähe zu Slovenien, aber auch die Stadtgeschichte mit ihrem österreichischem Erbe prägen neben den italienischen Einflüssen das Stadtbild. Ich war neugierig, wie sich der Mix aus Österreich und Italien bemerkbar mache würde. Und ob ich in den Gassen auch Slovenien wiederfinden würde.

Triest hat eine lange Geschichte, die bis zu keltisch-illyrischen Ursprüngen zurückreicht. Unter Kaiser Augustus wurde Triest ein Teil des römischen Reiches, blieb dies auch bis zu dessen Untergang. Danach wechselten die Herrscher immer mal wieder. Um sich nicht weiter in Kämpfen aufzureiben, stellte sich Triest im 14. Jahrhundert unter den Schutz Leopold III, habsburgisch-österreichischer Herzog von Österreich, Steiermark und Kärnten. Die Stadt blühte v. a. dank des Freihafens immer weiter auf und wurde zu einem künstlerisch-kulturellen Zentrum. Einziges kleines Manko: Aus dem ursprünglichen Schutzgebiet wurde Besitztum der Habsburger. Über 500 Jahre bis zum Ende des 1. Weltkrieges gehörte Triest zur k.u.k. Monarchie.

Nach 1918 kam die Stadt mit dem Vertrag von Saint German zurück nach Italien, wurde im 2. Weltkrieg zunächst von den Deutschen besetzt und danach von Jugoslawien. Noch lange Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als die Grenzen in Europa neu geordnet wurden, galt die Stadt als Streitobjekt zwischen Italien und Jugoslawien, war das Verhältnis zwischen Slowenen und Triestinern angespannt. Außerdem konnte sich die Stadt aufgrund ihrer Randlage am Eisernen Vorhang nicht weiterentwickeln. Erst mit der Öffnung der Grenzen in Europa, dem Beitritt Sloveniens zum Schengener Abkommen 2004 änderte sich vieles und es geht für Triest wieder aufwärts.

… ist wohl eines der klassischen Klischees, die sich hartnäckig in unseren Köpfen halten. Dennoch: Eine gewisse Lässigkeit, ein freundliches Lächeln, auch wenn man sein Gegenüber (noch) nicht kennt und die laute Geselligkeit in den Straßencafés, Bars, Trattorien und Ristoranti zieht mich immer wieder in den Bann. Ich sollte endlich mal Italienisch lernen …

Auch wenn es noch relativ ruhig zuging, das Mittelmeer ist auch im Mai schon warm genug, um baden gehen zu können. Nur ist es in der Stadt selbst gar nicht so einfach, einfach mal ins Wasser zu hüpfen. Es gibt wohl ein Freibad, in dem es im Sommer wohl auch ziemlich eng werden kann, doch das war nur teilweise geöffnet. Außerdem wollte ich nicht Beton, sondern Strand – und die vielen Quallen im Hafengebiet und an den Molen luden nur bedingt ein, ins Wasser zu springen. Wir mussten ein Stück raus aus der Stadt (mit dem Bus kein Problem), um baden gehen zu können. Dort gibt es rings um Barcola öffentliche Strände und kleinere Buchten, die zum Planschen regelrecht einladen.

Nö, ich hätte noch länger bleiben können. Triest hat, wie beschrieben, eine lange Geschichte, die auch heute noch im Stadtbild wiederzufinden ist. Immer wieder ist vom Habsburgererbe die Rede, von den klassischen Bauten und Cafés, die in dieser Zeit entstanden sind. Gerade auf dem zentralen Platz der Stadt, dem Piazza dell‘ Unità d’Italia, glaubt man sich dank der Paläste, der überladenen Fassaden, der großzügigen Öffnung zum Meer schnell in einer großen Stadt mit viel Flair zu befinden. Ein paar Straßen weiter kann es schon anders aussehen. Wer sich, wie wir, Zeit nimmt und die Augen weit offen hält, findet in Triest viele schöne Ecken, zumindest auf den großen Plätzen und in den engen Gassen in der Innenstadt. Einige davon sind gut gepflegt, andere verbreiten einen teils morbiden Charme, den man mögen kann oder eben nicht.

In den sechs Tagen Triest und Umgebung habe ich noch lange nicht alles gesehen, was ich hätten sehen wollen. Gerade in der Umgebung gibt es noch viel zu entdecken, wobei ich mir auf der nächsten Reise in Triest auch ein Rad ausleihen würde, um schneller und flexibler im Hinterland unterwegs zu sein.

In Triest haben mich neben den Menschen und dem Leben in den Gassen der Stadt vor allem diese Sehenswürdigkeiten nachhaltig in den Bann gezogen:

– die Kirchen der Stadt: Wie sehr die unterschiedlichen Kulturen ihre Spuren hinterlassen haben, kann man im Zentrum von Triest erleben, wo Seite an Seite die aufwändig verzierte serbisch-orthodoxe Kirche neben der katholischen Kirche, die in klassischer Architektur gebaut wurde, steht. Wir sind in Italien, es gibt noch viel mehr alte wie die Cattedrale San Giusto und nicht so alte sakrale Bauten wie die Santuario mariano di Monte Grisa (Wallfahrtskirche Monte Grisa) zu entdecken. Letztere ist ein, Entschuldigung, echt hässlicher Sichtbetonbau, erbaut in den 60er Jahren, dessen Kreuz nachts leuchtet und auch – es wurde bewusst so gebaut –  noch in Jugoslawien sichtbar war.

– Ich war nicht darauf vorbereitet, was zeigt, wie wenig ich aus der neueren Geschichte weiß (und vielleicht geht es auch anderen so): Risiera di San Sabba ist eine Gedenkstätte in einem ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslager, in dem 1943 bis 1945 während der deutschen Besatzung Juden, Partisanen und Antifaschisten interniert, ermordet oder in die Vernichtungslager weitertransportiert wurden. Nicht wirklich groß, doch ziemlich beklemmend und gleichzeitig auch beeindruckend. Ich hatte etwas zum Nachdenken bekommen für den Rest des Tages.

– Punto Franco Vecchio: Der alte Hafen ist ein riesiger Lost Place auf einer Fläche von ca 230.000 m², für den es die unterschiedlichsten Pläne gibt, um den alten Habsburger Hafen kulturell und kommerziell wiederzubeleben. 2017 vollmundig angekündigt sollte das Gelände ab 2023 wieder für die Öffentlichkeit zugängig sein. Naja, nicht wirklich. Die Gebäude, eine eindrucksvolle Industriearchitektur, konnten wir im Frühjahr 2023 nur vom Meer aus, was eigentlich auch verboten war, oder durch Stacheldrahtzäune bewundern. Wir sind den alten Hafen komplett abgelaufen auf der Suche nach einem Wasserzugang (Stichwort Baden in Stadtnähe) wobei uns die ersten ziemlich versteckten Ansätze zur Neugestaltung ins Auge gefallen sind. Dennoch, gut 70% der Gebäude aus der Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie müssen saniert werden, ein Mammutprojekt für Triest.

– Sonnenuntergang und die Stadt bei Nacht: Die Molo Adace, so ziemlich in Verlängerung zum Canale Grande gelegen, lädt einfach nur dazu ein, in der Abendsonne zu sitzen, mit den Beinen zu baumeln und darauf zu warten, dass der rote Ball im Meer versinkt. Kann bei entsprechender Wetterlage so richtig kitschig-schön sein. Danach, wenn die Lichter überall angehen, entspannt über die Plätze und durch die Gassen schlendern und bei einem Glas Wein oder dem allgegenwärtigen, dort viel besser schmeckenden Aperol Spritz den Abend beschließen.

– Botanischer Garten: Wenn es so richtig warm wird in der Stadt, wenn die Sonne prasselt und Schatten in der City Mangelware ist, dann sind botanische Gärten fast immer eine kleine Oase, in der man sich gut erholen kann. So auch hier im Garten in Triest, der am Hang über der Stadt gelegen ziemlich gut besucht war.

Wie immer auf Städtereisen reicht mir der Asphalt nach zwei Tagen. Ich muss dann einfach mal raus. Auch auf dieser Reise gab es daher eine Mischung aus Stadttagen und Tagen, an denen es raus in die Natur ging.

An einem der Tage fuhren wir mit der Fähre nach Muggia. Das ist ein kleines, pittoreskes Fischerdörfchen und perfekt, um dem Trubel der Triester Altstadt zu entfliehen. Das Castello über Muggia, erbaut im 14. Jahrhundert, ist zwar im Privatbesitz und nur zur Veranstaltungen geöffnet, doch der Rundgang hoch auf den Hügel lohnt sich trotzdem, genauso wie der Bummel durchs Dorf.

An einem anderen Tag war ich auf dem Sentiero Rilke unterwegs, einem Küstenwanderweg von Sistiana nach Duino, der den Dichter 1912 auf seinen Reisen inspiriert haben soll. Im Gepäck natürlich auch ein Büchlein von Rilke. Der gut zwei Kilometer lange Weg führt durch Pinienhaine über Stock und Stein entlang weißer Kalkkliffe mit viel Ausblicken auf die Bucht von Triest. Dazu sind wir mit dem Bus entlang der Küste gefahren, vorbei an vielen Stränden und Badestellen. Und um den Tag noch so richtig abzurunden, war ich am kleinen Hafen von Sistiana in einer Bucht dann auch noch schwimmen.

Probleme, mit der Stadt warm zu werden, hatte ich also keine. Triest hat seine wunderschönen Ecken – und seine Schmuddelecken, denen selbst ich den morbiden Charme absprechen würde. Und auch vieles dazwischen. Ich würde gern noch einmal zurückkehren, mir all das noch ansehen, was ich nicht „geschafft“ habe und mich am Leben in den Gassen und auf den Plätzen erfreuen. Viellleicht steht dann auch das überall beschriebene Top-Highlight, das Castello di Miramare mit seiner Gartenanlage, auch auf meinem Programm. Aber auch nur vielleicht, es gibt noch viele andere, nicht so bekannte Seiten von Triest zu entdecken.

Wir hatten viele Alternativen erwogen und uns dann am Ende für den Flixbus entschieden. Der kürzeste Weg führte uns via Prag durch Österreich und Slovenien bis nach Triest. Der Bus fährt über Nacht, sodass wir morgens um 10 im schönsten Sonnenschein einen leckeren Espresso am Canal Grande di Trieste genießen. Okay, der Canal Grande in Venedig mag größer und eindrucksvoller daherkommen, doch die vielen, gut besuchten Cafés am Rande des Kanals waren ein guter Einstieg in die Urlaubswoche. Und nach einer Woche hieß es dann wieder Abschied nehmen. Nach Hause ging es dann auch wieder entspannt mit dem Flixbus, auch wieder über Nacht. Natürlich kann man auch mit der Bahn in gut 12 Stunden über München, Villach und Udine nach Triest reisen. Oder mit dem eigenen Auto durch Österreich und Slovenien. Oder fliegen. In Triest selbst kann man fast alles zu Fuß erreichen oder die Stadtbusse nutzen (Trieste Trasporti).

Übernachten ist in Triest in allen möglichen Preislagen möglich: Vom Zeltplatz über Hostels, Guesthäusern bis hin zu Hotels oder Privatunterkünften gibt es alles. Ich habe in einem kleinen Hotel, eher ein Art Guesthaus, mitten in der Stadt mein Lager aufgeschlagen, mit kurzem Weg zur Mole, inklusive Sonnenuntergang an fast jedem Abend – und einem echt leckeren Frühstück!

Ich bekenne: Ich liebe italienisches Essen und habe es genossen, an jedem Abend etwas anderes auszuprobieren. Am liebsten dort, wo auch die Gäste italienisch sprechen und nicht nur nach Touristen aussehen. Doch wer im Urlaub die Abwechslung sucht: Triest ist groß genug, dass man auch anders essen kann.

Kleine Anmerkung: Bequemes Schuhwerk ist etwas Feines, wenn man die Stadt zu Fuß erkunden will. Es gibt fast immer einen kurzen geraden Weg nach oben – über Treppen und Treppen und Treppen. Oder man geht die steilen Straßen in Serpentinen nach oben. Und auch wieder nach unten.

Zweite kleine Anmerkung: Immer die Augen (und Ohren) offen halten. Generalstreik in Italien heißt dann auch wirklich, dass nichts mehr geht. Kein Zug, kein Auto, kein Bus, kein Flieger, keine Fähre …  allein im November 23 werden es 5 große Streiks sein, die bereits angekündigt sind. Meine Rückreise war genau einen Tag, bevor nichts mehr ging für gut 24 Stunden. Puh!

Es kommt darauf an, was man machen möchte: Wer Sonne und Wärme liebt, sollte sich in den Sommermonaten auf den Weg nach Triest machen. Wer Regenbogen bewundern möchte, sollte im Mai/ Juni oder im Herbst an die Adria fahren; Regen und Sonne sind dann die ideale Voraussetzungen für einen Spaziergang entlang des Regenbogens. Und wer das Meer in vollen Zügen genießen möchte, sollte von Juni bis September in den Süden fahren. Für mich war der Mai perfekt: Die Wassertemperatur ist gut für kurze Schwimmeinlagen in den Buchten, während die Luft noch frisch genug ist, dass ich es in der Sonne lange aushalten konnte.

Ansonsten gilt: In der Nebensaison lässt sich Triest ziemlich entspannt entdecken. Wer also die Chance hat, außerhalb der Ferien unterwegs sein zu können, sollte dies nutzen.

Neben den vielen aktuellen Informationen aus dem großen WorldWideWeb und den klassischen Reiseführern hat mich dieses Buch auf meiner Reise begleitet: „Triest für Fortgeschrittene – die Hafenstadt einzigartig erleben und schmecken (Reisen für Fortgeschrittene)“ aus dem Styria Verlag (1. Edition 2021). Ein etwas anderer Reiseführer, der für mich perfekt passt zu dieser Stadt: Die Autoren bemühen sich um den zweiten Blick auf die Stadt, weit weg von den ausgetretenen Pfaden, die einen sonst zum wunderschönen, überlaufenen Miramare oder all den anderen Hauptsehenswürdigkeiten führen, die in den klassischen Reiseführern oder online auf tripadvisor und Co. angepriesen werden.

 

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